Erotischer Salon – „Weiblichkeit und sexuelle Lust leben & erleben”

Was ist ein erotischer Salon? Ist Weiblichkeit sexy? Mein Erfahrungsbericht über den Salon „Weiblichkeit und sexuelle Lust leben & erleben” in Berlin…

Dieser Artikel ist für LeserInnen unter 18 Jahren nicht geeignet! (FSK: 18)

Unsere erotische Reise beginnt am 13.03.2013 um 19:00 Uhr im Familienplanungszentrum Balance in Berlin, in welchem auch die historische NFP Ärztefortbildung stattgefunden hat. Hier haben sich etwa gefühlte 50 Frauen aller Altersgruppen ab 18 Jahren und drei Männer eingefunden, um dem erotischen Salon beizuwohnen. Eigentlich sind es vier Männer, denn unser vier Monate altes Baby war natürlich auch dabei. Keine Sorge – an den wichtigen Stellen haben wir ihm Augen und Ohren zugehalten :). Die etwa 3-stündige Veranstaltung war mit 5 Euro Eintritt pro Person und 3 Euro pro Studenten echt günstig. Ehrlich gesagt, ist es mein erster erotischer Salon und so habe ich keine Ahnung, was mich heute hier erwarten würde.

19:10 Uhr – Warmup – Sibill Schulz

Die Moderatorin des Abends Sibill Schulz schafft es, von Anfang an, eine gute Stimmung zu verbreiten. Nach einer kurzen Begrüßung erzählt sie, dass der erotische Salon im Familienplanungszentrum Balance schon eine gewisse Tradition hat. Der erste Salon wurde 2007 durchgeführt und hatte den prägnanten Titel „Vulva – das Tor ins Leben”. In erotischen Salons – so erzählt sie – geht es darum, die Unterschiedlichkeit der Sexualität zu begreifen, neue Bilder für Sexualität zu schaffen und vor allem den Austausch über erotische Themen anzuregen. Im heutigen Workshop soll es um das Thema „Weiblichkeit und sexuelle Lust leben & erleben“ gehen und dazu hat sie Referentinnen aus verschiedensten Fachgebieten der Sexualberatung, Sexologie und Beziehungscoaching eingeladen. Das es eine erotische Veranstaltung der anderen Art ist, bemerke ich bei der Ankündigung der Fachärztin für Psychotherapie und Sexualberaterin Christina Wons – diese möchte mit einer erotischer Tanzeinlage beginnen.

19:30 Uhr – 20:00 Uhr „Kreative Sexualität” – Christina Wons

Zusammen mit einer guten Freundin präsentiert sie in erotischer Kleidung und einem Federfecher einen erotischen Tanz mit Gesang. Dazu läuft passende Saxofon Musik, was einen irgendwie in die erotische Welt der 50er Jahre versetzt. Ihr Auftritt erinnert mich an den fantastischen Film „Moulin Rouge” mit der herausragenden Nicole Kidmann. Das hätte ich einer Ärztin für Psychiatrie echt nicht zugetraut und ich bin wie viele andere Gäste sehr positiv überrascht und sprachlos.

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Etwa 3 bis 5 Minuten später wird sie für ihre Tanz-Show mit großem Beifall gewürdigt. Nicht nur im Singen und Tanzen macht Christina Wons eine gute Figur. Ihr Vortrag über „kreative Sexualität” soll vielen Frauen – etwas klar machen. Sie spricht davon, dass es beim Thema Sexualität darum geht, seinen inneren Impulsen aus der Gegenwart heraus, zu folgen. „Sexualität” ist für sie kreative Kommunikation. Diese kann sowohl fern als auch nah geschehen. Ein Beispiel für ferne Kommunikation ist z. B. der Blick aus der Ferne auf einen attraktiven Mann – mit den Gedanken: „Man sieht der gut aus!” Als Beispiel für nahe Kommunikation nennt sie: die Stimme des Partners zu lauschen oder ihn zu berühren. Die Vagina und der Penis, so erläutert Wons, bestehen aus Rezeptoren, die Impulse aufnehmen. Impulse sind unwillkürlich und spontan und der Orgasmus ist ein Zustand der kurzfristigen Bewusstlosigkeit, den man nicht künstlich erzeugen kann. Die Frau muss sich für einen Orgasmus, ihren spontanen Impulsen und Gefühlen hingeben können – nur so kann sie dieses lustvolle Ereignis erleben. Das diese Art, spontan an Dinge heranzugehen und seinen Impulsen zu folgen, sehr wichtig ist, ist das zentrale Thema ihres Vortrages.

