Zyklusstörungen

zyklusstörungen menstruationszyklusDu hast einen Kinderwunsch und dein Zyklus spielt verrückt? Wir zeigen dir, wie du Zyklusstörungen möglichst schnell und einfach erkennen kannst.

Viele Frauen mit einem unerfüllten Kinderwunsch beobachten Zyklusstörungen und Zykluserkrankungen und sind sich dessen gar nicht bewusst. Es ist daher eine zentrale Frage für jede Frau, die schwanger werden möchte, schnell zu erkennen, ob sie eine Zyklusstörung hat. Ich persönlich verwende lieber den Begriff Zyklusbesonderheiten anstatt von Zyklusstörungen und Zykluserkrankungen, aber die meisten Frauen suchen im Internet nicht nach diesen Begriffen. Auf dieser Seite möchten wir dir deshalb einen kleinen Überblick über Zyklusstörungen alias Zyklusbesonderheiten geben und wie du diese möglichst schnell und einfach diagnostizieren kannst und anschließend behandeln (lassen) kannst.

Wie erkenne ich eine Zyklusstörung?

Zykluslaenge in Tagen

Häufigkeit der normalen Zykluslänge © Raith-Paula, E. et al.: Natürliche Familienplanung heute. Modernes Zykluswissen für Beratung und Anwendung. 5. Auflage. Heidelberg 2015

Erstmal zur Definition eines „normalen“ Zyklus: Die allermeisten Zyklen sind etwa 23 bis 35 Tage lang und die meisten haben zwischen 2 und 7 Tage lang die Menstruation. Die Blutungsstärke ist hier meist in den ersten zwei bis drei Tagen am stärksten, wobei der zweite Tag statisch gesehen bei den meisten Frauen am stärksten ist. So teilt man Zyklustörungen in der Regel in drei Gruppen ein.

#1 Zyklusstörungen der Zykluslänge

Die erste Gruppe der Zyklusstörungen erkennt man an Abweichungen der Zykluslänge außerhalb des Bereichs von 23-35 Tagen. Zum Beispiel können Zyklen auftreten, die kürzer als 23 Tage oder länger als 35 Tage sind.

Amenorrhoe

Bleibt die Blutung vollständig aus oder dauert über mehrere Monate hinweg an, spricht man von Amenorrhoe.

Oligomenorrhoe

Ist der Zyklus regelmäßig über 35 Tage lang, spricht man von einer Oligomenorrhoe.

Polymenorrhoe

Wenn der Zyklus regelmäßig weniger als 23 Tage lang ist und somit stark verkürzt, handelt es sich um eine Polymenorrhoe.

#2 Störungen der Blutung

Menstruation und Blutungsstärke

Menstruation und Bluttungsstärke © Natürliche Fruchtbarkeit

Es gibt auch Abweichungen von der gewöhnlichen Blutungsstärke, die man zu den Zyklusstörungen zählt.

Hypermenorrhoe

Die Regelblutung ist sehr stark und viel stärker als für gewöhnlich. Es gibt einen höheren Blutverlust, der sogar messbar ist.

Hypomenorrhoe

Bei einer Hypomenorrhoe ist die Periode sehr schwach und dauert nur sehr kurz an. Meist nur ein bis zwei Tage.

Menorrhagie

Die Regelblutung ist sehr stark und dauert länger als 7 Tage an.

#3 Unregelmäßigkeiten in den Zyklusphasen

Die dritte Gruppe an Unregelmäßigkeiten kann man ohne Hilfsmittel nicht mehr erkennen. Der natürliche Zyklus hat normalerweise zwei Phasen, die durch den Eisprung abgegrenzt werden. Einerseits gibt es die Eireifungsphase, in der die Eizelle bis zum Eisprung heranreift. Andererseits existiert die Gelbkörperphase nach dem Eisprung, in der sich der Körper auf die Einnistung einer möglichen neuen Lebens vorbereitet.

Eireifungsstörung

Von einer Besonderheit bzw. Störung der Eireifungsphase spricht man, wenn die Eireifungsphase stark verlängert oder stark verkürzt ist.

Gelbkörperschwäche

Die Gelbkörperphase ist vergleichsweise sehr stabil und liegt zwischen 10 und 16 Tagen. Ist diese Phase regelmäßig unter 10 Tage lang, so spricht man von einer Gelbkörperschwäche.

Zyklen ohne Eisprung

Produziert eine Frau regelmäßig keine Eisprünge mehr, so liegt hier auch eine Zyklusstörung vor. Es ist hier wichtig zu wissen, dass selbst bei bester Gesundheit und im besten Alter zwischen 20 und 40 Jahren etwa 2 bis 4% der Zyklen ohne Eisprung stattfinden. Ein Krankheitsbild ergibt sich also nur dann, wenn eine Frau häufiger Zyklen ohne Eisprung beobachten kann.

