Vom Kinderwunsch zur freien Bildung – Interview mit Lena Busch

Lena Busch ist Mutter von 3 Kindern. Im Interview teilt sie ihre Erfahrungen aus Schwangerschaft & Geburt und wie sie zur freien Bildung gekommen ist.

Liebe Lena kannst du dich unseren LeserInnen kurz vorstellen – warum bist du online aktiv?

Gerne – ich bin Mama von 3 Kindern, Journalistin, Familienbegleiterin und systemischer Life and Business Coach. Ich habe ein großes Warum, eine große Vision: ich glaube, wenn wir lernen, unsere eigenen Bedürfnisse wieder zu spüren und zu achten und unsere Kinder von Anfang diese Fähigkeit gar nicht erst verlieren lassen, dann wird die Welt ein besserer Ort sein. Wenn wir uns spüren, können wir auch echte Empathie für andere haben. Der Weg dorthin führt über ein gleichwürdiges Familienleben, in dem alle gesehen und gehört werden, ohne Machtkämpfe, weg von der Erziehung, hin zur Beziehung mit uns selbst und unseren Kindern. Dazu gehört für mich auch, das Berufsleben selbstbestimmt und für uns passend zu gestalten. Für viele klappt das, wenn sie Eltern sind, unter den bisherigen Bedingungen nicht mehr gut. Auch führt die Transformation und die Zäsur, die Elternschaft und teilweise auch Elternzeit bedeutet, für viele dazu, sich zu fragen: ist das, was ich tue, denn noch das Richtige für mich? Was will ich eigentlich wirklich? Wofür begeistere ich mich? Welches Bild von Arbeit und Werten möchte ich, das meine Kinder bei mir sehen? Manchmal wird mensch auch unfreiwillig in diese Fragestellung hineingeworfen; nämlich dann, wenn klar ist, dass der Job nach der Elternzeit nicht mehr da sein wird oder nicht mehr zu gleichen Bedingungen ausgeübt werden kann. Was viele nicht auf dem Schirm haben, ist, dass der Aufbau einer Selbständigkeit da eine echte Alternative sein und gerade mit Online-Bestandteilen nach eigenen Vorstellungen gestaltet werden kann. Ich begleite Eltern, vor allem Mütter bei diesen Transformationsprozessen und auch beim Aufbau einer möglichst stark zeit- und ortsunabhängigen Selbständigkeit, eines Online-Business, damit sie ihre berufliche Bestimmung leben und mehr Zeit für ihre Familie haben. Sich ihre eigene Vereinbarkeit zu schaffen. Seit ich selbst Mutter bin, habe ich so vieles und viele Wegbegleiter, die mich wirklich weitergebracht haben, online gefunden. Und so ist es für mich ein großartiger Weg, um genau von den Menschen gefunden werden zu können, die zu mir passen und denen ich mit dem, was ich tue, weiterhelfen kann.

Du hast drei wundervolle Kinder. Wie kam es dazu – gab es ein Schlüsselerlebnis nachdem du wusstest ja ich bin bereit für ein Kind?

Es war irgendwie immer klar – ich wollte zwei Kinder. Lange war das aber eher so ein latenter Zukunftswunsch. Ich wollte auch ein paar Bereiche „vorbereitet“ haben für ein Kind. Irgendwann war es dann so weit – dann fühlte es sich einfach richtig an, wie der richtige Zeitpunkt. Ein Schlüsselerlebnis gab es hier eigentlich nicht wirklich. Für Kind 3 gab es diesen Moment kurz nach der Geburt von Kind 2, zuhause, im Bett, im Kinderzimmer beim Kuscheln mit beiden: ich will noch ein Kind ! Das habe ich dann auch direkt meinem erstmal recht erstaunten Mann verkündet 😉 (bisher war er – mit selbst 3 Geschwistern – eher derjenige von uns, der sich mehr als die klassische Kleinfamilie vorstellen konnte).

Musstest du lange auf deine Wunschkinder warten? Hast du spezielle Methoden eingesetzt um schwanger zu werden?