Die Frage, die viele Frauen in ihrer Sexualberatung beschäftigt ist, wie komme ich an solche Impulse? In erster Linie, so sagt sie, muss man lernen seine Gefühle wahrzunehmen – aus diesen folgen dann spontane gefühlsbedingte Handlungen. Als Beispiel führt sie die Situation des morgendlichen Aufstehens an. Heute singt sie spontan nach dem Aufstehen und tanzt sich in das Bad hinein – sie putzt sich mit Freude tanzend die Zähne und massiert ihren Körper je nach Lust und Laune ein. Früher hingegen ist sie eilig in Bad gehetzt und ist beim Zähneputzen die lange Liste an Aufgaben durchgegangen, die in den nächsten 24 Stunden anstanden – wie schrecklich. Ihrer Ansicht nach ist die erste Variante, eindeutig die schönere und bessere Art einen Tag zu beginnen. Leider, so Wons, folgen wir nur noch selten unseren gefühlten Impulsen – wir folgen unseren vermehrt gedachten Impulsen! Was hindert uns daran, unseren inneren gefühlten Impulsen zu folgen? Sie erklärt uns, dass alle Menschen bis zum 6. Lebensjahr konditioniert werden. In dieser Zeit werden starke Einschränkungen, Verbote, Normen und Wertvorstellungen gerade im Umgang mit Sexualität an trainiert. Als Beispiel führt sie eine Beziehung von sich an, bei der sie sich in einen Mann verliebte – und sich während der Beziehung zum kleinen Mädchen wandelte, das diesem Mann wie einen Vater zu imponieren versuchte.

Interessant fand ich in diesem Zusammenhang wie sie Frauen und Männer therapiert, die derart stark konditioniert sind, dass sie psychologische Probleme haben. Sie hat festgestellt, dass es neben der üblichen Gesprächstherapie sinnvoller ist – mit den Menschen Kunst zu schaffen. So führte sie mit vielen Frauen in diesem Zusammenhang „weibliche Ejakulationskurse” durch. Teilweise wurden mithilfe der Ejakulate auch Kunstwerke geschaffen – die man in Galerien ausgestellt hat. Für mich klingt dieser Ansatz logisch, denn was ist kreativer und spontan als die Kunst. Wenn es also darum geht – offener, spontaner und impulsiver zu werden, ist die Kunst sicher ein gutes Werkzeug.

Diskussion

In der Diskussion interessiert mich als frischgebackener Vater die Frage – wie man mit den Kindern umgehen soll – um eine zu starke Konditionierung zu vermeiden. Daraufhin entgegnet Frau Wons zusammengefasst – dass man mit Kindern offener und in einer angemessenen Sprache über Sexualität sprechen sollte und dass man Kindern den Freiraum geben muss sich sexuell zu entdecken. Als Beispiel nennt sie die Situation, dass ein Kind, wenn es mit seinen Geschlechtsteilen spielt, häufig von der Mutter ermahnt wird. Vielleicht ist es besser, offener mit solchen Situationen umzugehen. Eine Frau aus dem Publikum lacht und erzählt, dass sie eine Freundin hat, die ihrem zweijährigem Sohn erzählte, dass er einen Penis hat. Das Kind ist daraufhin glücklich durch die Gegend gerannt und rief ein paar Wochen lang bei jeder Gelegenheit freudig: „Ich habe einen Penis! Juhu! Ich habe einen Penis!” Der kleine Junge fragte in diesem Zusammenhang auch die Verwandte und Freunde der Eltern, ob sie auch einen „Penis” haben. Ich stelle mir die roten Gesichter der Freunde und Verwandten vor und frage mich in diesem Moment: Sind wir offen genug, mit solchen Situationen umzugehen und herzhaft zu lachen?

