Schwanger auf Djerba

by Anne Zietmann on 27. Mai 2012

Doppel D der BH Laden in Berlin

Schwanger-auf-Djerba-Reise-Schwangerschaft

Endlich Urlaub! In meinem Schwangerschafts-Reisebericht erlebst du Tag für Tag meinen Urlaub auf der tunesischen Insel Djerba hautnah mit. Bist du auch reif für die Insel? Oder brauchst du ein paar Tipps, auf was man als Schwangere im Urlaub so achten muss? Dann komm mit auf meinen Trip …

1. Tag

Es ist Freitag, der 11. Mai 2012. Ich bin in der 16. Woche schwanger – genauer gesagt 15 Wochen und 5 Tage (kurz: 15+5). Mein Schwangerschaftskalender-App zeigte mir an, dass es noch 170 Tage bis zum errechneten Geburtstermin (ET) sind. Das ist ja noch lange hin, denke ich mir … Im Moment ist es Mitternacht und wir, mein Freund und ich, versuchen noch ein wenig zu schlafen. Unsere Abflugzeit des Hinfluges von Berlin nach Djerba ist sehr früh. Um rechtzeitig beim Flughafen zu sein, müssen wir 02:00 Uhr nachts mit dem Nachtbus losfahren. Da wir vor wenigen Stunden noch auf der Comedy-Bühnenshow von Tommy Wosch waren, bleibt uns nur noch etwa eine Stunde Schlaf vor dem großen Aufbruch …

Nach dem Check-in am Flughafen gehe ich in die Flughafen-Toilette und betrachte meinen Bauch ausgiebig in einem Ganzkörperspiegel. Für unsere Wohnung haben wir uns leider noch keinen so großen Spiegel angeschafft, sodass ich das wachsende Größenverhältnis, von meinem Bauch zum Körper, mit meinem kleinen Kosmetikspiegel bisher nur wage, erahnen konnte. Ich bin sehr beeindruckt davon, dass man den Bauch schon so enorm sehen kann. Oder sehe ich mich selbst mit einem anderen Blick? Alle Freunde und Verwandten haben mir nämlich erst vor einer Woche bestätigt, dass man noch gar nichts sehen kann. Nun überlegte ich mir auf der Flughafen-Toilette ein kleines Experiment:

Im Urlaub kennt mich ja hoffentlich niemand und da würde mich echt mal interessieren, welche fremde Person mich wie, wann und wodurch als Schwangere enttarnt – ohne dass ich es vorher sage. Mein kleines Experiment konnte ab jetzt beginnen!

In wenigen Minuten können wir ins Flugzeug einsteigen und meine Kompressionsstrümpfe, die mir meine Ärztin dringend empfohlen hatte auf einer Flugreise zu tragen, drücken mir jetzt schon sämtliche Blutzufuhren im Kniebereich ab. Ich frage mich ernsthaft, ob diese Dinger wirklich eine Thrombose verhindern oder eine Thrombose hervorrufen werden?! Ich versuche tapferer durchzuhalten und bewege meine Beine so oft es geht, aber das Gefühl, keine Blutzirkulation mehr in den Beinen zu haben, macht mich wahnsinnig! Gleich, als wir auf Djerba in unserem Hotel ankommen, ziehe ich sie erleichternd aus und das Blut kann endlich wieder optimal fließen. Ich hatte sogar blaue Flecken von den Strümpfen an den Beinen bekommen …
Nach einer Zeitverschiebung von -1 h und kaum Schlaf legen wir im Hotelzimmer erst mal einen langen Vormittagsschlaf ein, wodurch wir fast noch das Mittagsbuffet im Hotel verschlafen, das nur bis 14:00 Uhr bereitsteht.

Strand-von-Djerba-DromedarNach dem Essen geht es dann gleich an den Strand. Ich creme mich mit Sonnencreme (LSF 50+) ein, was in der Schwangerschaft wichtig ist – vor allem im Gesicht. Manchmal nehme ich auch nur die Creme mit LSF 30. Das Gesicht schütze ich zusätzlich noch mit einem Hut und einer Sonnenbrille. Das ist optimal, um einem Sonnenbrand, Hitzeschlag oder einer schwangerschaftsbedingten Pigmentstörung der Haut vorzubeugen. Das Wasser ist uns noch zu kalt zum Baden, aber die Lufttemperatur ist schon ordentlich heiß. Mein Freund und ich liegen nichts ahnend am Strand und sind vertieft in unsere mitgebrachten Schwangerschafts- und Geburtsbücher, als plötzlich eine Hundepfote aus dem Nichts auftaucht und sich auf den Arm meines Freundes legt. Er will ständig kuscheln und gestreichelt werden (also den Hund meine ich), deshalb taufen wir ihn auf den Namen „Kuschli“. Wir sehen uns um, aber können nirgends den Besitzer des Hundes finden. Später merken wir, dass es sich wohl um einen einheimischen Strandhund handelt, der einsam von einem Touristen zum Nächsten läuft und sich von jedem ordentlich durchstreicheln lässt.

