Hormonselbsthilfe bei Kinderwunsch – Interview mit Elisabeth Buchner

Elisabeth BuchnerWas kann man tun, um die eigenen Hormone zu regulieren? Elisabeth Buchner verrät im Interview, was die Hormonselbsthilfe bei Kinderwunsch tun kann.

Du möchtest schwanger werden, aber deine Hormone sind im Chaos und du möchtest sie wieder ins Gleichgewicht bringen. In diesem Interview bekommst du mehr Infos, denn wir haben Elisabeth Buchner eingeladen – die schon vielen Frauen im Rahmen der Hormonselbsthilfe unterstützt hat.

Liebe Elisabeth Buchner können Sie sich unseren LeserInnen kurz vorstellen?

Hallo, mein Name ist Elisabeth Buchner ich bin Initiatorin der Hormonselbsthilfe und somit für den gesamten deutschsprachigen Raum der Hormonselbsthilfe verantwortlich. Ich habe vier Kinder (alle zuhause entbunden!) und derzeit sieben Enkelkinder. Ich bin Autorin mehrerer Bücher und kenne aber auch aus der eigenen Großfamilie den Schmerz der ungeborenen Kinder. Hormonzusammenhänge, die ich von französischen, englischen und amerikanischen Experten gelernt habe, werden seit über 20 Jahren an Betroffene und Fachkräfte gleichermaßen weitergegeben. Zusammen mit einem großen Team vermitteln diese Fachkräfte Know-how von einer natürlichen, behutsamen Hormonregulation – auch in Bezug zu Kinderwunsch und Schwangerschaft.

Was bietet die Hormonselbsthilfe für Frauen mit Kinderwunsch an?

Wir geben viele kostenfreie und kostenpflichtige Informationen weiter, wie Frauen und Männer ihre Fruchtbarkeit und Zeugungsfähigkeit unterstützen können.

Dazu gehören z. B. für Paare mit Kinderwunsch die Internetarbeit, individuelle Beratung, Begleitung, Literatur, Vorträge, Vernetzung und Weiterbildung von verschiedenen Fachkräften und die Selbsthilfe-Treffs.

Wer wendet sich denn bezüglich Kinderwunsch besonders oft an die Hormonselbsthilfe?

Das sind 5 Gruppen von KundInnen:

  • Frauen, die nach langen Verhütungsphasen nicht schwanger werden
  • Frauen oder Paare nach Schwangerschaftsabgängen
  • Frauen oder Paare nach misslungenen Versuchen in Kinderwunsch-Zentren
  • Frauen, die körperliche oder seelische Probleme in der Schwangerschaft haben
  • Frauen, die sich in der Phase nach der Geburt nicht erholen

Unsere Beratung soll sowohl die Selbsthilfe-Möglichkeiten vermitteln, als auch die Begleitung oder Behandlung durch medizinische Fachkräfte unterstützen. Es gibt ja Gründe, warum Kinderwunschzentren oder gynäkologische Fachkräfte manchmal nicht weiterhelfen können. Diese Hinderungsgründe im individuellen Fall zu finden, ist unsere Detektivarbeit.

Das klingt aber nach sehr viel mehr, als regionale Gruppenarbeit für Kinderwunschpaare, oder?

Damit fing ich in Erlangen an. Inzwischen stehen für Betroffene und Fachkräfte in unserer Zentrale etliche Heilpraktikerinnen und eine Ärztin bereit. Daran angeschlossen ist ein Netzwerk von über 1000 Fachkräften im deutschsprachigen Raum, die mit uns zusammenarbeiten. Sowohl die Gruppenkontakte, als auch die regionalen Fachkräfte sind auf unserer Internetseite zu finden.

In unserem Fall ist die Gruppenarbeit nur ein kleiner Teil. Die Bereiche Information per Internet, Literatur, Einzelberatung und Schulung von Fachkräften, spielen eine viel größere Rolle. Wenn die Betroffenen wissen, wie sie ihre Hormonprobleme in den Griff bekommen oder endlich schwanger sind, brauchen sie die Gruppe nicht mehr, sondern ausgebildete Fachkräfte. Das ist eine völlig andere Situation als bei den meisten anderen Selbsthilfeinitiativen.

Wenden sich auch Männer an sie ?

