Östrogenmangel bei Kinderwunsch

Östrogenmangel bei Kinderwunsch

Östrogenmangel bei Kinderwunsch © Natürliche Fruchtbarkeit

Kann man trotz Östrogenmangel schwanger werden? Ich zeige dir unsere besten Tipps, wie du einen Mangel an Östrogenen bei Kinderwunsch behandeln kannst.

Die meisten Frauen bekommen in den Wechseljahren einen Östrogenmangel, da sich der Hormonhaushalt der Frau dann umstellt und der natürliche Zyklus verabschiedet. Dieser Prozess kann bis zu 15 Jahre dauern und beginnt bei vielen Frauen schon mit Ende Dreißig und Anfang Vierzig. Doch gerade in diesem Alter gibt es viele Frauen, die natürlich schwanger werden möchten. Besonders beeindruckt hat mich ein Gespräch vor Kurzem mit einer Frau, die mit 42 Jahren trotz einem AMH Wert von unter 0,1 ng pro ml natürlich schwanger geworden ist. Auch sie hatte einen Östrogenmangel und die typischen Symptome wie z. B. sehr unregelmäßige und sehr lange Zyklen, wenig Zervixschleim u.v.m. In diesem Artikel möchte ich ausführlicher auf den Östrogenmangel bei Kinderwunsch eingehen und aufzeigen, wie man eventuell trotzdem schnell schwanger werden kann.

Östrogene im Körper – Was tun sie?

Östrogene gehören zu den wichtigsten Sexualhormonen der Frau, die den weiblichen Menstruationszyklus steuern, hierbei sind sie an wichtigen Aufgaben wie z. B. der Zervixschleim-Produktion, dem Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, der Steigerung der sexuellen Lust und vielen mehr beteiligt. Doch Östrogene sind nicht nur in der Kinderwunschzeit von entscheidender Bedeutung. Sie hemmen beispielsweise auch den Knochenabbau und erhöhen den Spiegel des guten HDL-Cholesterins, was im Alter sehr wichtig ist. Östrogene sind also sehr wichtig für die Fruchtbarkeit der Frau, was vor allem in den Wechseljahren eine wichtige Rolle spielt.

Welche Symptome gibt es bei Östrogenmangel?

Nun ist ein Östrogenmangel ein Anzeichen für die Wechseljahre – einer Zeit, in der sich der natürliche Zyklus verabschiedet und die größte Transformation der Hormone seit der Pubertät, Schwangerschaft oder Stillzeit geschieht. Dieser Prozess läuft ähnlich wie zum Beispiel die Pubertät nicht immer perfekt ab, sondern ist mit zahlreichen Symptomen des Östrogenmangels gekennzeichnet. Aus diesem Grund werden die Wechseljahre auch gern als die zweite Pubertät betitelt.

Die meisten Östrogene werden im Eierstock produziert

Es ist völlig logisch, wenn der natürliche Zyklus sich dem Ende zuneigt, dass ein Östrogenmangel wahrscheinlicher ist. Schließlich werden nunmal die meisten Östrogene im Eierstock während der fruchtbaren Phase produziert. Hat eine Frau nur noch selten einen Eisprung, so fällt eine wichtige Quelle der Östrogene einfach weg und es kommt zu Symptomen wie Hitzewallungen, nächtliche Schweißausbrüche, vaginale Trockenheit, Zwischenblutungen, unregelmäßige Zyklen, wenig Zervixschleim, Blasenschwäche, Libidoverlust, Gedächtnisstörungen, Müdigkeit und Schlafstörungen, Depression, Akne, Gewichtszunahme und vielem mehr.

Östrogenmangel gibt es auch bei jungen Frauen

Ja, auch bei jungen Frauen kann ein Östrogenmangel auftreten. Erstens kann eine Frau schon früher – in sehr seltenen Fällen mit Ende 30 – in die Wechseljahre kommen. Doch auch Fehlentwicklungen der Eierstöcke, eine Nebennierenschwäche, Leistungssport etc. können auch bei jungen Frauen zu einem Mangel an Östrogenen führen.