Eine andere Frau wirft einen interessanten Gedanken ein, der die Theorie von Frau Wons auf eine starke Probe stellt. Wenn ich meinen Impulsen frei folge, kann es da nicht sein dass ich die Privatsphäre eines anderen Menschens verletzte? Beispielsweise sieht ein Mann eine attraktive Frau und möchte ihr an die Brüste fassen – und tut es dann – dann handelt er spontan und nach seinem Gefühl. Allerdings muss das der Frau noch lange nicht recht sein. Wie soll man dieses impulsive Handeln in der Praxis, denn überhaupt realisieren. Frau Wons reagiert hier ganz souverän und sagt: Natürlich gibt es eine Grenze und Respekt für andere Menschen ist wichtig. Man muss hier auch zwischen Perversion und Impuls unterscheiden. Allerdings kann man sich mit gleichgesinnten Freunden eine Umgebung aufbauen – in der man seine sexuellen Wünsche und Neigungen leben kann – in der jeder, die erotischen Wünsche des Anderen kennt und dieses impulsive Verhalten schätzt. Der erste Schritt ist allerdings erst einmal zu erkennen – welche inneren Impulse und Wünsche man hat – und der zweite Schritt ist dann zu schauen, wie man sich diese gefahrlos und gesund in seine Realität einbauen kann.

Anmoderation – Sybill Schulz

Sybill Schulz kündigt mit großer Freude – die bekannte Buchautorin und Sexologin Laura Méritt an. Frau Méritt engagiert sich seit vielen Jahren für die Gleichstellung von transgender, transsexuellen, intersexuellen, lesbischen, bisexuellen und schwulen Personen, ohne heterosexuelle Personen auszuschließen. Die Liste ihrer Verdienste ist lang, so dass es über ihre Person einen Wikipedia-Beitrag gibt.

Laura Méritt feiert derzeit mit ihrem neu herausgegebenen Buch „Frauenkörper neu gesehen” große Erfolge und soll dieses Buch nun vorstellen.

20:00 – 20:30 Uhr – „Frauenkörper neu gesehen” – Laura Méritt

Das Buch „Frauenkörper neu gesehen” so stellt Frau Méritt klar, wurde in den 70er Jahren schon einmal herausgebracht. „Schon in den 70er Jahren hat es sehr viele positive Reaktionen auf dieses Buch gegeben. Es stand im Zusammenhang der damals stark aufkommenden Frauenbewegung. Es war das einzige Buch über Sexualanatomie, dass die weiblichen Geschlechtsorgane so zeigt wie sie wirklich sind. Im Laufe der Zeit wurde die Frau und ihre Anatomie, sowohl sprachlich als auch bildlich reduziert.” Als Beispiel führt sie die Seitenansicht des Penis an, die fast in jedem Lehrbuch zu finden ist, aber die vollständige weibliche Seitenansicht der Klitoris, Scheide und Lippen gibt es aktuell in keinem Medizinlehrbuch. Sie zeigt die Buchseite mit der Seitenansicht dem Publikum und alle schauen gespannt, wie die denn aussieht. Leider kann man es nicht so gut erkennen, da die Bilder nicht auf eine Leinwand vergrößert projektiert werden. Sie führt ihre Beispiele fort: Das Bild eines erigierten Penis kennt jeder! – Doch wie sieht eine erigierte Klitoris aus? In dem Buch „Frauenkörper neu gesehen”, kann man laut Méritt erstmals ein Bild einer erigierten Klitoris sehen.” Ein Blick ins Publikum verrät, dass jeder unbedingt dieses Bild sehen möchte.

Die Reduktion der Weiblichkeit erfolgt, laut Méritt, nicht nur bildlich, sondern auch sprachlich. „Warum sind die Lippen der Scheide mit Scham belegt? Wir sagen ja zu Männern auch nicht, dass sie eine Schamvorhaut oder eine Schameichel haben. […] Bei Frauen werden Sexualorgane häufig mit falschen Tatsachen und mit Begriffen suggeriert. Beispielsweise sind die kleinen Schamlippen oft größer als die großen Schamlippen. Viel treffender wäre einfach nur von inneren und äußeren Lippen zu sprechen. Diese falschen Bezeichnungen setzen Frauen heute unter Druck und so kommt es leider häufiger zu Intim-Schönheitschirurgie aufgrund dieser Problematik.”

