Schwanger werden mit NFP in den Wechseljahren

Wechseljahre Kinderwunsch

Schwangerwerden ab 40+ mit NFP in den Wechseljahren – Wie geht das? Alles über den Kinderwunsch in den Wechseljahren, Zyklusveränderung u.v.m.

Die Wechseljahre sind so oder so eine spannende Zeit für jede Frau – wenn dann noch der Wunsch nach einem (weiteren) Kind hinzu kommt, wird es noch aufregender.

Was bedeutet eigentlich Wechseljahre?

Die Wechseljahre erstrecken sich über einen Zeitraum von etwa 10 bis 15 Jahren und beginnen bei den meisten Frauen mit Anfang des 40. Lebensjahres. Das Ende der Wechseljahre ist die Menopause – sprich die letzte Blutung im Leben einer Frau. Die meisten Frauen haben ihre Menopause mit 50 bis 55 Jahren. Die Menopause kann man erst im nachhinein erkennen, da man eigentlich nie wissen kann, ob es wirklich die letzte Blutung war. Somit ist laut der Definition die Menopause passiert, wenn danach ein Jahr lang keine Blutung mehr kam. Was aber nicht bedeutet, dass nicht nach zwei Jahren doch noch mal eine Blutung kommen kann – es ist nur sehr unwahrscheinlich.

Woher weiß ich, dass ich in den Wechseljahren bin?

Das ist schwierig zu beantworten. Es gibt meiner Ansicht nach drei Hinweise, denen man folgen kann!

niedriger AMH Wert

Das Anti-Müller-Hormon ist momentan medizinisch gesehen – der beste Marker für den Eintritt der Wechseljahre. Das Anti-Müller-Hormon (AMH) steht in direkter Verbindung mit der Eizellenreserve, also der Zahl der potentiellen Eizellen, die noch zum Schwangerwerden vorhanden sind! Die Eizellenreserve geht im Alter zurück – liegt der AMH Wert unter 1 – ist das schon ein starkes Zeichen dafür, dass nicht mehr viel Zeit für den Kinderwunsch bleibt. Der AMH Wert ist allerdings auch kein entgültiges Kriterium, da er über den Tag verteilt schwanken kann und die ÄrztInnen aufgrund der aktuellen Messmethodik noch Probleme haben. Insgesamt sind sich die MedizinerInnen allerdings einig, dass das AMH wohl das wichtigste Hormon zur Vorhersage der Wechseljahre ist. Studien mit fast 3000 Frauen zeigen, dass das AMH in etwa 80% der Fälle, die Wechseljahre relativ korrekt vorhergesagt hat. Besonders stark ist das AMH bei der Vorhersage, wenn die Wechseljahre sehr früh kommen zum Beispiel mit 30 Jahren. Allerdings ist die Auswertung einer umfassenden AMH Analyse derzeit nur von einem Facharzt oder einer Fachärztin möglich. Ebenso glaube ich, dass eine AMH-Analyse mental mit Sicherheit nicht einfach ist. Mal angenommen, du gehst mit 30 Jahren zur Frauenärztin und erfährt, dass du in den Wechseljahren bist. Das muss man dann sicher erstmal verdauen. Derzeit werden im Internet zahlreiche Wechseljahrestests für wirklich viel Geld ähnlich wie Schwangerschaftstests angeboten. Diese basieren, aber nicht auf dem AMH und können somit nicht zuverlässig und seriös sein. Bitte geht in eine ärztliche Praxis und lasst es da abklären – eine Diagnostik mit irgendwelchen Hormontests für zu Hause ist nicht zu empfehlen. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass irgendwann richtige AMH Tests für zu Hause existieren werden.

