Warum die freie Menstruation (nicht) funktioniert

Warum funktioniert die freie Menstruation bei vielen Frauen sehr gut und warum klappt es bei manchen nicht so gut? Gibt es eine anatomische Erklärung?

Kürzlich schrieben mir zwei Frauen als Kommentar unter dem Blog-Beitrag „Menstruationsbeschwerden lindern“, in dem ich auch die freie Menstruation erklärt habe, dass es bei ihnen nicht funktioniert. Ich zitiere die beiden Kommentare hier einmal:

Alina schrieb am 7. Februar 2015:
„Also bei mir funktioniert das nicht. Ich müsste nämlich dauernd auf Toilette sitzen, da es bei mir ununterbrochen läuft. Ich darf kaum rumlaufen. Wenn ich sitze und mal die Beine übereinander schlage, schießt es geradezu unten raus oder beim aufstehen, oder, oder. Irgendeine Besonderheit konnte bei mir kein Frauenarzt feststellen. Ich blute halt nur sehr heftig.“

Jenny schrieb am 21. Juni 2014:
„Ich finde das sehr interessant. Aber ich blute auch während der Nacht sehr stark. Tagsüber kann ich keine schubweise Blutung spüren, sondern es tropft tatsächlich fast kontinuierlich. Ich habe das mal beobachtet und es tropft mehr oder weniger schnell, aber eben andauernd. Woran kann das liegen? Anatomische Besonderheit?“

Dies nahm ich als Anlass dafür, diesen Blog-Beitrag zu schreiben. Um zu klären, warum die freie Menstruation bei manchen Frauen nicht funktioniert oder anders herum gesagt, warum es bei vielen Frauen funktioniert, habe ich eine Gynäkologin gefragt und vor allem selbst dazu einige Gedanken gemacht.

Querschnitt weibliche Geschlechtsorgane

Querschnitt weibliche Geschlechtsorgane mit gekennzeichneten vorderen und hinteren Scheidengewölbe

Wie die Blutung anatomisch bedingt austritt

Bei Frauen mit relativ schwacher Blutungsstärke tritt das Menstruationsblut aus dem Muttermund aus und sammelt sich dann zunächst im oberen Teil der Scheide/Vagina – und zwar vorrangig im vorderen- und hinteren Scheidengewölbe (siehe in Grafik grün markiert). Auf dem Foto im Buch „Frauenkörper neu gesehen“ auf Seite 153 Bild-Nr. 13 sieht man z. B. sehr gut, wie das Blut aus dem Muttermund heraus läuft und sich in den Scheidengewölben sammelt. Sobald frau dann zur Toilette geht, kann sie in der sitzenden Körperposition relativ leicht ihr Blut ablassen, in dem sie etwas mit presst und sich leicht nach vorne beugt. Spätestens nach ein paar Minuten wird es immer weniger Blut oder es kommt erstmal gar nichts mehr. Besonders gut kann sich das Blut sammeln, wenn die Frau längere Zeit liegt und eine relativ leichte Blutungsstärke hat. Wenn die Frau dann aufsteht und gleich zur Toilette geht, kann sie die Blutung relativ gut wie oben beschrieben ablassen. Soviel zur Theorie bei schwachen bis normal-starken Blutungen. 😀

