Meine ersten MFM Workshops

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Nach meiner MFM Ausbildung, berichte ich nun über meine ersten MFM Workshops, die alle in Berlin stattfanden mit Schülerinnen der 5.+6. Klasse.

Mein erster MFM-Workshop

Mein allererster Workshop, den ich alleine leiten durfte, war an einem Berliner Gymnasium. Es gab leider aus organisatorischen Gründen keinen Jungen-Workshop, dafür aber zwei Mädchen-Workshops parallel. Es sollten eigentlich sieben Mädchen in meinem Workshop sein, aber kurzfristig kam noch ein Mädchen dazu, weshalb ich etwas improvisieren musste, denn alle Süßigkeiten und kleine Geschenke sind im Workshop genau auf die Anzahl der Teilnehmerinnen abgezählt. Ich hatte glücklicherweise noch ein paar Dinge in Reserve dabei und konnte das ausgleichen. Meine Mädchengruppe war insgesamt sehr lebhaft und die MFM-Referentin im Klassenraum nebenan konnte meine Gruppe öfter mal lautstark hören. Etwa bei der Hälfte des Workshops kam plötzlich unangekündigt eine Hospitantin in meinen Klassenraum, die eigentlich bei dem Workshop neben an hospitieren wollte. Sie nahm aus Versehen die falsche Tür und da wir uns zufälligerweise schon von einer anderen Veranstaltung kannten, blieb sie einfach in meinem Workshop. Insgesamt verlief mein erster Workshop sehr gut. Die Mädchen waren zufrieden und ich mit mir auch. Am Ende sprachen meine MFM Kollegin Michaela und ich noch mit der Mutter einer Teilnehmerin, die dafür gesorgt hat, dass die MFM Workshops an dieser Schule überhaupt stattfinden konnten. Das war natürlich schön zu hören, wie toll sie als Mutter einer Tochter diese Aufklärungsworkshops findet und obendrein haben wir auch ihr noch den Unterschied zwischen Ausfluss und Zervixschleim erklärt. Super Erfolg! 😀

Mein zweiter MFM-Workshop

Zwei Tage später – also noch in der selben Woche – folgte schon mein zweiter Workshop. Parallel fand noch ein Mädchenworkshop und ein Jungenworkshop statt. Der MFM-Referent für die Jungen ist extra aus Mecklenburg-Vorpommern angereist. Diesmal waren wir an einer katholischen Schule und ich bekam sechs tolle und aufgedrehte Mädchen. Eigentlich sollten es acht Mädchen sein, aber ich war dann ganz froh darüber, dass es zwei weniger waren, denn diese Gruppe war wirklich nicht einfach zu leiten. Unkonzentriert, permanent nicht-ausreden lassen, ungeduldig und sehr viel Energie ergaben eine extrem anstrengende Mischung. Es war schon schwierig auch nur einen Satz vernünftig auszusprechen. Trotz dieser Überdrehtheit waren mir gegenüber die Mädchen sehr aufgeschlossen und sympathisch. Ich hatte an diesem Tag Geburtstag und hatte den Mädels das aber nicht gesagt. MFM-ist-coolUnd obwohl sie es nicht wussten machten sie mir ein ganz tolles Geburtstags-Geschenk, in dem sie mir in der Pause gemeinschaftlich etwas an die Tafel malten. „MFM ist cool“ schrieben sie an die Tafel und ein kleines Herz mit „Anne“ darin. Wie süß, dachte ich mir 🙂 . Dieses Tafelbild (abfotografiert) haben Marcus und ich als Titelbild für die MFM Facebookgruppe genommen, weil wir das so toll fanden. Sehr erschrocken habe ich mich, als die Mädchen am Anfang des Workshops, nachdem ich ihnen erklärt habe was eine Gleichung ist (wichtig für die Gleichung des Lebens), das erste Mal verstanden haben, was eine Gleichung überhaupt ist. Die Mädchen hatten einen richtigen Aha-Effekt und fragten mich daraufhin, ob ich nicht bei ihnen an der Schule Lehrerin sein kann, weil ich so gut Dinge erklären kann. Sehr witzig, denn ich wollte früher mal tatsächlich Grundschullehrerin werden, ich scheiterte jedoch am Eignungstest. 😀 Nun frage ich mich aber, was machen eigentlich die MathelehrerInnen im Unterricht? Scheinbar war das kein Einzellfall – viele SchülerInnen wissen in der 5. und 6. Klasse nicht, was eine Gleichung ist, aber das ist eine andere Geschichte. So etwa in der Mitte des Workshops als wir das Thema Geburt besprachen, erstaunten mich die Mädchen erneut: Von sich aus sprachen sie das Hebammendilemma an und verrieten mir, dass sie später wenn sie mal ein Kind bekommen, unbedingt eine Hebamme bei der Geburt dabei haben möchten und nicht nur ein Arzt oder eine Ärztin. Diese Erkenntnis von solch jungen Mädchen von 10-11 Jahren rührte mich zutiefst. Nun müssen es „nur“ noch die Politiker verstehen…