Zyklusdiagnostik

Wer seine Zyklen über eine längere Zeit beobachtet, kann daraus schon Anzeichen für die Wechseljahre erkennen. Falls du immerhin einen Menstruationskalender geführt hast, kannst du dir die Längen deiner Zyklen und deine Blutungsdauer und -stärke im Verlauf der letzten Jahre ansehen. Die Länge eines Zyklus kannst du berechnen, in dem du die Tage zusammenzählst vom ersten Blutungstag bis einen Tag bevor die nächste Blutung anfängt. Wenn du mit NFP bzw. der symptothermalen Methode deine Zyklen in den letzten Jahren beobachtet hast, kannst du noch eindeutiger und eindrucksvoller sehen, ob du am Anfang deiner Wechseljahre stehst. Die ersten Anzeichen für den Beginn der Wechseljahre sind: verändertes Blutungsmuster, gelegentlich sehr starke Blutungen, immer kürzer werdende Zyklen, der Eisprung findest allmählich immer früher statt, eventuell können auch schon mal monophasische Zyklen ohne Eisprung auftreten.

Monophasische Zyklen Wechseljahre

Rosmus T (1992) et. al. Häufigkeit der Zyklen ohne Eisprung in den jeweiligen Altersgruppen der Frauen

Auch beim Zervixschleim sehen Frauen häufiger Veränderungen. Frauen erleben während der Wechseljahre, dass ihre Scheide zunehmend trockener wird. Die Schleimphasen von S oder S+ Schleim nehmen im Vergleich zu vorher ab.

Weitere Wechseljahre-Symptome

Es gibt eine sehr lange Liste von Symptomen für die Wechseljahre, die man natürlich zu den wirklich markanten Veränderungen des AMH Wertes bzw. des Zyklus hinzunehmen kann. Allerdings ist ein Symptom allein für sich noch kein Zeichen für die Wechseljahre. In den Wechseljahren treten z. B. vermehrt Schlafstörungen auf, ebenso sind Gewichtszunahme infolge der hormonellen Umstellung sowie Stimmungsschwankungen sowie die Zunahme des Risikos für Osteoporose zu beobachten.

Wie verändern sich die Zyklen im Laufe der Wechseljahre?

Wenn die ersten Anzeichen, die ich im vorigen Abschnitt erklärt habe, begonnen haben, werden im Laufe der nächsten ca. 10 bis 15 Jahre deine Zyklen Stück für Stück langsam aber sicher unregelmäßig. Das passiert wirklich sehr schleichend und kann wunderbar mit der Zyklusbeobachtung schrittweise mitverfolgt werden. Wenn du also schon in den späteren Wechseljahren bist, kannst du dann auch sehr unregelmäßige Zyklen beobachten mit typischen sehr kurzen Zyklen unter 23 Tage gefolgt von sehr langen Zyklen über 35 Tagen im Wechsel. Umso dichter die Menopause rückt, desto länger werden die Abstände zwischen den Blutungen – also die Zykluslänge. Es können auch zum Beispiel vermehrt Zyklen ohne Eisprung also ohne Temperaturanstieg und ohne Zervixschleimumschwung stattfinden. Du fühlst dich vielleicht wieder wie in der Pubertät? Immer auf Abruf, dass ev. deine Tage gleich anfangen könnten, weil du es nicht mehr so einfach vorhersagen kannst, wann deine Menstruation kommen wird. Falls du die symptothermale Methode anwendest, bist du natürlich klar im Vorteil, denn du weißt ganz genau, wann deine Blutung einsetzt aufgrund der Erkenntnis, dass etwa 10 bis 16 Tage nach deinem Eisprung die Blutung kommt. Und deinen Eisprung kannst du ja eindeutig an deinem Temperaturanstieg erkennen.

Kann ich in den Wechseljahren schwanger werden?

