Zyklusrechner

Zyklusrechner Wie gut sind Zyklusrechner wirklich? Kann man mit einem Fruchtbarkeitsrechner die fruchtbaren Tage berechnen, um leichter schwanger zu werden?

Viele Kinderwunsch Websites bieten Zyklusrechner zur Berechnung der fruchtbaren Tage und des Eisprungs im Zyklus an. Doch wie gut sind die Fruchtbarkeitsrechner wirklich? Kann man tatsächlich die fruchtbaren Tage berechnen, um leichter schwanger zu werden? Ist es möglich das Geschlecht des Kindes durch Sex zum richtigen Zeitpunkt zu beeinflussen? Gerade bei unregelmäßigen Zyklen fragen sich viele Frauen zurecht, wie zuverlässig die Berechnungen der Zyklusrechner wirklich sind. In diesem Beitrag möchten wir dir die Vor- und Nachteile von einem Zyklusrechner aufzeigen.

Wie funktioniert ein Zyklusrechner?

Wie ein Zyklusrechner funktioniert, ist relativ leicht erklärt. Man braucht zur Berechnung des Eisprungs genau zwei Parameter – einmal das Datum des ersten Tages der letzten Menstruation und die zu erwartende Zykluslänge. In einem Beispiel möchte ich kurz zusammenfassen wie ein Zyklusrechner aus diesen Infos, die fruchtbaren Tage berechnet.

Fruchtbare Tage berechnen Oktober 2021

Zyklusrechner

Zyklusrechner – fruchtbare Tage in Kalenderdarstellung © Natürliche Fruchtbarkeit

Mal angenommen eine Frau hat eine durchschnittliche Zykluslänge von 28 Tagen und ihr Zyklus begann zufällig genau am ersten Oktober 2021 mit der ersten Blutung der Menstruation. In diesem Fall sagt der Zyklusrechner, dass der Eisprung immer genau 14 Tage vor der nächsten Menstruation startet. Die nächste Menstruation ist bei einem 28 Tage Zyklus am 29. Oktober. Dann minus 14 Tage gerechnet und man kommt auf den 15. Zyklustag als möglichen Tag des Eisprungs. Je nach Rechner wird noch erwähnt, dass die Eizelle bis zu 24 Stunden befruchtungsfähig sein kann und die Spermien etwa 3 bis 5 Tage im Körper der Frau befruchtungsfähig sind. Aus diesem Grund geben die meisten Zyklusrechner den 10. bis 15. Zyklustag als fruchtbare Tage zum Schwangerwerden aus. Doch kann man diesen Daten vertrauen? Leider nicht, denn es gibt fünf gute Gründe, warum Zyklusrechner zu ungenau sind.

5 Gründe warum ein Zyklusrechner zu ungenau ist

Aus meiner Sicht ist es schon sehr eigenartig, dass sogar die deutschen Krankenkassen Zyklusrechner auf ihren Homepages anbieten, obwohl wir schon längst wissen, dass diese nicht funktionieren. Dies hat fünf gute Gründe, die eigentlich jeder Mensch sofort nachvollziehen kann.

#1 Schwankungen der Zykluslänge

Schwankungen Zyklusdauer

Schwankungen Zyklusdauer © E. Raith-Paula, Natürliche Familienplanung heute, Springer Verlag 2020

Erstmal wird jede Frau, die einen Menstruationskalender führt, schnell bemerken, dass die Zykluslänge nicht konstant ist. Zu sagen, mein kommender Zyklus wird genau 28 Tage lang sein, ist allein schon fragwürdig und ist für die meisten Frauen fernab jeder Realität. Wissenschaftlich hat man dies genauer untersucht und festgestellt, dass die meisten Frauen eine Zykluslänge zwischen 23 und 35 Tagen haben. Ebenso weiß man heute schon, dass nur bei 3% der Frauen die Zykluslänge innerhalb eines Jahres um maximal 3 Tage schwankt. 97% der Frauen haben somit höhere Schwankungen in der Zykluslänge, die die Berechnung eines Eisprungs eben enorm schwierig und ungenau macht.