Das tückische an Störungen der Zyklusphasen

Diese Störungen der Zyklusphasen sind häufig gar nicht von außen zu erkennen. Ich beispielsweise habe Zyklen zwischen 25 und 35 Tagen Länge mit normaler Blutungsstärke und habe trotzdem eine leichte Gelbkörperschwäche, die aus einer Schilddrüsenerkrankung resultiert. Nur mittels Zyklusdiagnostik, auf die wir noch zu sprechen kommen, kann man solche Störungen und Besonderheiten der Zyklusphasen wirklich erkennen.

Ursachen von Zyklusstörungen

Es gibt viele verschiedene Ursachen wie es zu Besonderheiten und Störungen der Zykluslänge, Menstruation und Blutungsstärke sowie Unregelmäßigkeiten bei der Eireifung und Gelbkörperphase kommen kann. Aus diesem Grund sollte man immer, wenn es möglich ist, eine Ärztin des Vertrauens hinzuziehen.

#1 Hormonelle Ursachen

Der weibliche Zyklus ist hormonell gesteuert. Hierbei werden sowohl Hormone im Gehirn (FSH, LH) als auch im Eierstock (Östrogen, Progesteron) selbst gebildet. Logisch, dass eine gute Ärztin bei Zyklusstörungen erstmal einen umfassenden Hormontest, auch von anderen Organen macht, um die Ursache herauszufinden. Auf diesem Weg lässt sich dann auch eine Gelbkörperschwäche infolge eines Progesteronmangels, eine Eireifungsstörung durch einen Östrogenmangel sowie Zyklusunregelmäßigen infolge von Schilddrüsenerkrankungen leicht feststellen.

#2 Organische Ursachen

Meist hängen hormonelle Ursachen und organische Ursachen zusammen. Jedoch können Zyklusstörungen auch aus Polypen, Myomen, Endometriose, Entzündungen, Erkrankungen der Gebärmutterschleimhaut, Schilddrüsenerkrankungen sowie Eierstockerkrankungen wie PCOS kommen. Auch hier sind meist einige Hormone im Ungleichgewicht – so zeigt sich PCOS häufig auch durch einen ungewöhnlich hohen Spiegel des Anti Müller-Hormons etc.

#3 Leistungssport und Ernährung

Unter Leistungssport, Diäten usw. kann der Zyklus ebenso gestört sein. Dies ist ein Grund, warum viele Sportlerinnen in der Leichtathletik erst nach der aktiven Karriere versuchen, schwanger zu werden. Natürlich gibt es auch einen Zusammenhang zwischen Über- und Untergewicht und Zyklusstörungen. Aus diesem Grund sollte man größere Ernährungsumstellungen und Diäten in der Kinderwunschzeit immer ärztlich abklären. Ernährungsberatungen sind hierbei auch sehr hilfreich.

#4 Genetische Ursachen

Relativ häufig sind Störungen der Hypophyse infolge von genetischen Defekten zu nennen. Hier gibt es beispielsweise die hypothalamische Ovarialinsuffizienz, die aufgrund genetischer Effekte zustande kommen kann. Ebenso sind Vererbungen bestimmter Erkrankungen wie Endometriose durch die Mutter an die Tochter möglich. Für Bestimmung genetischer Zyklusstörungen braucht es meist FachärztInnen für Endokrinologie, da dies sehr spezielle und sehr schwierig zu diagnostizierende Fälle sind.

#5 Stress

Selbstverständlich kann Stress einen enormen Einfluss auf den Zyklus haben. So gibt es Studentinnen, die in den Semesterferien einen 25 bis 30 Tage Zyklus haben und anschließend im Semester kurz vor den Prüfungen eine Zykluslänge von 40 Tagen oder noch mehr aufweisen. Bei sehr vielen Frauen gibt es einen Zusammenhang zwischen Zyklusstörungen und Stressbelastung.

#6 Besondere Lebensphasen (Wechseljahre, Stillzeit, Absetzen der Pille etc.)

Es gibt natürlich auch Situationen, in denen Zyklusstörungen, statistisch gesehen, deutlich häufiger auftreten. In den Wechseljahren, in der Stillzeit oder nach dem Absetzen der Pille passiert das zum Beispiel. Hier können durch spontane hormonelle Umstellungen Zyklusstörungen auftreten.

Lange Stillzyklen nach der Geburt

Meine Stillzyklen z. B. waren bei beiden Kindern deutlich über 600 Tage lang, dass heißt, dass ich nach der Geburt über 600 Tage keine Blutung und keinen Eisprung bekommen habe. Ähnlich ist es in den Wechseljahren, in denen der Körper sich langsam vom natürlichen Zyklus verabschiedet. Zyklen ohne Eisprung, Zyklen mit verkürzter oder verlängerter Eireifungsphase und vielem mehr können hier auftreten.

Zykluschaos nach Absetzen der Pille

Nach dem Absetzen der Pille haben 50% der Frauen mehr oder weniger starke   Zyklusstörungen – einige von Ihnen sogar so schlimm, dass sie für bis zu einem Jahr ein Zykluschaos bekommen. Auch das Ausbleiben der Menstruation für mehrere Monate ist nicht selten. Die gute Nachricht ist, dass sich bei den meisten Frauen der natürliche Zyklus nach dem Absetzen der Pille innerhalb von einem Jahr wieder einstellt.