Ja, du kannst während der Wechseljahre schwanger werden. Die Wechseljahre sind ja ein langer Zeitraum von 10 bis 15 Jahren, in dem natürlich viel passieren kann. Neben den Wechseljahren ist das Alter wohl der entscheidenste Faktor für die Chancen schwanger zu werden. Um wirklich die natürliche Fruchtbarkeit ohne Medikamente und Umweltfaktoren zu bewerten – schauen sich viele Forscher historische Daten an – von einer Zeit, in der es noch keine Verhütung wie heute gab. Eine Studie aus dem Jahr 1957 kam hier zu folgenden Ergebnissen. Im Alter von 30 Jahren waren 7% der Paare unfruchtbar und bekamen keine Kinder mehr. Im Alter von 35 Jahren waren es 11%, im Alter von 40 schon 33% und ab einem Alter von 45 waren schon 87% der Paare unfruchtbar. ExpertInnen gehen davon aus, dass durch Stress, Umweltfaktoren und Ernährung etc. diese Zahlen heute etwas geringer sind. Alle Studien, die ich mir angesehen habe, zeigen eine Abnahme der Fruchtbarkeit mit dem Alter allerdings mit unterschiedlichen Prozentzahlen. Alle Studien zeigen aber auch, dass es immer eine geringe Chance gibt, schwanger zu werden – auch wenn man in dem Alter ist, wo die Wechseljahre typischerweise auftreten. Aus unserer Erfahrung kann man so lange schwanger werden, solange man einen natürlichen Zyklus mit Blutung und mit Eisprung hat. Die älteste Frau, die mit unserer Hilfe dank NFP natürlich schwanger und Mutter geworden ist war 43 Jahre alt.

schwanger werden im Alter

Unfruchtbarkeit in Abhängigkeit vom Alter der Frau nach einer Studie aus dem Jahr 1957

In diesem Zusammenhang möchte ich noch kurz erwähnen, dass NFP die Schwangerschaftsrate nach langer Wartezeit auch bei Frauen ab 35+ deutlich erhöhen kann. Dies wurde in einer Studie aus dem Jahr 2017 zweifelsfrei festgestellt, bei denen man nur Paare untersuchte, die mindestens schon ein Jahr versuchten, schwanger zu werden. Um NFP schnellsmöglich zu erlernen, empfehlen wir unser eBook WANN BIN ICH FRUCHTBAR? mit dem auch schon Frauen über 40 Jahren schwanger geworden sind.

Schwangerwerden in den Wechseljahren ohne Periode?

Wenn deine Wechseljahre schon etwas fortgeschritter sind, kann es sein, dass du für eine längere Zeit deine Periode nicht hast. In diesem Fall ist es sehr wahrscheinlich, dass du bald deine letzte Blutung (Menopause) hast. Wenn du dennoch auf natürliche Weise schwanger werden möchtest, empfehle ich dir wenn möglich immer Sex zu haben an Tagen, an denen du Zervixschleim bemerkst. Während der Zervixschleimphasen ist es am wahrscheinlichsten, dass du an diesen Tagen oder den folgenden Tagen einen Eisprung hast – auch wenn wenn du vielleicht schon viele Monate keine Blutung mehr beobachtet hast.

Schwanger mit 50+?

Es gibt nicht so viele Frauen, die mit über 50 Jahren auf natürlichem Weg schwanger geworden sind, aber es gibt sie tatsächlich! Statistisch gesehen ist es wirklich sehr unwahrscheinlich und dennoch haben sie es geschafft – herzlichen Glückwunsch an: Brigitte Nielsen (mit 54 Jahren), Soraya Lewe-Tacke, die Mama von Sarah Connor (mit 50 Jahren Jahren), Gianna Nannini (mit 54 Jahren). In jedem Fall scheint es sehr individuell zu sein, wann die natürliche Fruchtbarkeit endet. Wikipedia hat in englischer Sprache sogar einen Artikel mit vielen Frauen, die über 50+ schwanger geworden sind. In dieser Liste sind aber nicht nur natürliche Schwangerschaften aufgeführt. Die älteste aufgeführte Frau mit einer natürlichen Schwangerschaft und natürlichen Befruchtung ist 55 Jahre alt. Das ist schon beeindruckend.

Funktioniert die Zyklusbeobachtung mit NFP auch in den Wechseljahren?

Auf jeden Fall, na klar. ? Die Zyklusbeobachtung mit NFP funktioniert in jeder Lebensphase – also auch in der Pubertät, Stillzeit und in den Wechseljahren. So lange du noch in der Zeit vor der Menopause (letzte Blutung) bist, gibt es immer auch Fruchtbarkeitszeichen, die du beobachten kannst. Zum Ende der Wechseljahre – also etwa ein bis zwei Jahre vor der Menopause – kannst du selbst bei extrem langen Zyklen, die monatelang gehen, immer mal wieder Phasen mit Zervixschleim beobachten und Veränderungen am Muttermund. Du kannst dann also trotzdem noch deine fruchtbare Zeit bestimmen auch wenn die Abstände zwischen deinen Blutungen zwischen etwa 20 und 200 Tagen schwanken.