#2 Gelbkörperphase Schwankungen

Die nächste Annahme, die ein Zyklusrechner macht, ist, den Eisprung immer exakt 14 Tage vor der nächsten Menstruation zu prognostizieren. Auch diese Frage ist schon seit Beginn der 80er Jahre genau untersucht worden. So kann man in jedem Standardwerk der Medizin die Aussage finden, dass der Eisprung etwa 10 bis 16 Tage vor der nächsten Menstruation stattfindet. Das ist wiederum eine sehr große Spanne von fast einer Woche, die die Berechnung der fruchtbaren Tage und des Eisprungs so schwierig macht.

#3 Zyklen ohne Eisprung

Zyklen ohne Ovulation

Zyklen ohne Ovulation © E. Raith-Paula, Natürliche Familienplanung heute, Springer Verlag 2020

Sehr interessant ist auch, dass ein Zyklusrechner immer davon ausgeht, dass es einen Eisprung gibt. Auch hier kann man wissenschaftliche Untersuchungen betrachten, die zeigen, dass selbst bei völlig gesunden Frauen im besten Alter etwa 2 bis 4% der Zyklen ohne Eisprung stattfinden. Noch gravierender sieht es bei Frauen in der Pubertät oder in den Wechseljahren aus, bei denen im Extremfall bis zu 20% der Zyklen ohne Eisprung stattfinden können. Das Phänomen des Zyklus ohne Eisprung wird also komplett von einem Zyklusrechner ignoriert.

#4 Befruchtungsfähigkeit der Spermien

Hier muss man schon sagen, dass sich die meisten Zyklusrechner verbessert haben und wenigstens von einer maximalen Befruchtungsfähigkeit der Spermien von etwa fünf Tagen ausgehen. Jedoch gibt es noch viele Fruchtbarkeitsrechner im Netz, bei denen nur von drei Tagen ausgegangen wird etc. Die meisten Frauen, die einen Fruchtbarkeitsrechner anwenden, wissen dies jedoch nicht. So kann es sein, dass hier nochmal zusätzlich fehlerhafte Annahmen die berechneten fruchtbaren Tage und die prognostizierte Eisprungzeit des Zyklusrechners verfälschen können.

#5 Zyklusstörungen wie PCOS und Gelbkörperschwäche

Am schlimmsten trifft es die Frauen, die unter Zyklusstörungen wie Gelbkörperschwäche und PCOS leiden. Vor allem dann, wenn die Betroffene von ihrer Zyklusbesonderheit noch nichts weiß. Bei einer Gelbkörperschwäche ist die zweite Zyklushälfte nach dem Eisprung nämlich verkürzt. Hier kann der Eisprung durchaus auch mal 6 bis 9 Tage vor der nächsten Menstruation stattfinden. Folglich ist hier die Annahme, dass der Eisprung immer exakt 14 Tage vor der nächsten Menstruation stattfindet, enorm fehlerbehaftet. Bei Frauen mit PCO sind Zyklusschwankungen von mehr als 20 bis 50 Tagen keine Seltenheit. Nicht wenige Frauen mit PCO haben mal einen 60 Tage Zyklus und anschließend einen 100 Tage Zyklus. Diese großen Zyklusschwankungen sind natürlich sehr ungünstig für einen Rechner, der von einer exakt vorhersehbaren Zykluslänge ausgeht.

Zyklusrechner und Geschlecht des Kindes bestimmen

Nun haben wir schon ausreichend gesehen, warum man die fruchtbaren Tage nicht berechnen kann. Doch viele Kinderwunsch Websites treiben es auf die Spitze und wollen mit einem Zyklusrechner sogar das Geschlecht des Babys beeinflussen. Häufig wird hier die Methode von Shettles herangezogen, die ich nun kurz erläutern werde.