Freie Menstruation bei starker Blutung

Je nach Frau und Blutungstag, variiert ja die Blutungsstärke, deshalb gibt es hier eine Besonderheit bei starken bis sehr starken Blutungen. Das vordere- und hintere Scheidengewölbe bietet nicht gerade sehr viel Platz, um dort viel Blut sammeln zu können. Das heißt, wenn es mehr Menstruationsblut ist, dann kann es ja nirgendwo anders hin außer die Scheide herunter laufen nach außen. Diese Erfahrung haben auch die beiden Frauen, die mir in die Kommentare geschrieben haben, gemacht. ABER: Theoretisch kann man bei sehr starken Blutungen trotzdem die freie Menstruation anwenden – nur dass frau eine Sicherheitsbinde oder anderen Schutz einplanen muss, da sie es vermutlich an diesen starken Tagen nicht rechtzeitig zur Toilette schaffen wird. Backups, Binden und andere Hilfsmittelchen sind ja schließlich bei der freien Menstruation nicht verboten 😉 . Der Kombination sind da keine Grenzen gesetzt. Ich selbst hatte unter anderem schon sehr starke Blutungen in den ersten paar Zyklen nach der Entbindung und Stillzeit. Ich habe es an den ersten beiden Tagen tatsächlich auch fast nie rechtzeitig zur Toilette geschafft und hätte mindestens alle 20 Minuten zur Toilette rennen müssen. Ich habe dann einfach je nach Situation verschiedene alternative Monatshygiene mit der freien Menstruation kombiniert und ab dem dritten Tag war es dann wieder deutlich einfacher umzusetzen ohne großartigen Sicherheitsschutz.

Beckenbodenmuskeln nach der Geburt

Viele Frauen denken, dass bei ihnen die freie Menstruation nicht funktioniert, weil nach der Geburt ihres Kindes die Beckenbodenmuskeln noch nicht wieder in Topform sind. In dem Gespräch mit der Gynäkologin habe ich allerdings erfahren, dass die Beckenbodenmuskeln so gut wie keinerlei „Nutzen“ für die freie Menstruation haben. Denn wie schon oben beschrieben, funktionierte es deshalb, weil bei einer relativ schwachen Blutung sich das Blut im oberen Teil der Scheide sammeln kann und dann in der sitzenden Position auf der Toilette gut abgelassen werden kann. In den ersten Zyklen nach einer Entbindung haben Frauen jedoch tendentiell sehr sehr starke Blutungen und stellen deshalb fest, dass die freie Menstruation bei ihnen nicht funktioniert – zumindest nicht ohne Backup. Mit den Beckenbodenmuskeln könnte man aber auch eine schwache Blutung nicht stunden lang zurückhalten wie beispielsweise Urin.

Fazit

Freie Menstruation ist bei leichten bis normal-starken Blutungen gut umsetzbar und bei stärkeren bis sehr starken Blutungen empfiehlt es sich, zusätzlich ein alternatives Hygieneprodukt zu verwenden. Ob die freie Menstruation also ohne großartigen Sicherheitsschutz funktioniert oder nicht, hängt maßgeblich von der Blutungsstärke ab.

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{ 7 comments… add one }
  • L
    31. Oktober 2016, 14:57

    Bei stärkerer Blutung in den ersten 2 Tagen verkürzen sich bei mir nur die Intervalle, dass ich alle 30-60 Minuten eine „volle Ladung“ ablassen kann, wenn es nicht überlaufen soll. „Ladung ablassen“ = auf die Toilette, lockerlassen/leicht drücken (aber eben nicht „hinten“ sonder im Bereich der Gebärmutter), dann kommt ein komprimierter… nunja, „Blob“ an Blut heraus, der auch so klingt, wenn er in der Toilette landet und nach 5 Sekunden war es das auch schon wieder. Das wäre ohne kontrolliertes Sammeln so gar nicht möglich.
    Eine Grundspannung des Muttermunds während der Mens musste ich mir auch erst antrainieren und in der ersten Zeit hatte ich Schwierigkeiten, das Blut auch zu halten bei Husten, Niesen etc., eben allem, was nach „unten“ hin Druck entstehen lässt. Nur schwer heben, Kartons stapeln und so vermeide ich an diesen Tagen. Da ich aber auch sonst merke, dass ich dann sehr viel Ruhe rbauche, ist das keine wirkliche Einschränkung.

