Lotusgeburt Erfahrungsbericht – Interview

Lotusgeburt, Erfahrungsbericht

Susi K. hatte eine Lotusgeburt, eine Geburt bei der die Nabelschnur des Neugeborenen nicht durchtrennt wird. Sie sprach mit uns über ihre Erfahrungen.

Susi K. bekam ihr drittes Kind zu Hause, nach der Geburt wurde die Nabelschnur nicht wie üblich abgetrennt. Die Nabelschnur sowie die Plazenta blieben am Baby bis sie nach wenigen Tagen abfiehl. Warum sie sich für eine solche Geburt entschieden hat und welche Erfahrungen sie damit machte – erfährst du in diesem Interview.

trainyabrain: Susi, in unserer Gesellschaft ist eine Lotusgeburt wenig verbreitet, wie bist du auf die Idee gekommen eine Lotusgeburt zu planen?

Susi K: Ich habe durch Zufall beim Surfen im Internet von der Lotusgeburt erfahren. Im Gespräch mit einer Freundin, welche übrigens eine in Deutschland lebende Schamanin ist, erfuhr ich, dass Baby und Plazenta das gleiche Karma haben. Ich fand diese Geburtsform sehr natürlich und spannend. Aus diesem Grund informierte ich mich weiter, ob ernsthafte Risiken für Mutter und Baby bestehen. Ich konnte selbst bei kritischen Berichten keine wirklichen Gründe finden, die gegen eine Lotusgeburt sprechen, und so zog ich die Möglichkeit einer Lotusgeburt ernsthaft für mich in Betracht.

trainyabrain: Hast du deine Entscheidung eine Lotusgeburt zu haben mit deinem Partner abgestimmt?

Susi K: Ja, natürlich. Eines Tages fragte ich ihn: Du Schatz, es gibt da so eine Geburtsform, bei der die Nabelschnur am Baby bleibt und nicht durchtrennt wird bis sie abfällt. Wollen wir sowas auch mal probieren? Er lachte kurz und sagte: „Mach doch!” Mein Partner ist wirklich toll, er hat mich bei all meinen Geburten sehr gut begleitet. Ich schätze besonders an ihm, dass er die Geburt als etwas Besonderes erlebt und nicht wie viele andere Männer denkt: „Ich möchte meine Frau so nicht sehen, wenn sie bei der Geburt leidet.” Ich selbst könnte nicht diese unglaubliche Ruhe aufbringen – anderen bei der Geburt passiv beizustehen – ich bringe lieber selber Kinder zur Welt :)!

trainyabrain: Und darin bist du mit drei Kindern auch wirklich erfolgreich. Wie wichtig war dir bei deiner Entscheidung die Meinung deiner Hebamme bzw. deines Frauenarztes?

Susi K: Mein Frauenarzt hat nie von meiner Lotusgeburt erfahren. Seine Meinung hätte mich offen gesagt, auch nicht wirklich interessiert. Die Meinung meiner Hebamme, die mich auch schon bei der Geburt meines zweiten Kindes begleitete, war mir hingegen sehr wichtig. Hätte sie gesagt, eine Lotusgeburt, wird es mit mir nicht geben, hätte ich ihre Entscheidung respektiert und von einer Lotusgeburt abgesehen. Allerdings hatte meine Hebamme schon mal eine Lotusgeburt betreut und stand der Sache sehr positiv gegenüber. Besonders toll fand ich, dass sie mir die Entscheidung, ob ich die Nabelschnur nicht doch durchtrennen möchte, auch bis zu 20 Stunden nach der Geburt offen hielt. Nur eine zu frühe Abtrennung, schneller als 20 Minuten nach der Nachgeburt, hätte sie strikt abgelehnt.

trainyabrain: In einigen Kulturen und Religionen wird die Lotusgeburt aus religiösen Gründen durchgeführt. Auf der anderen Seite gibt es auch medizinische Gründe, wie das geringere Infektionsrisiko am Nabel, die für eine Lotusgeburt sprechen. Waren für dich eher religiöse oder eher medizinische Gründe, für deine Entscheidung, eine Lotusgeburt durchzuführen, relevant?

