NFP App & Co. Interview mit Gründer von myNFP

Jeder der die symptothermale Methode anwendet, muss sich mit der regelmäßigen Eintragung und Auswertung von Temperaturkurven und Zervixschleim auseinandersetzen. Hierbei sind die technischen Möglichkeiten der Zykluseintragung am PC und Smartphone für viele Anwender besonders interessant. Unser Interviewpartner Christian Maas ist ein wahrer Experte auf diesem Gebiet, denn er betreibt mit myNFP.de eine sehr erfolgreiche Website, auf der man seine Zyklen online verwalten kann. Darüber hinaus hat er Apps für Android-Smartphones und das iPhone für die Zykluseintragung nach den Regeln der Arbeitsgruppe NFP entwickelt. Seid gespannt, was er euch über die technischen Möglichkeiten der Zykluseintragung und die Entwicklung einer solchen Website berichten kann.

Christian, derzeit wissen nur etwa 4 Prozent der Frauen in Deutschland von der symptothermalen Methode. Wie hast du als Mann von der symptothermalen Methode erfahren?

myNFP: In meiner damaligen Beziehung beschloss meine Freundin, die Pille abzusetzen und sich nach sicheren Alternativen umzusehen und ist dabei auf die symptothermale Methode gestoßen. Eine Bekannte von ihr meinte dann, dass es doch toll wäre, wenn es eine entsprechende Webseite gäbe, die die Regeln der Methode automatisch anwendet. Bis zu dem Zeitpunkt gab es nämlich keine Webseite, die das in vernünftiger Form bewerkstelligen konnte.

Zunächst hatte ich darauf nicht viel Lust. Nach wenigen Tagen hat mich dann aber die Neugier gepackt und ich wollte herausfinden, wie man in der Programmiersprache PHP eine Zykluskurve zeichnen kann. Zwei Wochen später stand dann der erste Prototyp von myNFP.

Als du 2006 damit angefangen hast erste Zyklen online zu verwalten, hast du da ernsthaft daran gedacht – dass sich daraus ein erfolgreiches Unternehmen entwickeln könnte?

Christian Korscheck: Bei Weitem nicht. Für mich war es lange Zeit ein Hobby-Projekt und ich hatte damit begonnen, um mir Fähigkeiten in der Web-Entwicklung anzueignen. Ohne es richtig zu merken, habe ich ganz nebenbei noch jede Menge andere Dinge gelernt – technische Dinge wie Serveradministration, Programmierung und Sicherheitsaspekte, aber auch Design, rechtliche Fragen, medizinische Details der symptothermalen Methode und eben auch unternehmerische Gesichtspunkte.

Was hat Dich damals angetrieben – eine der besten Online-Zyklusverwaltungen im Netz zu programmieren?

myNFP: Nachdem sich innerhalb weniger Wochen mehrere hundert Nutzerinnen auf der Seite angemeldet hatten, wollte ich einfach weitermachen und die vielen Verbesserungsvorschläge umsetzen, die von den Nutzerinnen gemacht wurden. Und natürlich fängt man bei einem solchen Projekt an, Verantwortung gegenüber seinen Nutzerinnen zu übernehmen. Die Seite offline zu nehmen oder sich einfach nicht mehr darum zu kümmern, war auf einmal undenkbar.

Für mich war und ist nach wie vor das treibende Element, dass die Entwicklung von myNFP sehr vielseitig ist. Auf der einen Seite steht die bloße Programmierung, auf der anderen Seite stehen Design, Support, Systemadministration, das Schreiben von Artikeln, Suchmaschinenoptimierung, Online-Marketing und vieles mehr. Das ist spannend und macht mir sehr viel Spaß.

Mittlerweile bist du ja sehr beliebt und du hast über 200 Facebook Fans und deine Blogs zählen über 70 Kommentare. Wieviele Frauen haben denn myNFP bisher genutzt?

myNFP: Über die Jahre kamen über 40.000 Nutzerinnen zusammen, die insgesamt mehr als 200.000 Zyklen mit Hilfe von myNFP ausgewertet haben. Anfangs vor allem Frauen mit Verhütungsabsichten, mit der Zeit aber auch viele Frauen, die myNFP nutzen, um erfolgreich schwanger zu werden. Diese sind natürlich nicht mehr alle aktiv dabei, aber es melden sich täglich neue Frauen an, um myNFP auszuprobieren und die symptothermale Methode kennenzulernen.

Zyklusdaten sind sehr private Daten – schließlich wird unter anderem eingetragen – wann man Sexualverkehr hatte. Wie sorgst du dafür das diese Daten nicht in falsche Hände gelangen?

myNFP: Die Sicherheit auf myNFP besteht aus zwei Aspekten. Auf der einen Seite stehen die technische und konzeptionelle Sicherheit, also das, was ich unternehme, um die Sicherheit der Webseite zu gewährleisten.
Auf der anderen Seite stehen die Einstellungen zur Privatsphäre, die durch die Nutzerinnen vorgenommen werden können. Jede Nutzerin kann selbst entscheiden, ob ihre Zykluskurven öffentlich einsehbar sind oder nicht und welche Daten Besuchern einer Kurve angezeigt werden sollen.