Methode von Shettles

Die Idee ist einfach. Die Sieger Spermie bestimmt das Geschlecht. Die Eizelle trägt in der Regel ein weibliches X Chromosom. Männliche Spermien tragen ein Y Chromosom, weibliche Spermien ein X Chromosom. Verschmelzen Eizelle und Spermie, ergibt sich je nach Siegerspermie ein Mädchen mit XX Chromosomen oder ein Junge mit XY Chromosomen. Jetzt nahm Shettles aber an, dass weibliche Spermien resistenter sind als männliche Spermien. Folglich überleben zeitlich weiter entfernt vom Eisprung eher weibliche Spermien als männliche. Somit muss man laut dieser Therorie zeitlich dichter am Eisprung Sex haben, um einen Jungen zu zeugen und zeitlich weiter weg für ein Mädchen. Diese Theorie konnte bisher wissenschaftlich nicht bestätigt werden und ist stark umstritten. Es gibt sowohl wissenschaftliche Fachartikel [1,2], die die Shettles Theorie bestätigen als auch widerlegen. Trotzdem bieten viele Kinderwunsch Websites immer noch Zyklusrechner mit optimalen Zeitpunkt der Zeugung für einen Jungen oder Mädchen an.

Jonas Methode

Noch abstruser ist die Anwendung eines Zyklusrechners nach der kosmobiolgischen Familienplanung. Hier geben manche Websites an, das Geschlecht des Kindes zu 98% sicher planen zu können. Warum dies nicht funktioniert haben wir sehr ausführlich mit Rechnenbeispielen und Studien in dem Beitrag: „Jonas Methode – das Geschlecht des Kindes planbar?” erklärt.

Die 3 besten Alternativen zu einem Zyklusrechner

Nun kannst du vielleicht besser nachvollziehen, warum Zyklusrechner nicht funktionieren. Wer wirklich den Eisprung und die fruchtbaren Tage bestimmen möchte, der sollte zu seriösen Methoden wechseln. Wir haben zu diesem Thema einen ausführlichen Artikel mit den 5 besten Wegen, die fruchtbarsten Tage im Zyklus zu bestimmen geschrieben. Allen voran empfehlen wir die symptothermale Methode, mit der du deinen Eisprung zu 91% genau bis auf vier Tage eingrenzen kann. Diese Methode hat auch eine sehr gute Schwangerschaftsrate von 81% nach 6 Monaten und 92% nach 12 Monaten Anwendung bei Kinderwunschpaaren erreicht. Falls du sofort mit der NFP Methode durchstarten möchtest, empfehlen wir dir unser eBook „WANN BIN ICH FRUCHTBAR?“, mit dem du diese Methode in wenigen Tagen sicher erlernen kannst.

Fazit

Zyklusrechner stammen aus einer Zeit, in der man noch wenig über den Eisprung und die fruchtbaren Tage bekannt war. Die Annahmen, die ein Zyklusrechner trifft, sind oft falsch oder zu ungenau. Die statischen Schwankungen des natürlichen Zyklus sind einfach viel zu groß, um die fruchtbaren Tage sicher zu berechnen oder gar vorherzusagen. Aus diesem Grund kommt es bei der Bestimmung des Eisprungs zu Fehlern, die natürlich nicht zu einer gewünschten Schwangerschaft führen. Wir empfehlen in der Kinderwunschzeit am besten die symptothermale Methode (NFP) zur Bestimmung der fruchtbaren Tage zu verwenden, da sie bisher wissenschaftlich am besten untersucht ist. Der berühmte Wissenschaftler Isaac Newton sagte einmal:

„Ich kann die Bewegung der Himmelskörper berechnen, aber nicht das Verhalten der Menschen.“

Ebenso wie das Verhalten des Menschen lässt sich auch der Zyklus der Frau nicht berechnen und nicht vorhersagen, sondern nur durch Messung der Basaltemperatur und Beobachtung von Zervixschleim mit der NFP Methode jeweils im aktuellen Zyklus bestimmen. In diesem Sinne wünsche ich dir von Herzen alles Gute auf deinem Weg zum Wunschkind!

DEINE ANNE

Quellen

[1] Wilcox, A J; C R Weinberg; D D Baird (1995-12-07). „Timing of sexual intercourse in relation to ovulation. Effects on the probability of conception, survival of the pregnancy, and sex of the baby“. The New England Journal of Medicine. 333 (23): 1517–21. doi:10.1056/NEJM199512073332301. PMID 7477165.

[2] Susan Harlap: Gender of Infants Conceived on Different Days of the Menstrual Cycle. In: New England Journal of Medicine. 300, 1979, S. 1445, doi:10.1056/NEJM197906283002601.