Kinderkriegen ist nichts für Feiglinge

Eins wurde mir klar, als ich mich bewusst FÜR ein Kind entschied: Kinderkriegen ist nichts für Feiglinge! Wie ich zu dieser Erkenntnis kam, erzähle ich in diesem Beitrag.

Ist es der Richtige?

Wenn man Kinder haben möchte, fragt man sich zunächst: Woran merke ich, ob es der richtige Partner dafür ist? Das ist eine gute Frage. Wenn man jedoch immer nur daran zweifelt, ob es der richtige Partner fürs Kinderkriegen ist, wird man wohl vermutlich nie Kinder bekommen. Eine wichtige Voraussetzung müsste der Partner jedoch mitbringen – er sollte auch Kinder haben wollen! Hierbei muss man jedoch unterscheiden, ob er/sie wirklich Kinder haben möchte oder einfach immer nur sagt: „Ja, irgendwann möchte ich auch mal Kinder…“ Ich war selbst mal eine von denen, die das immer nur gesagt hat, aber nicht in die Tat umgesetzt hat. Jedoch habe ich mir selbst und meinem Partner immer wieder klargemacht, dass ich noch bevor ich 30 werde, ein Kind haben möchte. Wenn es einem nun wirklich wichtig ist, einmal im Leben Kinder zu kriegen, sollte man rechtzeitig, offen und ehrlich mit seinem Partner darüber sprechen. Wirklich offen über das Thema Kinderkriegen zu sprechen, erfordert viel Mut und ist absolut nichts für Feiglinge. An diesem ersten Schritt scheitern glaube ich schon viele Paare. „Kannst du dir vorstellen, mit mir ein Kind zu bekommen?“, ist hierbei die entscheidende Frage. Viele sagen dann wahrscheinlich: „Ja, aber erst wenn […] erreicht ist/ hinter mir liegt usw.!“ Auch ich hatte natürlich viele viele Gründe, jetzt gerade noch kein Kind zu bekommen. Die meisten Gründe sind jedoch eigentlich nur Ausreden, wenn man sie genauer betrachtet.

Ausrede 1: Wir haben noch zu wenig Geld dafür!

Das ist wohl die häufigste Ausrede, die ich von Paaren bisher gehört habe. Der finanzielle Aspekt scheint beim Kinderkriegen in Deutschland einen so hohen Stellenwert zu haben, dass er sogar der häufigste Grund bei Abtreibungen darstellt. Eine verwandte Ausrede hierzu ist auch: „Ich habe noch nicht den richtigen Job – ich brauche erst eine unbefristete Stelle, um über Kinderkriegen nachzudenken!“ Und was ist nun, wenn sich niemals eine unbefristete Stelle ergibt? Willst du dann auch nie Kinderkriegen? Die Frage ist auch, wie lange wartet man ab, bis sich der gewünschte Endzustand eingestellt hat? Kann man mit der daraus folgenden Konsequenz leben, dass es irgendwann zu spät ist, ein leibliches Kind zu bekommen? Ich hätte mit dieser Konsequenz definitiv nicht leben können und so entschied ich mich zum damaligem Zeitpunkt trotz geringem Einkommen und keinem festen unbefristeten Arbeitsverhältnis FÜR ein Kind! Einige sagten zu mir: „Ich möchte erst Kinder kriegen, wenn ich meinem Kind auch etwas bieten kann.“ Ja das kann ich auch – ich kann meinem Kind ein liebevoll behütetes Zuhause, eine warmherzige Familie und eine respektvolle Erziehung bieten. Diese Dinge finde ich weitaus wichtiger als Geld. Klar als Student oder Azubi sind die meisten wirklich finanziell nicht so gut aufgestellt. Nach der Ausbildung und Berufseinstieg finden viele Paare jedoch neue Gründe alias Ausreden. Auf einmal haben sie dann Angst, dass der Arbeitgeber sie nach dem Mutterschutz entlässt und sie danach noch schlechter einen Job finden. Dass es von Jahr zu Jahr schwieriger wird ein Kind zu kriegen, ignorieren die meisten dabei. Meine persönlich optimale Lösung für dieses Problem, habe ich mit der Selbständigkeit gefunden. Mein Partner und ich können beide zu Hause arbeiten und somit erübrigt sich die ein oder andere Sorge bezüglich des Arbeitgebers. Zusätzlich können wir so, immer für unser Kind da sein und sind nicht 8 bis 10 Stunden pro Tag einfach mal nicht da oder müssen es in eine Betreuungseinrichtung geben. Ein Arbeitgeber mit integriertem Kita-Platz wäre doch aber auch eine tolle Lösung für den ein oder anderen. Leider haben so etwas immer noch die wenigsten Arbeitgeber.

