Warum sich Männer und Frauen beim Thema – Familie gründen – selbst im Weg stehen?

Familie gründen

Immer mehr Paare bleiben kinderlos. Warum sich Frauen und Männer bei der Gründung einer Familie häufig selbst im Weg stehen? Die Gründe u.v.m.

Frauen und Männer stehen sich beim Gründen einer Familie oft selbst im Weg. Das durchschnittliche Alter, in dem Frauen Kinder bekommen, verschiebt sich immer mehr nach hinten und liegt derzeit bei 31 Jahren. Ebenso werden Männer immer später Väter. Warum das so ist, möchte ich nun mal aus der Sicht eines Mannes und Familienvaters schreiben, da ich glaube, dass vielen Frauen und Männern gerade diese Sichtweise fehlt.

Den Partner erst richtig kennenlernen

Ich bin jetzt ungefähr 5 Jahre (seit 2008) mit meiner Partnerin zusammen. Erst im dritten Jahr unserer Beziehung sprachen wir das erste Mal ernsthafter über die Familienplanung. Damit liegen wir übrigens voll im Trend, denn die meisten Frauen und Männer möchten erstmals ihren Partner richtig kennenlernen, bevor sie entscheiden mit ihm/ihr eine Familie zu gründen. Daran ist ja grundsätzlich auch nichts verkehrt. Doch sollten Männer und Frauen meiner Ansicht nach von Anfang an klären, ob der Partner Kinder haben möchte.

Frag deinen Partner von Anfang an, ob er Kinder möchte. Ganz allgemein, damit es keine bösen Überraschungen gibt.

Viele Männer und Frauen reagieren meist wie folgt: „Vielleicht später, wenn ich eine Festanstellung habe und dem Kind etwas bieten kann.” Hier muss man aus meiner Sicht den zweiten Schritt machen und fragen: „Was machen wir, wenn keiner von uns jemals eine Festanstellung erhält?”

Angst vor der Geburt

Viele Frauen, mit denen ich mich über das Thema Familie gründen unterhielt, möchten keine eigenen Kinder, weil sie Angst vor der Geburt haben. Eine hielt es sogar für besser einfach Kinder zu adoptieren, damit sie die Schwangerschaft und Geburt nicht „durchmachen muss“. Ich sehe das als Mann, der schon bei der natürlichen Geburt meines eigenen Sohnes dabei war, ganz anders. Ich möchte diese einmalige Erfahrung niemals missen. Die Schwangerschaft war eine der schönsten Erfahrungen in unserem Beziehungsleben und die Geburt eine außergewöhnliche Erfahrung.

Meiner Ansicht nach liegt diese Angst darin begründet, dass einem alle nur Horrorgeschichten erzählen. Wenn man sich allerdings genauer mit dem Thema Schwangerschaft und Geburt beschäftigt, dann findet man es eher spannend als beängstigend. Daher ist mein Rat hier:

Höre nicht auf die Horrorgeschichten anderer Leute. Beschäftige dich lieber selbst intensiv mit dem Thema Schwangerschaft und Geburt. Dann wirst du viele interessante Erfahrungen machen können: z. B. Schwangerschaftsyoga, Schwangerschaftshypnose, Schwangeren Bauchbemalung, schwanger reisen, Geburtsträume, den Geburtsorgasmus, eine Lotusgeburt und vieles mehr!

Überdies haben auch viele Männer haben Angst bei einer Geburt dabei zu sein, auch wenn sie das nicht zugeben. Die Situation die Partnerin in Wehen zu sehen und nichts daran ändern oder beeinflussen zu können – ist mit Sicherheit nicht leicht. Ich selbst habe mich durch Paragliding auf die Rolle des Begleiters bei der Geburt meiner Freundin vorbereitet. Ebenso habe ich früher gedacht, dass es eventuell Probleme beim Sex mit einer hochschwangeren Frau geben könnte. Ehrlich gesagt komme ich mir da heute ziemlich dumm vor, denn es hat mich ehrlich gesagt nicht tangiert und war eigentlich die ganze Schwangerschaft über kein Thema.

Zudem können Frauen schon beim schwanger werden ihre Fruchtbarkeit erleben, in dem sie ihre Basaltemperatur und Zervixschleim dokumentieren und ihre hoch fruchtbaren Tage bestimmen. Wenn man als Frau am eigenen Zyklus sehen kann, wann voraussichtlich der Eisprung war und welcher Sex höchstwahrscheinlich zur Befruchtung führte – das ist ein echt beeindruckendes Erlebnis. Viele Frauen wissen davon leider nichts, aber ich bin sicher, wenn sie es wüssten, würden viel mehr Frauen einen Kinderwunsch entwickeln. Als Mann fand ich es allerdings bei meiner Freundin nicht weniger spannend und schaue mir heute noch heimlich den Schwangerschaftszyklus an. Ich habe schon überlegt, den Zyklus eingerahmt ins Wohnzimmer zu hängen – leider habe ich noch keinen passenden Rahmen gefunden 🙂 Ob die Schwangerschaft und die Geburt ein Erlebnis und eine schöne Erinnerung wird, hängt von euch selbst ab. Es ist immer so gut, wie das was du daraus machst.

