Shettles Methode – Geschlecht des Kindes beeinflussen

Shettles Methode - Geschlecht beeinflussenKann man mit der Shettles Methode das Geschlecht des Kindes beeinflussen? Wir zeigen ob die Methode „Sex zum richtigen Zeitpunkt“ funktionieren kann.

Kann man das Geschlecht des Kindes beeinflussen? Dieser Frage ging der amerikanische Wissenschaftler Landon B. Shettles auf den Grund. Er entwickelte hierbei eine Theorie, mit der man durch Sex zum richtigen Zeitpunkt die Wahrscheinlichkeit beeinflussen kann, einen Jungen bzw. ein Mädchen zu bekommen. Doch stimmt das wirklich? Wir nehmen die Shettles Methode genauer unter die Lupe und zeigen dir, was in wissenschaftlichen Studien zu diesem Thema bisher herausgekommen ist.

Wie funktioniert die Shettles Methode?

Schauen wir uns nun mal genauer an, wie die Shettles Methode funktioniert und auf welchen Annahmen sie basiert.

Junge oder Mädchen – Wie war das nochmal?

Wie enstehen Jungen und Mädchen

Wie entsteht ein Junge oder ein Mädchen © Natürliche Fruchtbarkeit

Nun muss man erstmal wissen, dass das Geschlecht des Kindes durch die Zusammensetzung der Geschlechtschromosomen des Menschen d.h. X oder Y-Chromosomen ergibt. Ein Mensch hat in seinem Genom genau 46 Chromosomen, wobei hier zwei davon Geschlechtschromosomen sind. Die Eizelle liefert hier immer ein X Chromosom, eine Spermie kann jedoch ein X oder Y Chromosom in sich tragen. Es gibt also umgangssprachlich so etwas wie weibliche (X) und männliche Spermien (Y). Bei der Verschmelzung der Eizelle mit der Spermie im Eierstock, entscheidet sich also, ob ein Mädchen oder ein Junge entsteht. Verschmilzt eine weibliche Spermie mit einem X-Chromosom mit der Eizelle (X) entsteht im Genotyp ein Mädchen (XX). Kommt eine Eizelle (X) dagegen mit einer männlichen Spermie mit dem Y-Chromosom zusammen, so entsteht ein Junge (XY).

Männliche Spermien sind schneller weibliche widerstandsfähiger

Shettles fand in Untersuchungen heraus, dass männliche Spermien (Y) schneller schwimmen und kleiner sind. Sie sind zumindest tendenziell schneller als weibliche Spermien. Weibliche Spermien (X) sind dagegen im Vergleich meist widerstandsfähiger, größer und etwas träger.

Geschlecht des Kindes beeinflussen durch Sex zum richtigen Zeitpunkt?

Aus dieser Erkenntnis entwickelte Shettles eine hochspannende Theorie, die bis heute nicht vollständig widerlegt werden kann, wie man das Geschlecht des Kindes beeinflussen kann. Nach Shettles müssten männliche Spermien sich kurz vor dem Eisprung eher durchsetzen als weibliche, weil sie schneller und kleiner sind. Somit würde man durch Sex zeitlich dicht am Eisprung eher einen Jungen zeugen. Weibliche Spermien sind dagegen langsamer und widerstandsfähiger, weshalb sie länger befruchtungsfähig bleiben können und auf den Eisprung warten können. Somit hat Shettels vermutete, dass man beim Sex, der zeitlich weiter entfernt vom Eisprung stattfindet, eher Mädchen zeugen könnte.

PH Wert und Positionen beim Sex

Shettles gab in seinem Buch sogar Ratschläge für die richtigen Sexpositionen, bei der männliche Spermien besser überleben können, und Ernährungstipps zur Beeinflussung des PH Wertes in der Vagina, der für die Überlebensfähigkeit der Spermien im Körper der Frau entscheidend ist. Um es vorwegzunehmen, keine Studie konnte diese Ideen von Shettles bestätigen. Die Idee, mit dem Sex zum richtigen Zeitpunkt hält sich jedoch bis heute. Doch schauen wir genauer, was die WissenschaftlerInnen heute zur Shettles Methode sagen.

Was sagen andere WissenschaftlerInnen zur Shettles Methode?

Die Shettles Methode erzeugte in den 70er Jahren großes Aufsehen. Das Buch von Landon B. Shettles mit dem Titel „How to Choose the Sex of Your Baby”, in dem er seine Theorie vorstellt, wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und über zwei Millionien mal verkauft. In diesem Buch behauptet Shettles, dass seine Studien zeigen, die Methode sei zu 80% effektiv.