Ausrede 2: Die Schmerzen bei der Geburt überstehe ich nicht!

Lange Zeit glaubte ich, dass eine Geburt etwas ganz schlimmes sei und ich sie bestimmt nicht überstehe, wenn es soweit ist. Wie vor einer ganz wichtigen Prüfung hatte ich unheimliche Angst schon bei dem Gedanken an eine Geburt. Es war so schlimm, dass ich es in weite Ferne verdrängte und das Kinderkriegen nicht nur aus finanzieller Sicht, sondern auch aus Angstgründen mir nicht vorstellen konnte. Einige Jahre später, als ich so Mitte 20 war, bekam meine Freundin ihr erstes Kind und somit beschäftigte ich mich mit dem Thema Geburt etwas näher. Ich fand viele spannende und interessante Dinge über die Geburt heraus und konnte mir immer besser vorstellen, auch eine Geburt zu erleben und durchzustehen. Um so mehr ich mich informierte, umso besser wurde es. Der Geburtsvorbereitungskurs nahm mir dann in der Schwangerschaft noch die letzten Ängste und so konnte ich beruhigt meiner ersten Geburt entgegen steuern. Ich fühlte mich super vorbereitet und hatte dadurch keine Angst mehr. Ich kann deshalb nur allen Frauen raten, die Angst vor der Geburt haben, informiert euch sehr gut und umfassend mit Büchern, Hebammen und Dokus.

Ausrede 3: Ich weiß nicht, ob ich schon bereit für ein Kind bin.

Als ich Ausrede 1+2 nach vielen Jahren überwunden hatte, kam eine neue Ausrede in mir hoch. „Ich fühl‘ mich noch nicht bereit für ein Kind!“ Ich steigerte mich später noch mit der Ausrede: „Ich bin mir nicht sicher, ob ich schon bereit für ein Kind bin!“ Diese Einstellung hatte ich dann ungefähr für ein halbes Jahr, bis ich endlich meinen ganzen Mut zusammen nahm und an die Lebensweisheit meines Vaters dachte:

„Um Kinder zu kriegen gibt es keinen richtigen Zeitpunkt – entweder man macht es oder man lässt es!“

Wenn man sich also schon fragt, ob man bereit ist für ein Kind, ist man schon längst bereit dafür. So zumindest war mein Eindruck, denn mir vielen einfach keine guten Ausreden mehr ein. Mein Partner wollte ein Kind, finanziell hatten wir nach unseren Ansprüchen betrachtet mehr als ausreichend, über die Geburt war ich bestens informiert und es fehlte nur noch ein Fünkchen Mut zum Kinderkriegen. Ich habe mich schließlich getraut und wünsche allen potentiellen Paaren da draußen diesen Mut! Es lohnt sich definitiv. Es MUSS nicht alles perfekt sein, um mit dem Kinderkriegen loszulegen. Sätze wie „Wenn ich meine Ausbildung abgeschlossen habe, dann […].“ oder „Wenn ich ein festes Einkommen habe, dann […], führen nicht dazu, dass man irgendwann Kinder bekommt. Wieso sollte man so etwas Unwesentliches, wie die Meinung des Arbeitgebers, monatliches Einkommen oder befristete Arbeitsverträge, davon abhängig machen, ob man ein neues Leben erschafft oder nicht?

Der Ausnahmezustand

Zu guter Letzt kommt noch der Ausnahmezustand dazu. Ganz wenige meiner Freunde und Bekannten haben Kinder. Man fühlt sich irgendwie als Ausnahme, wenn man ein Kind bekommt. Obwohl die meisten sogar in einer langjährigen Beziehung leben und ein regelmäßiges Einkommen haben, schaffen es so viele nicht ihren Mut zu überwinden und bekommen keine Kinder.

