Mein Geburtsvorbereitungskurs – Teil 2

Was macht man in einem Geburtsvorbereitungskurs? Mein Erfahrungsbericht von meinem Geburtsvorbereitungskurs Teil 2 bringt Licht ins Dunkel.

Wie beginnt die Geburt?

Der zweite Geburtsvorbereitungskurs fängt mit der Frage an, woran man denn merkt, dass die Geburt losgeht. Der Einwurf eines Mannes ist: „Wenn die Fruchtblase platzt!“ – „Ja, das wäre ein eindeutiges Zeichen. Wenn die Fruchtblase geplatzt ist, sollte man sich zügig auf den Weg ins Geburtshaus machen.“, erklärt die Hebamme. Eine der Schwangeren sagt, dass es auch einfach nur mit den Wehen anfangen kann. Uns wird erklärt, wie sich die Vorwehen im Vergleich zu den richtigen Wehen anfühlen, wie lange sie dauern und wie lange dazwischen Pause ist. Ich bin beruhigt als ich höre, dass man immer viel mehr Pausenzeit zwischen den Wehen hat als die Wehen andauern. Also eine starke Wehe dauert so ungefähr 1 ½ Minuten und bis zur nächsten Wehe sind dann etwa drei bis acht Minuten Pause. In der Zwischenzeit sollte man sich bestmöglich entspannen, um wieder fit für die nächste Wehe zu sein. Wenn die richtigen Wehen anfangen oder schon etwa alle fünf Minuten kommen, dann kann man langsam seine Hebamme anrufen – zumindest bei geplanten Haus- oder Geburtshausgeburten. Diese entscheidet dann am Telefon, den weiteren Ablauf. Im Falle einer geplanten Klinikgeburt sollte man schnellstmöglich ins Krankenhaus fahren.

Eine alte Tradition besagt:

„Wenn die Wehen losgehen, ist noch genügend Zeit, um einen Kuchen zu backen, der das Kind freudig empfangen wird!“
– Die Weisheit eines Kursteilnehmers –

Es wird weiter in die Runde geschaut, ob jemand noch ein anderes Anzeichen für die bald eintretende Geburt kennt. Ich erinnere mich an meine NFP Berater-Ausbildung, in der ich gelernt habe, dass es auch am Zervixschleim zu erkennen ist. Ich verkünde also laut: „Wenn der Schleimpfropf sich löst, geht es bald los.“ Alle anderen schauen mich entsetzt an, obwohl sie ja schon wissen, dass ich Körperbeobachtung mit Natürlicher Familienplanung (NFP) praktiziere. Die Hebamme gibt mir jedoch recht und meint, dass es eher ein vages Zeichen für den Geburtsbeginn ist. Er kann sich beispielsweise schon zwei Wochen vorher lösen oder erst während der Geburt. Ich selbst bin mir nicht ganz sicher, ob sich der Schleimpfropf wirklich bei manchen Frauen so lange vor der eigentlichen Geburt löst. Meiner Meinung nach beobachten die meisten Frauen ihren Zervixschleim einfach gar nicht und könnten den Schleimpfropf somit sehr schnell mit normalem Zervixschleim verwechseln. Der Schleimpfropf wird als durchsichtiger oder bräunlicher sehr zäher Schleim beschrieben. Weiterhin erzählen die Hebammen, dass bei Blutungen definitiv ein Arzt oder Hebamme hinzugezogen werden sollte. Das kann jedoch bei geringer Blutung völlig normal sein, wenn der Muttermund sich gerade zu öffnen beginnt. Außerdem kommt es wohl auch oft vor, dass sich der Darm vor der Geburt noch schnell entleert. Häufig berichten die Frauen von Durchfall, der in diesem Fall auch völlig normal ist und nur eine Art Geburtsvorbereitung des Körpers, um mehr Platz im Beckenbereich zu schaffen.

Der natürliche Geburtsablauf

Im Grunde gibt es drei Phasen der Geburt: die Eröffnungsphase, die Austreibungsphase und die Nachgeburt. In der Eröffnungsphase öffnet sich der Muttermund, die Wehen fangen eher sachte an und werden intensiver je weiter der Muttermund sich öffnet. Zum Ende hin werden bei den meisten Frauen die Wehenschmerzen sehr unangenehm – wenn das so ist, dauert es nicht mehr lange bis das Baby da ist. In der Austreibungsphase darf die Frau endlich selbst aktiv werden und mitpressen. Die Hebamme beschreibt es folgendermaßen: „Die Frau merkt ganz von alleine, wann sie mitpressen kann. Sie kann in dieser Phase nicht anders als zu pressen. Es fühlt sich so an, als wenn man eine Melone kackt. Ja – das beschreibt es nun mal am besten.“

Die durchschnittliche Geburtslänge beträgt 6 bis 8 Stunden.