Ich bin nicht religiös. Die Entscheidung für eine Lotusgeburt kam eher aus dem Bauch heraus. Es erschien mir logisch und natürlich, dass eine solche Geburt gut für das Kind und Mutter ist. Ich glaube auch nach meiner Lotusgeburt Erfahrung daran – dass die Babies besser in unserer Welt ankommen. Darüber hinaus wollte ich bei jeder meiner Geburten eine etwas andere Erfahrung machen. Meine erste Geburt hatte ich mit 20 Jahren in einer Klinik. Die Geburt war gut verlaufen, allerdings fand ich das Wochenbett in der Klinik nicht so angenehm. Schon damals hätte ich eine Geburt im Geburtshaus vorgezogen, leider gab es damals kein Geburtshaus in meiner Nähe. So entschied ich mich, nachdem ich mich sehr ausführlich über die Geburtsformen informiert hatte, bei der Geburt meines zweiten Kindes mit 24 Jahren für eine Hausgeburt. Bei meiner dritten Geburt mit 27 Jahren wollte ich noch einen drauf setzen und eine Hausgeburt inklusive Lotusgeburt wagen.

trainyabrain: Jetzt hast du mich aber neugierig gemacht, wie ist deine Lotusgeburt verlaufen?

Susi K: Es war eine sehr schöne und vor allem rasante Geburt im Vergleich zu meinen ersten beiden Geburten. Die ersten Wehen bekam ich gegen 18.00 Uhr bei einem Spaziergang mit meinem Partner. Erst gegen 22 Uhr kamen wir zu Hause an. Gegen 1 Uhr kam die Hebamme dazu. Um 3 Uhr war mein Sohn geboren. Insgesamt verlief die Geburt ganz normal und ohne Komplikationen. Interessant war nun, dass die Nabelschnur etwa 2 Stunden nach der Geburt nochmals zu pulsieren anfing nachdem sie eigentlich schon aufgehört hatte. Das fand ich schon sehr aufregend. Ebenso interessant fand ich, dass mein Baby wenn es unruhig wurde öfter zu seiner Nabelschnur griff. Anschließend beruhigte es sich sehr schnell wieder als es merkte – ah „mein Kunpel“, der mich die ganze Zeit im Bauch begleitete, ist noch da. Besonders beeindruckend war für mich, wie gefühlvoll mein Baby die Nabelschnur berührte. Es war fast so, als würde eine mentale Bindung zwischen Plazenta und Baby existieren. Es war eine unglaublich schöne spirituelle Erfahrung.

trainyabrain: Die Plazenta inklusive Nabelschnur fällt nach 2 bis 10 Tagen von allein ab. Wieviele Tage hat es bei dir gedauert und wie bis du mit der Plazenta umgegangen?

Susi K: Die Nabelschnur inklusive Plazenta ist nach drei Tagen von selbst abgefallen. Die Plazenta haben wir in einem Tontopf aufbewahrt und diese lediglich mit einer Mullwindel ausgekleidet und dann die Plazenta mit der Mullwindel zugedeckt. So konnte die Nabelschnur im Topf mit unserem Baby verbunden bleiben. Ich fand diese Aufbewahrungsform sehr gut, da nicht jeder Besuch gern auf eine Plazenta schaut. Im Vorfeld habe ich mich auf alles vorbereitet. Ich hatte mir Meersalz und homöopathische Kräuter besorgt, um die Plazenta regelmäßig zu pökeln. Ebenso hatte ich ein Sieb vorbereitet, falls die Plazenta stark bluten würde. Ich habe nichts davon gebraucht. Ich habe lediglich nach der Geburt die Plazenta im Topf in eine abgekochte Mullwindel gelegt. Diese Mulwindel habe ich regelmäßig etwa 1 mal pro Tag gewechselt. Ansonsten habe ich mich gar nicht so stark mit der Plazenta beschäftigt. Sie hat auch nicht, wie viele Kritiker im Internet schreiben, gestunken. Ich habe keinerlei Geruch der Plazenta vernommen. Übrigens war das Baby 5 Tage lang nach der Geburt die ganze Zeit komplett nackt und ich habe windelfrei praktiziert. Natürlich ging auch mal was daneben, aber insgesamt war die Zeit im Wochenbett sehr schön und unvergesslich.

trainyabrain: Wie haben die Verwandten bei ihrem ersten Besuch auf den Tontopf und die Lotusgeburt reagiert?

Susi K: Offen gesagt, haben sie es gar nicht so aktiv mitbekommen. Das Wochenbett ist für mich wirklich eine Zeit, in der Mutter und Kind ins Bett gehören. Mein Partner hat sich sehr gut um den Haushalt und die anderen Kinder gekümmert. Die Besucher waren eher überrascht, dass sie es gar nicht mitbekommen haben. Die Reaktionen waren gemischt, aber respektvoll. Einige Freunde sagten: „Ich respektiere eure Entscheidung, aber für mich wär’ das nichts.” Allerdings kennen unsere Freunde unsere Überzeugungen und Ansichten und so gab es eher Interesse und Respekt für unsere Entscheidung.

trainyabrain: Um die Plazenta gibt es ja viele Bräuche. Es soll Leute geben, die die Plazenta nach speziellen Rezepten zubereiten. Was hast du oder deine Familie mit der Plazenta nach der Lotusgeburt gemacht?