Kutsche-auf-DjerbaAuf dem Weg vom Strand zurück zum Hotel treffen wir einen Kutscher mit einer deutschen Frau in seiner Kutsche. Der Kutscher fragt uns, ob wir mit ihm Tagesausflüge machen wollen. Seine Ausflüge seien viel günstiger als die, die man im Hotel buchen kann. Die deutsche Touristin bestätigte uns dies und wir lassen uns die Handynummer vom Kutscher geben. Wir wollen es uns noch bis zum nächsten Tag überlegen. Nach einer Stunde Tennisspielen und anschließendem Abendessen fallen wir völlig erschöpft ins Hotelbett. An diesem ersten Urlaubstag hat mich noch niemand gefragt, ob ich schwanger bin oder sonstige Andeutungen gemacht – abwarten und Schwangerschaftstee trinken, sage ich beim Einschlafen zu mir.

2. Tag

Samstag, der 12. Mai 2012 – Schwangerschaftswoche 15+6. Wir schaffen es gerade so rechtzeitig zum Frühstücksbuffet, bevor es um 10:00 Uhr abgeräumt wird. Mir fällt auf, dass nach jedem Essen mein Bauch doppelt so groß ist wie sonst. Ich überlege, ob die anderen Hotelgäste und das Hotelpersonal vielleicht denken, dass ich einfach nur vom Essen immer einen solchen großen Bauch bekomme?! Ich selbst sehe es jedoch ganz deutlich. An den Wänden im Hotel sind sehr viele Spiegel angebracht und jedes Mal, wenn wir zum Essen gehen und wieder kommen, schaue ich mir im Vorbeigehen mein aktuelles Profil ganz genau an. Wahnsinn – alles scheint ununterbrochen zu wachsen, zumindest aus meiner Sicht. Wenigstens mein Freund bemerkt nun auch schon meinen kleinen Bauchansatz, den er bei jeder kleinsten Gelegenheit freudig zu streicheln beginnt …

Heute wollen wir einen Massagetermin machen. Idealerweise ist nur französischsprachiges Personal anwesend, das nicht einmal versteht, was eine „Hot-Stone-Massage“ ist. Mein Freund hatte nur Russisch und Englisch in der Schule und ich frage mich, wieso ich kein französisches Wort mehr herausbringe – und das nach fünf Schuljahren Französischunterricht. Es ist uns leider unmöglich einen geeigneten Termin mit dieser französischsprachigen Araberin zustande zu bekommen und wir gehen schwer enttäuscht wieder auf unser Zimmer. Als wir später zwangsläufig wieder an den Massageräumen vorbei laufen, überredet uns ein anderer deutschsprachiger Massagemitarbeiter doch noch einen Termin zu machen und wir handeln den Preis sogar auf fast die Hälfte runter. Einzige Bedingung dafür ist, dass wir am gleichen Tag noch nachmittags den Termin machen.

Vor der Massage gehen wir abermals am Strand spazieren. Dort treffen wir auf einen Turban tragenden Mann mit zwei Pferden, der irgendwie aussieht wie der Kutscher von gestern – ja wirklich, es ist der Kutscher von gestern. Er hat anscheinend mehrere Einnahmequellen, so wie es auch Selbstständige in Deutschland mit mehreren Standbeinen praktizieren. Gestern Kutscher, heute Cowboy, morgen Wüstentour-Führer. Wir sagen ihm bei der Gelegenheit gleich, dass wir gern morgen mit ihm in die Wüste und zu der besagten Oase fahren möchten. Da kommt uns eine entspannende Massage, vor so einem langen Tagesausflug, gerade richtig.

Ich bin schon besonders gespannt darauf, ob die Masseurin eventuell erkennt, dass ich schwanger bin – schließlich sieht sie ja etwas mehr von mir als die anderen Leute im Hotel. Aber auch sie bemerkt es nicht, oder sagt zumindest nichts zu mir, was natürlich auch an der Sprachbarriere liegen könnte. Halten mich alle nur für dickbäuchig oder achtet bloß keiner so richtig darauf? Am Abend bemerke ich nochmals einen heftigen Wachstumsschub meines Bauches. Wieder ein neuer Rekordbauchumfang. Schade, dass ich mein Maßband zu Hause vergessen habe.

3. Tag

Der Wecker klingelt um 06:00 Uhr – und das im Urlaub! Tja, wer in die Wüste will, muss früh aufstehen. Heute ist nicht nur Sonntag, sondern auch Muttertag, der 13. Mai 2012, somit sende ich liebe Grüße an meine Mutter :)! Es ist die Schwangerschaftswoche 16+0. Meine 17. Schwangerschaftswoche und der 5. Schwangerschaftsmonat beginnen heute. Wow, das hört sich echt viel an.

Der Kutscher holt uns und die andere deutsche Touristin, Angelina, diesmal mit einem geliehenen Auto ab – eine Stunde später als geplant fahren wir in Richtung Wüste. Er erklärt uns, dass arabische fünf Minuten in Wirklichkeit eine Stunde bedeuten, um seine lange Verspätung zu rechtfertigen. Uns macht das alles nichts aus – denn wir sind im Urlaub und haben alle Zeit der Welt. Wir sehen unterwegs sehr viel von Tunesiens Festland und fahren eine halbe Ewigkeit durch das Land. Um so dichter wir der Wüste kommen, umso ungemütlicher werden die Straßen. Riesige Schlaglöcher, Treibsand, Steine, Ziegen und Schafe umfahren wir in einem Affenzahn wie bei einer Hindernis-Rallye-Fahrt. Mein kleiner aber feiner Babybach springt in einer Dauerschleife auf und ab und von rechts nach links. Das Baby muss sich wie in einer Looping-Achterbahn fühlen. Ich halte mir oft den Bauch fest, um es in Grenzen zu halten. Ob er langsamer fahren würde, wenn er wüsste, dass ich schwanger bin? Aber was wäre dann mit meinem Experiment? Ich entscheide mich dazu, es weiterhin zu verschweigen, bis mich jemand darauf anspricht.

