LAM – die natürlichste Verhütung in der Stillzeit

LAM Verhütung

Eine natürliche Verhütung in der Stillzeit ist gefragter denn je. Die LAM-Methode macht es möglich sicher zu Verhüten während frau stillt.

Definition: LAM

LAM ist die Abkürzung für Lactational Amenorrhea Method und bedeutet soviel wie stillbedingtes Ausbleiben der Menstruation. In Studien [1,2,3] wurde bestätigt, dass beim Vollstillen (beachte LAM-Regeln!) innerhalb der ersten sechs Monate nach der Geburt in 98 % der Fälle ein Eisprung nur stattfindet, wenn vorher eine Menstruation statt fand.

Die LAM-Regeln

    Der gute Pearl-Index von 2, ist nur gegeben, wenn alle folgenden Punkte erfüllt sind.

  1. Baby jünger als sechs Monate.
  2. Nur in den ersten sechs Monaten nach der Geburt können die LAM-Regeln zur sicheren Verhütung eigesetzt werden. Sobald dein Baby also ein halbes Jahr alt ist, kannst du nicht mehr sicher mit der LAM-Methode verhüten. Informiere dich daher rechtzeitig über eine geeignete Verhütung nach diesen sechs Monaten. Wenn du weiterhin hormonfrei verhüten möchtest, kann ich dir Natürliche Familienplanung (NFP) in der Stillzeit in Kombination mit Kondomen empfehlen. Der Besuch einer NFP Beratung ist hierbei sehr empfehlenswert.

  3. Keine Menstruation.
  4. Nur solange man keine Menstruation hat, kann LAM sicher zur Verhütung in Betracht kommen. Blutungen während der ersten acht Wochen zählen noch zum Wochenfluss und können somit vernachlässigt werden. Sollte jedoch nach den acht Wochen eine Menstruationsblutung auftreten, gilt ab sofort LAM nicht mehr.

  5. Voll stillen, aber richtig!
  6. Voll stillen heißt in diesem Fall, das Baby erhält ausschließlich Muttermilch, es wird mindestens 6 mal am Tag gestillt mit einem maximalem Abstand von 6 Stunden zwischen den Stillmahlzeiten.

  7. Nicht zufüttern.
  8. Das Baby darf nicht zugefüttert werden, während man LAM zur Verhütung nutzt – auch nicht mit Tee oder sonstigen Flüssigkeiten.

  9. Nicht abpumpen.
  10. Das Abpumpen von Muttermilch und anschließendes füttern mit Fläschchen gilt hier als zufüttern. Somit darf auch nicht abgepumpt werden. Das Baby muss am Fläschchen anders saugen als an der Brust und kann dadurch sein Saugverhalten ändern.

  11. Kein Nuckel.
  12. Auch beim nuckeln mit dem sogenannten Beruhigungssauger (=Nuckel) besteht die Gefahr, dass sich dadurch das Saugverhalten des Babys ändert und die Verhütung mit LAM nicht mehr sichergestellt ist. Also den Nuckel einfach weglassen.

Wie funktioniert die LAM-Methode?

Hundertprozentig können die Wissenschaftler die Ursachen des stillbedingten Ausbleiben der Menstruation noch nicht erklären. Es wurde jedoch ein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Stillhäufigkeit und der vorübergehenden Unfruchtbarkeit der stillenden Frau nachgewiesen [9].

Meine Erfahrung mit der LAM-Methode

Ich wende selbst gerade die LAM-Methode zur Verhütung an und bin sehr zufrieden damit. Es ist für mich total praktisch, da ich mein Baby sowieso im ersten halben Jahr voll stillen möchte. Denn Muttermilch ist immer noch die beste Nahrung für das Baby und bietet viele Vorteile gegenüber der Fläschchen-Nahrung. Nun muss ich nur die LAM-Regeln beim Stillen einhalten und beobachten, ob ich eine Blutung habe. Die LAM-Regeln einzuhalten finde ich relativ einfach. Nachts muss ich jedoch schon immer aufpassen, dass ich den maximalen Abstand zwischen dem Stillen einhalte, da mein Baby fast von Anfang an nachts sehr lange durch schläft. So musste ich mir immer einen Wecker stellen und mein Baby zum Stillen wecken, wenn es nicht gerade von alleine wach wird. Die Mindestanzahl von sechs Stillmahlzeiten am Tag habe ich bisher immer locker einhalten können, da mein Baby jeden Tag 8 – 12 mal stillen möchte. Insgesamt betrachtet finde ich, dass LAM wirklich die natürlichste und beste Verhütungsmethode in der Stillzeit ist.

