Segeln im 7. Schwangerschaftsmonat

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Du glaubst, man kann nicht mehr segeln im 7. Schwangerschaftsmonat? Oh doch… das geht! Komm‘ mit auf meine Segelyacht-Fahrt und genieße die Seeluft bei Sonnenschein sowie bei Sturm und Regen.

Wie es zum Segeln im 7. Schwangerschaftsmonat kam

Ich bin gerade in der 27. Schwangerschaftswoche (26+6) als mein Freund mit mir und einem anderen Pärchen – Stefan und Sabine – zusammen etwas unternehmen will. Zur Auswahl schlägt das andere Pärchen ein Ausflug zum Kletterwald oder eine Bootsfahrt vor. Mein Freund und ich sind der Meinung, dass Klettern in zehn Meter Höhe eventuell zu gefährlich sein könnte im 7. Schwangerschaftsmonat – eine ruhige entspannende Bootsfahrt können wir uns jedoch sehr gut vorstellen und sagen dem Ausflug begeistert zu. Zumindest dachten wir, dass es ruhig und entspannt wird…

Die abenteuerliche Anfahrt zum See

Der Vater von Stefan, der jahrelang bei der NVA gearbeitet hat, hat sich kürzlich eine Segelyacht gekauft und will uns heute seine seefahrerischen Fähigkeiten beweisen. „Wir müssen früh losfahren, denn am Nachmittag soll es ein Gewitter geben!“, sagte er am Handy zu Stefan am Tag vor dem Treffen. Zu viert auf der Autobahn fahrend, erfahren wir, dass Sabine erst vor ein paar Monaten ihren Führerschein gemacht hat. Natürlich sitzt sie am Steuer. Mein Puls erhöht sich leicht bei einigen Überholmanövern und Geschwindigkeitsüberschreitungen – mein erhöhter Adrenalinspiegel animiert mein Baby im Bauch zu spektakulären Turnübungen. Mein Freund und ich fahren schon lange aus Überzeugung Bahn, da wir Autofahren in unserer Gesellschaft für überholt halten. Wir fühlen uns also generell schon sehr unwohl im Auto und mit einer Fahranfängerin am Steuer wird dieses Gefühl nicht besser… Keiner von uns kennt den genauen Treffpunkt, an dem die Bootsfahrt losgehen soll. Nur eine ungefähre Beschreibung führt uns schließlich zu dem See. Jetzt heißt es aber noch den richtigen Ablegesteg mit dem richtigen Boot zu finden. Es gibt etwa fünf verschiedene Wege, um zum Bootssteg zu gelangen, aber nur einer ist der Richtige. Wir probieren erstmal alle vier falschen Wege aus bis wir jedes Mal an einer Stelle ankommen, an der es nicht mehr weiter geht. Eine Wendung des Fahrzeuges ist nicht möglich, da es neben dem unbefestigtem Weg steil einen Abhang zum See runter geht und sich auf der anderen Seite eine Felswand nach oben erstreckt. Der Platz zum Wenden ist also viel zu klein und zu gefährlich. Also fährt Sabine, die Fahranfängerin, den kompletten Kilometer im Rückwärtsgang den schmalen Pfad wieder zurück. Es geht doch nichts über ein ausgiebiges Fahrtraining in der Probezeit… Schließlich finden wir dann doch noch Stefans Vater mit seinem Boot. Er begrüßt uns und klärt mich darüber auf, dass es kein Boot, sondern eine Segelyacht ist – also eine Yacht mit Segeln dran. „Ahha…“ denke ich mir. Ich bin zuvor noch nie gesegelt, also weiß ich nicht, was mich da erwartet.