Die vielen Kritiker und Skeptiker

Als ich dann meine ganzen Ängste überwunden hatte und endlich den Mut aufbrachte, ein Kind zu kriegen, war ich ziemlich entsetzt darüber, wie ein Mann mir in meiner Schwangerschaft begegneten. Ich musste mir doch wirklich von einem ca. 30-jährigem Mann anhören, dass es verantwortungslos von mir sei, ohne festen Arbeitsvertrag ein Kind zu bekommen. Ich finde es hingegen verantwortungslos gegenüber sich selbst, die Karriere dem Kinderkriegen vorzuziehen und somit seine Fruchtbarkeit aufs Spiel zu setzen. Er wollte es mir außerdem einfach nicht glauben, dass ich mich „schon“ mit 27 Jahren für ein Kind entschieden habe. Das sei doch seiner Meinung nach viel zu früh! Ich frage mich, ob er im Biounterricht einige Male gefehlt hat? Es war zum Glück nur ein Einzelfall, aber solange es noch Menschen gibt, die so denken, wird das Kinderkriegen wohl weiterhin nichts für Feiglinge sein. Denn sich selbstbewusst gegen solche Äußerungen zu stellen erfordert abermals sehr viel Mut.

Bin ich fruchtbar genug?

Nun komme ich zu dem alles entscheidenden Argument, warum Kinderkriegen nichts für Feiglinge ist und man eher früher als später damit beginnen sollte. Biologisch ist in jedem Einzelnem von uns festgeschrieben, wie lange das Kinderkriegen funktioniert. Ich fragte mich dann mit 27, kinderlos, in fester Partnerschaft und in einer Fortbildung für unerfüllten Kinderwunsch sitzend, was ist, wenn mir das passiert? Was ist, wenn mein Kinderwunsch unerfüllt bleibt oder es viele Jahre dauert bis es klappt? Mit solchen Fragen musste ich mich in einer der Übungen auf dieser Fortbildung auseinandersetzen.

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Die Wahrscheinlichkeit innerhalb eines Jahres schwanger zu werden sowie die Wahrscheinlichkeit unfruchtbar zu sein in den verschiedenen Lebensphasen [1]

Außerdem lernte ich dort, dass Frauen pro Zyklus nur eine maximale Wahrscheinlichkeit von 30 % haben, schwanger zu werden. Die Wahrscheinlichkeiten variieren je nach Lebensalter und von Frau zu Frau. Im Durchschnitt haben Frauen über 25 Jahre eine Wahrscheinlichkeit von ca. 20 %, Frauen über 30 Jahre ca. 15 % und über 35 Jahre nur noch ca. 10 % pro Zyklus, schwanger zu werden. Das ist eine ziemlich geringe Wahrscheinlichkeit und wenn man bedenkt, dass die Qualität der Spermien einen weiteren Faktor der Fruchtbarkeit darstellen, macht es die Sache nicht einfacher. Wenn man sich also für das Kinderkriegen entscheidet, muss man immer auch damit rechnen, dass es eventuell länger dauert bis eine Schwangerschaft eintritt oder es vielleicht nie klappt. Viel zu vielen Menschen ist nicht bewusst, dass die Wahrscheinlichkeit über 35 Jahren ein Kind zu bekommen, verschwindend gering ist. Sie glauben zugleich, dass sie im Zweifelsfall medizinisch nachhelfen können und dann geht das schon. Nein – so ist es leider nicht, da die wenigsten mit IVF oder ähnlichen Methoden schwanger werden. Unterscheidet man dann noch die Schwangerschaften von denen, die am Ende auch ein Baby mit nach Hause bringen (baby-take-home-rate), sind die Statistiken noch erschreckender und werden leider von den führenden Fertilitäts-Kliniken stark geschönt. Ist ja klar – sonst würde sich da vermutlich kein Paar mehr behandeln lassen, wenn sie die richtigen Zahlen preisgeben würden. Ich fasste den Entschluss, es einfach zu versuchen. Wenn man es nämlich nicht mal versucht, obwohl im Prinzip alle Voraussetzungen für ein Kind da sind, wird man nie wissen, ob es klappen könnte. Wer einen unerfüllten Kinderwunsch hat oder gleich von Anfang an die hoch-fruchtbaren Tage im Zyklus produktiv nutzen möchte, dem empfehle ich unser Kinderwunsch Set mal auszuprobieren.

