Primäre Amenorrhoe und Kinderwunsch – Was tun?

Primäre Amenorrhoe bei Kinderwunsch

Primäre Amenorrhoe bei Kinderwunsch © Natürliche Fruchtbarkeit

Primäre Amenorrhoe & Kinderwunsch – was tun? Wir zeigen reale Fälle von Frauen, die trotz Ausbleiben der Menarche schwanger geworden sind.

Eine primäre Amenorrhoe bezeichnet das Ausbleiben der Periode bis zum 16. bzw. 17. Geburtstag – unterschiedlich je nach Quelle. Dies bedeutet, dass die betroffenen Frauen bis ungefähr dem 16. Lebensjahr oder sogar ihr ganzes Leben keinen natürlichen Zyklus haben. Wenn nun Frauen mit primärer Amenorrhoe im Laufe ihres Lebens eine Partnerschaft und einen Kinderwunsch entwickeln, ist dies ein großes Problem. Kann man diesen Frauen helfen, trotz primärer Amenorrhoe schwanger zu werden? Ja, das ist möglich. In diesem Beitrag werden wir drei Fallbeispiele von Frauen vorstellen, die trotz der Diagnose primäre Amenorrhoe, schwanger und Mutter geworden sind.

Was sind häufigsten Ursachen für eine primäre Amenorrhoe?

Glücklicherweise ist die primäre Amenorrhoe ein sehr seltenes Phänomen. In Deutschland gibt es leider noch keine Zahlen, wie viel Frauen von primärer Amenorrhoe betroffen sind. Untersuchungen in den USA gehen davon aus, dass deutlich unter 1% der Amerikanerinnen keine Menarche bis zum 16. Lebensjahr hatten. Schauen wir uns nun die drei häufigsten Ursachen für ein primäre Amenorrhoe an, welche in Untersuchungen mit über 295 betroffenen Frauen in Thailand erfolgt sind.

#1 Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom (MRKHS)

In der angesprochene Studie wurde das Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom, kurz MRKHS, mit 39,7% als häufigste Ursache für primäre Amenorrhoe ausgemacht.

Keine Gebärmutter und keinen Gebärmutterhals

Bei diesem Syndrom entwickeln sich die Müller-Gänge abnormal. Dies führt zu einem Fehlen der Gebärmutter und des Gebärmutterhals.

Eierstöcke meist voll funktionstüchtig

Die sekundären Geschlechtsmerkmale wie Vagina und Brüste der Frau entwickeln sich jedoch normal, da die Eierstocke meist voll funktionstüchtig sind. Trotzdem haben betroffene Frauen natürlich ohne Gebärmutter und Gebärmutterhals eine primäre Amenorrhoe. Schließlich ist das Menstruationsblut nichts anderes als aufgebaute Gebärmutterschleimhaut, die ausgestoßen wird.

#2 Gonadendysgenesie (Fehlbildung der Eierstöcke)

Mit 35,3% ist die Gonadendysgenesie die zweithäufigste Ursache für primäre Amenorrhoe in der angesprochenen Studie. Hier kommt es meist aus genetischen Gründen (Chromosomenanomalien) zur Fehlbildung der Eierstöcke, sodass diese ihren Job nicht mehr ordnungsgemäß ausführen können. Logischerweise kann man ohne funktionierende Eierstöcke schwieriger eine Periode bekommen und so haben die meisten betroffenen Frauen keine Periode auf natürlichem Weg. Die häufigsten Vertreter der Gonadendysgenesie sind das Turner Syndrom, Klinefelter Syndrom, Swyer-Syndrom u.a.

#3 Hypogonadotroper Hypogonadismus (Unterfunktion der Eierstöcke)

Bei dem hypogonadotroper Hypogonadismus liegt eine Unterfunktion der Eierstöcke vor, die durch einen mangelhafte Produktion der Zyklushormone FSH und LH bedingt ist. Neben Schilddrüsenerkrankungen, Verletzungen oder angeboren Fehlbildungen des Hypothalamus oder der Hypophyse können auch Faktoren wie Magersucht u.a. zu einer Unterfunktion der Eierstöcke führen.