Ich habe während meines Informatikstudiums den Schwerpunkt auf IT-Sicherheit gelegt. Meine Diplomarbeit befasst sich mit der Sicherheit von Webseiten und typischen Schwachstellen. Anschließend habe ich als IT-Security Consultant gearbeitet und eine Vielzahl von Webanwendungen großer Unternehmen auf Sicherheitsschwächen hin untersucht (z. B. Online-Shops, Community-Portale, Steuersoftware etc.). Teil dieser Arbeit ist das Aufdecken von Schwachstellen, aber auch das Aussprechen von Empfehlungen, wie diese Schwachstellen zu beheben sind.

Ich denke, ich habe daher ein gutes Verständnis, wie eine Webseite abzusichern und gegen typische Angriffe zu schützen ist und habe sehr viele Sicherheitsmaßnahmen in myNFP umgesetzt.

Im Dezember 2010 hast du Dich entschieden aufs ganze zu gehen und die Zyklusverwaltung kostenpflichtig zu machen. Was hat Dich zu dieser Entscheidung bewogen?

myNFP: Ich habe mein Studium im Dezember 2010 beendet und mein Einstieg ins Berufsleben stand kurz bevor. Klar war, dass ich mich neben einem Vollzeitjob nicht in gleichem Maße um myNFP kümmern konnte. Ich wollte myNFP aber auch nicht einfach nur dahinplätschern lassen und den Support einstellen.

Also war die Entscheidung eindeutig: Es musste Kapital her, um Leute bezahlen zu können, die mich in meiner Arbeit unterstützen und wenn ich heute auf das Jahr 2011 zurückblicke, kann ich guten Gewissens sagen, dass es die richtige Entscheidung gewesen ist, da myNFP in dem Jahr einige tolle neue Features bekommen hat und darüber hinaus eine App für iOS und Android entwickelt werden konnte.

Außerdem bekomme ich immer wieder E-Mails von Frauen, die sich neu auf myNFP anmelden und mir mitteilen, wie froh sie sind, dass es die Seite gibt, da sie ihnen das Leben deutlich erleichtert.

Mittlerweile gibt es ja sehr viele kostenfreie Zyklusverwaltungen im Netz, warum lohnt es sich für eine Frau den Monatsbeitrag von zwei Euro zu bezahlen? Was kannst du den Frauen bieten, was sie nicht umsonst bekommen können?

myNFP myNFP bietet einige Features, die andere Zyklusverwaltungen im Netz nicht haben. Mir geht es insgesamt aber weniger um einzelne Features, sondern um das Gesamtkonzept und zwar, dass myNFP eine einfach zu bedienende Software ist, die die Benutzerin unterstützt, um ihr vor allem Zeit und Aufwand zu ersparen. Und das erfordert kontinuierliche Weiterentwicklung und Anpassung an technologische Fortschritte.
Die Zyklusdarstellung beispielsweise wurde im Juli 2011 vollständig überarbeitet. Vor zwei Jahren noch wäre die gleiche Umsetzung technologisch kaum möglich gewesen.

Es gibt auch kostenfreie Zyklusverwaltungen, die jedoch teilweise seit Monaten nicht mehr weiterentwickelt werden, die technisch veraltet oder in meinen Augen schwer zu bedienen sind.

Des Weiteren bietet myNFP insbesondere für NFP-Anfängerinnen ein rundes Paket: Die Zyklusverwaltung selbst, einen umfangreichen Wissensteil, der viele Aspekte der symptothermalen Methode erklärt und Tipps für den Einstieg gibt und eine Community, die bei Fragen und Problemen gerne weiterhilft.

Du bietest ja nicht nur die Online-Zyklusverwaltung an – sondern hast aktuell eine NFP App für das iPhone und Android Smartphones entwickelt! Kannst du kurz erläutern was diese können und warum es sich lohnt als Anwender ein solches NFP App zu kaufen?

myNFP Die iPhone-App ist eine Standalone-App für NFP. Das bedeutet, man kann sie nutzen, um den eigenen Zyklus auch unterwegs (offline) anzuzeigen und auszuwerten. Sie funktioniert ähnlich wie die Online-Plattform von myNFP, ist aber von den Features her nicht ganz so umfangreich.

Darüber hinaus hat die App eine Schnittstelle, um Daten zwischen dem iPhone und dem myNFP-Server auszutauschen. Auf diese Weise kann die iPhone-App auch einfach als praktische Eingabemöglichkeit für Unterwegs verwendet werden.

Die Android-App hingegen ist keine Standalone-App, sondern kann dafür genutzt werden, Zyklusdaten für die Webseite komfortabel einzugeben und offline zwischenzuspeichern, wenn man beispielsweise im Urlaub ist und keinen Internetzugang hat. Die Android-App ist übrigens kostenlos und jeder kann sie einfach herunterladen und ausprobieren.