Die Segelyacht-Fahrt bei Sonnenschein

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Schwanger auf der Segelyacht

Wir fahren gerade so rechtzeitig los, um das gute Wetter noch auszunutzen – es ist jetzt etwa 11 Uhr. Die Segelyacht nimmt Kurs auf die Mitte des Sees, wo das Wasser am schönsten sein soll. Es ist wunderschöner Sonnenschein und das türkisfarbene Seewasser ist so klar, dass man mehrere Meter weit nach unten sehen kann. Wir halten mitten auf dem See an, um uns im Wasser zu erfrischen. Stefan meint zu mir: „Ohh das arme Baby“, als ich ins Wasser steigen will. Ich erkläre ihm, dass schwimmen in der Schwangerschaft total gut ist. Dann erinnere ich mich an eine Bekannte, die mir sagte: „In der Schwangerschaft musst du schwimmen, schwimmen, schwimmen… ganz viel schwimmen…“ Also schwimme ich ganz oft um das Boot – ähhh nein: um die Segelyacht meine ich natürlich :). So klares Wasser habe ich schon lange nicht mehr irgendwo gesehen. Hier könnte ich wahrscheinlich noch ewig weiter schwimmen, aber leider geht die Fahrt weiter. Stefans Vater möchte uns nämlich noch ein paar Kanäle und andere sehenswerte Orte des Sees zeigen…

Die Segelyacht-Fahrt bei Gewitter, Sturm und Regen

Langsam aber sicher ziehen graue bis tief-dunkle Wolken auf. Der Wind verstärkt sich immer mehr, was sich auf einer Segelyacht als etwas schwierig erweist. Wer schon mal gesegelt ist, weiß wovon ich rede. Die gesamte Segelyacht wird dann von dem Wind in eine bestimmte Richtung gekippt und droht fast komplett umzukippen. Genau das passiert nun gerade auf unserer Fahrt. Um genügend Gegengewicht zu bekommen, müssen sich alle auf eine Seite setzen und sich dabei weit über’s Wasser lehnen. Ich habe mich sicherheitshalber nicht ganz so weit drüber gelehnt – das war mir dann doch zu gefährlich. Das Baby hatte auch schon etwas Angst und zappelte in meinem Bauch hin und her. Aber das war noch nichts im Vergleich zu meinem Freund, der sich aus Angst zeitweise schon an mir fest krallte und sich immer schön geduckt hielt, falls der Segelmast sich mal schnell in die andere Richtung dreht. Das Unwetter kommt unaufhaltsam näher und ein paar hundert Meter hinter dem See sehen wir schon zahlreiche Blitze. Das ist verrückt – obwohl die Blitze relativ dicht an uns dran sind, können wir den Donner dazu nicht hören – so laut ist der Sturm, der uns um die Ohren fegt. Eine Weile geht es noch so weiter, aber unser Kapitän, Stefans Vater, ist noch sehr relaxt und meint: „Solange die Segel nicht ins Wasser tauchen, ist die Schieflage noch nicht so schlimm.“ Ich frage mich so allmählich, ob er wirklich einen Bootsführerschein hat oder einfach nur lebensmüde ist? So langsam kommen wir wieder auf den richtigen Kurs und können von Weitem sogar schon die Anlegestelle erkennen. Mittlerweile regnet es in Strömen. Das Segel muss nun eingeholt werden. Stefan steigt wagemutig auf das nass-rutschige Deck und befolgt die Anweisungen des Kapitäns. Selbst bei guten Wetterbedingungen hätte ich nicht verstanden, an welchem Seil und in welche Richtung ich nun ziehen soll. Aber Stefan bekam es irgendwie hin, das Segel einzuholen und uns zusammen mit seinem Vater wieder sicher an Land zu bringen.

Fazit: Sollte man im 7. Schwangerschaftsmonat noch segeln?

Ich finde auf jeden Fall. Wobei man wirklich auf den Wetterbericht hören und bei angesagtem Gewitter besser nicht mitfahren sollte. Das muss jede Schwangere für sich entscheiden. Bei sonnigem Wetter spricht jedenfalls nichts dagegen. Ganz im Gegenteil – während der Sonnenphase fand ich das Segeln wirklich sehr entspannend und schön. Am besten hat mir und dem Baby das Schwimmen im türkisblauen Wasser gefallen.

    Mitnehmen sollte man für die Fahrt:

  • etwas Proviant
  • Sonnenschutz, z. B. Kokosöl
  • großen Hut
  • Sonnenbrille
  • Badesachen
  • Handtuch

Text & Grafikdesign by Anne Zietmann

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