Etwa 9,2% der Frauen von Unterfunktion der Keimdrüsen betroffen

Die Unterfunktion der Keimdrüsen trat bei etwa 9,2% der betroffenen Frauen auf und ist damit die dritthäufigste Ursache für primäre Amenorrhoe. Im Gegensatz zu den anderen vorgestellten Ursachen können Frauen mit einer Unterfunktion eine natürliche Blutung im Leben bekommen. Meist spricht man hier nur von einer konstitutionellen Pubertätsverzögerung. Das heißt die Pubertät tritt einfach später als normal ein.

Unterfunktion der Eierstöcke meist gut behandelbar

Die Ursache der Unterfunktion der Eierstöcke ist meist sehr einfach zu behandeln, da Eierstöcke und Gebärmutter anatomisch funktionsfähig sind und „nur“ Hormone im Gehirn fehlen. Es ist also möglich, dass es nach der erfolgreichen Behandlung zu einer Schwangerschaft kommt. Häufigster Vertreter dieses Phänomens ist hier vor allem die primäre Ovarialinsuffizienz, die meist zu einer stark verlängerten Eireifungsphase führt.

Weitere Ursachen für primäre Amenorrhoe

Wenn du richtig mitgezählt hast, dann machen die ersten drei häufigsten Ursachen nur rund 84% der Fälle aus. Natürlich gibt es noch weitere Ursachen für eine primäre Amenorrhoe wie PCOS, Krebserkrankungen u.v.m. Aus Gründen der Übersichtlichkeit werden wir uns in diesem Artikel, aber auf die Hauptursachen der primären Amenorrhoe konzentrieren.

Wie kann man primäre Amenorrhoe diagnostizieren?

Nun kommen die jungen Frauen meist schon vor dem 20. Lebensjahr in die Praxis und sagen, dass sie noch keine Menarche bekommen haben. In einem ausführlichen Vorgespräch werden die Ursachen und genetischen Familienhintergründe abgefragt. Natürlich wird die Betroffene auch körperlich untersucht, um erste Auffälligkeiten festzustellen. Beim Turner Syndrom treten z. B. Kleinwüchsigkeit sowie eine als Flügelfell bekannte häufige auffällige Form des Halses auf, die Hinweise auf die Erkrankung geben.

Hormontest im Blut auf Schwangerschaft u.a.

Natürlich wird erstmal ein Schwangerschaftstest gemacht, der im wesentlichen den hCG Spiegel misst, der bei einer erfolgreichen Einnistung der Zygote erhöht ist. Ist eine Schwangerschaft ausgeschlossen, kommen weitere Untersuchungen der Hormone im Blut wie FSH, LH, TSH, Prolaktin sowie Östrogen, Progesteron u.a. infrage. Diese geben natürlich schon mal einen Aufschluss, ob die Hormonbildung funktioniert. Beispielsweise werden Frauen mit einer Unterfunktion der Eierstöcke deutliche Auffälligkeiten zeigen, da diese ja meist durch eine gestörte FSH- oder LH-Bildung gekennzeichnet ist.

Ultraschall und MRT Untersuchungen

Im Ultraschall oder MRT Untersuchungen wird festgestellt, ob wichtige Geschlechtsorgane wie Gebärmutter, Eierstöcke u.a. vorhanden sind. Falls zum Beispiel keine Gebärmutter und kein Gebärmutterhals vorhanden sind, dann ist z. B. das MRKHS Syndrom eine wahrscheinliche Ursache.

Genetische Untersuchungen

Bei Verdacht auf genetische Fehlgebildungen wie beim Turner Syndrom etc. werden weitere Blutuntersuchungen durchgeführt, die Chromosomenanomalien etc. offenlegen. Auf diese Weise können viele der erwähnten krankheitsbedingten Ursachen der primären Amenorrhoe festgestellt werden.

Primäre Amenorrhoe: Behandlung und reale Kinderwunsch Erfolgsgeschichten

Kommen wir nun zu den realen Kinderwunschgeschichten, bei denen Frauen trotz Diagnose primäre Amenorrhoe schwanger und anschließend Mutter geworden sind.

#1 Schwangerschaft nach primärer Amenorrhoe bei MRKHS

Beim MRKHS fehlen die Gebährmutter und der Gebärmutterhals. Häufig können die betroffenen Frauen ohne OP noch nicht mal richtigen Sex haben, da an der Stelle vom Gebärmutterhals nur ein Gewebestrang zu finden ist. Meist muss erst eine Öffnung chirurgisch geschaffen werden. Klar, können Frauen ohne Gebärmutter ohne medizinische Hilfe nicht schwanger werden. Doch mittlerweile kann man die Gebärmutter von engen Verwandten wie z. B. der eigenen Mutter transplantieren und somit ein Kind gebären. Auf diese Weise sind im Jahre 2017 zwei gesunde Kinder zur Welt gekommen. Von der Sensation wurde umfassend in den Medien berichtet.

