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Hebammendemo – warum Eltern und Kinder auf die Straße gehen

Hebammen Demo

Hebammen Demo vom 17.12.2014 in Berlin

Meine Impressionen von der Hebammendemo vom 17.12.2014, bei der ich wie viele andere Eltern für den Erhalt der Geburtshilfe in Deutschland kämpfte.

Es ist der 17.12.2014 als ich gemeinsam mit meinem zweijährigen Sohn und seiner Mutter/meiner Partnerin mit der U-Bahn zum Gesundheitsministerium, das sich direkt neben dem Friedrichstadtpalast befindet, fahre. Draußen ist es kalt und es regnet in Strömen – unter anderen Umständen wäre ich wohl zu Hause im Trockenen und Warmen geblieben. Doch heute geht es um etwas Wichtigeres als mein Wohlbefinden, es geht um uns alle – es geht um unsere Kinder und wie sie künftig geboren werden.

Für die Menschen, die es immer noch nicht mitbekommen haben, möchte ich die Lage kurz zusammenfassen: Die Versicherungsbeiträge der Hebammen sind ins Unermessliche gestiegen – über 6.000,00 Euro pro Jahr müssen sie bald abdrücken. Immer mehr Hebammen hängen ihren Job an den Nagel, da sich die Arbeit mit so hohen Kosten nicht mehr lohnt. Ab Sommer 2016 soll es gar keine Versicherung und keine Geburtshilfe mehr geben, da die Versicherungen keine Haftpflichtversicherung für Geburtshilfe, Schwangerenvorsorge- und nachsorge mehr anbieten. Doch was bedeutet das für uns alle? Auf Sylt, der größten norddeutschen Insel sehen wir die Auswirkungen dieser Politik aktuell schon sehr deutlich. Dort gibt es nun keine Hebammen und es gibt auch keine Geburtsstationen mehr. Frauen gebären ohne Hilfe allein (aus Versehen) und müssen im Ernstfall mit dem Hubschrauber ausgeflogen werden in eine andere Klinik hunderte Kilometer entfernt. Manchmal müssen die Frauen unter Wehenschmerzen Stunden warten bis wieder ein Hubschrauber zu Verfügung steht. Oft ist es dann schon zu spät und sie gebären in Not (fast) ohne Hilfe. Ihre Begleiter sind keine erfahrenen Hebammen – die hunderte Geburten im Jahr begleiten – nein es sind Geburtshelfer die gerade mal eine Eintagesausbildung haben. Viele Frauen werden ca. zwei Wochen vor der Geburt in eine Art Boardinghaus außerhalb der Insel auf das Festland gebracht, wo sie auf die Geburt warten. Die Ausstattung dieser Häuser ist nicht gut, dass Essen kommt aus der Mikrowelle – die Räume sind kalt… Infolge dieser Umstände steigt derzeit die Zahl der Notgeburten und die Kaiserschnittrate von sylter Frauen logischerweise in die Höhe und das in einem Land, das zu den wirtschaftlich stärksten Ländern der Welt zählt. Unglaublich, oder?! Doch es kommt noch schlimmer…

Viele denken, dass die Abschaffung der Haftpflichtversicherung für Geburtshilfe nur die Hebammen und Geburtshäuser betrifft, doch auch die in der Geburtshilfe tätigen Ärzte und Hebammen im Krankenhaus sind direkt davon betroffen, da diese natürlich auch versicherungspflichtig sind. Aus diesem Grund schließen deutschlandweit in den letzten Jahren immer mehr Geburtskliniken und die Wege werden für Gebärende immer länger und länger, die Versorgung und Betreuung vor Ort wird immer schlechter und schlechter. Tja und man kann sich bei dieser teuflischen Spirale leicht vorstellen, dass wir bald überall in Deutschland sylter Zustände haben. Schließlich haben allein nur in diesem Jahr über DREIHUNDERT (300!) Geburtskliniken geschlossen. Mit der geplanten weiteren Erhöhung der Versicherungsprämie wird es wohl noch schlimmer werden. Diese Fakten und noch mehr erzählt uns eine engagierte Mutter vor etwa hundert Eltern, die mit ihren kleinen Kindern und Babys in klirrender Kälte und bei Regen neben dem Bundesministerium für *hust, schnief, hatschi* „Gesundheit“ stehen. Gemeinsam haben wir mit unseren Kindern Laternen für den Erhalt der Geburtshilfe angezündet. Das schwache Licht soll zeigen, dass die Hebammen und die Geburtshilfe immer noch da sind und nicht kampflos aufgeben werden. Die Mütter haben Tränen in den Augen, die Kinder weinen wegen der Kälte. Dass Eltern mit so kleinen Kindern demonstrieren müssen, damit diese Politik beendet wird, lässt auch mir häufig die Tränen wie ein Bach aus den Augen fließen.