Sie erklärt, wie die Zeichnungen im Buch entstanden, die die weiblichen Geschlechtsorgane, nun richtig zeigen. „Die Bilder wurden mithilfe von vielen freiwilligen Frauen erstellt, die ihre inneren Sexualorgane abtasteten und anschließend zeichneten. Diese Zeichnungen wurden dann mit den Erfahrungswerten von Gynäkologen und anderen Experten abgestimmt.” Ein dritter Punkt, der Kritik dieses Buches an der gängigen Schulmedizin, ist, dass einfach Körperteile weggelassen werden. Hier führt sie beispielhaft, die weibliche Prostata an, welche den sogenannten Freudenfluss/weibliche Ejakulation produziert. In diesem Zusammenhang plädiert sie dafür sich näher mit dem eigenen Menstruationszyklus zu beschäftigen und empfiehlt hier NFP. Als NFP Berater freue ich mich darüber, dass die Autorin diese wunderbare Methode erwähnt und somit dazu beiträgt, dass sie bekannter wird.

Die Sexologin Laura Méritt räumt in ihrem Vortrag mit dem Vorurteil auf, dass Sexualanatomie ein trockenes sachliches Thema ist. „Nein, man kann eindeutig zurückverfolgen, dass die Sprache der Sexualanatomie in Medizinbüchern der Ideologie und den Wertevorstellungen der jeweiligen Generation entspricht. Heute wird die Vulva meist auf zwei Striche reduziert – diese Entwicklung hat dazu geführt, dass eine Neuauflage des Buches sinnvoll ist.” Das Buch ist aber nicht nur eine inhaltliche Kopie des alten Buches, macht Frau Méritt deutlich. Nein, es wurden auch neue Kapitel hinzugefügt, denn es gibt neue Themen, die in unserer Gesellschaft hinzugekommen sind. Beispielsweise wurde ein Kapitel über „weibliche Identität” hinzugefügt. Schließlich heißt in einem Frauenkörper zu sein – noch längst nicht, dass man Frau ist – oder sich als Frau betrachtet. Man kann natürlich auch mittels moderner Chirurgie zu einem Frauenkörper gelangen. Es gibt folgerichtig auch ein Kapitel über Intimchirurgie, die mehr und mehr ein Thema für Frauen wird – da sich viele Frauen nicht sexy oder unvollkommen fühlen. Ebenso ist der Wunsch Transsexueller, sich zur Frau zu verändern, thematisiert. Um darzustellen, dass die weiblichen Geschlechtsorgane sehr unterschiedlich aussehen können, gibt es in der Neuauflage eine „Pussygalerie”, in der Frauen mit unterschiedlichsten Ausprägungen zu sehen sind. Zuletzt stellt sie klar, dass sie nur die Herausgeberin und nicht die Autorin des Buches ist. Es haben bei Neuauflage hunderte Frauen engagiert mit geholfen, denen sie auf diesem Weg danken möchte.

Frau Méritt hatte wohl selbst an diesem Abend nicht mit einem so großen Interesse an ihrem Buch „Frauenkörper neu gesehen” gerechnet. Bereits in der nachfolgenden Pause waren alle Exemplare, die sie bei sich hatte, restlos ausverkauft. Einige Frauen musste sie auf die Warteliste setzen. Falls du dich auch für das Buch interessierst, kannst du es über den folgenden Link bestellen.

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Diskussion

In der Diskussion zeigt sich, dass das Buch „Frauenkörper neu gesehen” von Frau Méritt interessiert und polarisiert.

Eine ältere Frau lobt den Fakt, dass es nun endlich in deutscher Sprache ein Buch über dieses Thema gibt, als Meilenstein. Bisher seien solche Bücher nur im amerikanischem Raum verbreitet.

