Wie man sein Kind artgerecht aufklärt

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Wie und wann klärt man sein Kind artgerecht über Liebe, Sexualität und Fruchtbarkeit auf? Spielerisch und natürlich zum optimalen Zeitpunkt aufklären.

Zur Zeit beschäftige ich mich viel mit sexueller Aufklärung von Mädchen, die am Anfang ihrer Pubertät stehen, da ich mich gerade auf meine MFM-Abschlussprüfung des MFM Programmes vorbereite. Gleichzeitig interessiere ich mich sehr für das artgerechte Aufwachsen von Babys und Kindern, da ich selbst einen fast einjährigen Sohn habe. So kam ich zu der Frage: Wie klärt man sein Kind artgerecht auf? Das heißt, wie kläre ich mein Kind auf, so dass es das Wesentliche versteht, die Situation nicht so verklemmt wirkt/wird und es die „Neuigkeiten“ positiv aufnimmt? Ich finde, hierfür sind drei entscheidende Punkte ausschlaggebend: Timing, Natürlichkeit und Spaß!

Timing

Kinder – wie auch Erwachsene – können am besten Dinge lernen und verstehen, wenn sie im Flow sind. Warum also diese Flows nicht dazu nutzen? Bereits mit etwa sechs Monaten beginnen Babys schon ihren eigenen Körper zu entdecken und zu ertasten. Um diesen Erkundungsdrang zu fördern, liegt es doch nur nahe, dem Baby die Windel mal auszuziehen und sein Baby so wie es auch das Licht der Welt erblickte – nämlich nackt – sein zu lassen. Natürlich sollte man für eine dem entsprechende Temperatur sorgen und während des Sommers im Garten auf den Sonnenschutz achten. Windelfrei und das Abhalten hat hierbei den Vorteil, dass das Kind sein Geschlechtsteil überhaupt erstmal wahrnehmen kann in einer seiner Funktionen – nämlich der Ausscheidung. Das würde ich zumindest schon zur Aufklärung zählen.

Sobald das Kind sprechen kann, dauert es auch nicht mehr lang bis die ersten Fragen kommen. Wenn das passiert, finde ich es wichtig, seinem Kind ehrlich und altersgerecht alle Fragen zu beantworten. Auch hierbei gilt also – nutze die Flows, um dein Kind aufzuklären. Die Workshops des MFM Programmes beispielsweise sind auch genau auf die Zielgruppe von 10 bis 12-jährigen Jungen und Mädchen optimiert, so dass die Kinder genau da abgeholt werden, wo sie gerade in ihrer Entwicklung stehen. Das finde ich persönlich sehr sinnvoll.

Natürlichkeit

Aufklärung und Natürlichkeit hängen ja in gewisser Weise schon zusammen, deshalb würde ich mein Kind auch so natürlich wie möglich aufklären. Dazu zähle ich das Wissen über den Menstruationszyklus und unter anderem die Entstehung eines neuen Menschenlebens. Wenn man mit seinem Kind darüber spricht, kann man das auch ganz natürlich, locker und authentisch gestalten – ohne sich dabei zu verbiegen oder in eine verkrampfte Lehrerhaltung zu rutschen und von Bienchen und Blümchen zu erzählen.

TIPP: Wenn man es sich selbst nicht zutraut, hilft eventuell ja auch der/die PartnerIn, Oma oder Opa aus?

Zur Natürlichkeit zähle ich auch das Körperbewusstsein und den Bezug zum eigenen Körper, der zunächst einmal verstanden werden sollte bevor man über Sexualität aufklärt. So ist es auch möglich eine positive Einstellung zur Menstruation und Veränderungen in der Pubertät zu erlangen.

Wichtig finde ich beim Thema Aufklärung über Sexualität und Verhütung, dass man natürliche Methoden wie z. B. Natürliche Familienplanung (NFP) erklärt BEVOR man erklärt wie ein Kondom, die Pille oder Spirale funktionieren. Solange das „Natürliche“ nicht verstanden wurde und sozusagen nicht klar ist, was eine hormonelle Verhütung mit dem natürlichen Menstruationszyklus anstellt, finde ich es nicht fair gegenüber einem 13 oder 14-jährigem Mädchen, die Pille zu erklären oder ihr diese gar zu empfehlen. Auch Ärzte sehe ich in diesem Punkt in ihrer Aufklärungspflicht – leider klären die meisten Gynäkologen ihre Patientinnen dahingehend ungenügend auf.

Dr. med. Elisabeth Raith-Paula wird diesen – wie ich finde – artgerechten Ansprüchen in ihrem Buch „* Was ist los in meinem Körper: Alles über Zyklus, Tage, FruchtbarkeitWas ist los in meinem Körper?“ wirklich gerecht.

Spaß

Den Spaß finde ich bei der Aufklärung sehr wichtig. Ich bin sogar der Meinung, dass der Spaßfaktor während der Aufklärungsphase dazu beiträgt, wie erfüllend das spätere Sexualleben ist. Wer mit viel Freude, Verständnis und Kreativität aufgeklärt wurde, dem fällt es sicherlich auch einfacher, später offen und ehrlich mit seiner/seinem PartnerIn über die Sexualität in der Beziehung zu reden, auf die Bedürfnisse des Anderen einzugehen und selbst Spaß an der Sexualität zu haben – als jemand, dem erzählt wurde, dass Sexualität etwas „schlechtes“/„schmutziges“ sei oder dessen Eltern es zu peinlich war, über Sexualität zu reden und deshalb einfach gar nichts aufgeklärt haben. Zum Glück gibt es ja seit einer Weile schon das MFM Programm, bei dem spielerisch alle wichtigen Fakten zur Entstehung neuen Lebens in einem Workshop im Rahmen eines Schulprojekttages erklärt werden. Die Jungen schlüpfen im Workshop in die Rolle der Spermien und die Mädchen erleben hautnah die Zyklusshow. Da 97 Prozent der teilnehmenden SchülerInnen am Ende des Workshop zufrieden sind und ich das Projekt persönlich kenne und sehr schätze, empfehle ich allen Eltern ihrem Kind solch einen Workshop zu ermöglichen. Hierfür müssen die Eltern einfach mal an einem Elternabend den Lehrern das MFM-Programm vorschlagen und dann kann dies an der jeweiligen Schule organisiert werden.

Wer keine Möglichkeit hat, sein Kind am MFM Programm teilnehmen zu lassen, kann ja auch selbst etwas kreativ werden und z. B. mit seinem Kind eine Spermie und eine Eizelle basteln?

Übrigens läuft zum Thema: „Wie klärst du dein Kind auf?“ noch bis zum 15. Oktober eine Blogparade auf unserem Blog, an der alle Interessierten teilnehmen können.

Nun wünsche ich euch ein gutes Timing, Natürlichkeit und viel Spaß beim Aufklären eurer Kinder!

Anne Zietmann
[Beraterin für Natürliche Familienplanung und
in Ausbildung zur MFM-Referentin]

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