Meine turbulente Flugreise in der Schwangerschaft

Flugreise, Schwangerschaft

Als ich in meiner 16. Schwangerschaftswoche in den Urlaub flog, bereitete ich mich insbesondere auf die Flugreise vor. Einige Dinge kann man jedoch nicht planen…

Wenn man in den Urlaub fliegen möchte, plant man normalerweise alles so, wie es einem gerade am besten passt. Wenn man schwanger ist und in den Urlaub fliegen möchte, sieht es etwas anders aus. Man muss alles genau bedenken. Welchen Zeitpunkt wählt man? In welcher Schwangerschaftswoche wird es mir am besten gehen? In welches Land fliege ich? Darf ich als Schwangere überhaupt fliegen? Kann man sich in dem Urlaubsgebiet auch gesund genug ernähren? Muss ich besondere Dinge mitnehmen? Insbesondere die Flugreise während der Schwangerschaft erfordert einige Überlegungen.

So plante ich meine Flugreise in der Schwangerschaft

Zu allererst überlegte ich natürlich mit meinem Partner zusammen, wann und wie lange wir in den Urlaub fliegen möchten. Als wir das planten, war ich erst ungefähr in der 12. SSW. Für uns stand fest, wir wollten unbedingt vor der Geburt nochmal in den Urlaub fliegen und einigten uns schnell auf die Länge von zwei Wochen. Der Zeitpunkt sollte nicht zu spät sein, denn manche Fluggesellschaften nehmen einen als Schwangere nicht mehr mit ins Flugzeug. Außerdem sollen die Schwangerschaftsbeschwerden im zweiten Trimester am geringsten sein. Wir entschieden uns dann für den Zeitraum von meiner 15+5 bis 17+5 Schwangerschaftswoche. Ok, das war nun die leichte Entscheidung – weiter geht’s mit der Planung. Es sollte zu dem Zeitpunkt unseres Urlaubes am Urlaubsort schönes warmes Wetter sein und gleichzeitig ein Land sein, das nicht so weit entfernt ist, um die Flugreise so kurz wie möglich zu halten und relativ preiswert sein. Das schränkte die Auswahl des Urlaubszieles schon um einiges ein. Um ehrlich zu sein blieb nur ein Reiseziel nach unseren Überlegungen übrig. Vom 11.-25. Mai gibt es nicht so viele Länder, die günstig, nahgelegen an Deutschland und schön warm sind. Unsere Wahl fiel auf die tunesische Insel Djerba. Natürlich gab es wieder viele Leute, die der Meinung waren, uuuhhh du kannst doch nicht schwanger nach Djerba fliegen! Aber davon ließen wir uns nicht abbringen.

Meine Gynäkologin fragte ich vorher noch um Rat. Sie war auch der Meinung, dass das zweite Trimester am geeignetsten sei, aber empfahl mir, unbedingt Thrombosestrümpfe während des Fluges zu tragen. Ich machte sogar einen speziellen Thrombosebluttest, um zu prüfen, ob ich genetisch für Thrombose veranlagt bin. Zum Glück fiel dieser Test negativ aus. Sowohl den Thrombosebluttest als auch die Thormbosestrümpfe, die extra angepasst werden müssen, werden von der Krankenkasse während einer Schwangerschaft komplett übernommen. Vor einer Flugreise, sollte man schon rechtzeitig mit seinem Arzt oder Ärztin sprechen, denn die Bestellung der angepassten Thrombosestrümpfe kann mehrere Wochen dauern. Ich sprach mit ihr auch über eventuelle Impfungen, aber ich entschied mich dafür lieber keine Impfungen während der Schwangerschaft machen zu lassen.

Der einzwängende Hinflug

Wir mussten nachts los zum Flughafen, um unseren sehr frühen Flug zu bekommen. Vor dem Losgehen zwängte ich mich das erste Mal in die neuen Thrombosestrümpfe, die gerade noch rechtzeitig fertig geworden sind. Ja, ich verstehe jetzt, warum ältere Menschen oft Hilfe beim Anziehen der Thrombosestrümpfe brauchen. Ich habe sie selbst nur unter enormen Kraftaufwand und Mühe alleine anbekommen – nach ca. 10 Minuten war es geschafft. Als wir dann im Flugzeug saßen – etwa 5:30 Uhr – merkte ich, wie meine Blutzufuhr zu meinen Beinen weg geschnürt wurde. Es war schrecklich unangenehm, da ich meine Beine ja nicht lang ausstrecken konnte aufgrund der wenigen Beinfreiheit im Flugzeug. Ich ärgerte mich schon darüber, dass ich sie angezogen hatte und nun konnte ich sie ja nicht mal ausziehen. Denn mit dem Ausziehen verhält es sich genauso wie mit dem Anziehen – es ist sehr schwer und ich hätte dafür etwas mehr Platz gebraucht. Also versuchte ich, meine Beine während des Fluges so viel wie möglich zu bewegen. Auf so einer kurzen Flugstrecke ist es auch schwierig mal aufzustehen, denn beim Start muss man angeschnallt bleiben – danach kommt sofort ein Getränkewagen durch den Gang gerollt – danach ein Essenwagen – dann wieder der Getränkewagen und dann setzt der Pilot schon fast wieder zur Landung an. Ich hielt mit den Thrombosestrümpfen noch durch, bis wir im Hotel auf Djerba waren. Dann musste mir mein Partner beim Ausziehen helfen und ich hatte schon extreme Druckstellen an den Beinen, die echt weh taten. Vielleicht waren sie zu eng angepasst? Was für ein befreiendes Gefühl als sie endlich ausgezogen waren!