Darauf zeigt sich eine andere Frau traurig und besorgt, dass ein solches Buch erscheinen muss. Schließlich waren die Frauen in den 70er Jahren schon mal an diesem Punkt. „Sind wir denn nicht vorangekommen in der Zwischenzeit, dass wir immer noch so wenig über unseren eigenen Körper wissen?” Frau Méritt antwortete kurz und auf den Punkt: Es hat sich sehr viel Positives in den letzten 30 Jahren getan. Ganz sicher sind wir vorangekommen. Dies zeigt sich in vielen Bereichen, aber vor allem in der Gleichberechtigung von Mann und Frau deutlich. Es ist nur so, dass die Frauen heute wirklich Nachholbedarf hinsichtlich ihrer weiblichen Anatomie haben und diese Problematik zu verändern ist Aufgabe des Buches.

Nun wollte jemand wissen – ob das Buch aus dem 70er Jahren – das bekannte Buch „Unser Körper – unser selbst” ist. Dies verneinte Méritt und sagte, dass Buch hieß „A new view of a woman s body ” und ist damals ganz ähnlich wie „Unser Körper – unser Selbst” im deutschen und amerikanischen Raum erfolgreich gewesen.

Zu meiner Überraschung sind nicht alle Frauen mit dem Buch zufrieden. Eine Frau äußerte sich sehr kritisch: „Das ist mir persönlich zu oberflächlich, einfach nur die Bilder zu zeigen”. Wenn ich die Frau richtig verstanden hab, hätte sie gern in dem Buch eine stärkere inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Feminismus gehabt. Frau Laura Méritt sagt, dass es sich bei dem Buch um ein medizinisches Grundlagenbuch der Sexualanatomie handelt. Es ist kein spezifisches Buch über den sexpositiven Feminismus, dessen Anhängerin Méritt ist.

Pause

In der Pause wurde eine Vernissage von Blinden und Sehbehinderten ausgestellt. Außerdem kann man sich mit anderen über die Bilder und die Veranstaltung austauschen. Die Bilder der Blinden sind beeindruckend. Alle Werke der Blinden sind mit Farben und plastischen Formen unterschiedlichster Materialien verziert, sodass die Blinden die Werke auch erfühlen können. Am besten gefällt mir der „Märchenbaum” – ein unglaublich schönes Bild von einem Blinden – es erinnert an den Baum des Filmklassikers „Hinter dem Horizont” mit Robin Williams, der die Verbindung zwischen ihm und seiner Frau im Jenseits symbolisiert. Mein zweites Lieblingswerk zeigt einen Leuchtturm mit echtem Sandstrand ummantelt – der Himmel ist so detailliert mit Möwen und Farbgebungen, dass ich an dem Werk eines Blinden zweifele. Ich frage die Verantwortliche der Collage Frau Krause vom Frauenkreativzentrum Treptow Köpenick, ob der Blinde zuvor sehen konnte und erst später erblindet ist? Sie antwortet: „Nein, er war von Geburt an blind. Blinde lernen Farben über Worte. Der Himmel ist blau, das Gras ist grün usw.” Ich frage, wie lange ein Blinder für ein solches Bild braucht: „Etwa 1 bis 2 Wochen! Man muss den Blinden viel helfen – es ist schon eine Anstrengung – immer wieder die Farben auszusuchen und die Gegenstände für den Blinden zurecht zustellen. Aber es lohnt sich, Blinde sind wirklich kreativ.” Ich bin sehr beeindruckt und denke an unseren Dunkelrestaurantbesuch, bei dem wir auf die Idee kamen, für Blinde einen NFP Kurs zu organisieren. Falls wir mal wirklich Zeit und Geld dafür haben, was ich hoffe, werden wir es versuchen.

Anmoderation – Sybill Schulz

Als nächste Rednerin wird Silke Maschinger vorgestellt. Sie betreibt seit etwa 8 Jahren den erotischen Salon in Berlin – eine Veranstaltung, bei der sich Frauen und Männer erotisch austauschen können. Mehr zum erotischen Salon könnt ihr auf ihrer Internetseite nachlesen.

Außerdem ist sie Beziehungscoach und schreibt einen interessanten Blog mit dem Namen knoten-coaching.de! Einige werden sie vielleicht als Autorin des „erotischen Stadtführers Berlin“ kennen. Ihr heutiges Thema ist mit Sicherheit sehr heikel – „Ist Weiblichkeit sexy?” – dann bin ich ja mal gespannt.