Die Hebammen zeigen uns nun anschaulich mithilfe eines Modells, wie das Baby im Becken der Frau sitzt, sich durch das Becken nach unten bewegt und gleichzeitig demonstrieren sie mit verschieden-großen Kreisen welchen Durchmesser der Muttermund in den verschiedenen Geburtsphasen hat. „Wir tasten zwischendurch immer mal wieder den Muttermund ab, um zu wissen, wie weit er schon geöffnet ist.“ Ich erinnere mich nun daran, wie ich für die NFP Beratung einen Muttermund im offenem und geschlossenem Zustand nachbauen musste. Wieso zeigen die Hebammen uns nur solche komischen Kreise und kein Fühl-Modell, um sich das besser vorzustellen? Beim nächsten Kurstermin werde ich den beiden mal mein Modell zur Inspiration für ihre zukünftigen Geburtsvorbereitungskurse mitbringen und zeigen ;).

Weiterhin wird uns nun erklärt, wenn eine Geburt länger als 18 Stunden andauert ohne weiteres Voranschreiten, dass dann die Verlegung ins Krankenhaus möglich ist, da im Geburtshaus keine Geburt eingeleitet werden kann. Wenn es der Mutter und dem Kind gut geht, wird jedoch noch abgewartet. Die Hebammen versuchen alles möglich zu machen, dass es eine natürliche Geburt wird. Im Krankenhaus ist diese gute Absicht leider weitaus schwieriger umzusetzen. Die Kliniken und ihre Mitarbeiter müssen bestimmte Vorschriften einhalten. Dazu zählt zum Beispiel, dass nach einer festgelegten Anzahl von Stunden, die die Schwangere im Krankenhaus verbracht hat, die Geburt eingeleitet werden muss. Auch ein Kaiserschnitt wird den Frauen relativ früh im Geburtsverlauf angeboten, obwohl es in den meisten Fällen einfach nur individuell lange dauert. Eine Geburt funktioniert nun einmal nicht wie ein Uhrwerk und kommt somit in Konflikt mit dem strengen Krankenhaus-Ablaufplan. Ich selbst war von Anfang an schon von den Geburtshäusern begeistert, aber während ich diese Fakten von den Hebammen höre, bin ich noch überzeugter davon, im Geburtshaus zu entbinden. Wahrscheinlich gibt es deshalb in den Krankenhäusern so viele Kaiserschnitte und in den Geburtshäusern nur ganz wenige Frauen, die ins Krankenhaus zum Notkaiserschnitt gebracht werden müssen?!

Gut zu wissen:

Wenn das Baby mit der Fruchtblase auf dem Gesicht oder auf dem Kopf geboren wird, nennt man das: „Glückshaube“! In ganz seltenen Fällen kann es sogar vorkommen, dass ein Baby mit intakter Fruchtblase geboren wird, also die Fruchtblase die komplette Geburt übersteht und außerhalb der Frau aufgestochen werden muss.

Die Nachgeburt

Gerade als die Hebammen anfangen, diese Phase im Geburtsvorbereitungskurs zu besprechen, bekomme ich einen Schwindel-/Übelkeitsanfall. Das Aussehen und die Größe der Plazenta wird ausführlichst beschrieben und ich bin froh, dass ich währenddessen sowieso schon fast liege. Nach zwei Gläsern Wasser und Anlehnen an meinen Freund bekomme ich wieder ein bisschen Farbe im Gesicht. Interessant ist das Thema dennoch. Manche Paare manchen nämlich mit der Plazenta so einiges – zum Beispiel: im Garten vergraben oder etwas daraus kochen und dann essen. Einige Paar wollen sogar eine Lotusgeburt – in diesem Fall bleibt das Baby mit der Nabelschnur und samt Plazenta solange verbunden bis die Nabelschnur sich von selbst löst. Das dauert normalerweise so ein paar Tage und kann an heißen Sommertagen ziemlich unangenehm anfangen zu riechen, wenn man die Plazenta falsch behandelt. Auch das An- und Ausziehen des Babys macht eine Lotusgeburt zur echten Herausforderung. Demnächst führen wir ein Interview mit einer Frau, die eine Lotusgeburt hatte und uns von ihrer spannenden Erfahrung berichten wird.