Alles muss perfekt sein

Die meisten Männer und Frauen, mit denen ich über das Thema Familie gründen sprach, können sich Kinder erst mit einem abgesicherten Einkommen vorstellen. Doch gerade eine Festanstellung ist in Deutschland eher die Seltenheit, denn aktuell ist die Mehrheit der Stellen in Deutschland befristet. Gerade Frauen sind von dieser Entwicklung betroffen. Da verwundert es nicht, dass viele Frauen und Männer mit dieser Einstellung nie Kinder bekommen.

Zudem macht der Euro eine große Krise durch und das Wirtschaftssystem bricht schon jetzt in vielen Ländern wie Griechenland, Spanien und Italien zusammen. Aufgefangen wird das ganze durch einen Rettungsschirm, der noch die Kinder unserer Kinder belasten wird. Sollen die Griechen, Spanier und Italiener jetzt keine Kinder mehr bekommen, da sie nun keine Festanstellungen mehr haben können? Soll die politische und wirtschaftliche Situation unseres Landes wirklich darüber entscheiden, ob wir eine Familie gründen oder nicht? Aus meiner Sicht gibt es nur einen Weg gegen die Krise: „Kinder machen”, weil wir es so wollen! Unser System funktioniert umso besser, je mehr Menschen etwas kaufen und verbrauchen. Bekommen immer weniger Frauen Kinder, sind auch immer weniger Kunden da, die etwas kaufen und verbrauchen können und die Krise wird noch stärker.

Mal abgesehen von den rationalen Gründen – braucht das Kind nicht am meisten Liebe und Geborgenheit? Sind die Finanzen wirklich so wichtig? Können Verwandte nicht auch aushelfen – falls das Kind etwas benötigt – das man sich nicht leisten kann? Wir mussten im ersten Jahr bisher nur sehr wenig Geld ausgeben, und wenn wir etwas brauchten, dann gab es Elterngeld und Geld aus Förderprogrammen für die Erstausstattung. Noch leben wir in einem Sozialstaat, der Familien mit geringem Einkommen, unterstützt. Aus diesem Grund rate ich:

Es gibt keinen perfekten Zeitpunkt für ein Kind, nur Menschen die den Mut haben, Kinder in die Welt zu setzen.

Kinder „versauen” einem die Karriere

Gerade Frauen denken häufig, dass eine Karriere mit Kindern schwieriger ist. Das ist mit Sicherheit momentan auch so, allerdings sind die Frauen und Männer in Deutschland daran selbst Schuld. Erstens haben die Männer die Pille erfunden und die Frauen haben sie wortwörtlich geschluckt und auch noch die Verbreitung propagiert. Seit der Einführung der Pille geht die Geburtenrate in Deutschland kontinuierlich zurück. Je mehr Frauen und Männer keine Kinder haben, desto mehr kinderlose Männer und Frauen bewerben sich auf die Jobangebote. Diese werden dann von ebenso kinderlosen Chefs häufig lieber genommen als Männer und Frauen mit Kindern. Da die Mehrheit der Menschen keine Kinder hat, wählt man in Deutschland Parteien die eine fragwürdige Familienpolitik betreiben. Wir wählen eine Frau zur Kanzlerin, die selbst keine Kinder hat, und so verschlimmert sich die Situation von Jahr zu Jahr.

Damit sich wirklich etwas an dieser Situation ändert, müssen die Frauen und Männer in Deutschland wieder mehr Kinder kriegen. Warum das so ist, werde ich nun mal kurz gedanklich durchspielen. Mal angenommen alle Frauen und Männer in Deutschland würden Kinder bekommen, dann würde man als Frau und als Mann bei jeder Bewerbung gegen andere Mütter und Väter konkurrieren. Der Arbeitgeber würde hier eh nur eine Frau oder einen Mann mit Kindern einstellen können müssen, egal ob er will oder nicht. Die vermeidlich ungerechte Situation würde gar nicht existieren. Damit das aber wirklich funktioniert, müssten die Väter beim Vorstellungsgespräch geschlossen sagen, wenn ein Kind kommt dann bleibe ich auch für ein paar Monate freiwillig zu Hause. Würden das alle Väter machen, könnten die Chefs niemanden bevorzugen. Die Frauen und Männer haben sich in Deutschland selbst eine Zwickmühle gebaut – aus der sie nur durch „Kinderkriegen” und mit gemeinschaftlicher Geschlossenheit wieder herauskommen. Die Chefs hätten dann übrigens auch Kinder und würde wahrscheinlich sagen:

Als Chef einer Firma, würde ich niemanden einstellen, der noch kein Kind hat. Denn wer Kinder hat, bekommt wenigstens keine Lebenskrise, ob sein Leben überhaupt Sinn macht. Eltern haben darüber hinaus ein besseres Zeitmanagement und eine höhere soziale Kompetenz. Das ist in vielen Berufen sehr wichtig.