Wüstensand-SaharaDie Wüste und die darin liegende Oase haben wir dann nach vielen Stunden Autofahrt erreicht und sind sehr begeistert. Die holprige Fahrt hier hin hat sich wirklich gelohnt. In der Oase angekommen baden wir mit Angelina in einer Thermalquelle bei warmen 35°C. Ich denke, wenn meine Wassergeburt sich so gut anfühlt wie das Wasser – dann wird es ein Kinderspiel. Von der Oase aus können wir direkt in die Sahara laufen – der Sand ist unglaublich fein und hat eine rötliche Farbe. Wir nehmen als Erinnerung eine kleine Flasche voll Sand mit. Diese wollen wir unserem Baby zeigen, sobald es auf der Welt ist.

Im Halbdunkeln fahren wir im Eiltempo durch die Berge zurück. Ziegenhirten und Kutschen ohne Licht zwingen uns häufiger zu einem starken Bremsen, bei dem mein Bauch und Körper ordentlich durchgerüttelt werden. Der Kutscher, Nurdin, schafft es bis zum Hotel, obwohl der Tank fast leer ist und wir pausenlos auf der Gegenspur fahren. Bisher hat immer noch niemand bemerkt, dass ich schwanger bin – wobei mir die nette Frau an der Rezeption seit gestern Abend verdächtig oft auf den Bauch starrt. Was sie sich wohl denkt?

4. Tag

Heute ist Montag, der 14. Mai 2012 – Schwangerschaftswoche 16+1. Total erschöpft von der gestrigen Wüstentour beschließen wir einen ruhigen und erholsamen Relaxtag einzulegen.

Mini-Souk-DjerbaIn dem Mini-Souk, was so viel wie „kleiner Shop“ bedeutet, gebe ich eine besondere Bestellung für eine Halskette in Auftrag. Eine silberne Herz-Kette mit arabischer Schriftgravur, die einen männlichen und einen weiblichen Vornamen zeigt. Es sollen die beiden von uns ausgesuchten Namen, Jungen- und Mädchenname, für das Baby auf Arabisch draufstehen. Das Geschlecht steht natürlich schon längst fest, aber die bisherigen Untersuchungen konnten noch nichts belegen. Aber selbst wenn man bei der letzten Untersuchung schon etwas gesehen hätte – wir möchten uns die Überraschung noch bis zur Geburt aufbewahren. Mein Freund und ich haben vor ein paar Jahren mal einen Arabisch-Sprachkurs an der Uni belegt. Somit ist es für uns eine Leichtigkeit zumindest Eigennamen und Vornamen im Arabischen zu lesen.

Auf die Idee mit der Kette hat mich meine Oma gebracht. Sie versuchte krampfhaft unsere ausgesuchten Vornamen aus mir herauszuquetschen. Ich blieb hart und verriet nichts. Mit so einer Kette kann ich die Namen immer offen bei mir tragen, ohne dass ich die Namen verraten muss. In Deutschland habe ich nur sehr wenige flüchtige Bekannte, die arabisch lesen können – also besteht wenig Gefahr, dass es jemand vor der Geburt herausbekommt …

Zurück im Mini-Souk: Ich schreibe also dem Verkäufer in meinem Schönschrift-Arabisch beide Namen auf und schon ist er völlig irritiert und gleichzeitig begeistert, dass ich arabisch schreiben kann. „Morgen ist fertig“, sagt er in gebrochenem Deutsch zu mir. Ich freue mich schon jetzt wahnsinnig darauf, die Kette endlich in den Händen zu halten.

Den restlichen Tag verbringen wir mit Schwimmen, Yoga-Meditation und ausgiebigem Schlafen. Jedenfalls, bis die „Horrornacht“ beginnt … Mitten in der Nacht werden wir fast gleichzeitig wach. Wir hatten beide einen Albtraum und auf einmal geht mein Freund nichtssagend zum Schrank und schaut hinein. Er scheint etwas zu suchen. Ich frage: „Was ist denn los?“ Er meint: „Ich habe jemanden hier langlaufen hören!“ Zunächst denke ich, er hat einfach nur alles geträumt. Wir versuchen weiter zu schlafen und plötzlich höre auch ich das besagte Geräusch. Ich bekomme leichte Panik, weil es sich echt anhört, als wenn es direkt in unserem Zimmer ist. Vielleicht ein Tier unter dem Bett oder so? Wir machen das Licht an und suchen alles ab – ohne Erfolg. Wir vermuten, dass es von unserer Terrasse kommt. Immerhin liegt unser Zimmer im Erdgeschoss und jeder Mensch oder Tier könnte problemlos hereinmarschieren. Nach etwa einer halben Stunde merken wir dann, dass es unser Nachbar von oben ist, der mit seinen Badelatschen auf dem Balkon lang schlürft …

5. Tag

Heute ist Dienstag, der 15. Mai 2012 – Schwangerschaftswoche 16+2. Heute Vormittag gehen wir natürlich so schnell wie möglich zum Mini-Souk, um die Kette abzuholen. Ich bin völlig begeistert, als ich mir die Kette umlege und trage sie nun stolz durch die Gegend. Ich bin gespannt, ob mich jemand der arabischsprachigen Leute um mich herum auf die eingravierten Namen anspricht. Der Verkäufer jedenfalls fragt nicht weiter nach, denn er denkt höchstwahrscheinlich, dass es die Namen von mir und meinem Freund sind.

