Mit Kalendermethode schwanger werden

Kann man mit der Kalendermethode leichter schwanger werden und die fruchtbaren Tage berechnen? Alles über die Methode und wie sie funktioniert.

Immer wieder haben wir Frauen in unserer Fruchtbarkeitsberatung, die die Kalendermethode nutzen um die fruchtbaren Tage zu berechnen, um so schneller und einfacher schwanger zu werden. Doch lohnt sich die Kalendermethode überhaupt? Wie funktioniert sie? Und kann man die fruchtbaren Tage wirklich berechnen, oder geht das gar nicht? In diesem Artikel werde ich Dir genau zeigen wie die Kalendermethode funktioniert. Um herauszufinden wie gut die Kalendermethode wirklich ist, werde ich sie mit der besten Methode für den Kinderwunsch derzeit vergleichen. Damit der Vergleich wirklich realistisch ist, werde ich die realen Zyklen meiner Freundin verwenden. Nach diesem Artikel wirst du ganz genau wissen, ob die Kalendermethode sich wirklich für Dich lohnt.

Fruchtbare Tage berechnen nach der Kalendermethode

Um die Kalendermethode anzuwenden, muss man einen Menstruationskalender führen, da man seinen längsten und kürzesten Zyklus parat haben muss. Der Kalendermethode nach KNAUS und OGINO zufolge befindet sich der Eisprung immer 14 Tage vor der nächsten Menstruation. Zusätzlich geht die Methode von KNAUS und OGINO davon aus, dass die Spermien im Körper der Frau etwa drei Tage überleben können. Mit diesen zwei Annahmen ergibt sich folgende Berechnungsvorschrift für die fruchtbaren Tage:

Kürzester Zyklus minus 18 Tage = Erster fruchtbarer Tag
Längster Zyklus minus 11 Tage = Letzter fruchtbarer Tag

Beispiel:

Bei meiner Freundin schwankt die Länge eines Zyklus zwischen 29 und 34 Tagen. Nun rechnet man 34-11=23 und 29-18=11. Damit ist meine Freundin nach der Kalendermethode vom 11. bis 23. Zyklustag fruchtbar.

kalendermethode-knaus-ogino

Lohnt sich die Kalendermethode bei Kinderwunsch?

Um zu klären, ob sich die Kalendermethode wirklich lohnt habe ich ein kleines Kalendermethode Experiment durchgeführt. Als erstes habe ich die ersten 12. Zyklen meiner Freundin genommen und die fruchtbaren Tage einmal mit der Kalendermethode und einmal mit der NFP Methode (NFP) bestimmt. Die NFP Methode basiert auf der Körperbeobachtung von Zervixschleim und Basaltemperatur. Im Gegensatz zur Kalendermethode werden hier die fruchtbaren Tage durch eine Auswertung der gemessenen Temperaturkurve in Kombination mit dem dokumentierten Zervixschleimverlauf nach festen Regeln bestimmt. Die symptothermale Methode (NFP) ist derzeit die beste Methode für den Kinderwunsch, sie kann den Eisprung bis auf wenige Tage eingrenzen und die hochfruchtbaren Tage zuverlässig bestimmen. Das Resultat habe ich in der folgenden Tabelle zusammengefasst.


Fruchtbare Tage nach Kalendermethode von KNAUS und OGINO: 11. bis 23. Zyklustag (ZT)

*NFP steht für die symptothermale Methode nach den Regeln der AG NFP und
K für Kalendermethode nach KNAUS und OGINO
Zyklus Länge fruchtbare Tage Abweichung NFP vs. K.*
Z1 31 Tage 1 bis 27. ZT 10 Tage und 4 Tage
Z2 30 Tage 6. bis 23. ZT 5 Tage und 0 Tage
Z3 32 Tage 6. bis 22. ZT 5 Tage und 1 Tage
Z4 30 Tage 6. bis 22. ZT 5 Tage und 1 Tage
Z5 34 Tage 6. bis 26. ZT 5 Tage und 3 Tage
Z6 31 Tage 11. bis 23. ZT 0 Tage und 0 Tage
Z7 33 Tage 11. bis 25. ZT 0 Tage und 2 Tage
Z8 29 Tage 11. bis 21. ZT 0 Tage und 2 Tage
Z9 30 Tage 10. bis 22. ZT 1 Tage und 1 Tage
Z10 29 Tage 10. bis 22. ZT 1 Tage und 1 Tage
Z11 31 Tage 10. bis 24. ZT 1 Tage und 1 Tage
Z12 30 Tage 10. bis 26. ZT 1 Tage und 3 Tage

Auswertung des Kalendermethode-Experimentes

Die Kalendermethode ist bei der Bestimmung des Beginns der fruchtbaren Tage besonders ungenau, hier konnte ich durchschnittlich 2,8 Tage Abweichung errechnen. Für das Ende der fruchtbaren Zeit konnte ich aus den Zyklen etwa 1,6 Tage Abweichung beim Vergleich von symptothermalen Methode zur Kalendermethode errechnen. Allerdings zeigt das Experiment auch, dass die Zahl der fruchtbaren Tage am Zyklusanfang bis zu 10 Tage und am Zyklusende bis zu 4 Tage abweichen kann. Aus diesem Grund muss die Frau selbst entscheiden, ob sie für den Kinderwunsch eine solch pauschale unsichere Bestimmung der fruchtbare Tage nutzen möchte.

Die Kalendermethode ist aus einer Zeit, in der man noch sehr wenig über den Zyklus wusste. Sie ist deswegen so ungenau, weil sie von falschen Annahmen ausgeht. Erstens nimmt die Kalendermethode an, dass der Eispung immer exakt 14 Tage vor der nächsten Menstruation ist. Studien konnten aber belegen, dass der Zeitpunkt des Eisprungs zwischen 12 und 16 Tagen vor der Menstruation variieren kann. Zweitens funktioniert die Kalendermethode eigentlich nur gut, wenn die Zykluslänge der Frau kaum schwankt. Denn desto größer die Abweichung zwischen längstem und kürzestem Zyklus desto mehr fruchtbare Tage muss man annehmen. Studien zeigen, dass die Zykluslänge bei einer gesunden Frau zwischen 23 und 35 Tagen schwanken kann. Nach Kalendermethode würde das eine bedeuten dass die Frau zwischen dem 5. und 24. Zyklustag fruchtbar ist. Tja und für die Aussage, dass ich fast immer fruchtbar bin, brauche ich keine Methode oder?

Mein Fazit zur Kalendermethode

Insgesamt kann ich die Kalendermethode bei Kinderwunsch nicht empfehlen, es gibt bessere Methoden. Meine Freundin ist schon im ersten Probezyklus mit der NFP Methode schwanger geworden. Sie wusste dank der NFP genau wann sie hochfruchtbar ist und konnte zusätzlich noch feststellen wann sie ihren Eisprung hatte. Das absolute Highlight war für mich persönlich, dass es möglich ist ohne Schwangerschaftstest festzustellen ob man schwanger geworden ist. Mittlerweile haben wir zwei Wunschkinder dank NFP und es hat zweimal im ersten Zyklus geklappt. Das war kein Zufall, denn Studien belegen dass Frauen mit NFP eine erhöhte Schwangerschaftsrate haben. In einer Studie aus dem Jahr 2003 wurde eine Schwangerschaftsrate von 81% nach 6 Monaten erreicht, im Vergleich hierzu liegt die Schwangerschaftsrate ohne NFP nur ca. 60% nach den ersten 6 Monate.

Fruchtbare Grüße sendet

Marcus Krahlisch

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