Susi K: Der Brauch mit dem Essen der Plazenta war nichts für uns. Das kann ich mir einfach nicht vorstellen. Wir haben die Plazenta im Garten unter unserem wunderschönen Apfelbaum vergraben. Dort vergraben wir immer besondere Dinge, wie z. B. verstorbene Haustiere, die immer in unserem Herzen bleiben werden – und eben Plazenten. Ich kann bestätigen, dass die Fruchtbarkeit des Bodens durch die Plazenta gewinnt. Wir freuen uns jedes Jahr auf die tollen Äpfel, die der Baum uns schenkt.

trainyabrain: Du hast drei Kinder – zwei ohne und eins mit Lotusgeburt. Kannst du bestätigen, dass Lotusgeburt-Kinder deutlich entspannter und ruhiger sind?

Susi K: Ja – von allen drei Kindern ist mein mittlerweile dreijähriger Sohn, der mit einer Lotusgeburt zur Welt kam, tatsächlich das ruhigste und emphatischste Kind. Ob dies mit der Lotusgeburt oder mit windelfrei oder mit meiner größeren Erfahrung als Mutter zu tun hat, kann ich nicht genau sagen. Meiner Ansicht nach gibt es so viele Einflüsse, die auf ein Kind einwirken, dass es sich im nach hinein schlecht sagen lässt, ob es nun nur an der Lotusgeburt liegt. Ich halte es aber für möglich, dass Kinder durch eine Lotusgeburt entspannter und ruhiger sind.

trainyabrain: Mediziner haben bestätigt, dass die Plazenta nicht nur das erste Organ eines Ungeborenen ist, sondern sogar sein genetischer Zwilling. Aus diesem Grund glauben einige Psychologen in den USA, dass die Durchtrennung der Nabelschnur ähnlich wie ein plötzlicher Tod eines Geschwisterkindes ist. Babys, bei denen die Nabelschnur kurz nach der Geburt durchtrennt wurde, können sich nicht in Ruhe von ihrem genetischen Zwilling verabschieden. Die psychologischen Folgen können nach Ansicht der Psychologen so stark sein, dass es zum Plazenta Trauma kommen kann. Dieses Trauma kann unter anderem zu Albträumen, mangelndem Selbstwertgefühl usw. führen. Was hältst du von diesem Phänomen und kennst jemanden, der ein Plazenta-Trauma hatte?

Susi K: Ehrlich gesagt ist mir das völlig neu und ich habe noch nicht darüber nachgedacht. Ich halte ein solches Trauma für möglich, aber ich kenne niemanden, der so etwas erlebt hat.

trainyabrain: Jetzt wo ich darüber rede, fällt mir auf, dass ich vielleicht selbst zur Aufklärung beitragen kann. Ich selbst bin per Kaiserschnitt zur Welt gekommen und die Nabelschnur wurde nach der Geburt durchtrennt. In meinem Blogbeitrag „Vermächtnis der Albträume“ berichte ich, wie schwer es mir fiel über den Tod naher Angehöriger in der Kindheit hinweg zu kommen. Ebenso konnte ich unter Hypnose meine Geburt und die negativen Gefühle, nicht in dieser Welt willkommen zu sein, bestätigen. Einige Psychologen gehen sogar noch weiter und sagen: „Lotusgeburt-Kinder” verarbeiten den Tod von Angehörigen besser. Kannst du das bestätigen?

Susi K: Bisher ist noch niemand in der Familie seit der Geburt meines Sohnes 2009 verstorben. Aus diesem Grund kann ich nichts dazu sagen. Allerdings werde ich darauf achten, wenn es zu dieser Situation kommt.

trainyabrain: Möge deine Familie noch lange gesund bleiben. Bei höher entwickelten Säugetieren wie Menschenaffen ist die Lotusgeburt stark verbreitet. Beispielsweise bringen Schimpansen ihre Jungen fast ausschließlich per Lotusgeburt zur Welt. Ratten und Katzen als eher weniger stark entwickelte Säugetiere durchbeißen die Nabelschnur kurz nach der Geburt. Glaubst du, dass es einen Zusammenhang zwischen sozialer Intelligenz der Lebensform und Lotusgeburt gibt?