Am Nachmittag fahren wir in der Kutsche mit Nurdin (dem Kutscher), Angelina sowie Lubna & Fanny, zwei französischen jungen Frauen, zu einer traditionellen einheimischen Berber-Hochzeit, die für Touris als kleine Show zelebriert wird. Als wir ankommen, fragt uns Nurdin, ob wir heiraten wollen. Wir sagen natürlich: „Nein!“ Er meint: „Naja, ist nicht richtige Hochzeit – nur für Show!“ Wir lassen uns widerwillig überreden das Unaussprechliche zu tun – zu heiraten! Ein alter Mann nimmt uns mit, hinter die Bühne und verkleidet uns als Berber-Ehepaar mit traditioneller Hochzeitskleidung. Danach werden wir vor applaudierendem Publikum auf die Bühne geholt. Alle klatschen, jubeln und machen lauter Fotos. Ich fühle mich wie eine berühmte Touristenattraktion, die nur einmal im Monat für 10 Minuten auftaucht und dann wieder verschwindet. Eine tolle Bühnenshow startet und zum Glück müssen wir nur auf einem Stuhl sitzen und ins Publikum lächeln …

Als Nurdin meine Kette entdeckt, liest er die Namen darauf laut vor. Er schaut etwas verwirrt, fragt aber nicht weiter nach, obwohl er eigentlich weiß, dass es nicht unsere Namen sind. Was er sich bloß in dieser Situation gedacht hat? Nach dem Ausflug machen wir noch einen Abstecher in ein kleines Shisha-Café. Nurdin fordert mich einige Male dazu auf, dass ich auch mit Shisha rauche, aber ich sage: „Nein, das geht gerade nicht.“ Er versteht nicht ganz wieso und ich sage zu Angelina, dass ich im Moment nicht rauchen kann, weil ich schwanger bin. Ich glaube sie hätte es eh nicht mehr selbstständig herausbekommen und sie war auch nur noch wenige Tage auf Djerba. Somit konnte ich es ihr wenigstens vor ihrer Abreise noch erzählen.

Lubna & Fanny können kein Deutsch sprechen oder verstehen, also bekommen sie von dem Gespräch nichts mit, obwohl sie direkt danebensitzen. So konnte mein kleines Experiment weiter laufen, dennoch mache ich mir mittlerweile nur noch wenig Hoffnung, dass es jemand bemerkt. Ich spiele mit dem Gedanken das Experiment komplett abzubrechen …

6. Tag

Heute ist Mittwoch, der 16. Mai 2012 – Schwangerschaftswoche 16+3. Am Vormittag machen wir einige Sport-Spiele mit den Hotelanimateuren und schwimmen im Pool. Als wir in unser Hotelzimmer gehen wollen, kommt die nette Frau von der Rezeption und sagt: „Sie müssen in anderes Zimmer, weil ihr Bad kaputt. Neues Zimmer mit Meerblick!“ Wir müssen also schnell in ein anderes Zimmer umziehen, weil in unserem Bad eine kleine Überschwemmung ist.

Krokodile-auf-DjerbaDanach fahren wir mit der Kutsche zu einer Krokodil-Farm mit ca. 400 Krokodilen, die gerade gefüttert werden, als wir in der Farm ankommen. Das ist ganz schön brutal, wie die Krokodile auf engstem Raum schon übereinander liegend gierig auf das nächste große rohe Fleischstück warten, das sie mit ihrem Maul fangen. Die Krokodile sind eher grobmotorisch veranlagt, und so wurde bereits manch einem Krokodil das ein oder andere Körperteil aus Versehen abgebissen. Das können wir gut beobachten an ein paar fehlenden Zehen oder Ähnlichem. Mein Freund findet es am aufregendsten von uns allen. Er geht wahnsinnig gerne in Zoos und Tierparks, deshalb fragt er sich nun, wie es wohl wäre, wenn unser Baby die vielen Krokodile jetzt auch sehen könnte. Bis zum ersten gemeinsamen Ausflug in den Berliner Zoo wird es noch ein paar Monate dauern und man kann die Vorfreude darauf schon in seinen funkelnden Augen erkennen.

Anschließend fahren wir weiter zur blauen Lagune. Auf der Fahrt dorthin wird mein Bauch wieder ordentlich durchgeschüttelt. Irgendwie habe ich mir die blaue Lagune anders vorgestellt. Nicht wie im Film „Die blaue Lagune“ sieht das Wasser aus, sondern es wirkt eher wie ein großer flacher See. Um auf die andere Seite zu kommen, fahren wir mit der gesamten Kutsche ca. 200 Meter quer durch den See – also durch die blaue Lagune. Das Wasser ist zwar nur knietief, aber es ist trotzdem unglaublich! Ein Auto hätte schon längst seinen Geist aufgegeben, aber das Pferd blüht jetzt erst richtig auf und zieht uns mit der Kutsche ans andere Ufer …