Damit die Kinder sich beruhigen und wir auch vorbei laufende Menschen mit unserer Demo erreichen – singen wir eine umgedichtete Version des Weihnachtsliedes „Oh Kinderlein kommet”, das ich hier einmal zitieren möchte:

„Ihr Kinderlein kommet,
oh kommet doch all‘
ohn‘ Hebamme kommet,
am Besten im Stall!

Der Staat lieber Banken
und and’res beschützt,
weil Kinder bekommen
wirtschaftlich nichts nützt

Die Kliniken schließen,
Hebammen hör’n auf,
Gesunde Geburten –
da pfeifen die drauf!
Viel besser ist alles
geplant im OP,
da tut es für Haftung
und Staat nicht so weh.

Wir Mütter und Väter
nehm‘ das nicht so hin,
Bring’n Licht in das Dunkel,
Hierher nach Berlin.
Wir lassen Euch wissen,
Wir geben nicht auf.
Und lassen nicht locker,
da wetten wir drauf.”

Etwas später übergeben wir einem Vertreter des Gesundheitsministers Gröhe tausende Postkarten in einer Box von Eltern und Familien, die ihre Wünsche für eine bessere Geburtshilfe aufgeschrieben haben. Und hier sieht man was ganz typisches für die deutsche repräsentative, demokratische Politik. Minderheiten werden unterdrückt und ignoriert und die eigentlichen Repräsentanten (Gesundheitsminister Gröhe) erscheinen nicht persönlich. Unsere Politik ist so volksnah, wie Obama hinter der Glasscheibe.

Was mich jedoch am meisten stört, ist die Art, wie unsere Medien arbeiten und berichten. Die meisten Menschen in meinem Umkreis haben NUR von mir erfahren, dass es ein Problem bei der Geburtshilfe gibt. Selbst nach der letzten Hebammendemo, wo tausende Eltern mit Kindern vom Reichstag bis zum Gesundheitsministerium zogen, die Straßen abgesperrt werden mussten, war das unseren Medien auf dem Regionalsender rbb gerade mal einen zehn Sekunden Spot im hinteren Teil der Hauptnachrichten wert. Die großen Sender wie ZDF, ARD, RTL oder ProSieben usw. halten das Thema scheinbar für nicht wichtig genug, um darüber zu berichten. Das ist wirklich eine Frechheit, finde ich. Familien sind halt in Deutschland mittlerweile eine Minderheit selbst in meinem Freundeskreis, ich bin über 30 Jahre, sind viele noch ohne Kinder. Es verwundert mich nicht, dass eine der beliebtesten Familiensendungen „Wetten dass”, nun auch abgesetzt wurde. Begründung: zu wenig Zuschauer. Angeblich war Markus Lanz und das Showkonzept Schuld – die Quoten sind allerdings auch schon unter Gottschalk gesunken. Vielleicht auch weil wir weniger Familien mit Kindern haben? Ich warte darauf, dass der Sandmann wegen geringer Einschaltquoten eingestellt wird. Das alles ist schon traurig genug, doch funktioniert die Demokratie bei einem solchen drastischen demografischen Wandel mit immer weniger werden Kindern und Eltern überhaupt noch?