  • Magdalena
    11. Februar 2015, 13:33

    @Scarlett: Dann müsstest du aber ständig daran denken, den Muskelteil des Muttermunds entsprechend anzuspannen, damit er sich schließt, wenn er eigentlich grad offen stehen sollte.
    Und wenn es möglich wäre den Öffnungsgrad des Muttermunds zu beeinflussen, indem man lernt diesen Muskel bewusst zu steuern, dann müsste es auch möglich sein ihn während der fruchtbaren Zeit zu schließend, was ich mir nur schwer vorstellen kann.

  • Alexandra
    10. Februar 2015, 20:38

    Ja Kathrin Sieder das habe ich auch festgestellt;-)

  • 10. Februar 2015, 12:56

    Dabei gehst du dann ja aber von der Annahme aus, dass der Muttermund nicht aktiv ansteuerbar ist von der Frau, oder? Das glaube ich nämlich nicht! Ich hatte dazu vor einiger Zeit ja auch mal was geschrieben: http://stoffwickelei.de/?p=509
    Ich bin ziemlich sicher, dass die Gebärmutter als Muskel durch Übung durchaus aktiv beeinflussbar ist und ein gut trainierter, ansteuerbarer Beckenboden auch bei der freien Menstruation ganz viel bringt!

    • Anne Zietmann
      11. Februar 2015, 13:12

      Hi Scarlett, toller Artikel, den du da geschrieben hast :). Nun ja ich weiß zwar Dank meines Sohnes, dass man z. B. bei der Geburt durch bewusstes „locker lassen“ auch den Muttermund entspannen kann und er sich dann auch leichter öffnen KANN – muss aber nicht so sein. Ebenso bei der Menstruation. Biologisch gesehen ergibt es eigentlich auch keinen Sinn, warum man den Muttermund bewusst selbst steuern können sollte, denn das Kind oder auch das Blut MUSS da ja irgendwie raus. Der Körper öffnet den Muttermund auch von alleine. Es sollte keinesfalls, wie Urin, lange Zeit zurück gehalten werden. Davon mal abgesehen, müsste man sich ja dann auch verkrampfen, wenn man den Muttermund verschließen möchte, was wiederum zu Schmerzen führen kann, oder nicht? Der Öffnungsgrad des Muttermundes verändert sich ganz automatisch im Zyklus und ist zum Zeitpunkt der Menstruation normalerweise immer leicht bis ganz geöffnet (ca. ein paar Millimeter) – das kann man eigentlich nicht wirklich beeinflussen, sondern ist unter anderem hormonell gesteuert. Mit den Beckenbodenmuskeln kann man die Scheide auch nicht 100% verschließen wie die Harnröhre, weil der Scheiden-Kanal viel größer im Durchmesser ist als die Harnröhre. Bei einer sehr starken Blutung ist das wirklich sehr schwierig, aber durch sehr häufiges Ablassen auch machbar, nur kannst du es bei einer solchen starken Blutung nicht mal eben um eine halbe Stunde zurückhalten – auch nicht bei einer sehr trainierten Muskulatur. Das ist zumindest meine Meinung dazu 🙂

  • 10. Februar 2015, 08:54

    Und spannend, bei mir klappt es besser bei stärkerer Blutung, weil ich es da mehr spüre.
    und so sind wir alle verschieden 🙂

    herzlicher Gruß
    Kathrin

    • Anne Zietmann
      10. Februar 2015, 10:26

      Es kann ja auch noch daran liegen, dass jede Frau natürlich die Blutungsstärke nur mit dem, was sie selbst kennt, vergleicht. Das heißt, was bei der einen Frau sehr stark ist, ist bei der anderen Frau vielleicht eine normal-starke Blutung und so weiter… „starke Blutung“ ist halt sehr relativ und subjektiv. Man könnte zwar die ml vergleichen, aber das wäre jetzt vielleicht etwas übertrieben und nur mit einer Mens-tasse möglich und das benutzen nicht alle.

      PS: Finde auch sehr spannend, was du machst (Menstruationsbegleiterin) – toll! 😀