Mein dritter MFM-Workshop

Eine Woche hatte ich Pause, dann folgte mein dritter Workshop im Juni mit zehn Mädchen und wieder an einer katholischen Grundschule in Berlin. Bei diesem Workshop war die Organisation im Vorfeld sehr schwierig und ich bin eigentlich auch nur kurzfristig eingesprungen. Es gab an diesem Tag an dieser Schule drei Mädchenworkshops und zwei Jungenworkshops. Ein männlicher Referent kam diesmal sogar aus Köln angereist! Ihr seht: in Berlin fehlen MFM-Männer. Zurück zum Workshop: Gleich zu Beginn fanden die Mädchen den Workshop so gut, dass sie mir sagten, sie wollen am liebsten jeden Tag einen Workshop machen anstatt Unterricht. Das kann ich gut verstehen. Interessant war für mich, dass die Mädchen relativ viel über die künstliche Befruchtung wissen wollten und auch ein Mädchen dabei war, dass auf diesem Weg entstanden ist. Klar, dass dann das Interesse für dieses Thema noch höher ist. Das Hauptthema im Mädchen MFM Workshop ist jedoch die natürliche Entstehung von einem neuen Menschen, dass es deshalb den Zyklus der Frau gibt und wie es zur (ersten) Blutung kommt. Insgesamt verlief jedoch alles recht gut und trotz der höheren Anzahl an Mädchen, war meine Gruppe sehr umgänglich und harmonisch. Am Ende des Workshops bekam ich sogar noch Pralinen geschenkt (und die anderen ReferentInnen auch). Das war eine schöne Geste 🙂 .

Mein vierter MFM-Workshop

Drei Tage später war dann mein letzter Workshop im Juni. Es gab hier keine besonderen Vorkommnisse außer einer netten 7er Mädchengruppe und einer sehr liebevoll umsorgenden Klassenlehrerin. Neben meinem Workshop fanden wieder ein Jungenworkshop und ein weiterer Mädchenworkshop gleichzeitig statt. Das Einzige blöde, was passiert ist: Mein Koffer hat den Geist aufgegeben – und das schon nach nur vier Workshops! Ok ich hatte ihn zuvor auch schon ab und zu in Anspruch genommen, aber ich dachte, er hält noch etwas länger 🙁 . Auf dem Rückweg löste sich auf der Treppe, die zur Schule raus führte, die Teleskopstange meines Rollenkoffers. Ich musste sie noch unterwegs entsorgen und den Koffer am Griff festhalten beim Rollen. Nun habe ich mir einen * neuen hoffentlich stabileren Koffer gekauft, der auch ein bisschen besser aussieht als mein voriger.

Mini Statistik in meinem ersten MFM Monat:

Von den insgesamt 31 teilnehmenden Mädchen aus meinen 4 Workshops fanden
12 Mädchen es war super (39%),
18 Mädchen es war gut (58%),
1 Mädchen es war ok (3%),
0 Mädchen es war nicht besonders.
[anonym angekreuzt im Feedbackbogen am Ende des Workshops]

Man kann also sagen, dass 97% der teilnehmenden Mädchen zufrieden oder sehr zufrieden in meinen MFM Workshops waren. Damit liege ich genau im Durchschnitt, denn beispielsweise gaben 2012 in allen durchgeführten MFM Workshops ca. 97,5% der TeilnehmerInnen an, dass ihnen der Workshop gut oder sehr gut gefallen hat. Wenn man berücksichtigt, dass ich gerade noch am Anfang stehe und jetzt schon im Durchschnitt liege, dann kann ich mit mir sehr zufrieden sein. Allerdings sehe ich bei mir noch viel Vierbesserungspotential und ich frage mich natürlich, ob es möglich ist über ein Jahr auch mal 100% positives Feedback zu erhalten. Ich habe aus den ersten MFM Workshops gelernt, dass jeder Workshop trotz der Standardisierung immer anders ist, oft muss man sich aufgrund der Bedingungen der Schule sowie der Schülerinnen sehr schnell spontan umstellen. Mir macht die MFM Arbeit jedenfalls großen Spaß und ich freue mich nun schon auf die nächsten Workshops.

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