Psychische Aspekte beim Schwangerwerden in den Wechseljahren

Viele Frauen, die ab Vierzig Jahren versuchen, schwanger zu werden, berichten eine sehr hohe psychische Belastung. Einerseits möchten sie gerne alles dafür tun, um schwanger zu werden und andererseits sorgen sie sich sehr oft darüber, ob sie nicht schon “zu alt, zu weit in den Wechseljahren oder zu was auch immer” sind. Diese Selbstzweifel sind natürlich nicht gerade förderlich, um schwanger zu werden. Dazu kommen noch diverse Sprüche und Gegenwinde von außen. Sowohl aus den Reihen der eigenen Eltern und Verwandten als auch der ärztlichen Betreuung kann es häufig zu negativer Kritik kommen. Entweder bist du dir dem vorher bewusst und kannst alledem Stand halten oder du gehst allem aus dem Weg und erzählst einfach nicht öffentlich, dass du gerade versuchst, schwanger zu werden.

Steigerung der Fruchtbarkeit in den Wechseljahren

Erstmal ist grundsätzlich gesagt, dass man die biologische Uhr nicht zurückdrehen kann. Allerdings kann man das Maximum aus der vorhanden Fruchtbarkeit herausholen. Fakt ist, die Steigerung der individuellen Fruchtbarkeit ist ein sehr individuelles und komplexes Thema, weshalb ich hier nicht so viele Tipps geben kann. Wichtig ist beispielsweise eine ausreichende Versorgung mit allen Mineralien, Vitaminen und Vitamin D3+K2, insbesondere mit Folsäure, Q10 und Vitamin B12. Viel Bewegung ist natürlich auch sehr förderlich für die Fruchtbarkeit, aber Leistungssport wiederum kann dem Schwangerwerden eher entgegen stehen. Viel Entspannung und wenig Stress beim Mann als auch bei der Frau spielen außerdem eine entscheidende Rolle, um die Fruchtbarkeit optimal zu steigern. Letztendlich ist natürlich auch wichtig, dass du zusammen mit deinem Partner auch zur hochfruchtbaren Zeit Sex hast. Wie schon erwähnt, gibt es dazu auch eine Studie, die zeigt, dass wirklich eine größere Chance besteht, schwanger zu werden, wenn man den Zyklus beobachtet. Schau dir dazu gern unser eBook an zum Erlernen der Zyklusbeobachtung.

Fazit

Die wichtigste Erkenntnis ist wohl, dass man auch in den Wechseljahren schwanger werden kann. Dass sich die Wechseljahre über einen Zeitraum von 10 bis 15 Jahren erstrecken und ohne Zyklusbeobachtung kaum wargenommen werden, ist vielen Frauen nicht bekannt. Ebenso ist vielen Frauen nicht bekannt, dass man in sehr seltenen Fällen schon mit 30 Jahren in die Wechseljahre kommen kann. In der modernen Medizin werden die Möglichkeiten, die Wechseljahre frühzeitig zu erkennen immer größer wie die Forschung zum Anti-Müller-Hormon (AMH) deutlich zeigt. Ebenso zeigen alle Studien, dass die Fruchtbarkeit mit dem Alter abnimmt und somit die biologische Uhr nicht zurückgedreht werden kann. Doch durch Zyklusmonitorierung und gesunde Lebensweise können wir heute das Maximum aus der vorhandenen Fruchtbarkeit herausholen und unsere Chancen, schwanger zu werden verbessern. Viele Frauen haben es schon geschafft, hundert Prozent planen kann man es nicht, aber möglich ist es. In diesem Sinne wünsche ich dir alles Gute auf deinem Weg zum Wunschkind!

Deine Anne

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