NFP begeistert Publikum auf Gesundheitsmesse 2013 in Berlin

NFP-App-Workshop

Mein Live Bericht von der Gesundheitsmesse in Berlin Karow zeigt, warum NFP auf einer Gesundheitsmesse gut ankommt und eine Zukunft hat.

Es ist Samstag der 14. September 2013 gegen 10.00 Uhr als ich abermals mit dem Bus nach Berlin Karow unterwegs bin. Etwa eine viertel Stunde später befinde ich mich im Eingangsbereich der Robert-Havemann-Schule und baue den NFP-Stand zusammen mit den anderen Bloggern und UnternehmerInnen zum Thema Windelfrei, Tragen, Stillen, Babyschlaf, Babyzeichensprache und vieles mehr auf. Besonders toll ist hier die Krabbel- und Stillecke gelungen, bei der sich unser Babysohn gemeinsam mit anderen Babys austoben kann. Das Schulgebäude hat durch die vielen Glastüren eine wirklich schöne Belichtung, die unseren Stand gut zur Geltung kommen lässt.

Es ist gegen 11:00 Uhr, eine große Schar Schüler von 11 bis 16 Jahren durchströmen die Räume des Schulgebäudes mit einem Zettel auf der Hand. Nur wer mindestens 6 Stempel hat, darf die Gesundheitsmesse ordnungsgemäß verlassen. Einen Stempel gibt es sobald man am Stand eines Veranstalters etwas gemacht hat oder einen Workshop besucht hat. Ich bin etwas nervös, ob unser Workshop zur Verhütung mit NFP Apps bei dem doch sehr jungen Publikum Resonanz finden wird. Für alle anderen Besucher ist der Eintritt und die Tagesgestaltung frei und so finden sich einige Mütter und Fans des Artgerecht-Projektes ein.

Die anderen Mama Blogger an unserem Stand sammeln durch eine Tombola mit hochwertigen Preisen etwas Geld für das Kinderhospiz Sonnenhof ein. Ein Los kostet 2 Euro und bringt garantiert einen Gewinn ein, was vielen Besuchern des Standes sehr gefällt. Eine Frau sackt gleich zu Beginn der Messe den Hauptpreis ein – ein Tragetuch im Wert von über 100 Euro! Ich hole mir auch ein paar Lose und gewinne ein wirklich tolles T-Shirt des Artgerecht Projektes, das ich nun stolz auf jedem Artgerecht Treffen anziehen werde. 🙂

Aber auch unser NFP Stand kann jung und alt begeistern, vor allem wenn es um die Ertastung des Muttermundes geht. Für unsere NFP-Kurse hat Anne ein Muttermund-Fühl-Modell gebastelt, dass den Muttermund zur Zeit des Eisprungs (offen und weich) sowie in der unfruchtbaren Zeit (geschlossen, hart) zeigt, dessen Bauanleitung sie noch genauer in einem späteren Artikel vorstellen wird. Nun ist es – das Fühl-Modell – auf der Gesundheitsmesse ein echter Star geworden! Auf die einladende Frage: „Möchtest du mal unseren Muttermund fühlen?” ist die Reaktion gemischt. Während manche junge Mädchen mit „Iiihhh auf keinen Fall” antworten – können andere dem Gebärmutterhals-Fühl-Experiment ein „Oh cool, na dann bin ich mal gespannt?” abgewinnen. Ob sich hier schon die Bereitschaft, NFP zu erlernen zeigt, vermag ich nicht zu beurteilen, aber die Gesichter waren jede Mühe wert und sorgten für einen hohen Spaß Faktor. Natürlich haben wir auch etwas Fake Zervixschleim mitgebracht, den wir allerdings nur sehr interessierten Besuchern des Standes zeigten.

Die ältere Generation und die Lehrer sind vom MFM Projekt begeistert und möchten mehr von uns erfahren. Die wunderbaren Info Broschüren mit vielen Bildern aus den MFM-Workshops kommen sehr gut an, sodass viele darüber nachdenken es an ihrer Schule beim nächsten Elternabend mal vorzustellen.

