Besser Lesen – Part I

Lerne in nur drei Wochen besser zu lesen d. h. deine Lesegeschwindigkeit und dein Textverständnis zu verdoppeln.

Christian Grüning stellt in seinem Buch [1] die „Visual Reading Methode” vor, mit der es möglich ist, seine Lesegeschwindigkeit und sein Textverständnis deutlich zu verbessern. Die Artikelreihe „Besser Lesen” fasst nun die wirkungsvollsten Übungen zusammen, die ich unter anderem im Rahmen meines Studiums erfolgreich anwendete.

Besser Lesen heißt, mit erhöhtem Textverständnis, schneller zu lesen. Das Textverständnis mit einzubeziehen ist wichtig, denn schnell lesen kann eigentlich jeder. Einmal meinte ein Freund zu mir: „Ich habe einen Harry Potter Band in 5 Minuten gelesen!” Begeistert und staunend fragte ich nun: „Worum ging denn?” Alles, was er dazu sagen konnte, war: „Um einen Zauberlehrling.” Dieses Beispiel zeigt, dass es wichtig ist, unsere Lesegeschwindigkeit und unser Textverständnis objektiv zu messen. Wie das geht, erfährst du im nachstehenden Abschnitt!

Lesegeschwindigkeit bestimmen

Nimm dir einen trainyabrain Artikel zur Hand. Dieser Artikel sollte wenig Grafiken und viel Text enthalten. Die meisten trainyabrain Artikel haben ganz unten eine Angabe für die festgelegte Wörterzahl. Anschließend liest du den Artikel und stoppst deine Lese-Zeit in Minuten. Nun kannst du die Anzahl der Wörter durch deine Lese-Zeit teilen und bekommst deine Lesegeschwindigkeit in Wörter pro Minute (WPM). Falls dir die Zahl der Wörter des Artikels nicht bekannt ist, kannst du wie folgt vorgehen:

  1. Wörter der ersten 3 Zeilen zählen

  2. Bsp: 30

  3. Durschnittliche Zahl der Wörter pro Zeile bestimmen (DZ)

  4. Bsp: DZ= 30 /3 = 10

  5. Zahl der Zeilen zählen (ZZ)

  6. Bsp: ZZ=50

  7. Zahl der Wörter berechnen (ZW)

  8. ZW = ZZ * DZ = 50 * 10 =500 Wörter

  9. Artikel lesen und Zeit stoppen

  10. Bsp: 2 Minuten

  11. Lesegeschwindigkeit berechnen (WPM)

  12. Bsp: 500 Wörter / 2 Minuten = 250 WPM

Diese Technik funktioniert natürlich auch für Zeitschriften und Bücher. Mit einer Lesegeschwindigkeit von etwa von 200 bis 250 Wörtern pro Minute (WPM) liegt man im bundesweiten Durchschnitt. Herausragende Leser erreichen etwa 1000 WPM mit sehr gutem Textverständnis.

Textverständnis bestimmen

Das Textverständnis zu bestimmen ist objektiv schwierig möglich. Schließlich ist jeder Text anders. Allerdings habe ich eine Technik entwickelt, die mir einen Richtwert gab, wie gut ich den Text verstanden hatte. Die Richtskala basiert auf der Idee, Inhalte und die Gliederung des Textes wiederzugeben. Lies einen Artikel und bestimme anschließend die Lesegeschwindigkeit und das Textverständnis, in dem du nach der folgenden Richtskala aufnimmst, wie viel du nach dem Lesen memorieren kannst.

  • 0 Prozent Textverständnis
  • Du kannst dich an nichts mehr erinnern.

  • 50 Prozent Textverständnis
  • Du kannst die Hauptaspekte – den roten Faden – gut wiedergeben.

  • 100 Prozent Textverständnis
  • Du kannst die komplette Gliederung des Textes plus Details und Fakten exakt wiedergeben. Man könnte fast denken, du hast den Text geschrieben und nicht gelesen.

Ausgezeichnete Leser erreichen ein Textverständnis von etwa 80 bis 90 Prozent bei einer Lesegeschwindigkeit von ca. 1000 WPM. Mit den Übungen aus der Artikelreihe „Besser Lesen” kann man etwa eine Lesegeschwindigkeit von 500 bis 700 WPM erreichen. Ich selbst habe innerhalb von nur drei Wochen mit ca. 10 Minuten Training pro Tag meine Lesegeschwindigkeit und mein Textverständnis von (150 WPM, 30 Prozent) auf (300 WPM, 60 Prozent) verdoppeln können. Dies zeigt, wie effektiv die „Besser Lesen” Methoden sind, die ich nun vorstelle.

Das Besser Lesen – Trainingsprogramm

Standortbestimmung

Lies z. B. den trainyabrain Artikel „Prokrastination plus Prüfungsangst” und bestimme anschließend deine Lesegeschwindigkeit und dein Textverständnis. Trage den Wert in das folgende Diagramm ein. Wiederhole die Standortbestimmung regelmäßig mit Artikeln, um deine Fortschritte festzuhalten.

Wörter-pro-Minute-mit-Textverständnis-Lesegeschwindigkeit

Wörter pro Minute und das jeweilige Textverständnis im Vergleich: vorher – nachher

Horizontal kannst du die Lesegeschwindigkeit, vertikal das Textverständnis ablesen. Eine Verdopplung der Lesegeschwindigkeit und des Textverständnisses ist möglich, vorausgesetzt du trainierst 10 bis 30 Minuten täglich. Am besten morgens dann kann nichts dazwischen kommen, sei es in der U-Bahn beim Zähneputzen oder wenn man sowieso etwas lesen muss. Du wirst schneller, da du die häufigsten Lesefehler mit jeder Übung schrittweise korrigierst. Du wirst überrascht sein, wie du schon nach wenigen Tagen Training deutlich besser lesen kannst.