Nein – mit meiner ersten Tochter wurde ich sofort nach Absetzen der Pille, die ich damals nahm, schwanger, gleich beim allerersten Versuch. Auch bei meiner zweiten Tochter ging es ganz schnell, da verhüteten wir schon via NFP und ich war quasi sofort schwanger, als wir beschlossen hatten, das jetzt der Moment für ein zweites Kind wäre. Auf unseren Sohn mussten wir im Vergleich ein kleines bisschen warten – bei ihm wurde ich „erst“ im vierten Zyklus schwanger. Da ich es von den Mädchen her ja anders kannte, erschien mir die Wartezeit schon fast ewig. Wir haben da einfach recht genau auf den Zyklusverlauf geachtet. Aber auch mein Sohn war da schon vor seiner Zeugung sehr nachsichtig mit mir: bevor ich unentspannt werden konnte durch die Wartezeit, war ich dann doch schon schwanger.

Wie liefen deine Geburten ab, wo hast du deine Kinder bekommen?
Meine große Tochter kam via geplantem Kaiserschnitt im Krankenhaus zur Welt. Sie lag in Beckenendlage und hatte, wie sich herausstellte, die Nabelschnur so um den Hals gewickelt, dass sie sich kaum bewegen konnte. Ich habe das irgendwie gespürt, denn sie lag quasi die gesamte 2. Hälfte der Schwangerschaft unbeweglich mit ihrem Köpfchen unter meinem rechten Rippenbogen. Kein Vergleich mit den beiden anderen, die später dann munter in meinem Bauch herumturnten (auch wenn ich das beim ersten Kind natürlich noch nicht in der Form wissen konnte). Ich habe einiges versucht, um sie zur Drehung zu bewegen, mit moxen etc. Beim Gesprächstermin für die äußere Wendung polterte sie jedoch so in meinem Bauch, dass ich das gelassen habe. Ich wählte ein Krankenhaus, bei dem man grundsätzlich auch bei Erstgebärenden eine Spontangeburt aus BEL versucht, wenn der Chefarzt oder eine bestimmte Oberärztin zu dem Zeitpunkt da sind. Da beschloss ich dann, lieber einen geplanten Kaiserschnitt aus der Ruhe heraus zu haben – das ist der einzige Teil der Entscheidung, den ich heute anders machen würde. Aber wir handeln ja immer nach bestem Wissen und Vermögen in einer Situation. Die beiden anderen Kinder kamen zuhause zur Welt mit Begleitung meines Mannes und meiner wunderbaren Hebamme, eines im Badezimmer, das andere im Geburtspool.

Nach dem deine Kinder zur Welt gekommen sind – hat sich dein Weltbild komplett verändert. Was ist die größte positive Veränderung in deinem Leben, die du durch deine Kinder bekommen hast?

Ich bin zurück oder insgesamt bei mir angekommen. Ich habe immer mehr alte Muster und einschränkende Glaubenssätze identifiziert und oft auch abgelegt. Mir ist bewußt, dass ich Chef meiner Entscheidungen bin. Wenn auf „Nein, das darf man nicht!“ erstmal die Frage kommt „Warum nicht?“, dann bist Du gefordert nachzudenken, um sie zu beantworten: ja, warum eigentlich nicht? Oder vielleicht sogar doch?! Ich sehe die Welt wieder mehr durch Kinderaugen, dadurch ist sie jung, jungfräulich und schön und eröffnet unglaubliche Möglichkeiten.

Anfangs seid ihr in einem kleinen Wohnmobil für 1 Jahr durch Europa getourt. Wie war das so? Was war dabei deine größte Herausforderung?

Es war wunderbar – und es war herausfordernd 🙂 Unser Slogan ist ja auch „zusammen statt getrennt“. Wir lieben es, beieinander zu sein. Es ist schön und wunderbar und fühlt sich so leicht und natürlich an, ganz anders, als wenn jeder so auf sein „Plätzchen“ (Büro, zuhause, Schule, Kiga,…) verteilt ist. Auch ist als Elternpaar alles viel viel einfacher, als wenn ein Elternteil alles incl. Haushalt irgendwie alleine rockt. Wir Menschen sind einfach eine kooperativ aufziehende Art, und ohne die ganze Alltagsforderung und -überforderung ist Familie einfach was Wunderbares, erst recht, wenn noch andere Familien mit am Start sind. Aber auch: Zu fünft auf 11 qm incl. Fahrerkabine kannst Du Dir nicht aus dem Weg gehen. Und wenn Dich stets nur ca. 5 cm Wohnmobilwand von Wind und Wetter und allem anderen da draußen trennen, es keine Strukturen, Routinen und sonstiges gibt außer denen, die Du Dir selbst schaffst, Du aber aufgrund der räumlichen Enge gerade kindliche Bedürfnisse ohnehin extrem vorausschauend befriedigen mußt (weil z. B. drei müde hungrige Kinder bei Regen im Wohnmobil gar nicht lustig sind), dann bist Du sehr auf Dich selbst zurückgeworfen. Zumal es damals noch nicht so viele Reisefamilien gab wie heute – oder sich einfach unser Fokus verschoben hat 😉 Das ist (wie Elternwerden und Selbständigmachen auch) Persönlichkeitsentwicklung im Turbogang.