Für unseren Workshop „NFP – Verhüten mit Apps” können wir vor allem die jungen Eltern zwischen 20 und 35 Jahren gewinnen, die an unserem Stand sehr interessiert rund um Informationen über die symptothermale Methode erfragen und sich Flyer einstecken.

Workshop: NFP Verhüten mit Apps

In meinem Workshop finden sich vier Mütter und zwei junge Schüler ein. Die Schüler verlassen den Workshop schon nach ein paar Minuten, da sie nur einen Stempel wollten und schon beim Einstiegs-NFP-Quiz bei jeder Frage die falsche Antwort ankreuzten. Die Frauen, die vorwiegend mit ihren Babys gekommen sind, hören aufmerksam zu und sind total baff, dass man zur Zeit des Eisprungs theoretisch von zwei unterschiedlichen Männern schwanger werden könnte [innerhalb von 12-18 Stunden und nur wenn zwei Eizellen „springen“]. Ebenso sind alle Frauen erstaunt, dass es – außer dem Kondom – noch andere Barrieremethoden gibt.

Eine Frau hat schon NFP Erfahrung mit der Temperaturmethode gesammelt und ist begeistert, dass man auch mit Zervixschleim oder Muttermund in doppelter Kontrolle mit der Basaltemperatur die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage im Menstruationszyklus bestimmen kann. Diese Vorgehensweise hat nämlich viele Vorteile. Zum einen ist eine Methode, die zwei Körpersymptome (z. B. Temperatur + Zervixschleim) verwendet sicherer als eine, die nur ein Körpersymptom (Temperatur) nutzt. Zum anderen hat die symptothermale Methode aufgrund dieser doppelten Kontrolle geringe Anforderungen an den Temperaturanstieg, sodass sich die fruchtbaren Tage in nahezu jedem Zyklus nach den Regeln der AG NFP bestimmen lassen. Dies ist bei der Temperaturmethode aufgrund der strengen Regeln nicht der Fall, wo sich nur in etwa 60 Prozent der Zyklen die fruchtbaren Tage bestimmen lassen. Bei der anschaulichen Erklärung des Menstruationszyklus hören die Frauen aufmerksam zu und möchten nun mehr über die NFP Beratung/Kurse und Natürlich und sicher erfahren.

Im dritten Teil des Workshops stelle ich die Online Zyklusverwaltung von myNFP.de und die entsprechenden Apps für das iPhone und Android vor. Die meisten Frauen im Workshop haben ein Android Smartphone und sind daher vorallem an dem NFP Apps dieses Betriebssystems interessiert. Ich geben hier den Hinweis, dass man bei der Verwendung eines NFP Apps unbedingt darauf achten sollte, dass diese nach den Regeln der Arbeitsgruppe NFP arbeiten und stelle hier mehrere NFP Apps mit Vor- und Nachteilen vor. Die Frauen sind zufrieden und haben keine weiteren Fragen. Ich bin mit der Resonanz im Workshop sehr zufrieden und freue mich nun wieder an den Stand zu gehen.

Die NFP Highlights

Zum Ende des Artikels möchte ich noch ein paar Highlights vom Stand erzählen, die mich persönlich am meisten bewegt haben. So fanden sich zwei junge etwa 13-14 jährige Mädchen bei Anne ein. Als sie die skeptischen Mädchen auf NFP aufmerksam machte und im Anschluss über die Risiken und Nebenwirkungen der Pille aufklärte – konnte sie ein Entsetzen in den Gesichtern erkennen. Anne fragte sie, ob sie denn die Pille nehmen – beide nickten schüchtern mit dem Kopf. Wie viele andere junge Mädchen wurde auch diese beiden nicht genügend von ihrem Frauenarzt über Nebenwirkungen von hormoneller Verhütung aufgeklärt, was mich in Anbetracht des erhöhten Thrombose Risikos schon sehr berührt. Die meisten Mädchen gaben sich anfangs selbstbewusst: „Ich bin aufgeklärt, ich weiß das man als Frau die Pille nehmen muss und der Mann das Kondom.” Allerdings sind viele junge Frauen sehr überrascht, wenn man ihnen erklärt, dass es auch ohne künstliche Hormone geht und es gerade bei der Pille Risiken und Nebenwirkungen gibt. Mir haben diese Erfahrungen gezeigt, wie wichtig die Aufklärungsarbeit rund um NFP ist.