Diagnostik von Zyklusstörungen

Wir haben schon ein wenig über die Diagnostik von Zyklusstörungen geschrieben. Jedoch möchte ich das jetzt nochmals vertiefen.

Hormonstatus der wichtigsten Steuerhormone des Zyklus

Nun die meisten FrauenärztInnen werden bei Zyklusstörungen erstmal einen Hormonbluttest zu verschiedenen Phasen im Zyklus machen, um zu schauen, ob irgendwas auffällig ist. Am wichtigsten sind hier die Werte für Progesteron, Östrogen, FSH und LH. Diese vier Steuerhormone sind essentiell für den natürlichen Zyklus. Möchte man Zykluserkrankungen oder die ovarielle Reserve bestimmen, wird noch das Anti-Müller Hormon interessant sein. Bei einem großen Blutbild werden auch noch die Hormonwerte verschiedener Organe wie Schilddrüse, Leber und Nieren getestet, um organische Ursachen für Zyklusstörungen auszuschließen.

Zyklusdiagnostik

Immer mehr Frauen beobachten ihre Basaltemperatur und ihren Zervixschleim, um ihre fruchtbaren Tage sowie den Eisprung mit der NFP Methode bei Kinderwunsch zuverlässig einzugrenzen.

NFP ist mehr als eine Methode zur Bestimmung der fruchtbaren Tage

Was viele von diesen Frauen nicht wissen, ist, dass die NFP Methode noch mehr bietet. Die Basaltemperatur ist zum Beispiel ein Marker für das Progesteron und der Zervixschleim ein Marker für das Östrogen im Körper. Somit können wir anhand der Temperaturkurve und dem Zervixschleimverlauf auch den Verlauf der Hormonspiegel von Östrogen und Progesteron sehen – den wichtigsten Steuerhormonen des weiblichen Zyklus im Eierstock. Aus einer riesigen Datensammlung von über 40.000 Zyklen von rund 2000 Frauen wissen wir ganz genau, wie die optimalen Zykluskurven zum Schwangerwerden aussehen. Ebenso wissen wir ganz genau, wie Zyklen mit Gelbkörperschwäche, PCOS und Ovarialinsuffizienz aussehen. Somit ist die Zyklusdiagnostik ein entscheidender Baustein bei der Diagnostik von Zyklusstörungen, die das Schwangerwerden erschweren können.

Wie kann ich NFP erlernen?

Wann bin fruchtbar eBook

Falls du auch von den Möglichkeiten der Zyklusdiagnostik profitieren und NFP erlernen möchtest, dann ist unser eBook „WANN BIN ICH FRUCHTBAR?“ eine Option für dich. Dort gibt es eine Schritt für Schritt Anleitung in die symptothermale Methode inkl. Übungszyklen und Lösungen. Im zweiten Kapitel gehen wir auch ausführlicher auf das Thema Zyklusdiagnostik ein und zeigen dir, wie du u.a. eine Gelbkörperschwäche selbst diagnostizieren kannst. Im dritten Kapitel findest du noch 15 Erfahrungsberichte von Frauen, die mit NFP trotz Endometriose, PCOS, Gelbkörperschwäche, Hashimoto, Zykluschaos nach Pille u.v.m. schwanger geworden sind.

Organscreening

Natürlich macht es manchmal Sinn, konkret in die Organe zu schauen. Bei PCOS kann beispielsweise ein vaginaler Ultraschall gemacht werden, um mögliche Zysten zu erkennen. Generell kann man viele Organe außer dem Herzen via Ultraschall untersuchen. Natürlich gibt es noch das MRT und das CT und viele andere Geräte, mit denen man die Organe untersuchen kann, wenn es nötig ist.

Behandlungen von Zyklusstörungen

Für uns ist ganz klar, dass die Behandlung von Zyklusstörungen in die Hände fachkompetenter ÄrztInnen und HeilpraktikerInnen gehört. Wie du schon erkennen konntest, ist die Diagnostik und auch die Vielzahl von Möglichkeiten der Behandlung sehr komplex und von Laien nicht zu überschauen. Aus diesem Grund bitten wir dich, immer wenn du einen Verdacht auf eine Zyklusstörung hast, die Ursachen ärztlich abklären zu lassen. Die Zyklusdiagnostik mit NFP ist allerdings ein Hilfsmittel, was wirklich weiterhelfen kann. Ich selbst habe mithilfe der NFP Zyklusdiagnostik meine Gelbkörperschwäche entdeckt und konnte diese somit gezielt angehen. Heute bin ich Mutter von zwei gesunden Wunschkindern und ziemlich sicher, dass es ohne NFP nicht so schnell geklappt hätte, schwanger zu werden. In diesem Sinne wünsche ich dir alles Gute auf deinem Weg zum Wunschkind.