Der turbulente Rückflug

Nach unserem erholsamen Urlaub auf Djerba mussten wir nun leider wieder zurückfliegen. Diesmal ließ ich vorsichtshalber die Thrombosestrümpfe weg. Am Flughafen Djerba angekommen, stellten wir uns am Check-in Schalter an. Die Frau am Schalter fragte uns, ob es ok für uns ist, wenn wir am Notausstieg sitzen? Wir saßen noch nie am Notausstieg, also willigten wir einfach ein, ohne zu wissen, was uns erwartete.

Das Gute daran – am Notausstieg zu sitzen – ist die größere Beinfreiheit. Sehr empfehlenswert für alle Schwangeren oder sehr große Menschen!

Kurz vor dem Start wurden wir von einer Stewardess eingewiesen, was wir im Falle eines Notfalls tun müssen, um den Notausstieg aufzubekommen. Man musste dazu einen Hebel betätigen und mit viel Druck die Tür öffnen. Die Stewardess fragte mich – da ich am Fenster saß, weil mein Partner Höhenangst hat – ob ich das denn hin bekomme im Notfall? Es ginge wohl sehr schwer auf. Ich sagte: „Ja, das schaffe ich!“ Ich bin ja gerade Top in Form, da ich mich auf eine Geburt vorbereite, dachte ich so bei mir. Die Geburt wird wohl definitiv anstrengender, als diese kleine Tür hier zu öffnen. 😉 Naja, glücklicherweise brauchte ich den Notausstieg den ganzen Flug über nicht zu öffnen. Wobei die Landung alles andere als ein Zuckerschlecken war. Schon beim ersten Absenken des Flugzeuges merkten wir, dass der Pilot irgendwie so ruckartig das Flugzeug steuert. Obwohl es blendend gutes Wetter war, schaffte es der Pilot, dass es sich anfühlte als fliegen wir durch eine riesige dunkle Wetterfront hindurch. Ich hatte am Anfang meiner Schwangerschaft und bis dahin keinerlei Problem mit Schwangerschaftsüberkeit gehabt, aber nun wurde sogar mir schlecht. Ich sah mich kurz um und bemerkte, dass es nicht nur mir so ging. Vielleicht waren wir Opfer einer Flugtainingsstunde geworden?! Es fehlte nicht viel und ich hätte ein faltbares Mageninhaltsaufnahmebehältnis gebraucht. Nach etwa 20 Minuten turbulentem Absinken, landeten wir ruckartig und glücklich auf der harten Beton-Landebahn.

Fazit

Wenn du in der Schwangerschaft in den Urlaub oder wo anders hinfliegen möchtest, informiere dich vorher rechtzeitig und ausführlich. Es gibt gibt natürlich auch noch einige weitere Aspekte, die man vor einem Flug in der Schwangerschaft berücksichtigen sollte. Ich habe hier nur die Dinge wiedergegeben, mit denen ich persönlich meine eigenen Erfahrungen gemacht habe. Zusammengefasst kann ich sagen, dass es sich im zweiten Schwangerschaftsdrittel wirklich sehr gut fliegen lässt und vorsorglich Thrombosestrümpfe empfehlenswert sind – auch wenn sie bei mir vermutlich ein Tick zu eng waren. Der Sitz am Notausstieg bietet außerdem wirklich viel mehr Beinfreiheit und kann am Schalter direkt erfragt werden. Bei manchen Flügen kann man den Platz auch schon beim Buchen reservieren lassen. Trotz aller Planung kann man natürlich nicht einplanen, welcher Pilot am Steuer sitzt oder ob ungünstige Luftschichten auf der Strecke liegen.

Ich wünsche einen angenehmen Flug in der Schwangerschaft
Anne Zietmann

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  • 26. April 2016, 20:40

    Herrlich amüsant und informativ. Ich selbst bin in der 12. SSW ins südliche Argentinien geflogen. Der Flug für einen Arbeitsauftrag war schon länger gebucht und ich hatte Glück, dass es sich terminlich zumindest halbwegs ausging, dass das 1. Trimester überstanden war. Zwei Wochen später ging es dann nach Peru und in der 16. SSW zurück in die Heimat.
    Vor allem die „special attendance“ Schalter am Flughafen zu nützen, habe ich dabei sehr genossen. Und einfach immer nach einem Platz mit möglichst viel Beinfreiheit zu fragen und dabei auf meine Schwangerschaft hinzuweisen. Meine Frauenärztin empfahl mit übrigens NATTOKINASE einzunehmen – ein heilendes Enzym aus Japan. Die Kapseln sind im Internet bestellbar.
    Bei mir waren auch die emotionalen Befindlichkeiten die wohl größte Herausforderung auf der Reise. Ich bin immer gern gereist, bin aber froh, dass für den weiteren Schwangerschaftsverlauf keine Auslandsaufenthalte mehr am Programm stehen!