Nun ist es nicht möglich für alle Handyanbieter ein NFP App zu entwickeln. Zumal für manche Smartphone Typen sicher zu wenige Interessenten zu finden sind. Wäre in diesem Fall eine Anpassung an alle mobilen Endgeräte sinnvoller und ist diese geplant?

myNFP: Die Webseite selbst kann nur bedingt für mobile Endgeräte angepasst werden. Insbesondere die Zyklusanzeige – das Kernstück von myNFP – ist klar für größere Bildschirme optimiert und lässt sich nur schwer für mobile Endgeräte anpassen. In der iPhone-App mussten wir daher auch Abstriche bei den Eingabemöglichkeiten machen, sonst wäre das Kurvenblatt für den kleinen Bildschirm hoffnungslos überladen.
Da der Trend jedoch ohnehin zu hochauflösenden Displays geht (Stichwort: Retina-Display auf dem iPhone und anderen Smartphones) und diese Smartphones oft eine sehr praktische Zoom-Funktionalität bieten, ist derzeit keine explizite Anpassung für mobile Endgeräte geplant und bald ohnehin nicht mehr notwendig.

Auf einem deiner Webseiten hast du Dir den Anspruch gesetzt – die komfortabelste Zyklusverwaltung zu sein – und ständig an der Verbesserung zu arbeiten. Bisher gibt es noch keine Zykluseintragung und Auswertung für Frauen in der Stillzeit. Wird myNFP.de das ändern?

myNFP: Das ist definitiv eines der Features, das seit geraumer Zeit auf der TODO-Liste steht. Leider lässt sich nicht alles sofort umsetzen und derzeit haben andere Features Vorrang. Ich will die Umsetzung nicht ausschließen, kann aber auch nicht sagen, wann die Auswertung von Stillkurven möglich sein wird.

Die myNFP App für das iPhone bietest du ja schon zweisprachig in Englisch und Deutsch an – die Online-Zyklusverwaltung ist nach meinem Kenntnisstand nur in deutscher Sprache nutzbar. Hast du schon über eine zweisprachige Gestaltung deiner Website nachgedacht – oder ist das kein Thema?

myNFP: Das ist definitv ein Thema und ist derzeit besonders aktuell. Seit wenigen Wochen gibt es endlich auch die Möglichkeit, unterschiedliche Zeitzonen auszuwählen und eine vollständige Übersetzung der Webseite ist in Arbeit.

Leider gibt es insbesondere für den englischsprachigen Raum das Problem, dass es keine richtige Übersetzung DER symptothermalen Methode gibt, wie sie in Deutschland erforscht und verbreitet wird. Eine Variante ist die sogenannte Fertility Awareness Method (FAM), die jedoch in einigen Aspekten weniger strikt ist als die “deutsche” symptothermale Methode der NFP AG.

Ohne ein Grundlagenwerk wie Natürlich und Sicher oder NFP Heute ist es schwierig, international Fuß zu fassen, da man den Frauen zunächst erst die Methode erklären muss. In Deutschland kann man sich immer auf die Bücher berufen und darauf vertrauen, dass zumindest einige Frauenärzte bereits von der Methode gehört haben und die Frauen informieren.

So wir sind am Ende unseres Interviews angekommen – was für Herausforderungen siehst du für dein Unternehmen für die Zukunft und auf welche technischen Neuerungen von myNFP.de können sich die Anwenderinnen der symptothermalen Methode freuen?

myNFP: Die größte Herausforderung ist seit den Anfängen von myNFP, die symptothermale Methode selbst weiter zu verbreiten. Das ist ein langsamer und schleppender Prozess. Besonders gut erkennt man das daran, wonach viele Frauen im Internet suchen. Wenn Frauen schwanger werden wollen, ist ihnen klar, dass es fruchtbare und unfruchtbare Tage gibt. Viele haben jedoch die Vorstellung, dass man diese in irgendeiner Weise berechnen kann. Akkurater ist jedoch, dass man die fruchtbaren Tage anhand von Körpersymptomen bestimmt.

Die Frauen meinen das Richtige, verwenden für die Suche im Internet jedoch nicht die richtigen Begriffe und landen auf den typischen Seiten für Eisprungkalender und ähnliches, die jedoch allesamt ziemlich unnütz sind. Wenn man dann Artikel zu dem Thema verfassen möchte, muss man zum Teil eine Terminologie verwenden, die nicht typisch für die symptothermale Methode ist, um diese Frauen überhaupt erst einmal erreichen zu können.

Im Verhütungsbereich existiert leider ebenfalls jede Menge Halbwissen und da viele Frauenärzte nicht sehr viel Zykluswissen vermitteln sondern lieber die Pille verschreiben, ändert sich daran nur sehr langsam etwas. Immerhin: Mehr und mehr Frauen, die die Pille absetzen möchten, stoßen früher oder später auf NFP und erkundigen sich über die Methode.

An technischen Neuerungen gibt es vor allem viele Details, die nach und nach umgesetzt werden. Die Benutzerfreundlichkeit lässt sich fast immer weiter verbessern. Ich habe jedoch auch noch das ein oder andere Feature geplant, was ich jedoch lieber dann ankündigen möchte, wenn die Fertigstellung näher rückt.

Das Interview führte Marcus Krahlisch

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