Fazit

Liebe Leute, verlasst euch bitte nicht auf die Reproduktionsmedizin, sondern kriegt Kinder solange es noch auf natürlichem Wege geht und ihr in einer stabilen Partnerschaft lebt. Um es einmal positiv zu formulieren: „Wer wagt, der gewinnt“. Es lohnt sich all den Mut aufzubringen, um ein Kind zu bekommen. Leider weiß man das erst, wenn man eins hat. Deshalb richtet sich dieser Beitrag an all die Frauen und Männer da draußen, die immer noch überlegen: „Wollen wir wirklich jetzt schon Kinder oder hat das nicht noch Zeit?“

Hinweis:
Dieser Artikel nimmt übrigens an der Blogparade vom Berlinstadtbaby-Blog mit dem Thema „Blogparade & Verlosung – Die Entscheidung für ein Baby“ teil.

[1] Management of the Infertile Woman by Helen A. Carcio and The Fertility Sourcebook by M. Sara Rosental

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  • Alexandra
    16. Juli 2015, 16:36

    Guten Tag! Finde Ihre Ausführungen sehr interessant und auch in jedem Fall überdenkenswert: Viele Frauen, zu denen übrigens auch ich gehöre, entscheiden sich relativ spät dafür, ein Kind zu bekommen (bin jetzt 39 Jahre alt). Allerdings sind aus meiner Sicht einige der von Ihnen hier aufgeführten Gründe nicht so einfach „abzutun“.
    1. Der Finanzielle Aspekt: Freilich brauche ich keine Reichtümer, um meinem Kind ein liebevolles Zuhause bieten zu können. Dennoch: Wenn ich selbst mich finanziell nicht sicher fühle, immer an der Grenze des Existenzminimums gerade noch so vorbeikomme und selbst nicht weiß, wie ich das Geld für meine nächste Miete aufbringen soll, ist das nicht nur für mich belastend, sondern am Ende auch für mein Kind, wenn ich ihm vielleicht irgendwann dauernd sagen muss: „Dies und dies und dies können wir uns nicht leisten.“ Noch wichtiger aber: Das, was mir Sorgen macht, kommt irgendwo auch bei meinem Kind an.
    2. Der partner-Aspekt: Ohne eine stabile Partnerschaft wäre für mich ein Kind nicht denkbar! Aber: Eine solche Partnerschaft erreichen eben heute sehr viele Frauen oft nicht unbedingt dann, wenn sie gerade am fruchtbarsten sind. Auch das ist Realität. Frau muss sich also die Frage stellen: Will ich ein Kind um jeden Preis, auch wenn ich mir meiner Beziehung nicht (oder noch nicht) wirklich sicher bin, nur weil ich gerade im fruchtbarsten Alter bin?
    Ich denke, auch diejenigen Frauen, die sich bewusst gegen ein Kind entscheiden, können diese Entscheidung verantwortungsvoll treffen.
    Und: Auch diejenigen, die vielleicht wirklich den perfekten Zeitpunkt verpassen, ein Kind zu bekommen, verdienen Respekt, weil nicht alles, was sie in ihren jungen Jahren vielleicht daran gehindert hat, auf Ängstlichkeit beruht, sondern m.E. durchaus oft auf sehr bewussten Überlegungen, die man auch nicht einfach alle über Bord werfen kann.
    Mir ging es selbst so: Ich habe meinen Partner, mit dem ich es mir nun wirklich vorstellen kann, erst mit 36 Jahren kennengelernt. Hätte ich ihn dann sofort zu einer Entscheidung, ob Kind oder nicht, genötigt, wäre er wohl nicht mehr hier – und ich hätte noch nicht einmal mehr eine Chance. Ein Jahr später war er dann von sich aus so weit. Wir wissen nun tatsächlich nicht, ob es noch klappt, aber wir wissen, dass wir im Fall des Falles auch ohne ein Kind glücklich sein können. Ist das nicht genauso wichtig?

    Eine nachdenkliche Alex