Am Nachmittag als schon viele jungen Frauen und Männer unseren Stand besuchten, ließ ich zwei Mädchen nochmals den Muttermund fühlen, allerdings ohne ihnen vorher zu sagen, um was es sich handelt. Auf einmal entgegnet die eine Schülerin: „Das ist der Muttermund einmal zur Zeit des Eisprungs und einmal weiter weg”. Ich bin völlig sprachlos und erkläre ihnen, das man die Temperatur in Kombination mit Zervixschleim und Basaltemperatur zur Bestimmung der fruchtbaren und unfruchtbaren Tage nutzen kann. Ich zeige ihnen darauf ein Zyklusblatt der Arbeitsgruppe NFP und werde von von den Schülerinnen unterbrochen. „Das haben wir gerade in Biologie”, dass ist doch NFP oder „Natürliche Familienplanung”. Die Mädchen lachen, als sie meinen überraschten Gesichtsausdruck bemerken, und nehmen interessiert ein paar Flyer mit. Ich bin total baff und frage, ob sie mir ihre Biologielehrerin mal an den Stand holen können.

Fünf Minuten später steht die Biologielehrerin an meinem Stand und erklärt mir, dass sie vorwiegend die Temperaturmethode und Kalendermethode im Unterricht vorstellt. Hierzu müssen die Schüler auch mal einen kompletten Zyklus mit der Temperaturmethode in einer Arbeit auswerten. Die Vermittlung von NFP hält sie für sehr wichtig, gerade in Anbetracht dessen, dass immer mehr Frauen schwer schwanger werden können, da sie so wenig über ihre Fruchtbarkeit wissen. Einige Eltern zeigen jedoch für die Vermittlung von NFP im Schulunterricht leider großes Unverständnis. „Das ist doch alles überholt”, erwidern viele Eltern. Dennoch hält die überzeugte Biologielehrerin an ihrem Konzept fest, da sie selbst mit NFP zweimal erfolgreich geplant zum perfekten Zeitpunkt schwanger geworden ist und das Wissen um die eigene Fruchtbarkeit schützen möchte. Aus diesem Grund interessiert sie sich natürlich auch für das MFM Projekt und nimmt begeistert ein paar Flyer mit.

Eine sehr interessante Erfahrung machte ich auch mit einer Frauenärztin am Stand, die ich ebenso bat den Muttermund zu ertasten. „Das kenne ich schon, ich bin Frauenärztin! NFP wende ich selbst schon seit 17 Jahren an. Sie können mir nichts Neues mehr erzählen. Danke!”, entgegnet die Ärztin abriegelnd. Dennoch bekomme ich sie irgendwie dazu, den Fake-Muttermund zu ertasten, weil ich wissen will, ob Annes gebasteltes Modell realistisch ist. Als Frauenärztin hat sie schließlich schon so einige Muttermünder abgetastet und kann das beurteilen. Die Ärztin ist überrascht, wie gut das Modell gelungen ist, aber dennoch kann ich das Gespräch mit ihr nicht vertiefen. Ich bin etwas enttäuscht. Nun hat man endlich mal eine Frauenärztin vor sich, die NFP kennt und dann so eine Reaktion – das hätte ich nicht erwartet.

Mein Fazit

Die Gesundheitsmesse in Berlin Karow war für die Verbreitung von NFP und dem MFM Projekt ein voller Erfolg. Viele junge Frauen konnten an diesem Tag erstmals etwas über die symptothermale Methode nach den Regeln der AG NFP erfahren. Einige von ihnen noch bevor sie jemals Hormone zur Verhütung nehmen. Die älteren Besucher und Lehrer waren vom MFM Projekt begeistert und wollten sehr viel darüber erfahren.