Wie erfolgt die Diagnose von einem Östrogenmangel?

Nun, die Diagnose von einen Östrogenmangel kann über drei Wege erfolgen.

#1 Zyklusmonitoring

Die wohl beste Möglichkeit einen Östrogenmangel in der Kinderwunschzeit zu diagnostizieren, ist das Zyklusmonitoring in einer gynäkologischen Praxis. Hier werden die typischen Sexualhormone (FSH, LH, Östrogen, Progesteron u.a.) in den jeweiligen Zyklusphasen (Eireifungsphase, Eisprung, Gelbkörperphase) analysiert und ausgewertet. Überdies erfolgen Ultraschalluntersuchungen, die die Follikelreifung im Eierstock beobachten. Anhand bestimmter Normwerte der Hormone in den Zyklusphasen lässt sich ein Östrogenmangel feststellen.

#2 Hormonspeicheltest

Auch im Speichel lassen sich Hormone messen und nach bestimmten Normwerten analysieren. In der Regel werden solche Speicheltest bei HeilpraktikerInnen angeboten, die meist eine zusätzliche Ausbildung zur Hormon-Therapie absolviert haben. Jedoch gibt es auch vermehrt *Östrogen-Hormon Speicheltests für Zuhause, die eine Diagnostik erleichtern.

#3 Zyklusdiagnostik

In Ergänzung zu beiden Untersuchungen kann man seinen Zervixschleim und die Basaltemperatur im Menstruationszyklus beobachten. Hierbei ist der Zervixschleim ein Marker für das Östrogen und die Basaltemperatur ein Marker für das Progesteron. Aus Schleimverlauf und Temperaturkurve lassen sich daher die Verläufe der relativen Hormonspiegel von Östrogen und Progesteron beobachten.

Zyklusdatenbank mit über 40.000 Zyklen macht Diagnostik möglich

Aus statistischen Untersuchungen von 40.000 Zyklen von über 2000 Frauen wissen wir heute unter anderem wie Zyklen bei einem Östrogenmangel aussehen. Überdies können Frauen mit der NFP Methode ihre fruchtbaren Tage und den Eisprung sicher eingrenzen. Falls du sofort mit NFP beginnen möchtest, empfehlen wir dir unser Kinderwunsch Starter Set. Dort erfährst du alles, was du für den Beginn in die Temperaturmessung und Zervixschleimbeobachtung brauchst.

Ursachen für Östrogenmangel

Bevor wir die Behandlungsmöglichkeiten von Östrogenmangel in der Kinderwunschzeit erörtern, müssen wir uns die Ursachen für Östrogenmangel genauer anschauen.

#1 Wechseljahre und natürliches Altern

Eine Frau besitzt mit 14 bis 16 Jahren ca. 400.000 bis 600.000 befruchtungsfähige Eizellen. Die Zahl der Eizellen geht im Laufe der Zeit zurück und ExpertInnen schätzen, dass selbst die gesündesten Frauen rund 1000 Eizellen pro Monat „verlieren“. Die meisten Östrogene entstehen bei der Eizellreifung und werden durch die Eibläschen gebildet. Doch was ist, wenn die Eizellreifung nicht mehr richtig funktioniert oder nur noch sehr wenige Eizellen zur Verfügung stehen? Dann werden auch weniger Östrogene gebildet, so lange bis der letzte Eisprung und die letzte Blutung im Leben (Menopause) geschehen ist. Dieser Prozess der Wechseljahre ist ganz natürlich und ist die häufigste Ursache für einen Östrogenmangel bei gesunden Frauen.