Nicht wenige Eltern fordern mittlerweile ein Elternwahlrecht ein, sodass man nicht nur für sich, sondern auch für seine Kinder mitwählen darf. Schließlich haben unsere Kinder in Deutschland keine Stimme mehr. Sie können sich nicht aussuchen, was mit ihnen passiert. Sie müssen sich dem System beugen und der Schutz ihrer Eltern bei Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Beruf und vieles mehr wird immer mehr dezimiert. Das ist die bittere Wahrheit vor der wir alle nicht mehr die Augen verschließen können.

Schlimm ist, dass wir mittlerweile mehr über das Privatleben von Boris Becker wissen als über die wichtigen Themen in Deutschland. Selbst über die Ukrainekrise werden wir über die Medien nur unzureichend informiert. Es interessiert momentan mehr, was der Steuerbetrüger Hoeneß im Knast macht als wie es unserer Geburtshilfe in Deutschland ergeht. Es gibt nur einen Weg dieser Idiotie der Prominews etwas politisch Positives abzugewinnen. Was wäre, wenn ein wirklicher Star vor einem Millionenpublikum auspacken würde? Warum sagt eine Frau Schöneberger, die hochschwanger die Gameshow „Die Zwei” mit über 5 Millionen Zuschauern moderierte nicht mal was zum Stand der Geburtshilfe? Warum macht Til Schweiger keinen Film über die Hebammen, sondern über den Krieg in Afghanistan oder über Demenz? Zugegeben das sind auch wichtige Themen, doch wir brauchen mehr Prominente, die den Kult um ihre Person mal zum Aufrütteln der Deutschen nutzen. Besonders enttäuscht bin ich von Promis wie Dieter Bohlen oder Heidi Klum, die zahlreiche auch kleine Kinder haben und regelmäßig im TV sind. Lieber Dieter, liebe Heidi wie ist das krisengebeutelte Thema „Geburtshilfe in Deutschland” nur spurlos an euch vorübergegangen? Das ist doch alles verrückt – überall in der Klatschpresse verfolgen wir das Babyglück der Promis, doch niemand schreibt, wie es um die Geburtshilfe und die Schwangeren Vor- und Nachsorge wirklich steht?! Die Promis können sich schließlich die beste Geburtshilfe der Welt leisten und fliegen mal eben schnell in ein anderes Land.

Für meinen Geschmack sind wir einfach noch viel zu leise! Viel zu wenige in Deutschland können derzeit die Stimmen der Väter, Mütter, Hebammen und Ärzte hören.

Trotz allem gibt es Hoffnung, weil es einfach immer wieder unglaublich engagierte Menschen gibt, die für eine gute Sache kämpfen. Ein gutes Beispiel ist das Crowdfunding Filmprojekt „Hebammen in Not” von Nadine Peschel, die einen per crowdfunding finanzierten Film über die Geburtshilfe machen möchte. Besonders schön finde ich, dass nun im Januar 2015 mit der BKK die erste Krankenkasse zur aktuellen Situation der Hebammen und Geburtshilfe in Deutschland Stellung nehmen wird.

Ich werde das Projekt von Nadine Peschel in jedem Fall unterstützen, da wir einen guten objektiven Aufklärungsfilm zu diesem Thema dringend brauchen. Im Video könnt ihr euch selbst zu diesem Projekt eine Meinung bilden. Darüber hinaus hat auch das Bundgesundheitsministerium erste Reaktionen auf die Hebammendemos gezeigt. Ab dem ersten Juli 2015 werden zumindest Hebammen, die wenige Geburten im Jahr haben finanziell durch einen dauerhaften Sicherstellungszuschlag bei ihrer Krankenkasse entlastet werden. Das ist zwar wirklich noch keine Lösung, aber ein erster Anfang.

Für den Moment gilt es trotz der angespannten Lage nicht aufzugeben und weiter für die Hebammen und den Erhalt der Geburtshilfe in Deutschland zu kämpfen. Die Hebammen standen mir und meiner Partnerin bei der Geburt unseres Sohnes wie gute Freunde bei. Sie waren eine große Hilfe auch nach der Geburt bei der Nachsorge. Ich bin Ihnen so dankbar, dass ich für sie weiter kämpfen werde und ich hoffe die Menschen, die diesen Beitrag lesen auch. Aktuell laufen wieder Aktionen, die ihr auf der Website Motherhood oder auf Facebook unter „Rettet unsere Hebammen” unterstützen nachlesen könnt.