Jawohl! Auch mit Fragen zur Zeugungsfähigkeit. Diejenigen, die ein schlechtes Spermiogramm bescheinigt bekamen, wollen wissen, was sie selber tun können um die Spermien wieder flott zu bekommen. Was sie im Alltag beachten oder vermeiden sollten. Auch hier ist die individuelle Detektivarbeit angesagt. Die Ursachen einer erschwerten Zeugungsfähigkeit sind keineswegs immer gleich offensichtlich. Im Winter kann z. B. das angenehme Sitzen auf beheizbaren Autositzen oder heißen Saunabänken den Spermien „die Puste ausgehen“ lassen. Manchmal sind es ganz einfache, vermeidbare Dinge. Nicht immer sind die Hormone das Problem – aber manchmal schon. Derzeit ist ein Buch auf den Markt gekommen mit dem Titel „Der Mann und seine Hormone“, in dem auch die Zeugungsfähigkeit des Mannes zur Sprache kommt.

Was empfehlen Sie einem jungen Paar, das sich ein Kind wünscht?

a) Ihre Seminare ansehen, die Zyklussprache des Körpers lernen und den großen Organen Leber und Darm eine „Erholungskur“ gönnen

b) Beobachtungstabellen führen und entdecken, wann die optimale Fruchtbarkeit vorliegt. Das ist ja nicht bei jeder Frau gleich.

c) stellt sich nach drei Zyklen noch keine Schwangerschaft ein, dann kann man ein spezielles Kinderwunsch-Testpaket anfordern. Damit werden sowohl am ca. 11. Zyklustag als auch am ca. 20. Zyklustag spezifische Hormone im Speichel abgefragt, die für das Entstehen neuen Lebens besonders wichtig sind.

d) in Abhängigkeit davon, muss das Hormongleichgewicht hergestellt werden – so wie es bei einer gesunden und normal fruchtbaren Frau aussieht. Dazu können Impulse über Nahrung, Pflanzen, Nährstoffe und körperidentische Hormonpräparate eingesetzt werden.

e) überfordernde Lebenssituationen auf ein erträgliches Maß herunterschrauben.

f) auch beim Mann ist ein hormonelles Gleichgewicht für die Zeugungsfähigkeit ausschlaggebend. Bei ihm ist eine zusätzliche Hormonabfrage zu empfehlen, wenn die Schwangerschaft trotz intensiver Maßnahmen der Frau längere Zeit ausbleibt.

g) das Abklären von evtl. Geschlechtskrankheiten durch GynäkologInnen wird viel zu selten thematisiert – ist aber nicht nur bei wechselnden Partnerschaften mehr denn je berechtigt.

h) verklebte, verengte Eileiter durch Estriol-Mangel sind eine mögliche Ursache von ausbleibendem Kinderwunsch

Der absolute Klassiker für ein Hormonchaos ist das Absetzen der Pille bei dem nachweislich 50% der Frauen eine Auswirkung auf ihren Zyklus sehen und eventuell aufgrund dessen nicht gleich schwanger werden. Was kann man nach dem Absetzen der Pille aus Ihrer Sicht tun, um den Zyklus zu harmonisieren?

Mit so einem Hormonchaos nach dem Absetzen jeglicher Hormon-Manipulation haben wir sehr oft zu tun. Je nachdem welche Hormonarten und in welchem Rhythmus sie eingesetzt waren, sollte das Umsteigeprogramm gestaltet werden. Auf diese Weise findet der Körper schneller in seine gesunde Rhythmik. Inwieweit die Eierstöcke wieder belebt werden können, ist nicht vorhersehbar. Manche brauchen eine Hormonunterstützung, um überhaupt einen Eisprung zustande zu bringen – und erst recht um schwanger zu werden und zu bleiben. Manchmal genügen spezielle Lebensmittel oder Pflanzenpräparate – manchmal sind aber auch verschreibungspflichtige Präparate nötig. In der Naturheilkunde gibt es viele zusätzliche Erfahrungen, die hier eingesetzt werden können, um die Fruchtbarkeit zu erhöhen. In Ihrem Kinderwunschkongress sind solche Fachkräfte vorgestellt. Eine davon ist Frau Isabel Gäßner, die zu unseren NetzwerkkollegInnen gehört und ganz verschiedene Therapien miteinander verknüpft.

