Sollen alle wissen, wann du deine Tage hast? – Pusshy der Wifi Tampon

WiFi Tampon

Sollen alle wissen, wann du deine Tage hast? Neuer Wifi-Tampon inklusive App macht es möglich und informiert deine FreundInnen wann es es soweit ist.

Ich staunte nicht schlecht als ich bei Youtube auf den neuen Wifi-Tampon Pusshy stieß. Pusshy ist der erste Wifi-Tampon, in Form eines Adapters für einen dazugehörigen Tampon. Mithilfe des Tampons können Daten über deine Periode per WLAN auf dein Smartphone übertragen werden. Auf deinem Handy kann man dann per Smart Pusshy App, die Periode Daten nach Angaben des Herstellers für 6 Dinge nutzen:

1. Lass es alle wissen
Im Broadcast Modus kannst du alle Frauen, die ebenfalls das Smart Pusshy App nutzen und gerade in der Nähe (150ft = 45,72 m) sind, über deinen aktuellen Periodenstatus informieren. Somit kannst du beispielsweise FreundInnen und Bekannte darüber informieren, dass du gerade deine Tage hast, damit sie verständnisvoller und rücksichtsvoller mit dir umgehen und besser auf dich eingehen.

2. Finde Freunde

Es ist möglich sich andere Nutzerinnen der Smart Pushy App anzeigen zu lassen, die in einer ähnlichen Periodenphase wie du selbst sind. Somit soll es einfacher werden, gleichgesinnte Frauen in ähnlicher Stimmung zu finden. Über soziale Netzwerke kannst du den ersten Kontakt herstellen und neue Freunde finden, die besser zu deiner Perioden-Situation passen.

3. Menstruationsprognose

Die Smart Pusshy App besitzt eine Funktion, die auf der Basis von Berechnungen anhand der aufgezeichneten Periodedaten, eine Prognose für die kommende Menstruation erstellt. Dies ermöglicht dir eventuell besser deine Termine zu planen.

4. Lernen
Natürlich verfügt die App über umfangreiche Statistiken rund um deine Periode, sodass du etwas über deine Blutung lernen kannst.

5. Teilen, Teilen, Teilen
Wer teilt sie nicht gern auf Facebook, Twitter, Google, die Info wie gerade dein Periodenstatus ist 😉 . Mit dem Smart Pusshy App ist es nun möglich.

6. Musik passend zur Periode

Jetzt kommt das beste an der App. Du kannst die Musik je nach deiner Stimmungslage, die natürlich auch von der Menstruation beeinflusst wird, auswählen. Das App speichert deine Wünsche und so wirst du je nach der aktuellen Situation im Tampon automatisch mit der für dich optimalen Musik versorgt.

Mein Fazit

So es gilt jetzt erstmal aufzulösen, dass es sich hierbei um einen PR Gag einer Werbefirma handelt. Ich bin allerdings auch anfangs darauf reingefallen, weil es wirklich nicht sehr gut auf der Website, Facebook und Youtube gekennzeichnet ist. Persönlich finde ich es sehr bedenklich, dass ich es, wie viele andere LeserInnen, für bare Münze genommen habe. Denn schließlich gibt es mit den Menstruationskalender Apps wie zum Beispiel Clue ähnlich unvorstellbar unsinnige Produkte, die tatsächlich produziert werden.

Im letzten Teil des Artikel möchte ich aber auch darüber schreiben, warum die Idee des Wifi Tampons nicht wirklich eine gute Idee ist. Erstens sind Tampons nachweislich nicht gut für die Gesundheit, sie enthalten viele Giftstoffe, auf die frau gern verzichten kann und trocknen die Scheide aus, vor allem wenn sie an blutungsarmen Tagen angewandt werden. Somit steigern Tampons das Risiko für Infektionskrankheiten und sind daher in meinen Augen die schlechteste Form der Umsetzung. Auf unserem Blog setzen wir uns schon seit vielen Jahren für das genaue Gegenteil ein, nämlich ökologische alternative Menstruationsprodukte zu verwenden oder sogar frei ohne jegliche Hilfsmittel zu menstruiieren.

Zweitens welche Frau möchte ihre Tage so gern mit anderen auf Facebook teilen oder per Wifi im Umkreis von ca. 45 Metern? Ganz ehrlich, die meisten Frauen schreiben mich als Fruchtbarkeitsberater per PN auf Facebook an. Sie wollen möglichst anonym bleiben. Meiner Erfahrung nach ist die Menstruation immer noch ein Tabu Thema und ich glaube nicht, dass das Smart Pusshy App hier das durch ein paar skurrile Funktionen so einfach ändern wird.

