Zweiter Besuch bei der Forschungsgruppe NFP

Universtiätsfrauenklinik Heidelberg - Im Neuenheimer Feld 440

Bei meinem zweiten Besuch der Forschungsgruppe NFP in Heidelberg habe ich wieder interessante Neuigkeiten rund um NFP mitgebracht.

Es ist der 10.07.2014 und ich steige gegen 6:00 Uhr in den ICE von Berlin über Mannheim mit dem Zielbahnhof Heidelberg ein. Im Zug bereite ich mich auf meinen Vortrag beim heutigen Treffen der Forschungsgruppe NFP im Neuenheimer Feld 440, 69120 Heidelberg in der Frauenklinik vor. Als ich gegen 13.00 Uhr pünktlich in der Klinik zum Treffen erscheine, werde ich freundlich von den Mitgliedern der Gruppe begrüßt. Der Seminarraum ist schön hergerichtet und ein paar Snacks stehen auf dem Tisch.

Auf der Tagesordnung stehen elf Punkte, von denen die meisten natürlich streng vertraulich sind. Dennoch darf ich in Absprache mit der Sektion Natürliche Fertilität, wie sich die Forschungsgruppe NFP offiziell seit 2004 nennt, bekannt geben.

Große Erfolge beim ESCRH 2014

Auf Facebook habe ich ja schon seit einiger Zeit auf die Beiträge von U. Sottong und C. Gnoth auf dem größten europäischen Kongress über Verhütung (ESCRH 2014) berichtet. Beide Vorträge kamen sehr gut beim Fach-Publikum an. Zwei Punkte fanden besonders reges Interesse. Zum einen wurde die Sicherheitsstudie über die symptothermale Mehode heiß diskutiert (Frank-Herrmann und Mitarb. 2007), zum anderen waren die neuen Untersuchungen zum Persona Verhütungscomputer ein Thema. Hier versucht man nun künftig eventuell ein neues Hormon, oder einen anderen Indikator, zur Bestimmung der fruchtbaren Tage zu finden. Die bisherige Kombination aus dem Hauptindikator LH und E2 hatte bisher nur zu einer Methodensicherheit von 94 Prozent geführt (Trussel 1999). Interessant wird nun sein, ob sich dies künftig verbessern lässt. Erste Studienergebnisse sollen in den kommenden Monaten veröffentlicht.

Doch das gute Feedback der internationalen Kollegen ist nicht das einzige Positive aus Sicht der NFP. In der ESCRH gibt es für bestimmte Verhütungsmethoden Expertengruppen, welche zusammen über die wichtigen neuen Erkenntnisse diskutieren. In den letzten drei Wahlperioden konnten erstmals erreicht werden, dass das Thema „Fertility Awareness“ in den ESCRH-Kongressen mit Vorträgen vertreten war. Bisher wurde dieses Thema durch Prof. Dr. G. Freundl vertreten, dessen Mandat jetzt nach drei Wahlperioden auslief. Die Forschungsgruppe NFP konnte jetzt erreichen, dass mit Frau Dr. P. Frank-Herrmann abermals ein Mitglied der Forschungsgruppe NFP in diese Expertenrunde berufen wurde. Wir gratulieren.

Die Wahl zu einem Mitglied durch den Vorstand des ESCRH kann einer großen Anerkennung der Forschungsleistung der Sektion Natürliche Fertilität gleichgesetzt werden. Nur absolute Spitzerforscher und Experten gehören solchen Gruppen an. Dass P. Frank-Herrmann ein würdiges Mitglied ist, beweist sie schon seit vielen Jahren. Die unter ihrer Leitung durchgeführte Sicherheitsstudie zur symptothermalen Methode der AG NFP ist hinsichtlich der Qualität eine der besten NFP Studien der Welt. Dies veröffentlichte eine Expertengruppe im Jahr 2013, welche alle relevanten Studien der letzten 30 Jahre prüfte (M. D. Manhart 2013). In der Forschung hat sich die symptothermale Methode der AG NFP und deren Wissenschaftler einen sehr guten Ruf erarbeitet, auf den man stolz sein kann.

NFP Beiträge auf dem DGGG Kongress 2014

Auf dem 60. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) in München ist die Sektion mit zwei Beiträgen vertreten. Am Mittwoch, den 8.11.2014 und Freitag, den 10.11.2014 werden Frau Dr. Frank-Herrmann, Frau Dr. Sottong und Herr Prof. Freundl mitwirken. Sicher ist diese Veranstaltung gerade für viele Frauenärzte aus dem Kinderwunsch Bereich besonders zu empfehlen. Also falls ihr zufällig in München seid, könnt ihr auch als NFP AnwenderIn gern fleißig mitdiskutieren und ein paar Frauenärzte aufklären 🙂 .