Welche Plätze haben dir besonders gefallen?
Wunderbar alleine als Familie (denn teilweise sind wir auch mit mehreren Familien zusammen gereist) war Apulien, die Landschaft dort und auch die unterschiedliche Landschaft fand ich grandios. Ansonsten: die Insel. England und Wales. Das Freilerner-ElDorado mit Gruppen für Menschen, die ohne Schule lernen, fast überall. Wunderbare Landschaften und ich liebe die Menschen einfach, knorrig wie sie zum Teil sind. Nachteil vielerorts dort: das Wetter.

Wie war für dich persönlich das Gefühl wieder nach Deutschland zurück zukommen?

Wir sind vor allem aufgrund persönlicher Bindungen und dem Vereinen der Bedürfnisse aller zurückgekommen. Das war und ist auch gut. Was schwieriger ist als vorher: Äußerungen oder Ansichten wie „Das geht nicht“, „Das kann nicht sein“, „Das muß so sein“ sind schwer zu ertragen, denn wenn man mal so ganz raus war aus sämtlichen Strukturen, spätestens dann geht doch alles und ist alles möglich, denk- und vorstellbar 🙂 Alles wird soviel leichter in diesem Bewußtsein. Und graues kaltes Regenwetter geht gar nicht mehr.

Nun reist Du viel und hast ein Online Business – wie ist es dazu gekommen?

Wir betreuen unsere Kinder selbst, nachdem unsere Große irgendwann nicht mehr in den Kindergarten gehen wollte, sie weinte morgens und trotz allen Bemühens klappte das nicht. Die Betreuung entsprach nicht ihren Bedürfnissen. Durch meine spätere Beschäftigung mit all diesen Themen kann ich auch sagen, das es oft strukturelle Probleme gibt in diesem Bereich. Ab dem 2. Kind war an meine außerhäusige Berufstätigkeit somit nicht mehr zu denken (ich hatte ab dem 1. Geburtstag meiner Großen wieder Teilzeit in meiner Führungsposition gearbeitet). Wir begannen dann außerdem, uns mit Unschooling, Freilernen, freien Schulen zu beschäftigen, denn uns war klar: Regelschule kommt für dieses Kind, für uns alle gerade nicht in Frage. Also lief alles darauf hinaus, mehr zeitliche und örtliche Unabhängigkeit zu erreichen als mit zwei ortsgebundenen Jobs. Ich hatte zwar teilweise HomeOffice gearbeitet, aber mehr als das Vorhandene war nicht zu realisieren. Und sicher war auch: mit mehreren Kindern würde das nicht einfacher werden. Auch wünschte ich mir Freiheit, die Möglichkeit zu reisen. Inzwischen dient das Reisen auch tatsächlich der Vernetzung und Zusammenarbeit mit anderen Unternehmern und dem Zusammenfinden mit anderen Familien, die ähnlich leben.

Als ich von Online-Arbeiten hörte, war klar: DAS ist es ! DAS will ich !! Das entspricht meinen Wünschen und Vorstellungen, von denen ich lange dachte „schade, das geht ja leider nicht“ 😉 Ab diesem Punkt war es noch ein langer Weg, ich lernte erstmal unglaublich viel in diesem Bereich und auch die Frage, ob ICH das kann und mir zutraue usw., war erstmal natürlich auch bei mir zu klären. Denn eine kleine Selbständigkeit hatte ich ja bereits, und die ging auch vor Ort immer weiter, weil Fragen der Mütter aufeinander aufbauten. Und irgendwann merkte ich: ich bin nicht die Einzige, die sich solche Fragen stellt und solche Themen hat. Wer bedürfnisorientiert mit seinen Kindern umgeht, möchte das irgendwann auch für sich, hat Themen mit seiner Umwelt und seiner Vergangenheit, und fragt sich auch irgendwann im Laufe des Prozesses: und wie realisiere ich diese Bedürfnisorientierung für die ganze Familie ? Nicht nur für mein Baby oder Kleinkind? Was ist mit Kindergarten, Schule und Co? Und ich bestehe nicht nur aus Familie – auch Beruf, Berufung, Existenzsicherung gehören dazu. Familie ist ein komplexes System. Ich bildete mich immer weiter fort, ich bekam mehr Anfragen, als ich „offline“ bearbeiten konnte, und online war in jeder Hinsicht der nächste logische Schritt. Nie bereut 🙂