WissenschaftlerInnen widerlegen Shettles

Merkwürdigerweise gab es 1979 eine Studie, die die Theorie von Shettles bestätigen sollte.  Hier kamen mit der den Hinweisen der Shettles Methode 61% Jungen zur Welt, wenn die Frauen ein bis drei Tage vor dem Eisprung Sex hatten.  Seitdem wurde die Shettles Methode in mehreren Studien widerlegt. In einer Studie aus dem Jahr 1991 bestimmten Frauen ihre fruchtbaren Tage und den Eisprung mit der Billingsmethode. Im Ergebnis konnte trotz Sex zum Optimum, nur das Verhältnis von 51,7% Jungs zu 49,3% Mädchen erzeugt werden. Das reichte den ForscherInnen nicht aus, um von einem relevanten Unterschied zu sprechen. Eine weitere Studie aus dem Jahr 1995 zeigt ebenso auf, dass man durch Sex zum richtigen Zeitpunkt kaum einen Einfluss auf das Geschlecht des Kinds hat. Weitere Studien zeigen, dass weibliche Spermien nicht so großartig unterschiedlich zu männlichen Spermien sind. Sie schwimmen ähnlich schnell und auch die Größe ist nicht so unterschiedlich.

Shettles Methode Erfahrungen

Shettles Methode

Shettles Methode – Umfrage © https://community.babycenter.com

Nun die Studien sind nicht eindeutig, da es ja einige gibt, die Shettles bestätigen. Andere widersprechen der Shettles Theorie. Aus diesem Grund habe ich mich auf den Weg gemacht in englischen Kinderwunsch Foren nach Umfragen und Erfahrungen mit der Shettles Methode zu suchen. Im englischen Babycenter Forum wurde ich dann fündig. An der Umfrage, ob die Shettles Methode für die Frauen funktionierte, gaben von 26 von 74 Personen an, dass sie funktioniert hat. Etwa genauso viele gaben jedoch auch an, dass die Methode bei ihnen nicht funktioniert hat. Ich selbst habe zwei Söhne und hatte tatsächlich bei beiden Malen sehr dicht im wahrscheinlichsten Eisprungfenster Sex. Bei mir hätte die Shettles Theorie also zwei Mal funktioniert. Das war für mich eher Zufall und nicht geplant, denn ehrlich gesagt, war mir das Geschlecht relativ egal.

Meine kritischen Gedanken zu dem Thema

Ich finde die Shettles Theorie sehr spannend und interessant. Bisher überzeugen mich die Studien und Umfragen zur Shettles Methode allerdings nicht, da immer Grundsatzfehler gemacht wurden. Diese Grundsatzfehler könnten der Grund sein, warum es Studien gibt die Shettles stützen und andere, die ihn widerlegen.

#1 Eisprung wurde nicht mit NFP bestimmt

Im Prinzip hängt die Methode ja davon ab, dass man den Eisprung möglichst genau bestimmen muss. Nur so kann man anschließend bewerten, ob es wirklich stimmt, dass je dichter man am Eisprung Sex hatte, einen Jungen zeugen kann oder halt umgedreht ein Mädchen. Mit der Billingsmethode, die nur auf der Grundlage des Zervixschleims die fruchtbaren Tage bestimmt, kann man den Eisprung nicht genau genug  eingrenzen. Der Zervixsschleim ist dafür nicht geeignet. Auch Hormontests, wie in den neueren Studien sind zur Eisprungbestimmung nicht die sichersten Methoden. Bisher gibt es keine Studie zur Shettles Methode mit der NFP Methode zur Eisprungeingrenzung, somit kann man für mich keine wirklich guten Schlüsse aus den Studien ziehen. Falls du auch die NFP Methode zur Eisprungbestimmung nutzen möchtest, schau doch mal in unserem Kinderwunsch Starter Set nach. Dort findest du alles, was du brauchst, um sofort mit NFP zu beginnen.

#2 Niemand kann den Eisprung vorhersagen

Das größte Problem der Shettles Methode ist, dass sie eigentlich nur funktionieren kann, wenn man genau weiß wann der Eisprung sein wird. Jedoch kann man mit keiner Methode der Welt den Eisprung exakt vorhersagen oder im Vorfeld  berechnen. Somit ist es schwierig, selbst mit gutem Fruchtbarkeitswissen, ein Mädchen oder einen Jungen zu planen. Selbst mit der NFP Methode kann man den Eisprung nur bis auf vier Tage genau eingrenzen. Insgesamt ist eine Frau ja nur an sechs Tagen im Zyklus biologisch fruchtbar. Dies liegt daran, dass die Spermien maximal fünf Tage im Körper der Frau befruchtungsfähig bleiben können. Folglich bleiben nur noch zwei Tage zur Zeugung eines Mädchens, wenn man wirklich weiter weg vom Eisprung sein möchte. Dies macht es statistisch wirklich schwer, dieses Phänomen zu untersuchen.