Susi K: Das ist eine interessante Frage, über die ich noch nie nachgedacht habe. Ja, es könnte einen Zusammenhang geben. Allerdings könnte es auch eine Rolle spielen, wie viele Kinder die Säugetiere zur Welt bringen. Katzen und Ratten bringen teilweise mehr als 8 Kinder gleichzeitig zur Welt. Gleichzeitig 8 Lotusgeburten stelle ich mir sehr schwierig vor. Menschenaffen hingegen bringen nur ein oder zwei Jungen gleichzeitig zur Welt – aus diesem Grund ist eine Lotusgeburt auch leichter durchführbar. Interessant finde ich eher – warum die Menschenaffen und einige Naturvölker, die ja sogar Werkzeuge zum Durchtrennen der Nabelschnur einsetzen könnten, dies nicht tun?

trainyabrain: Im Internet kann man immer wieder lesen, dass Frauen ihre Lotusgeburt auch bei einem Kaiserschnitt durchgeführt haben. Hättest du die Lotusgeburt auch bei einem möglichen Kaiserschnitt durchgeführt?

Susi K: Ja auf jeden Fall und gerade dann! Schließlich ist es bei einem Kaiserschnitt für die Kinder noch schwieriger, entspannt in unserer Welt anzukommen. Die Lotusgeburt kann meiner Ansicht nach dabei helfen, dass gerade Kaiserschnitt-Kinder etwas entspannter zur Welt kommen. So ist wenigstens noch etwas nach der Geburt vertraut geblieben – die Nabelschnur und die Plazenta.

trainyabrain: Wenn du nochmals ein Kind bekommen würdest, würdest du dich wieder für eine Lotusgeburt entscheiden?

Susi K: Ja auf jeden Fall. Allerdings finde ich schade, dass ich mich nicht getraut habe, wie bei meinem zweiten Kind, eine Gobuli aus der Plazenta herzustellen. Diese homöopathische Substanz habe ich mehrfach erfolgreich bei meiner zweiten Tochter bei Krankheit angewandt. Die Substanz kann auch der Nabelschnur in einem aufwändigen Verfahren, dass in jeder Apotheke durchgeführt werden kann, hergestellt werden. Falls ich nochmals ein Kind bekomme, möchte ich eine Hausgeburt und eine Lotusgeburt mit einer entsprechende Herstellung einer Globuli Substanz verbinden. Hierbei muss ich nur noch herausfinden, wie ich ein Stück der Plazenta entfernen kann und gleichzeitig diese am Kind lassen kann ohne Infektionsrisiko.

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trainyabrain: Das hört sich ganz nach einer Fortsetzung an. Egal wie es kommt, wir wünschen dir für deine Familie und künftigen Geburten alles Gute. Was möchtest du abschließend allen Frauen dort draußen mitteilen?

Susi K: Eine Lotusgeburt sowie eine Hausgeburt kann ich jeder Frau empfehlen. Nach allem, was ich gelesen und erfahren habe, ist die Hausgeburt die sicherste Geburtsform. Leider wird sie mehr und mehr zur Seltenheit, da die Bezahlung der Hebammen und die zu zahlende Versicherungssumme in einem unrealistischen Verhältnis stehen. Ich kann nur hoffen, dass sie als Geburtsform auch in Zukunft erhalten bleibt. Übrigens wende ich auch NFP an und bin so drei mal auf Anhieb während der fruchtbaren Zeit im jeweils ersten Zyklus schwanger geworden. Ich finde NFP für Frauen mit Kinderwunsch, aber auch zur Verhütung, sehr geeignet. Zuvor habe ich mit der Pille und Hormonspirale verhütet – ich habe mich allerdings mit diesen Verhütungsmethoden immer wie aufgeschwemmt gefüllt. Jetzt fühle ich mich besser und ich werde auch bei NFP bleiben. Ich finde es toll, dass ihr die Frauen auch über viele alternative Themen aufklärt. Macht weiter so!

Das Interview führte Marcus Krahlisch für trainyabrain

Hinweis: Susi K. möchte aus privaten Gründen ebenso wie ihre Familie anonym bleiben. Daher ist ihr Name für dieses Interview verändert worden.

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  • Markus
    8. September 2016, 21:32

    Ich finde das hier äußerst bedenklich! Ich möchte nicht das mein neu geborenes Kind tagelang neben einer verwesenden Plazenta liegen muss. Trotz der Salze und sonstigen chemischen oder natürlichen Haltbarmachern ist das eine ziemliche Infektionsquelle und nicht gerade natürlich. Viele Tiere fressen die Plazenta sogar sofort nach der Geburt auf um keine Raubtiere oder ähnliches anzulocken! So etwas kann auch nur in unserer Wohlstandsgesellschaft als gut befunden werden!