Am Workshop nahmen zwar wenige teil, aber dafür sehr Interessierte und auch das Thema „NFP Verhütung mit Apps” kam sehr gut. Allerdings hätte ich mir hier von den Schülern etwas mehr Resonanz erhofft, da fast jeder junge Menschen dieser Generation ein Smartphone besitzt und es nur noch so wimmelt vor lauter Apps. Dennoch machte der Workshop und die Messe wirklich riesigen Spaß – und das war ja auch das Motto der Messe: „Gesundheit mit Spaß“.

Hinsichtlich der Verbreitung von NFP durch und mit FrauenärztInnen, schätze ich die Chancen in naher Zukunft sehr gering ein. Die FrauenärztInnen, die NFP kennen und anwenden, halten NFP Berater und NFP Beratung für unnötig. Sie sind davon überzeugt, dass sie das einfach selbst den Frauen erklären können. Die Frauenärzte, die NFP nicht anwenden, sind von der Pille und hormonellen Verhütungsmethoden derart überzeugt, dass sie nicht offen für andere Möglichkeiten sind. NFP wird meiner Ansicht nach eine Revolution von unten, denn viele Frauen haben ihre eigenen Erfahrungen mit der Pille und anderen hormonellen Verhütungsmethoden gemacht, sie wissen mittlerweile welche Vor- und Nachtteile diese Methoden haben. Diese Frauen sind offen für NFP und werden aus meiner Sicht den entscheidenden Unterschied machen. Es ist nun unsere Aufgabe, dass sie sich im Netz und auf regionalen Veranstaltungen zum Thema NFP informieren können. Ebenso kann es helfen gerade junge Frauen schon im Schulunterricht über die Fruchtbarkeit und den Zyklus sowie NFP Methoden aufzuklären, vielleicht lassen sich künftig mehr Lehrer dazu gewinnen. Das MFM Projekt bietet hier ja erste Einstiegspunkte, da es den Jungen, Mädchen, Eltern und Lehrern eine erste entscheidende Information über die eigene Fruchtbarkeit und den weiblichen Menstruationszyklus bietet.

Die Atmosphäre am Stand war einfach toll und die anderen Blogger konnten mit ihren Themen rund um Windelfrei, Stillen, Tragen, Babysprache ebenso bei ihrem Publikum begeistern. NFP und Windelfrei haben viel gemeinsam. Aus diesem Grund verwundert es mich nicht, dass auch gerade die Frauen, die Windelfrei praktizieren vorwiegend den NFP Workhop besuchen. Vielleicht kann diese Symbiose ein entscheidender Schlüssel zur Verbreitung von NFP in Deutschland sein.

Natürliche Grüße senden

Berater und Beraterin für Natürliche Familienplanung
Marcus Krahlisch und Anne Zietmann

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  • Cat
    17. September 2013, 12:18

    Der Artikel ist echt super gelungen und euer Tag klingt wunderbar aufregend. Er ist sehr lang geworden aber ich habe trotzdem bis zum Schluss gelesen. So einen Fake-Muttermund habe ich auch damals bei meiner NFP-Beraterin ertasten dürfen. Das ist aber schon wieder so lange her, dass ich mich gar nicht mehr richtig dran erinnern kann. Mit Fake-Schleim habe ich selbst schon mal gearbeitet um gute Bilder für ein NFP-Forum und für meinen Blog zu machen. Ich finde es übrigens auch sehr schade und etwas merkwürdig dass die Frauenärztin die ja schon selbst NFP mache, das so seltsam drauf war. Meine Vermutung war, als ich das gelesen habe, in den Moment, “Vielleicht verwendet sie eine andere Form von NFP an oder gibt nur vor NFP zu kennen, anzuwenden. Und damit man ihr Unwissen nicht bemerkt, geht sie weg.”