Leserfehler: Regression (Zurückspringen)

Kennst du das? Du hast beim Lesen den Faden verloren und springst immer wieder zurück? Das kostet natürlich Zeit und Verständnis. Um diesen Fehler zu korrigieren, nimm einen Stift zur Hand, fahre mit dem Stift die Zeile entlang und folge dabei der Bewegung des Stiftes mit deinen Augen. Mit der Bewegung des Stiftes aktivierst du deinen visuellen Lernkanal, generell bewegte Objekte besser wahrzunehmen und behalten zu können. Dies ist einfach zu erklären, denn schließlich konnten die Menschen früher nur überleben, wenn sie schnell auf bewegte Objekte (Angreifer, wilde Tiere) reagieren konnten. Auch heute ist die Fähigkeit gefragt – denk nur mal an den Straßenverkehr. Durch die Bewegung des Stiftes wirst du dich besser auf diesen konzentrieren. Das Schreibgerät bewegt sich gleichmäßig über die Zeilen, indem du ihm mit den Augen folgst, lernen deine Augen die richtige Bewegung. Die Schulung der Augenbewegung ist ein zentraler Punkt des Lesetrainings – es erhöht die Lesegeschwindigkeit und die Konzentration. Du kannst den Stift auch benutzen und etwas schneller über die Zeilen ziehen – bald darauf wirst du auch in dieser Geschwindigkeit einen Text besser lesen können.

Lesehilfe-Stift

Stift als Lesehilfe

Leserfehler: zu kleine Blickspanne

Erinnerst du dich an die Zeit, als du in der Schule lesen gelernt hast? Zuerst hast du gelernt einzelne Buchstaben, danach einzelne Silben und schließlich ganze Wörter nach nur einmaliger Betrachtung zu lesen? Warum nicht so weitermachen und ganze Sätze und Wortgruppen mit einem Mal erfassen? Um in Wortgruppen bzw. Bedeutungseinheiten zu lesen, muss man seine Blickspanne erweitern. Der Buchstabenbaum ist die einfachste Möglichkeit die Blickspanne zu trainieren. Konzentriere dich auf die mittleren Zahlen. Versuch die äußeren Buchstaben mit einem Mal wahrzunehmen!

Blickspanne-erweitern-Übung-Lesen

Übung zum Erweitern der Blickspanne beim Lesen

Am Anfang kann diese Übung schwerfallen, aber man steigert sich von Zeile zu Zeile. Das Gehirn braucht eine gewisse Zeit, um die neuronalen Verbindungen zu legen. Man kann auch einen zusätzlichen Zettel nehmen und die unteren Zeilen abdecken, oder lässt den Zettel wie einen Wischer über den ganzen Buchstabenbaum gleiten, sodass die entsprechende Zeile nur einen Sekundenbruchteil zu sehen ist. Dies macht die Übung noch viel effektiver. Die Blickspanne zu erweitern, ist ganz sicher sinnvoll, wenn man besser lesen möchte.

Lesefehler: Subvokalisieren

Das innerliche Mitsprechen (Subvokalisieren) ist ein Lesefehler, da der Mensch visuell deutlich mehr Informationen pro Sekunde aufnehmen kann als über die Akustik. Durch das Subvokalisieren bremsen wir die visuelle Informationsaufnahme. Dies führt zu einer deutlich verlangsamten Lesegeschwindigkeit. Dass es möglich ist, ohne Subvokalisieren zu lesen, sollte klar sein, denn spricht man das Fragezeichen und den Punkt oder Kommas im Satz mit? Nein, es geht auch ohne! An Studien, mit einer der schnellsten Leserinnen der Welt, Evelyn Wood in den 50er Jahren konnte dies zweifelsfrei bewiesen werden. Am Anfang schafft man es allerdings nicht ganz ohne – ich habe gelernt, dass man schon viel erreicht, wenn man nur noch bestimmte Wörter innerlich mit spricht. Das Subvokalisieren zu minimieren oder sogar ganz abzuschalten ist ein ganz wichtiger Schritt, um besser zu lesen.

Subvokalisieren von Substantiven
Nimm dir einen trainyabrain Artikel vor und subvokalisiere nur die Substantive. Die gleiche Übung kannst du natürlich auch mal mit Verben oder Adjektiven machen.

Anfänglich wird dir diese Übung schwer fallen, aber langfristig hat sie mir sehr geholfen, meine Lesegeschwindigkeit und mein Textverständnis deutlich zu steigern.

Ausblick

Im nächsten Artikel der Reihe „Besser Lesen” erfährst du noch mehr hilfreiche Übungen, die du problemlos in den Alltag integrieren kannst. Nur 10 bis 30 Minuten täglich über einen Zeitraum von drei Wochen können reichen, um deine Lesegeschwindigkeit zu verdoppeln.

Wir lesen uns

Marcus Krahlisch

Wörterzahl: 1119

Aufruf an den Leser

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[1] Christian Grüning, Visual Reading® – Garantiert schneller lesen und mehr verstehen , Verlag: Grüning; Auflage: 1., Aufl. (März 2007), ISBN-13: 978-3981093612

für google:
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{ 1 comment… add one }
  • Max
    6. November 2013, 11:12

    Sehr interessanter Artikel, vielen Dank dafür!

    Gibt es den am Ende erwähnten “nächsten Artikel” auch schon?