Neue NFP Sicherheitsstudie

In einer neuen NFP Sicherheitsstudie soll die Methoden- und Gebrauchssicherheit für Frauen, die die symptothermale Methode nach den Regeln der AG NFP ohne Kurs erlernt haben, ermittelt werden. Bisher bezogen sich alle relevanten Sicherheitsstudien auf Frauen, die einen NFP Kurs besucht haben. Die Durchführung der Studie soll überwiegend von den neuen Sektionsmitgliedern Dr. med. Lisa Maria Wallwiener und Dr. med. Tanja Freundl-Schütt übernommen werden. Somit wird auch in der Studienarbeit mehr und mehr Verantwortung der jungen Generation übergeben. Über Einzelheiten zu dieser Studie und Teilnahmebedingungen werde ich in Kürze berichten. Diese Sicherheitsstudie ist aus meiner Sicht eine der interessantesten Studien der letzten Jahre, denn auch viele NFP BeraterInnen und AnwenderInnen fragen sich, wie hoch die Anwendungssicherheit nach dem Erlernen der symptothermalen Methode im Selbststudium ist.

Website der Sektion wird grundlegend überarbeitet

In meinem Beitrag ging es, um die künftige Entwicklung der NFP Websites. Obwohl sich die NFP Websites 2014 im letzten Jahr sowohl in der Sichtbarkeit in Suchmaschinen als auch bei Facebook deutlich gesteigert haben, liegt man immer noch deutlich hinter den Seiten der Pharmaindustrie. Beispielsweise hat die bekannte Website „Frauenärzte im Netz” eine etwa zehn mal höhere Sichtbarkeit bei Google (OVI ca. 400) als die stärkste NFP Website myNFP (OVI ca. 40). Seiten wie Frauenärzte im Netz schreiben leider immer wieder negativ und falsch über NFP Methoden:

„[…] Zudem können ein unregelmäßiger Lebensrhythmus, Alkoholkonsum, Stress oder Erkrankungen den eigenen Zyklus beeinflussen und die natürliche Familienplanung unsicherer machen.” […] frauenaerzte-im-netz.de 2014

Natürlich können solche Faktoren den Zyklus beeinflussen, aber NFP ist auch bei unregelmäßigen Lebensrhythmus anwendbar, da gestörte Werte der Temperatur und Zervixschleim entsprechend ausgeklammert werden können. Die Methode verliert in diesem Fall NICHT an Sicherheit, maximal müssen durch das Ausklammern mehr fruchtbare Tage im Zyklus angenommen werden als sonst. Es gibt auch Studien zu diesem Thema, das selbst bei Schichtarbeit die Zyklen der Frauen immer noch gut auswertbar sind (NFP heute, Rosmus T 1992). Das Zitat ist somit nicht korrekt und lässt den Leser vermuten, das NFP Methoden nicht zur Kontrazeption geeignet sind. Solche Berichte und Informationen können meiner Meinung nach zu einer hohen Unsicherheit gegenüber NFP Methoden führen.

Diese Unsicherheit kann meiner Ansicht nach langfristig nur überwunden werden, wenn alle NFP Websites stärker werden und die Pharmalobby Websites von dem Spitzenpositionen in Suchmaschinen verdrängen können und die AnwenderInnen mehr und mehr erfahren, dass man NFP Methoden, sowohl zur Verhütung als auch für den Kinderwunsch sinnvoll einsetzen kann. Die Seite der Forschungsgruppe NFP ist aktuell etwa tausend mal schlechter in Suchmaschinen sichtbar (OVI ca. 0,4) als frauenärzte-im-netz.de (OVI ca. 400). Das möchte ich ändern und so werde ich die Sektion dabei unterstützen, ihre Website grundlegend zu überarbeiten. Im letzten Jahr wurde zumindest eine Facebookseite der Sektion eingerichtet, die künftig über die Fortschritte der Forschungsarbeit berichten soll. Doch dies ist nur ein erster Schritt in die richtige Richtung. In naher Zukunft werde ich regelmäßig hier im Blog über meine Aktionen und Fortschritte bei der Überarbeitung berichten.

Schon in wenigen Jahren, so hoffe ich, wird es immer schwieriger sein, solch falsche Informationen über NFP im Netz zu verbreiten. Die ersten drei Plätze bei Google könnten unseren Seiten gehören und NFP könnte zumindest im Netz mit der Pharmaindustrie konkurrenzfähig sein.

Ausblick

Gegen 18:00 Uhr bin ich wieder auf dem Heimweg. Erst gegen 23.30 Uhr komme ich wieder in Berlin an. Ich hatte auf der Rückfahrt ein wenig Zeit die Erlebnisse des Treffens zu reflektieren. Die Sektion ist für mich eine sehr bedeutende und wichtige Austauschmöglichkeit über NFP geworden, ich komme immer wieder gern zu den Treffen. Auch mein zweiter Besuch bei der Forschungsgruppe NFP war wieder ein voller Erfolg und sehr interessant. Mein Aufenthalt in Heidelberg war kurzweilig. In naher Zukunft habe ich nun einige Arbeit mit der Website vor mir und freue mich, euch künftig von den neuen Erkenntnissen zu berichten. Die Forschungsgruppe NFP wird in der Wissenschaft immer stärker wahrgenommen und hat sich verjüngt. Vielleicht bin ich auch beim nächsten Treffen wieder mit dabei und kann den Worten der Fach-Experten lauschen, die sich so gut wie sonst niemand über den Zyklus der Frau auskennen.

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