7. Tag

Heute ist Donnerstag, der 17. Mai 2012 – Schwangerschaftswoche 16+4. In Deutschland feiern heute alle Himmelfahrt und fahren mit dem Fahrrad durch die Gegend. Ich fahre heute mit meiner Hand einfach nur über meinen Bauch. Meine Hebamme hat mir beim letzten Treffen gezeigt, wie man die Gebärmutter von außen am Bauch abtastet. Das mache ich jetzt regelmäßig, um alle Veränderungen schnell mit zu bekommen. Gemütlich am Strand liegend taste ich alles genau ab und merke, wie groß meine Gebärmutter schon ist. Ich lege nun häufig meine Hand auf meinen Unterbauch, um eventuell ein Strampeln des Babys zu fühlen. Bis jetzt konnte ich, außer einem leichten Flatter-Gefühl im Inneren, keine eindeutigen Bewegungen mit der Hand erfühlen …

Beim Zähneputzen merke ich, dass ich Zahnfleischbluten habe. Augenblicklich erinnere ich mich an die wahren Worte meines russischen Zahnarztes: „In Schwangerschaft immer Parodontitis – immer!“ Zum Glück habe ich meine zahnfleischstärkende Zahnpasta mitgenommen.

Das Buffet im Hotel bietet immer eine große Auswahl an warmen Speisen sowie auch an Salat und Früchten. Da ich mich vor dem Urlaub nicht auf Hepatitis A aufgrund der Schwangerschaft impfen lassen konnte verzichte ich sicherheitshalber den gesamten Urlaub auf ungekochte Nahrung wie Salat und geschnittenes Obst. Meine Hebamme hat mir vor der Reise geraten nur Durchgekochtes oder alles, was man schälen kann, zu essen. Aus diesem Grund muss ich für diese zwei Wochen täglich Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, um genügend Nährstoffe zu bekommen. Sich daran zu halten, fällt mir nun nach fast einer Woche schon sehr schwer. Ich esse sehr gerne Salat und Obst – erst recht, wenn es so schön angerichtet ist. So ein Mist, ich sehne mir jetzt schon den ersten Salat nach dem Urlaub herbei …

8. Tag

Heute ist Freitag, der 18. Mai 2012 – Schwangerschaftswoche 16+5. Morgens um 09:00 Uhr wartet bereits Nurdin mit der Kutsche auf uns. Wir lassen uns von dem Pferd bis Midoun schaukeln. Midoun ist die nächstgelegene Stadt und jeden Freitag ist dort der wöchentliche Markt. Ich möchte mir ein schönes Kleid kaufen, dass ich im nicht schwangeren sowie im hoch-schwangeren Zustand optimal tragen kann und auch noch gut aussieht.

Noch komme ich mit meiner normalen Kleidung sehr gut zurecht. Dank eines Geschenks von einer guten Freundin habe ich beispielsweise Nierenwärmer als Kombinations-Accessoire für mich entdeckt. Sie sind ideal in der anfänglichen Bauchwachstumsphase, aber auch allgemein sehr nützlich bei knappen Shirts und Hüfthosen. Wenn in der Schwangerschaft die Oberteile etwas zu kurz werden, bedeckt der Nierenwärmer die freiliegenden Stellen. Da ich im Laufe meiner Schwangerschaft auf drei Hochzeiten eingeladen bin, brauch ich dafür noch mindestens ein geeignetes Kleid.

Nun sage ich auch Nurdin, dass ich schwanger bin und deshalb ein besonderes Kleid suche. Er nimmt uns mit in ein Geschäft und ich probiere ein paar traditionell-arabische Kleider an. Mein Freund und ich erklären Nurdin, dass es schwierig ist, mit solch einer Kleidung in Deutschland bekleidet zu sein. Er akzeptiert unsere Sichtweise und wir suchen ein europäisch kompatibles Kleid auf dem Markt weiter. Zum Glück finden wir eins, das optisch europäisch genug aussieht und reichlich Platz für den Bauch lässt, aber auch ohne Babybauch sehr gut aussieht. Ich kaufe das Kleid für 30,00 Dinar (umgerechnet ca. 15,00 Euro) und bin überglücklich über diesen Glückstreffer auf dem Markt.

Am Nachmittag sind wir zurück im Hotel und wir versinken in einen tiefen Mittagsschlaf.

Ich träume, wie ich vor meinem Freund stehe und meinen Bauch befühle. Auf einmal strampelt das Baby im Bauch sehr stark in meinem linken unteren Bauchbereich. Ich nehme schnell die Hand von meinem Freund und halte sie an die Stelle. Er kann es dann auch spüren und wir freuen uns wahnsinnig darüber.

Dann wache ich auf. Nach diesem Traum werde ich noch aufmerksamer auf mein Gefühl im Bauch achten.

9. Tag

Heute ist Samstag, der 19. Mai 2012 – Schwangerschaftswoche 16+6. Wir verschlafen mal wieder fast das Frühstücksbuffet und hechten in den Restaurant-Bereich. Den Rest des Tages verbringen wir gemütlich am Strand und schauen abends in der Hotel-Lobby das Champions-League-Finale Bayern gegen Chelsea mit enttäuschendem Ausgang.

Nachts bin ich etwas aufgewühlt und kann daher schlecht einschlafen. Zur Beruhigung lege ich meine Hand wie so oft auf meinen Bauch, um eine eventuelle Bewegung zu erhaschen. Nach etwa 10 Minuten passiert das Unfassbare – ich fühle zwei kleine Mini-Tritte direkt hintereinander gegen meine Gebärmutterwand. Mein Freund schläft schon und ich kuschel mich glücklich an ihn an, mit freudiger Erwartung ihm morgen früh die gute Nachricht zu verkünden. Ob ich in meinem Traum von gestern Nachmittag unterbewusst geahnt habe, dass ich es sehr bald spüren werde? Nach dieser Erfahrung konnte ich sofort seelenruhig einschlafen.