#2 Fehlentwicklung der Eierstöcke

Schon in der 7. Woche der Schwangerschaft entwickelt ein weiblicher Fötus Eierstöcke und Frauen haben auch schon ab der Geburt Eizellen. Doch natürlich kann bei der Entwicklung der Eierstöcke auch etwas schief gehen, weil zum Beispiel die Mutter gesundheitliche Probleme in der Schwangerschaft bekam. Somit kann es zur Fehlentwicklung der Eierstöcke kommen, die meist erst in der Pubertät erkannt wird.

#3 Tumore und Ovarialzysten

Ja, auch gutartige und bösartige Tumore sowie Ovarialzysten können die Funktion der Eierstöcke beeinflussen. Im schlimmsten Fall muss operiert werden und ein oder zwei Eierstöcke komplett entfernt werden. Nun ist es logisch, dass wenn man keine Eierstöcke mehr hat, man auch keine Östrogene mehr aus der Eireifung produzieren kann. Folglich kommt es zum Östrogenmangel, der professionell behandelt werden muss.

#4 Nebenniereninsuffizienz

Bei einer Insuffizienz der Nebennieren wird zu wenig Dehydroepiandrosteron (DHEA) gebildet. Nun muss man wissen, dass DHEA eine Vorstufe des Östrogens ist. Funktionieren also die Nebennieren nicht richtig, muss es zwangsweise zu einem Östrogenmangel kommen.

#5 Gelbkörperschwäche und Östrogenmangel

Eizellreifung im Eierstock

Eizellreifung im Eierstock a) unreife Follikel b) Reifung von einigen Follikeln c) Selektion des entscheidenden Follikels d) Graaf’scher Follikel e) Eisprung f) Gelbkörper g) Rückbildung des Gelbkörpers © Natürliche Fruchtbarkeit

Viele denken immer, wenn ich eine Gelbkörperschwäche habe, dann habe ich einen Progesteronmangel. Ja, das ist richtig. Doch woher kommt das Progesteron? Richtig, aus dem Gelbkörper. Und woher kommt der Gelbkörper? Dieser wird aus den Eibläschen, den wichtigsten Östrogenproduzenten nach dem Eisprung gebildet. Folglich gibt es einen Östrogenmangel, wenn es zu wenige Eibläschen gibt. Ebenso gibt es dann auch weniger Progesteron, da sich der Gelbkörper aus den Eibläschen bildet. Östrogenmangel und Progesteronmangel können also zusammenhängen, weshalb man immer mehrere Hormone zur Diagnostik heranziehen sollte.

#6 Einnahme der Antibabypille

Hormonelle Verhütungsmittel wie z. B. die Pille, die Hormonspirale oder die Hormonspritze können ebenfalls einen Östrogenmangel verursachen. Schließlich nimmt man ständig synthetische Östrogene auf, die der Körper schlechter verarbeiten kann. Zeitgleich drosselt die Pille die Eireifung und damit die natürliche Östrogenbildung, damit es nicht zum Eisprung kommt. Reicht das synthetische Östrogen als Ersatz für das körpereigene natürliche Östrogen nicht aus, kann es zu einem Östrogenmangel kommen.

#7 Östrogenmangel und späte Pubertät

Wir alle wissen, dass die Pubertät ebenso wie die Wechseljahre eine größere Zeitspanne umfasst. Doch was ist, wenn sich die Pubertät durch einen Östrogenmangel verzögert? In diesem Fall sprechen wir von einer späten Pubertät (Pubertas tarda). Häufig bekommen Frauen hier erst mit 18 Jahren zum ersten Mal ihre Tage, ebenso findet die Reifung der sekundären Geschlechtsmerkmale (Brüste etc.) wesentlich später statt. Wesentliche Ursachen für die späte Pubertät können Hochleistungssport, Mangelernährung, Unterernährung (Magersucht), Fehlfunktion endokriner Drüsen (Nebenniere) etc. sein.

Östrogenmangel beheben

Je nach Schwere und Ursache eines Östrogenmangels wird auch die Behandlung verschiedenartig aussehen.