Aber manche werden doch nach dem Absetzen sofort im ersten Zyklus schwanger! Da geht es ja anscheinend doch, oder!?

Ja, das ist wirklich so. Manche Kinderwunsch-Programme setzen sogar aus diesem Grund erst drei Monate lang die Pille ein, um den für uns bekannten hormonellen Kick-back-Mechanismus der Eierstöcke nach dem abrupten Absetzen für die gewünschte Schwangerschaft zu nutzen. Aber nicht bei jeder Frau ist das in gleicher Weise zu beobachten. Manche dieser Kundinnen wenden sich an uns, weil die so entstandene Schwangerschaft nicht beschwerdefrei ist. Wir fragen uns, wie viele Abgänge mit solch einer Vorgehensweise zusammenhängen. Ist eine monatelange oder jahrelange Hormonverschiebung und Funktionsbremse der Eierstöcke wirklich eine gute Vorbereitung auf die Schwangerschaft?

Frauen mit Zysten an den Eierstöcken (wie z. B.  beim PCOS) oder Endometriose begegnen uns häufig in der Kinderwunschbegleitung. In manchen Fällen liegen beide Diagnosen vor. Gibt es für diese Frauen Möglichkeiten der (Selbst-)Hilfe? Die meisten bekommen gesagt, dass sie nicht auf natürlichem Weg schwanger werden können. Könnt ihr das so auch bestätigen?

Jain! Solange man die Ursache von Endometriose oder Zysten an den Eierstöcken nicht beseitigt, dann wird das mit der Schwangerschaft tatsächlich schwieriger. Wenn man aber die möglichen Ursachen dieser beiden Probleme angeht, dann sieht das sehr viel hoffnungsvoller aus. In ganz besonderer Weise schauen wir uns das Gleichgewicht der Steroide und mehrere Schilddrüsenwerte an – auch das Folikel-stimuliernde-Hormon (FSH) ist speziell bei PCOS besonders wichtig. In vielen Fällen sehen wir bei PCOS-Betroffenen hohe FSH-Werte. Das FSH steigt, wenn im Geschlechtshormonbereich ein Mangel vorliegt. Typischerweise sind bei beiden Diagnosen mehrere Hormonbereiche aus der Balance. Genau da setzen wir an, indem wir sanft und behutsam in Richtung Normalversorgung regulieren. Dazu sind keineswegs immer nur Medikamente nötig! Vieles kann man mit Pflanzenwirkstoffen und vor allem auch speziellen Nahrungsmitteln erreichen. Eine ganz große Rolle spielt hier die Beobachtung der Symptome!

Und wie ist das mit den Hormonen in der Schwangerschaft?

Unsere Erfahrung zeigt, dass Frauen, die Hilfe brauchten, um schwanger zu werden, auch ähnliche Hilfen brauchen, um eine „gesunde“ Schwangerschaft zu erhalten. Um hier solide Vergleichswerte zu haben, beobachteten wir 2 Jahre lang die Messwerte von schwangeren Frauen, die beschwerdefrei waren, keine Medikamente brauchten und keine vorausgegangenen Abgänge hatten. Das ist unsere Grundlage für den Vergleich in der Schwangerschaft.

Kommen wir zur letzten Frage: Wenn du an alle Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch und hormonellen Besonderheiten etwas mitteilen könntest, was wäre das?

Die Gebärmutter ist das erste Kinderzimmer unseres Lebens. Ist es ein gut vorbereiteter Lebensraum? Haben wir für gründlichen „Tapetenwechsel“ und „Stubenreinigung“ gesorgt? Ist eine ausreichende Versorgung und geborgener Lebensraum für das kleine Leben gewährleistet? Hier spielen viele Faktoren eine Rolle – nicht nur die Hormone! Daher kann ich die Arbeit von Anne und Marcus nur wärmstens empfehlen, denn eine solide Zyklusbeobachtung (und im Bedarfsfall auch Zyklusregulierung) gehört zur optimalen Vorbereitung für die zukünftige Mama!

Viele Informationen stellen wir dazu auf unserer Internetseite www.Hormonselbsthilfe.de zur Verfügung.

Erfahrungen in den eigenen Reihen werden in Literatur veröffentlicht

Herzlichst

Ihre Elisabeth Buchner

Vielen Dank für das Interview sagen Anne & Marcus

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