10. Tag

Heute ist Sonntag, der 20. Mai 2012 – Schwangerschaftswoche 17+0. Gleich nach dem Aufwachen erzähle ich aufgeregt meinem Freund, was ich letzte Nacht erlebt habe. Er ist gleich hell begeistert und fängt auf der Stelle an meinen Bauch abzutasten. Leider spürt er keinen Tritt, aber er konnte ein Pulsieren fühlen. Ob das die Plazenta mit der Nabelschnur ist, deren Pulsieren bis nach außen bemerkbar ist? Das werde ich meine Hebamme beim nächsten Mal fragen. Am Strand liest mein Freund gerade ein interessantes Traumbuch, in dem es unter anderem über Träume und Traumdeutung während der Pubertät geht. Wir diskutieren spaßeshalber, wie wir unser gemeinsames Kind vor der Pubertät am besten aufklären würden … ein lustiger Gedankenaustausch!

11. Tag

Heute ist Montag, der 21. Mai 2012 – Schwangerschaftswoche 17+1. Gleich morgens nach dem Frühstück gehen wir zum Strand und trauen uns das erste Mal endlich ins Meer baden zu gehen. An den anderen Tagen waren entweder zu viele rote Quallen im Wasser oder der Wind zu kalt. Sobald wir im Wasser sind, haben wir viel Spaß beim Wellenbaden und wir ärgern uns schon fast ein wenig, dass wir nicht schon viel eher ins Meer gegangen sind. Die Wellen sind heute besonders hoch und stark. Mehrere Male werde ich komplett von den Wellen weggezogen. Wie sich das Wellenbaden wohl für das Baby gerade anfühlt?

12. Tag

Heute ist Dienstag, der 22. Mai 2012 – Schwangerschaftswoche 17+2. Wir machen einen wirklich sehr sehr langen Strandspaziergang, aber eine Inselumrundung haben wir nicht ganz geschafft. Nach dem Mittag fahren wir, arabische fünf Minuten verspätet, mit der Kutsche zum zweiten Mal zu der Berber-Hochzeits-Show nach Midoun. Mit dabei sind wieder Lubna & Fanny. Lubna reitet uns hinterher – wir fahren in der Kutsche zusammen mit einer kleinen schweizerischen Familie und Fanny, die einen heftigen Sonnenbrand vom Vortag hat.

Aloe-Vera-Pflanzen-DjerbaUnterwegs fallen mir die vielen riesengroßen Aloe Vera Pflanzen am Straßenrand auf. Ich möchte gern Fanny mit ihrem Sonnenbrand helfen und bitte Nurdin aus diesem Grund kurz anzuhalten. Ich versuche mir ein Blatt einer der Pflanzen ohne Hilfsmittel abzubrechen, aber sie sind einfach zu zäh und haben ganz schöne Stacheln. Nurdin hilft mir und sägt mir mit einem Stein ein etwa ein Meter langes Aloe Vera Blatt ab. Ich staune nur und bin gespannt, wie es von innen aussieht. Im Gegensatz zu den medizinischen Aloe Vera Pflanzen, die ich kenne, haben diese hier keinen flüssigen geleeartigen Inhalt, sondern nur feuchte Sehnen, wie eine Mischung aus Spargel und Rhabarber. Ich bin zunächst erst enttäuscht, doch möchte es dann trotzdem auf Fannys Sonnenbrand ausprobieren. An der abgetrennten Seite hat das Blatt nun eine offene Stelle, die man ähnlich wie einen übergroßen länglichen Deo-Roller benutzen kann. So stehe ich also mit dem ein Meter langem Aloe Vera Blatt vor Fanny und streiche ihr mit dem Riesenblatt die Beine komplett von oben nach unten ein. Die anderen schauen mir erstaunt dabei zu. Es muss ziemlich komisch aussehen, wenn jemand mit einem Riesen-Blatt in den Händen Kniebeugen vor einer anderen Person macht. Ich selbst probiere es nur an einer kleinen Stelle an meinem linkem Arm aus, wie sich diese Aloe Vera Pflanze auf der Haut anfühlt.

Wir fahren nun weiter in der Kutsche und auf einmal bemerke ich, wie diese Stelle an meinem linken Arm extrem zu jucken anfängt. Ich habe den Inhalt unserer Aloe Vera Pflanze aus Deutschland schon etliche Male auf meiner Haut aufgetragen und es ist mir immer gut bekommen. Ich bemerke, wie Fanny damit beginnt sich heftig an ihren Beinen zu kratzen. Mein Freund verdreht schon die Augen und meint: „Na das haste ja wieder gut hinbekommen!“ Ich bekomme schon ein schlechtes Gewissen und Frage Fanny, ob alles in Ordnung ist. Sie kann bloß französisch sprechen und ein nur wenig Englisch, daher verstehe ich sie meistens sehr schlecht. Fanny versucht sich nichts anmerken zu lassen und meint sogar, dass es etwas geholfen hat. Aufgrund des Juckreizes muss sie es dann unterwegs auf der Kutsche mit ihrem Trinkwasser abwaschen …Upps… Zumindest hat sie nun keine Sonnenbrandbeschwerden mehr.