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21:15 – 21:45 Uhr – „Ist Weiblichkeit sexy?” – Silke Maschinger

Frau Maschinger plaudert am Anfang ihres Beitrages aus ihrem Leben und wie sie zur Sexualberatung gekommen ist. Interessant ist für mich, dass sie bis zum 30. Lebensjahr sich gar nicht so stark für Sexualität interessiert hat. Sie wurde sogar häufig als Junge verwechselt mit kurzem Haar und pragmatischer maskuliner Kleidung. Dies empfand sie damals jedoch nicht schlimm, sondern cool. Ihre Leidenschaft für Erotik begann dann als Single beim Studium im Essen. Da entdeckte Frau Maschinger den erotischen Chat für sich, spricht im Internet mit verschiedensten Menschen über Sexualpraktiken und kommt nach einer Fortbildung zum Thema Weiblichkeit auf die Frage: „Was macht Weiblichkeit wirklich aus?” Ihre Suche nach einer befriedigenden Antwort führt sie auf die Spiritualität und den Tantrismus. Aus diesem schließt sie, dass Weiblichkeit etwas mit innerer Ruhe und sich selbst finden zutun hat. Sie findet es nicht gut, dass Weiblichkeit in unserer Gesellschaft mit sexy sein gleichgesetzt wird und schrieb dazu mal einen polarisierenden Artikel „Weiblichkeit ist nicht sexy!”, der ihre Haltung sehr gut erklärt.

Soweit ich sie verstanden habe – ist für sie Weiblichkeit nicht sexy – weil sexy = weiblich von den Medien suggeriert wird. In jeder Frauenzeitschrift gilt das Ideal – das eine Frau sexy sein muss. Wo bleibt der Wille der Frau? Die Frau sollte, so Maschinger, ihre Entscheidung für sich und ihrem Körper selbst aus ihrem Inneren treffen und nicht, um Schönheitsidealen zu folgen.

Diskussion

Ich verstehe ihre Darstellung von Weiblichkeit nicht ganz – schließlich finde ich es generell wichtig – seinen eigenen Impulsen und nicht den suggerierten Medienbildern zu folgen. Das ist für mich keine typische weibliche Eigenschaft. Ähnlich wie es in meinem Artikel „Wie finde ich raus – was ich werden möchte?” dargestellt habe – ist es generell wichtig, eine Entscheidung mit seinem Bauchgefühl abzustimmen. Ich frage sie daher: „Ich finde es generell wichtig, dass man auf sein Bauchgefühl hört – ich bin ein Mann und suche auch gern die Ruhe in mir selbst – dass macht mich noch lange nicht weiblich?” Frau Maschinger kontert gekonnt: „Jeder Mensch hat weibliche und männliche Anteile – die Ruhe in sich zu finden – ist eher eine weibliche. Männliche Eigenschaften und Handlungen sind eher direkt und aktiv.” Im Nachhinein denke ich, dass jeder wohl seine Definition von Weiblichkeit selbst finden muss. Allerdings finde ich es gut und richtig, dass sie auf die Problematik – Suggestion aus Medien – aufmerksam macht, da diese Suggestion die freie Entscheidung maßgeblich beeinflussen kann. In einer Welt, in der Frauen ihre Brüste vergrößern, Botox nehmen, um attraktiver zu sein und nicht älter zu werden – ist die Diskussion sicher auch angebracht.

Podiumsdiskussion

Die Podiumsdiskussion ist sehr interessant. Ich möchte jedoch nur die für mich interessantesten Punkte zusammenfassen.

Thema 1: Gibt es kontrollierten Sex?
Die Moderatorin Sybill Schulz leitet die Diskussion mit einem kontroversen Zitat von Ester Villa ein:

„Die Frau kontrolliert ihren Sex, weil sie für Sex all das bekommt, was ihr noch wichtiger ist als Sex.“
Esther Vilar, zitate-online.de, 2009

Habt ihr diese Haltung oft in der Beratung – fragt sie die Expertinnen in die Runde? Frau Méritt kann das Zitat nachvollziehen und sagt, dass es ganz sicher Frauen gibt, die mit Sex arbeiten, um Dinge zu bekommen, die sie möchten. Genauso gibt es natürlich auch Männer, die das tun, fügt sie hinzu. Frau Wons findet das Zitat schrecklich und plädiert für innere Impulse. Frau Maschinger enthält sich, da sie noch nicht die Erfahrung in dieser Hinsicht hat. Die anschließend gestellten Fragen und Diskussionspunkte – habe ich kurz zusammengefasst.