Vielmehr geht es doch eher darum, dass Frauen erst einmal eine gute Einstellung zu ihrer Menstruation und ihrem Körper entwickeln. Ich sehe aber nicht, wie diese durch eine solche App verbessert werden soll? Aus meiner persönlichen Erfahrung bringt es viel mehr, wirklich den Zyklus und den Sinn der Menstruation zu verstehen, hier finde ich das MFM Programm bzw. das Buch „Was ist los in meinem Körper?” wesentlich geeigneter, um dieses Ziel zu erreichen. Denn nach einem MFM Workshop freuen sich sogar 20 bis 30 Prozent auf ihre erste Blutung 🙂 .

Drittens die Wifi Strahlung ist nicht ganz ungefährlich in einem Artikel auf N24 warnt ein Strahlenschutzexperte vor der WLAN Belastung. Nun werden dort direkt Strahlungen vom Tampon aus innerhalb der Scheide übertragen. Ich glaube persönlich nicht daran, dass das gesund für Frauen ist. In Zeiten, in den Gebärmutterhalskrebs usw. boomen, würde ich mir persönlich diese Strahlenbelastung nicht antun, wenn ich eine Frau wäre.

Schwankungsbreite der Zykluslängen bei 210 Frauen während eines Jahres

Schwankungsbreite der Zykluslängen bei 210 Frauen während eines Jahres

Viertens ist eine Menstruationsprognose, die allein auf Berechnungen basiert nicht besonders zuverlässig. Allein schon die Tatsache, dass der Zyklus innerhalb von 23 bis 35 Tagen schwanken kann zeigt, dass anhand von Berechnung nur eine sehr grobe Schätzung der nächsten Periode möglich ist. Ja es mag ja stimmen, dass viele Frauen Stimmungsschwankungen im Zyklus beobachten können, aber sollten sie ihre FreundInnen danach auswählen? Sollten wir uns nicht gegenseitig einfach so respektieren, egal wie es um die eigene Menstruation steht?

Über die Auswahl der richtigen Musik zur Menstruation lässt sich streiten, obwohl man dafür wahrscheinlich keine App braucht – ist das wohl noch das sinnvollste an dieser Erfindung.

Fruchtbare Grüße sendet

Marcus

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{ 3 comments… add one }
  • Anna
    16. Februar 2016, 22:05

    Im ersten Moment dachte ich auch – oh Mann, was die sich alles ausdenken nur um Geld zu machen! Wie du schon schreibst, sooo undenkbar ist das wirklich nicht mehr, dass so etwas auf den Markt gebracht wird. Was mich stutzig gemacht hat, war genau das, was du auch ansprichst: Dass die Menstruation ja eigentlich eher ein Tabu-Thema ist. Wobei ich den Eindruck habe, dass sich da so langsam etwas tut. Immerhin gibt es ja schon viele youtube-Videos über Menstassen zum Beispiel. Und auch ihr tragt ja fleißig dazu bei, dass Themen, die unsere Fruchtbarkeit betreffen, mehr zur Sprache kommen und wir uns mehr damit auseinandersetzen. Auf eurem Blog habe ich schon viele gute Tipps und Anregungen bekommen und schau deswegen immer wieder gerne rein!

  • Anna
    16. Februar 2016, 14:41

    Hallo Marcus,

    danke für diesen Artikel, herrlich, was sich manche einfallen lassen!! 😀 Ganz ehrlich, betrachtet man einige Dinge, die es tatsächlich gibt, könnte ich mir sogar vorstellen, dass auch sowas gekauft werden würde! Allerdings handelt es sich wirklich um einen Scherz. Geht man auf die Pusshy-Homepage und scrollt nach ganz unten, steht dort “A simple joke by [Name der Werbeagentur]”. Auf ihrer Facebook-Seite schreibt die Agentur auf eine Anfrage, dass sie das Video auch gemacht hätten, um zum Nachdenken anzuregen über Grenzen, immerwährende Schaffung neuer Bedürfnisse, etc. Aber auch einfach, um Leute zum Lachen zu bringen (so weit ich das mit meinen Französischkenntnissen richtig übersetze). Da es sich um eine Werbeagentur handelt, ist es meiner Ansicht nach wohl größtenteils als PR-Gag gedacht. Aber ja, ich finde es regt auch zum Nachdenken an, weil wir ja tatsächlich oftmals schon viel von uns Preis geben, unsere sozialen Beziehungen sich durch Internet, Smartphones etc. verändern und gleichzeitig das wichtige Wissen um so grundlegende Dinge wie die natürlichen Abläufe in unserem Körper, vielfach in den Hintergrund geraten. Das betrifft natürlich nicht alle von uns, aber doch sind es Tendenzen. Gerade deshalb finde ich es schön, dass ihr auf eurem Blog immer wieder kritisch mit dem vermeintlich “Normalen” umgeht und Alternativen aufzeigt. Danke euch dafür und weiter so!!

    • Marcus Krahlisch
      16. Februar 2016, 21:14

      Danke für deinen Kommentar – mir ist es schon ein wenig peinlich, dass ich auf den Gag reingefallen bin. Aber ich habe den Artikel jetzt abgeändert, vielleicht klärt er ja ein paar Frauen auf, die sich für diesen Tampon interessiert haben.