13. Tag

Heute ist Mittwoch, der 23. Mai 2012 – Schwangerschaftswoche 17+3. Gleich morgens sehe ich den rot gepunkteten Hautausschlag an meinem linken Arm, an dem ich gestern die Aloe Vera Pflanze aufgetragen habe. Ich bekomme einen kleinen Panikanfall und male mir schon aus, wie Fannys Beine jetzt wohl aussehen werden.

Wir fahren heute mit Lubna & Fanny mit einem Piratenschiff und treffen uns gleich zur Abfahrt dorthin. Ich hoffe, dass der Ausschlag von was anderem verursacht wurde – doch dann bekomme ich gleich richtig Panik. Ich – schwanger auf Djerba – mit einer Lebensmittelvergiftung? …Ahhhh! Zum Glück ist es unser vorletzter Urlaubstag und wir sind bald wieder in Deutschland. Erst mal abwarten, ob es nicht von alleine wieder weggeht. Als wir uns dann mit den beiden Mädels treffen, bin ich froh, dass ich an Fannys Beinen keinerlei Ausschlag erkennen kann.

Auf dem Piratenschiff angelangt, erleben wir alle eine aufregende Seefahrt zu einer unbewohnten Insel. Die eine Seite der Insel ist zum Anlegen mehrerer Schiffe vorgesehen und die andere zum Baden, erklärt uns ein Pirat. Er sagt weiter: „Achtung im Wasser sind Haie! Ihr braucht aber keine Angst haben – die beißen nur die Franzosen!“ Als er das eben Gesagte abermals auf Französisch übersetzt, sagt er natürlich, dass die Haie nur die Deutschen beißen …
Wir laufen zum Strand auf die andere Seite und auf einer Strecke von knapp 500 Metern werden wir gefühlte 20 Mal angesprochen, ob wir Quad fahren wollen, Muschelketten kaufen, Pferd oder Dromedar reiten wollen. Die Insel hat zwar keine einzige Pflanze und auch keinen Baum, dafür aber massenhaft fliegende Händler aller Art. Eine Gewerbe-Botanik in ihrer vollen Blüte sozusagen. Einige Zeit später liegen wir dort am Strand und Lubna möchte uns eine Muschelkette als Andenken schenken und wir suchen uns jeweils eine, aus dem großen Angebot des vor uns knienden Händlers, aus. Mein Freund sucht sich als Tierliebhaber natürlich eine mit einem Tier-Anhänger raus – war ja klar. Wir freuen uns über das Geschenk von Lubna und sagen ihr: „Merci Beaucoup!“

Anschließend gehen wir zu dem vorbereiteten Mittagessen der Piraten unter einer Art großem Zelt. Es läuft etwas Frauen diskriminierend beim Essen ab. Beispielsweise müssen zwei Frauen jeweils von einem Tisch aufstehen und die Buffet-Platten zu den Tischen im Essenszelt tragen – aber die Männer von jedem Tisch sollen sich zu erst etwas zum Essen holen. Die Piraten ernten Buhrufe von den Frauen und meinem Freund ist es schon unangenehm, da er der einzige Mann an unserem Tisch ist mit fünf Frauen. Irgendwie scheint dann doch noch alles beim Essen zu klappend.

Danach führen die Piraten noch eine einstudierte Comedy-Nummer auf, in der sie sich über die Verhaltensweisen von deutschen, französischen und italienischen Touristen auf Djerba lustig machen – alles immer auf allen Sprachen übersetzt. Ich frage mich wie die Leute auf Djerba das machen? Sie können fast alle drei bis fünf Sprachen sprechen – Arabisch als Muttersprache, Französisch als Hauptpflichtfach in der Schule, Englisch als Weltsprache. Deutsch und Italienischen bringen sie sich durch die vielen Touristen meistens selbst noch bei. Eigentlich müsste Englisch als Fremdsprache ja völlig ausreichen, finde ich, aber scheinbar können leider nur wenige Franzosen und Italiener die englische Sprache richtig. Somit mussten sich die Einheimischen wohl daraufhin anpassen …

14. Tag

Heute ist Donnerstag, der 24. Mai 2012 – Schwangerschaftswoche 17+4. Nurdin hat uns heute bei seinen Eltern im Haus zum Mittagessen eingeladen. Es sind wieder dabei: Lubna & Fanny, die Schweizer Familie und wir. Alle sind sehr gespannt und freuen sich über Nurdins Einladung. Schließlich bekommt man ja nicht jeden Tag ein Angebot zu einem heimischem Essen auf Djerba. Diesmal warten wir sogar arabische 7 ½ Minuten bis uns Nurdin mit der Kutsche abholt.

Unterwegs bekommen die Schweizer das erste Mal mit, dass ich schwanger bin, weil Nurdin oft zu mir sagt, ich müsse jetzt für zwei essen. Ich erkläre ihm, dass das nicht nötig ist und man schon von alleine in der Schwangerschaft zunimmt. Er versteht es nicht ganz und meint, dass auf Djerba alle Frauen ganz viel zunehmen wollen und müssen, wenn sie schwanger sind.