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Wehen-Simulations-Übung

Nun geht es ans Eingemachte. Alle – auch die Männer – werden jetzt die Wehen simulieren. Ich bin total gespannt, wie das gehen soll. Alle müssen sich dazu hinstellen und in die Knie gehen und zwar so lange, wie eine starke Wehe dauert – also 1 ½ Minuten. Dann ist Pause für drei Minuten, in der wir uns über unser Empfinden während der Fake-Wehe austauschen können. Danach geht’s gleich wieder in die Knie. Nach dem vierten oder fünften Durchlauf fällt es den meisten schon sehr sehr schwer so lange in die Knie zu gehen. Im letzten Durchgang brauchen die Männer nun nicht mehr mitmachen, sondern sollen austesten, wie sie die Frau während ihrer Wehe unterstützen können und wie genau sie angesprochen werden möchte. Auch die Frauen sollen nun darauf achten, was ihnen während der Fake-Wehe hilft und was eher nervig ist in einer solchen Situation. Jede Frau hat schließlich ihre ganz persönlichen Vorlieben und das sollte man am besten herauszufinden, bevor der Ernstfall eintritt. Mein Partner testet alles mal aus – von ganz liebevollem zureden und Rückenmassagen bis hin zum Anfeuern. Am Ende darf jede Frau berichten, wie es für sie war. Natürlich empfand es fast jede Frau anders. Manche konnten es gar nicht ertragen angesprochen oder berührt zu werden. Wieder anderen taten Massagen besonders gut. Ich selbst empfand die Aktionen meines Partners alle ganz ok. Am wichtigsten war mir einfach nur, dass er bei mir ist und ich nicht allein bin. Ich stellte auch fest, dass ich mir selbst helfen kann, in dem ich mich rhythmisch mit kreisenden oder wippenden Bewegungen in der Position halte und lange ausatme. Gut zu wissen :D.

Besichtigung der Geburtsräume im Geburtshaus

„So – jetzt schauen wir uns die Geburtsräume an“, verkündete die eine Hebamme. Wir laufen den langen schmalen Flur im Geburtshaus bis zum Ende durch, um in den ersten Geburtsraum zu gelangen. Die Zimmer sind alle sehr gemütlich eingerichtet mit jeweils einem Doppelbett, freistehende Geburtsbadewanne, Geburtshocker und sonstigen Geburtsutensilien. Mein Freund und ich wollen gern wissen, ob man auch zu zweit in die Geburtsbadewanne darf und fragen dies nach. Die Hebamme sagt: „Natürlich könnt ihr das machen, wenn ihr da beide rein passt und dem Mann nicht irgendwann zu kalt wird, geht das. Denn die Wassertemperatur ist der Frau angepasst, der während der Geburt erfahrungsgemäß sehr warm ist – also wird das Wasser nur ca. 35-37°C haben. Wenn ihr wollt, könnt ihr hier gleich mal ausprobieren, ob ihr beide zusammen in die Wanne passt.“ Das lassen wir uns nicht zwei mal sagen und steigen angezogen nacheinander in die Geburtsbadewanne. Wenn der Mann mit in die Geburtsbadewanne möchte, muss er sich hinter die Frau setzen. Ich komme mir irgendwie sehr komisch vor bei dieser besonderen „Trockenübung“ – wir in der Wanne und alle anderen KursteilnehmerInnen staunend um uns herum stehend. Ich fühle mich dadurch etwas beobachtet, aber ansonsten ist die Geburtsbadewanne sehr bequem. Meine Vorfreude auf die Wassergeburt steigt :D. Nach der Wannenexpedition haben alle noch die Möglichkeit, die anderen Geburtsgegenstände einmal auszuprobieren. Einige setzten sich auf den Geburtshocker oder hängen sich an ein spezielles Seil, das an der Decke befestigt ist. Insgesamt ist es ein gelungener Rundgang durch alle drei Geburtsräume des Geburtshauses, die alle in etwa gleich eingerichtet sind. Die Geburtsräume haben sogar einen Fernseher, was ich zwar völlig überflüssig finde, aber anscheinend ist manchen Männern oder Frauen während der Geburt mal langweilig. Da ich und mein Freund nicht einmal zu Hause einen Fernseher haben, glaube ich nicht, dass wir bei der Geburt unseres Kindes damit anfangen werden. Aber wenn doch, sind wir hier auf alles vorbereitet. Mir ist es noch wichtig zu erfahren, ob man während der Geburt Kerzen aufstellen darf. Die Hebammen versichern mir, dass sie genügend Kerzen da haben und sie auch aufstellen, wenn das gewünscht ist. Meine Freude ist wieder groß. Ich frage mich, ob das alles in einem Kreißsaal im Krankenhaus auch möglich wäre? Ich vermute mal eher nicht.