Studien zur LAM-Methode

Die LAM Verhütung in der Stillzeit ist wissenschaftlich sehr gut untersucht. Mehrere Studien bestätigen die hohe Sicherheit von 98 Prozent in den ersten 6 Monaten [1,2,3]. Die bedeutsamste Studie [1] stammt aus dem Jahre 2002 und wurde mit 624 australischen Frauen durchgeführt. In dieser Studie wurde keine Frau in den ersten 6 Monaten schwanger, die die LAM-Regeln befolgte. Selbst renommierte Multicenter Studien [2], welche Studien aus mehreren Jahrzehnten miteinander vergleichen, weisen nach, dass die LAM Verhütung in der Stillzeit sehr sicher ist. Fakt ist, dass die Zeitspanne, wann die Menstruation einsetzt, sehr variabel ist. Bei etwa 11 bis 39 Prozent der Frauen, so ergab eine Überblickstudie [8], setzte die Menstruation innerhalb der ersten 6 Monate ein. Etwa 87 Prozent der Frauen, so eine andere renommierte Studie [6], haben nach spätestens 12 Monaten wieder ihre Periode. Allerdings kann es auch vorkommen, dass Frauen bis zu 2 Jahre keine Periode haben [9]. Nimmt man alle Frauen und bildet den Durchschnitt, haben Frauen etwa nach 8 ½ Monaten wieder ihre Menstruation [1]. Das Einsetzen der Menstruation, so zeigen aktuelle Studien, hängen ganz wesentlich vom Saugverhalten des Kindes ab [4,5], ebenso spielt der Kulturkreis bzw. die Herkunft der Frauen eine Rolle [5]. Die Akzeptanz der LAM Verhütung in Industrienationen ist nach wie vor ein Problem. Beispielsweise wurde eine Studie [7] in Mexico mit Frauen über 326 Frauen gemacht, die vor der Stillzeit angaben LAM als Verhütungsmethode zu akzeptieren. 6 Monate nach der Geburt wurden dieselben Frauen befragt, ob sie LAM verwendet haben. Nur etwa 18,7 Prozent dieser Frauen gaben an, LAM als Verhütungsmethode in der Stillzeit genutzt zu haben. Ein enttäuschendes Ergebnis. Offensichtlich sind viele Frauen nicht bereit, ihr Kind in den ersten 6 Monaten voll zu stillen. Als angehende Beraterin für Natürliche Familienplanung möchte ich darauf hinweisen, dass die Muttermilch für das Kind die beste Ernährung innerhalb der ersten 6 Monate ist.

Dieser Artikel, dient nur der Information.Vor der Anwendung von LAM empfehlen wir einen entsprechenden Fachexperten z.B. Arzt etc. zu konsultieren oder entsprechende Fachliteratur zu lesen.

[1] Gross BA, Burger H, Breastfeeding patterns and return to fertility in Australian women., Aust N Z J Obstet Gynaecol. 2002 May;42(2):148-54.

[2] Labbok MH, Hight-Laukaran V, Peterson AE, Fletcher V, von Hertzen H, Van Look PF., Multicenter study of the Lactational Amenorrhea Method (LAM): I. Efficacy, duration, and implications for clinical application, Contraception. 1997 Jun;55(6):327-36., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9262927

[3] Kennedy KI, Parenteau-Carreau S, Flynn A, Gross B, Brown JB, Visness C., The natural family planning–lactational amenorrhea method interface: observations from a prospective study of breastfeeding users of natural family planning., Am J Obstet Gynecol. 1991 Dec;165(6 Pt 2):2020-6.

[4] Prieto CR, Cardenas H, Croxatto HB., Variability of breast sucking, associated milk transfer and the duration of lactational amenorrhoea., J Reprod Fertil. 1999 Mar; 115(2):193-200. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10434924

[5] The World Health Organization Multinational Study of Breast-feeding and Lactational Amenorrhea. II. Factors associated with the length of amenorrhea. World Health Organization Task Force on Methods for the Natural Regulation of Fertility.

[6] Kennedy KI, Visness CM., Contraceptive efficacy of lactational amenorrhoea., Lancet. 1992 Jan 25;339(8787):227-30., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/1346183

[7] Romero-Gutiérrez G, Vaca-Ortiz N, Ponce-Ponce de León AL, López-Martínez MG., Actual use of the lactational amenorrhoea method., Eur J Contracept Reprod Health Care. 2007 Dec;12(4):340-4., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17853167

[8] Kennedy KI, Visness CM.. Lactational amenorrhea for family planning., Lancet. 1992 Jan 25;339(8787):227-30, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/1346183

[9] Raith Paula, Frank-Herrmann, Freundl, Strowitzki, Natürliche Familienplanung heute, 4. Auflage, Springer, 2008, ISBN 978-3-540-734390

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