Die Schweizerin, die eigentlich aus Ungarn kommt und ihr Schweizer Mann, der eigentlich aus Kroatien kommt, haben einen 2 ½ jährigen Sohn, der nur ungarisch und kroatisch sprechen kann. Sie sind erstaunt als sie mitbekommen, dass ich schwanger bin und sagen, sie hätten es überhaupt nicht bemerkt. Die Schweizer Frau aus Ungarn entschuldigt sich schon fast bei mir deswegen, vor allem als ich ihr erzähle, dass ich schon im 5. Monat schwanger bin. Sie sagt mir, dass man es bei mir noch fast gar nicht sehen kann. Hmm, ich sehe mich vielleicht doch mit anderen Augen? Oder es liegt daran, dass fremde Leute nicht wissen wie ich vorher aussah und der Vergleich fehlt, um es zu erkennen? Wie auch immer – mein Experiment scheint eindeutig gescheitert zu sein. Jedenfalls gab es keinen einzigen Fremden, der es von sich aus bemerkt hat und mich darauf angesprochen hat. Es ist schon witzig – als ich noch nicht schwanger war, wurde ich regelmäßig von Leuten gefragt, ob ich schwanger bin. Jetzt, als ich mal zwei Wochen lang darauf warte, passiert es natürlich nicht.

In Nurdins Elternhaus angekommen, werden wir sehr gastfreundlich empfangen und bewirtet. Das Essen ist lecker und original arabisch zubereitet. Auch Nurdins Vater kann sehr gut französisch und deutsch sprechen und unterhält sich abwechselnd mit uns. Seine Schwester und seine Mutter können nur französisch, aber man versteht sich auch so ganz gut und kann zur Not Nurdin oder seinen Vater übersetzen lassen…

Zurück im Hotel verabschieden wir uns von Nurdin, da es unserer letzter Ausflug mit ihm war. Es ist ein emotionaler Abschied – wir schenken Nurdin einen türkisen Turban und geben ihm Trinkgeld für das schöne Essen. Er sagt zu uns: „Das war eure erste Reise auf Djerba, aber nicht letzte. Kommt in ein paar Jahren mit Kind wieder.” In unseren Augen sammelt sich etwas Wasser. Wir winken der Kutsche zu, die sich Meter für Meter von uns entfernt. Anschließend gehen wir zurück ins Hotel an den Pool.

Am Hotelpool gebe ich Lubna & Fanny unsere E-Mail-Adresse und gleichzeitig möchte ich ihnen gern von der freien Menstruation erzählen, da Lubna mich schließlich schon einmal auf ihre Schmerzen diesbezüglich angesprochen hatte und ich dachte mir – das ist doch die Gelegenheit! Vermutlich hat in Frankreich noch keine Frau von der freien Menstruation gehört und so kann ich ein wenig Aufklärung ins Land bringen. Ich erklärte ihnen also auf Englisch kurz, wie und was die freie Menstruation ist und sage, dass sie sich meinen Blog-Artikel Menstruationsbeschwerden lindern online übersetzen können. Somit können sie den Text auch in ihrer Sprache verstehen und die Methode ohne Monatshygiene ausprobieren.

Als Lubna meine Erklärungen auf Englisch verstanden hat und realisierte, was mit der freien Menstruation gemeint ist, kriegte sie sich vor Lachen nicht mehr ein. Sie wälzte sich auf der Pool-Liege hin und her. Es war eine sehr heftige Reaktion und ich musste einfach nur mitlachen. Nach ca. 10 Minuten hatte sie sich wieder beruhigt und konnte auch Fanny alles auf Französisch übersetzten, da diese so gut wie nichts verstanden hatte. Ich bin gespannt, ob sie sich den Artikel wirklich übersetzen und durchlesen werden. Später verabschiedeten wir uns und sie wünschen uns nur das Beste für uns und das Baby.

15. Tag

Heute ist Freitag, der 25. Mai 2012 – Schwangerschaftswoche 17+5. Mein Schwangerschafts-App sagt mir nun, dass es nur noch 156 Tage bis zum errechneten Geburtstermin sind. Die 14 Tage sind echt schnell vorbei gegangen. Auf dem Flughafen von Djerba liest der letzte Einheimische während der Sicherheitskontrolle die Vornamen auf meiner Kette laut vor. Auch er denkt, dass es sich um die Namen von mir und meinem Freund handelt. Das denke ich mir zumindest, während ich freundlich nicke und ihn dabei anlächle.

Der Rückflug startet pünktlich 08:40 Uhr morgens. Lustigerweise wird im Flugzeug eine „Leben-mit-Kinder-und-Schwangerschafts“-Komödie gezeigt – wie ironisch. Der Flug ist sehr ruhig und entspannend. Zwischendurch fühlen mein Freund und ich immer meinen Bauch ab, um eventuelle Bewegungen und Reaktionen des Babys auf den Flug zu erfühlen. Es bewegt sich relativ viel – vor allem als das Flugzeug ungefähr über Dresden abrupt ständig an Höhe verliert, schlägt es scheinbar im Bauch Purzelbäume. Mein Freund kann diese leichten Bewegungen leider noch nicht richtig spüren. Uns wird langsam ein wenig übel und ich kämpfe mit dem Brechreiz. Etwa nach 15 Minuten kommen wir zum Glück heil unten an und der Urlaub ist nun offiziell vorbei. Alles in allem war es eine sehr schöne Schwangerschaftsreise mit tollen Leuten und interessanten Erlebnissen. Ich bin sehr froh die Reise noch vor der Geburt erlebt zu haben …

Grafiken und Text von Anne Zietmann

Mit diesem Beitrag nehme ich an der Blogparade zum Thema „Meine schönste Reiseerinnerung” auf http://blog.reiseworldtv.de teil.

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