Was kann der Mann während der Geburt machen?

Durch die Wehen-Simulations-Übung konnten die Männer aus dem Geburtsvorbereitungskurs schon einigermaßen einschätzen, was und wie sie individuell zur Unterstützung ihrer Frau während einer Wehe beitragen können. Nun lernen wir, was der Mann zwischen den Wehen machen kann. Die Hebammen zeigen uns eine Entspannungsübung, die wir zu Hause üben können und später auch zwischen den Wehen als Entspannungstechnik einsetzten können. Es ist sehr wichtig sich in den Phasen zwischen den Wehen bestmöglich zu entspannen, um für die nächste Wehe wieder ausreichend Kraft zu schöpfen. Bei der Entspannungsmassage liegt die Frau auf dem Rücken und der Mann streicht mit seinen Händen mit einer besonderen Technik die Arme, Beine, den seitlichen Rücken und den Hals ab. Es ist wirklich eine wohltuende schöne Entspannungsmassage, finde ich.

Beckenbodenübung

„Das Training des Beckenbodens ist eine sehr wichtige Geburtsvorbereitung. Es ist wichtig zu wissen, wie man die Beckenbodenmuskulatur anspannt und entspannt. Und das üben wir jetzt mal alle zusammen!“, lässt die Hebamme uns wissen. Alle müssen sich zunächst auf die am Rand stehenden Holzkisten setzen und zwar so, dass man die Sitzbeinhöcker spürt. Dann sollen wir alle die Beckenboden mit der Einatmung anspannen und mit der Ausatmung wieder entspannen. Nach ungefähr vier Ein- und Ausatmungen sollen wir den Beckenboden angespannt lassen und dabei normal weiteratmen. Sinnbildlich kann man sich vorstellen, wie die Sitzbeinhöcker durch das Anspannen immer mehr zueinander gezogen werden.

Infomaterial zur Geburt

Nun sind wir fast am Ende des Geburtsvorbereitungskurses angelangt und die Hebammen überreichen allen Paaren eine Zusammenfassung mit den wichtigsten Informationen zur Geburt, die heute besprochen wurden. Das kann man sich in Ruhe zu Hause nochmals durchlesen.

Tiefenentspannungsübung

Zum Abschluss machen wir noch eine Tiefenentspannungsübung, die auch wieder wunderbar später zwischen den Wehen eingesetzt werden kann. Alle suchen sich eine bequeme Liegeposition, das Licht wird gedämmt und beruhigende Musik angestellt. Die eine Hebamme liest etwas zur Entspannung vor. Die Übung dauert etwa zehn Minuten. Am liebsten würde ich nun noch viel länger liegen bleiben, so entspannt bin ich jetzt…

Fazit:

Besonders gut hat mir in diesem Geburtsvorbereitungskurs die Simulation der Wehen gefallen. Ich fand, dass es eindrucksvoll sowohl den Frauen als auch den Männern gezeigt hat, in welcher Stimmungslage man sich während einer Wehe befindet. Insgesamt also eine sehr gelungene Demonstration und Vorbereitung auf die Geburt. Mein persönlicher Tipp für das Beckenbodentraining ist Schwangerschaftsyoga. Wer schon Erfahrung mit Yoga hat, kann zu Hause mit einer begleitenden Schwangerschaftsyoga-DVD Übungen nach Anleitung durchführen. Yoga-Anfängerinnen würde ich zum Einstieg einen Schwangerschaftsyoga-Kurs anraten.

Im dritten Geburtsvorbereitungskurs geht es dann um eventuelle Komplikationen während der Geburt, das Stillen, das Wochenbett, eine (Fast)-Geburt und homöopathische Mittel. Außerdem werde ich berichten, wie die Hebammen auf meinen selbst gebastelten Muttermund reagieren.

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