Ich kann diesem Satz als Vater uneingeschränkt zustimmen. Ebenso würden, wenn alle Menschen Kinder hätten, familienfreundliche Arbeitsmodelle stärker bevorzugt sein. Beispielsweise sprach ich mit einer Frau, die in einer Firma arbeitet, in der nur Frauen beschäftigt sind. Jede Frau hat sich vor der Anstellung bereit erklärt – für den Fall, dass jemand wegen seines Kindes mal nicht kann – ein zuspringen. In diesem Betrieb kann jede Frau ohne große Probleme, wenn die Kinder krank sind, mal zu Haus bleiben. Dafür arbeiten die anderen Mitarbeiter auch mal eine Stunde länger. Außerdem gibt es Konzepte, wo sich Mann und Frau bei gleicher beruflicher Qualifikation auf eine Stelle bewerben können und sich die Arbeitszeit teilen können.

Wir brauchen mehr von solchen Modellen und mehr Frauen und Männer, die den Mut haben, Kinder zu bekommen und den Beruf und Kinder meistern können. Fehlt es uns beim Thema Familie und Arbeit nicht eher an Kreativität? Sind wirklich die Kinder das Problem, oder sind es eher die politisch veralteten Arbeitsmodelle, die sich an einer Männer- und Frauenwelt ohne Kinder orientieren?

Das Vorher – Nachher Paradoxon

Ich habe festgestellt, dass es einen großen Unterschied macht, ob man mit Frauen und Männern spricht, bevor sie Kinder haben oder danach. Frauen und Männer, die noch keine Kinder haben – sehen häufig nur die Nachtteile. Kinder schreien, machen Arbeit, behindern die Karriere, schränken die Freiheit im Beziehungsleben ein usw. … Frauen und Männer, die schon ein Kind bekommen haben, sagen oft: Kinder sind voller Überraschungen, sie haben noch ehrliche Freude, ich kann mir ein Leben ohne Kinder gar nicht mehr vorstellen, die Aufgabe Eltern zu sein ist zwar anstrengend, aber unglaublich erfüllend, mein Partner und ich sind seit der Geburt unseres Babys noch stärker verbunden usw. …

Dieses „Vorher – Nachher Paradoxon” ist mit Sicherheit einer der stärksten Gründe, warum sich Frauen und Männer beim Familie gründen selbst im Weg stehen. Ich möchte es mal mit meinen eigenen Worten formulieren, die zum Nachdenken anregen sollen:

Bevor es das Internet gab – hat es niemand vermisst oder gewollt. Jetzt können sich viele Menschen ein Leben ohne Internet nicht mehr vorstellen. Beim Thema eine Familie zu gründen ist es ähnlich. Den wahren Wert einer Familie erkennt man erst, wenn man eine Familie gegründet hat.

Fazit

Ich möchte mit diesem Artikel alle Frauen und Männer ohne Kinder mal zum Nachdenken anregen. Ihr selbst und nicht der Staat, die Wirtschaft oder dein Chef sollte entscheiden ob du Kinder bekommst. Ich kann als Vater eines fast 8-Monate alten Sohnes sagen, dass es sich lohnt eine Familie zu gründen. Es ist aus meiner Sicht eine der bedeutendsten Erfahrungen im Leben eines Menschen. Leider begreift man den wahren Wert einer Familie erst, wenn man eine gegründet hat. Aus diesem Grund werden Frauen und Männer sich auch in künftig beim Thema eine Familie zu gründen im Weg stehen.

Mit familiären Grüßen

Marcus Krahlisch

Mit diesem Beitrag nehme ich an der Blogparade zum Thema „Eine Familie gründen – ja oder nein?“ teil.

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{ 2 comments… add one }
  • Vanessa
    13. Juni 2016, 11:07

    was für ein blödsinn, unglaublich. männer die über eine geburt reden, als hätten sie auch nur die leiseste ahnung wie sich das ganze anfühlt. zusehen ist leider was absolut anderes als aktiv daran beteiligt zu sein.

    • Anne Zietmann
      12. Juli 2016, 20:30

      Naja, es gibt ja auch Frauenärzte, die sich auch als Mann mit dem Thema Geburt auskennen. Ich persönlich hatte z. B. bei der Geburt unseres Kleinen „NUR“ Hebammen dabei, die selbst auch noch keine Kinder hatten. Da hab ich ja auch nicht gesagt: „Oh ihr habt ja keine Ahnung usw… 😉 LG Anne