Es gibt ein sehr schönes Interview, in dem Richard David Precht und Gerald Hüther über die Zukunft unser Bildung sprechen und zum Ergebnis kommen – dass wir die Schule so wie sie heute existiert nicht mehr brauchen bzw. nicht mehr funktioniert. Du lässt alle deine drei Kinder frei lernen – wie kam es zu deiner Entscheidung? Was ist für dich die Hauptmotivation für freie Bildung?

Für mich, für uns ist das alternativlos. Wir sehen unsere Kinder als gleichwürdige Menschen, gehen mit ihnen auf Augenhöhe um. Sie kommunizieren bereits vor der Geburt mit uns. Sie wissen, was sie brauchen. Wissen ist heute keine knappe Größe mehr. Es geht um Werte, es geht darum, Wissen einordnen zu können. Zu wissen, wie lerne ich, wie eigne ich mir neue Dinge an? Viele unserer heutigen Berufe oder Möglichkeiten gab es vor 10 Jahren noch nicht. Diese Entwicklung wird nicht langsamer werden. Wir können nicht wissen, was unsere Kinder in 10 Jahren brauchen werden. Aber wir können sie dabei begleiten, herauszufinden, wer sie sind und was „ihres“ ist. Wo ihre Stärken und Begabungen liegen. Frei von Bewertungen. Ich finde es unverständlich, dass viele sehen, was in Schule und Co fehlläuft, aber den Gedanken weitergedacht, dass dieses Konstrukt gar nicht für jeden das Richtige ist und grundsätzlich in Frage gestellt werden kann, das erlauben sich nicht viele.

Ich denke – viele Eltern, die dein Interview lesen, werden sich jetzt fragen, wie es überhaupt legale Möglichkeiten gibt, freie Bildung zu praktizieren und ortsunabhängig zu arbeiten? Genau für diese Eltern bietest du einen * Online Bildungskongress an. Wie läuft so ein Kongress ab und für wen lohnt es sich, daran teilzunehmen?

Wirklich legal sind in Deutschland freie Schulen – aber auch lernen ohne Schule wird praktiziert. Ansonsten ist auch Unschooling und Homeschooling fast überall auf der Welt möglich. Ortsunabhängige Arbeit spielt da insofern natürlich in die Hand – und den meisten ist noch gar nicht klar, was alles möglich ist! Für alle! Viele denken etwas wie „wäre ja toll, aber mein Job eignet sich nicht, um damit etwas online zu machen“ – dabei gibt es das ein bißchen um die Ecke gedacht fast immer 🙂

Online-Kongresse …. ich lieeebe das Format 🙂 Es ist ein bunter, aber zusammengehöriger Strauß gepackt (ich bin ja u.a. Journalistin – daher mein Anspruch daran, dass ein Kongress eine Linie verfolgt und nicht einfach nur irgendwelche Interviews nebeneinander stellt). Du meldest Dich mit Deiner e-mail-Adresse an und im Kongresszeitraum ist jedes Interview für jeweils 24 Stunden am Stück kostenlos online. D.h. Du kannst erstmal schauen, ist der Kongress überhaupt etwas für Dich. Im Grunde kannst Du Dir alle Interviews in dieser Zeit anschauen – wann es eben für Dich paßt, morgens, abends, nachts… Es gibt eine Facebook-Gruppe zum Austausch, so dass es wirklich ein gemeinsames Event ist und eine Community entstehen kann. Wenn Dir das nicht reicht, Du unsere Arbeit unterstützen möchtest oder Du mit den Interviews weitergehen und weiterarbeiten möchtest, kannst Du für meist kleines Geld das * Kongresspaket kaufen, in dem dann noch zusätzlich PDFs, ebooks oder Videos enthalten sind, die Dich wirklich ins Tun bringen. Das entspricht für mich voll dem Freilerngedanken und ist natürlich wunderbar geeignet für Eltern gerade mit kleinen Kindern oder Babys, denen die Teilnahme an „Offline-Kongressen“ meist gar nicht möglich ist. Aber im Grunde kann ja jeder, nicht nur Eltern, ein bißchen Flexibilität gebrauchen.

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