#2 Schwanger nach Turner-Syndrom

ExpertInnen schätzen, dass etwa 90% der Frauen mit Turner-Syndrom eine primäre Amenorrhoe erleben. Ebenso wird in der Wissenschaft aufgrund der hohen genetischen Fehlbildungen der Eierstöcke davon ausgegangen, dass etwa 95% der Frauen mit Turner-Syndrom unfruchtbar sind. Meist wird diesen Frauen mit Hilfe der künstlichen Befruchtung zum Wunschkind verholfen, da die Gebärmutter und der Gebärmutterhals ja noch voll funktionsfähig sind. Hier gibt es mehrere Studien, in denen unter Embryonen Transfer und Eizellenspende Schwangerschaften entstanden sind. Ich konnte auch einen Fall einer natürlichen Schwangerschaft unter dem Turner-Syndrom finden, wo eine Frau nach erfolgreicher Hormontherapie auf natürlichem Weg schwanger geworden ist. Sie brachte bei einer normalen Geburt ein gesundes Mädchen zur Welt.

#3 Schwanger nach primärer Amenorrhoe und primärer Ovarialinsuffizienz

Eine 29-jährige Frau besuchte im Oktober 2009 die vorgeburtliche Ambulanz des North Eastern Indira Gandhi Regional Institute of Health and Medical Sciences (NEIGRIHMS) in Shillong, Meghalaya, Indien. Ihre Vorgeschichte umfasste eine lange Amenorrhoe ohne natürliche Blutungen infolge einer primären Ovarialinsuffizienz, also einer Störung der Eierstöcke infolge einer Erkrankung der Hypophyse.

Positiver Schwangerschaftstest ohne Blutung

Obwohl sie keine natürliche Blutung ohne Hormonbehandlung hatte, wurde sie nach vier Jahren Ehe spontan und überraschend schwanger. Ein Schwangerschaftstest im Urin fiel zur Überraschung der Ärzte positiv aus. Die Schwangerschaft verlief normal und sie bekam auf Wunsch einen Kaiserschnitt, bei dem sie ein gesunden Jungen zur Welt brachte.

Fazit

Natürlich ist es für Frauen, die eine primäre Amenorrhoe haben, schwerer schwanger zu werden. Jedoch können diese Frauen mit medizinischer Hilfe meistens trotzdem schwanger werden.

Künstliche oder natürliche Befruchtung?

Bei genetischen Störungen oder anatomischen Fehlbildungen kann nur die Reproduktionsmedizin helfen. Ist die primäre Amenorrhoe die Folge einer Unterfunktion der Eierstöcke wie bei PCOS oder einer Ovarialinsuffizienz, können die Frauen unter einer speziellen Hormontherapie trotzdem natürlich schwanger werden. Hier kann auch die NFP Methode helfen.  Schließlich kann man mit NFP den Eisprung und sowie den Schweregrad der Erkrankung besser eingrenzen.

Bitte gehe zum Arzt, wenn deine Periode bis zum 16. Lebensjahr ausbleibt

Der Erfolg einer Therapie und Symptome hängt allerdings entscheidend davon ab, ob du rechtzeitig zum Arzt gehst, wenn du keine Periode bis zum 16. Lebensjahr hast. Je eher die Ursachen der primären Amenorrhoe bekannt sind, je eher können sie erfolgreich behandelt werden.

Warte nicht zu lang mit dem Kinderwunsch

Bei primärer Amenorrhoe sollte man nicht zu lang mit dem Kinderwunsch warten, da die Chancen zwischen 20 und 30 Jahren in diesen Fällen am größten sind. Solltest du also keine Menarche bis zum 16. Lebensjahr erfahren haben, dann warte nicht zu lang mit dem Schwangerwerden. Am Ende des Artikels möchte ich allen Frauen mit primärer Amenorrhoe, die schwanger werden möchten, alles Gute auf ihrem Weg zum Wunschkind wünschen.

Quellen

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