Thema2: Was hat sich in der Sexualität der Frau in den letzten 30 Jahren geändert?

Auch hier kommen die Expertinnen Maschinger, Wons und Méritt zu einem Konsens: „Frauen sind vielfältiger geworden – sie probieren mehr aus. Sie haben nicht nur Sex, damit Männer glücklich sind, sondern weil es ihnen Spaß macht. Auch hinsichtlich Sexspielzeug oder sexueller Orientierung sind Frauen offener geworden – was sich auch in der Sexualberatung deutlich zeigt.”

Thema 3: Was ist das häufigste Thema in der Sexualberatung?

Hier geben die drei Vortragenden zusammengefasst die folgenden Themen an:
Wer bin ich? Was will ich wirklich? Wie kann ich mich selbst finden. Immer mehr Frauen und Männer unterdrücken ihre eigenen Impulse und haben Depressionen oder andere Probleme. Sie müssen lernen wieder ihren inneren Impulsen zu folgen und sie selbst zu entdecken.

Thema 4: Was möchtet ihr den Frauen auf den Weg geben? Was muss sich künftig in der Sexualität verändern?

Ich habe mir an dieser Stelle nicht alles notiert – aber ein paar Punkte von Frau Méritt – finde ich so interessant – dass ich sie euch nicht vorenthalten möchte:

„Wissen macht sexy! Desto mehr man über sich und Sex weiß, desto mehr Spaß wird man am Sex haben.

Wir brauchen mehr Vielfalt in der Sexualität und in der sexuellen Darstellung – beispielsweise wäre eine Veränderung im Pornogeschäft schön.“

Zitat: Laura Méritt, Salon „Weiblichkeit und sexuelle Lust leben & erleben”, 13.03.2013 – Berlin

Ich interessiere mich mehr für die feministischen Pornos, da ich schon mit vielen Freunden über die einseitige Darstellung von Pornographie gesprochen habe. Ich erfahre, dass Frau Méritt mittlerweile Preise für feministische Pornos, die besonders Frauen und emanzipierte Männer ansprechen sollen, verleiht. Alle ausgezeichneten Filme halten gewisse Grundsätze ein:

  1. sexpositive Darstellung weiblicher Lust
  2. Vielzahl sexueller Praktiken in lustvollen Stellungen
  3. keine herabwertende oder entwürdigende Darstellung von Menschen
  4. Variation bei Körpertypen, Alter, sexueller Orientierung und Ethnien
  5. Frauen sind an der Produktion des Films als Regisseurin, Drehbuchautorin oder Kamerafrau beteiligt

Falls du dich für feministische Pornos interessierst – Wikipedia hat hier eine gute Übersicht:

LISTE – DER PREISGEKÜRTEN – FEMINISTISCHEN PORNOFILME

Der nächste Feminist Pornfilm Award wird am 19. Oktober 2013 in Berlin verliehen. Mehr zu diesem Thema findet ihr auf der Homepage www.poryes.de.

Fazit

Die Veranstaltung wurde uns von einer treuen Leserin empfohlen. Es hat sich wirklich gelohnt und wir möchten uns auf diesem Wege bei allen Fans bedanken, die regelmäßig Anregungen liefern und unsere Artikel bewerten und lesen. Die Buchvorstellung von Frau Méritt war für mich persönlich das Highlight des Abends aus diesem Grund bin ich froh, dass sie ihre Bereitschaft signalisiert hat – ein Interview über das Buch und ihre Arbeit als Sexologin mit uns zu führen. Das trainyabrain Team wird bald mit Frau Méritt Kontakt aufnehmen – das Exklusiv-Interview könnt ihr nur hier in diesem Blog lesen. Dies ist der erste Beitrag über einen erotischen Salon – wenn du solche Art von Artikeln öfter lesen möchtest – freuen wir uns über Feedback per E-Mail, eine Verlinkung in einem Forum oder einem sozialen Netzwerk.

Erotische Grüße sendet euch

Marcus Krahlisch

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