Weihnachtliche Grüße

sendet

Marcus Krahlisch

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{ 3 comments… add one }
  • 29. Dezember 2014, 21:59

    Danke für diesen tollen Beitrag und den Appell an die Medien, endlich zu berichten! Seit Monaten schreiben wir Leserbriefe und Informationsmails an Redaktionen/Fernsehsender.
    Es geht auch um die Qualitätssicherung in der Geburtshilfe, Gewalt in der Geburtshilfe (z.B. aufgrund von Zeit-/Personalmangel). Ja, müde, wütend, enttäuscht… aber irgendwie auch fassungslos betrachtet man nach so langer Protestzeit die Situation. Wann hat die Tagesschau mal darüber berichtet? Wo sind die gut recherchierten Artikel? Wo die intelligenten Kommentare in den Tageszeitungen? Jetzt „mal wieder“ ein kurzes „Aufbrausen“ zur Situation auf Sylt (die ja eben nur EIN Beispiel für die prekäre Gesamtlage ist) – Ja, aber dann… ?
    Es gehört auf jede Titelseite, dass 300 (!) Geburtshilfestationen, -kliniken und Geburtshäuser allein dieses Jahr geschlossen wurden! „Das Recht der Frau auf die Wahl des Geburtsorts wird maximal beschnitten. Das macht einen fast sprachlos“, sagt die Hebamme Jürgensen im Welt/Abendblatt-Artikel heute… Wo ist der Aufschrei?! Wo die Empörung! Ist es denn allen egal??? Die Maßnahmen des Bundesministeriums für Gesundheit gehen nicht weitgenug, suggerieren aber, die „wichtige Arbeit der Hebammen“ zu ‚unterstützen‘, beruhigen vielleicht mit wohlklingenden Maßnahmen ‚Präventionsgesetz‘ oder ‚Versorgungssicherungsgesetz‘ die Medien? Doch die Worthülsen sind keine echten Lösungen — (oder eben nur ein viel zu kleiner Anfang.) Was wird denn „langfristig gesichert“? Warum wird nicht einmal richtig Geld in die Hand genommen, um das Problem wirklich anzugehen und damit die Arbeitsgruppe der Bundesregierung auch sinnvoll arbeiten kann?
    – danke nochmals für diese klaren Worte eines Familienvaters.

    • Anne Zietmann
      30. Dezember 2014, 01:22

      Danke Mascha für deinen Kommentar. Wir sind auch total fassungslos über die gesamte Situation. Vor allem darüber wie wenig es die meisten Leute zu interessieren scheint teilweise… Echt schade.

      • Mascha Grieschat
        6. Januar 2015, 23:34

        Achtung! Die Zahl 300 ist z.Z. nicht genau belegt! Wir haben in verschiedenen Diskussionsgruppen versucht, genau nachzuvollziehen und zu sammeln, aber es fehlt an zuverlässigen Daten. Auf der sogenannten „Todesliste“ kommen ca. 150 geschlossene Einrichtungen/Kliniken/Stationen zusammen (Quellen: verschiedene Zeitungsartikel).
        Hier gibt es ’sichere‘ Infos – jedoch nur zu den Krankenhäusern – Quelle z.B. http://www.badische-zeitung.de/wirtschaft-3/viele-kliniken-finden-keine-haftpflichtversicherung – ‚gebloggt‘ hier: http://www.earthmom.de/geburtshilfe-unerwuenscht/ oder die Infos vom statistischen Bundesamt: „Im Jahr 2012 führten 760 von 2017 Krankenhäusern in Deutschland Entbindungen durch, das entspricht einem Anteil von 37,7 %. Im Vorjahr lag der Anteil bei 38,3 %.“ – Verschiedene Anfragen laufen, um ‚gesicherte‘ Daten zu erhalten.
        Auch ohne ganz genaue Zahlen ist der Trend der schließenden geburtshilflichen Einrichtungen erschreckend.