#3 Wählt sich die Eizelle das Spermium aus?

Die bisherige Shettles Theorie geht davon aus, dass die Spermien des Mannes das Geschlecht des Kindes beeinflussen. Jedoch ist das nach den neuesten Forschungen gar nicht mehr so klar. Eizellen senden chemische Stoffe um Spermien anzuziehen und letztendlich trifft die Eizelle die letzte Entscheidung, welche Spermie hineinkommen darf. Die neuen Studien zu diesem Thema legen auf jeden Fall nahe, dass die Auswahl des Geschlechtes des Kindes ein komplexer Prozess ist, der nicht nur vom Mann abhängt. Das mdr hat kürzlich über die Studie einen interessanten deutschen Bericht herausgebracht.

#4 Weitere Faktoren bestimmen das Geschlecht

Es gibt Studien, in denen weiteren Faktoren wie die Ernährung, das Alter sowie Alkohokonsum oder Rauchen das Geschlecht des Kindes beeinflussen können. In einer Studie aus dem Jahr 2002 kam beispielsweise heraus, dass rauchende Paare tendenziell mehr Mädchen bekommen als Jungen. Dies könnte man nun wieder mit der höheren Widerstandsfähigkeit der weiblichen Spermien, die auch schon Shettles postulierte, erklären. Jedoch ist die Geschlechtsbildung ein komplexer Prozess, der noch nicht restlos verstanden und entschlüsselt ist.

#5 Egal was es wird, die Liebe ist das wichtigste

Generell finde ich es sehr wichtig, dass ein neuer Mensch – egal welches Geschlecht dieser kleine Mensch hat, mit Liebe empfangen wird. Klar kann ich schon verstehen, dass es für manche einen großen Reiz ausmacht, ein Mädchen oder einen Jungen ins Leben zu begleiten. Beispielsweise hätte ich auch total Lust darauf, nach meinen Erfahrungen mit meinen zwei Söhnen, auch mal ein Mädchen auf ihrem Lebensweg begleiten zu dürfen. Manchmal fühlt es sich einfach für mich so an, als wenn mir das noch fehlt. Unabhängig davon, dass ich meine beiden Söhne über alles liebe und dankbar für diese Erfahrungen bin. Ich möchte mit einem berühmten Kinderwunsch Zitat, welches ich in zahlreichen sozialen Netzwerken gelesen habe, abschließen:

„Eine Mutter trägt ihr Kind 9 Monate im Buch, 3 Jahre im Arm und ein Leben lang im Herzen.“

In dem Moment, wo ihr den positiven Schwangerschaftstest in den Händen haltet, wird es euch vollkommen egal sein, ob es ein Junge oder Mädchen wird. Ihr werdet das Kind lieben und achten und einfach eine tolle Mutter sein. In diesem Sinne wünsche ich dir alles Gute auf deinem Weg zum Wunschkind!

Quellen:

[1] Susan Harlap: Gender of Infants Conceived on Different Days of the Menstrual Cycle. In: New England Journal of Medicine. 300, 1979, S. 1445, doi:10.1056/NEJM197906283002601.

[2] Gray RH. Natural family planning and sex selection: fact or fiction? Am J Obstet Gynecol. 1991 Dec;165(6 Pt 2):1982-4. doi: 10.1016/s0002-9378(11)90558-4. PMID: 1836712.

[3] J. Wilcox, C. R. Weinberg, D. D. Baird: Timing of sexual intercourse in relation to ovulation. Effects on the probability of conception, survival of the pregnancy, and sex of the baby. In: The New England Journal of Medicine. Band 333, Nummer 23, Dezember 1995, S. 1517–1521, doi:10.1056/NEJM199512073332301, PMID 7477165.

[4] Rahman Md Saidur, Pang Myung-Geol, New Biological Insights on X and Y Chromosome-Bearing Spermatozoa  Frontiers in Cell and Developmental Biology , Vol.7 2020, https://www.frontiersin.org/article/10.3389/fcell.2019.00388

[5] Fitzpatrick John L., Willis Charlotte, Devigili Alessandro, Young Amy, Carroll Michael, Hunter Helen R. and Brison Daniel R. 2020, Chemical signals from eggs facilitate cryptic female choice in humansProc. R. Soc. B.2872020080520200805, http://doi.org/10.1098/rspb.2020.0805

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