#1 Hormonersatztherapie

Gerade in den Wechseljahren wird in der Schulmedizin häufig eine Hormonersatztherapie (HET oder HRT) durchgeführt. Hierzu werden künstliche Hormone über Pflaster, Salben, Zäpfchen oder Tabletten genommen, die den Mangel ausgleichen sollen. Eine solche Hormonersatztherapie sollte jedoch immer das letzte Mittel sein und in Absprache mit deiner Ärztin stattfinden. Schließlich können ernsthafte Nebenwirkungen wie Herzkreislauferkrankungen, Brustkrebs oder Thrombose bei längerer Behandlung auftreten.

#2 Natürliche Hormontherapie

Das Gegenstück dazu ist die natürliche Hormontherapie. Hier werden meist natürliche Hormone aus Pflanzen (Yamswurzel, Soja) hergestellt. Zwar ist die Herstellung in diesem Sinne auch synthetisch, aber es wird darauf geachtet, dass die entstehenden Hormone exakt die gleiche chemische Struktur wie die körpereigenen Hormone haben. Man spricht wegen der Gleichheit zu den natürlichen Hormonen auch von bioidentischen Hormonen. Diese Therapie hat deutlich weniger Nebenwirkungen und wird in der Regel von HeilpraktikerInnen mit der Zusatzausbildung Hormontherapie angeboten.

#3 Pflanzliche Mittel gegen Östrogenmangel

Vorab sei gesagt, dass wir die pflanzlichen Mittel nur in Absprache mit einer gynäkologischen oder heilpraktischen Praxis empfehlen können. Ebenso sind sie nicht in jedem Fall geeignet und helfen auch nicht immer. Doch Mönchspfeffer kann in einigen Fällen zu einer Stabilisierung und Regulierung des Hormonhaushaltes beitragen, so wie wir es in unserem Artikel „Meine Mönchspfeffer Erfahrung” beschrieben haben. Jedoch gibt es noch andere pflanzliche Mittel wie Traubensilberkerze, die natürliche Östrogene enthalten, und eventuell einen Östrogenmangel bei Kinderwunsch ausgleichen können.

#4 Hormonyoga und Fruchtbarkeitsyoga

Aus Sicht der chinesisches und asiatischen Medizin sind hormonelle Störungen, auch auf Störungen in energetischen und meridianen Ebenen zurückzuführen. Sowohl Hormonyoga als auch Fruchtbarkeitsyoga setzen auf körperliche und zyklusabhängige Übungungen zur Regulation der Hormone. Als Ergänzungstherapie zu den genannten Therapien ist das mit Sicherheit eine Überlegung wert. In unserem Interview mit Yoga Lehrerin „Julia Glesti  erfährst du mehr zu diesem Thema.

#5 Phytoöstrogene Ernährung

Erstmal muss schon gesagt werden, dass in vielen tierischen Produkten wie Milch und Fleisch Stoffe enthalten sind, die die Bildung von Östrogenen fördern. Jedoch sind wir jetzt in einem Zeitalter, wo immer mehr Menschen sich wegen des Tierschutzes, der Umwelt und Gesundheit für eine vegetarische oder vegane  Ernährung entscheiden. Hier wäre die phytoöstrogene Ernährung die erste Wahl. Dies heißt vor allem in der Eireifungsphase, möglichst viele pflanzliche Nahrungsmittel zu essen, welche pflanzliche Östrogene (Phytoöstrogene) enthalten, die den natürlichen Östrogenen sehr nahe kommen.

Phytoöstrogene Lebensmittel können Östrogenspiegel positiv beeinflussen

Zu diesen Lebensmittel, die Phytoöstrogene enthalten,  zählen Datteln, Pflaumen, Aprikosen, Sesam, Leinsamen, Kichererbsen, Bohnen, Gurken, Knoblauch, Brokolie, Möhren, Sellerie, rote Beete, Erdnüsse u.a.

Östrogenmangel bei Kinderwunsch – Gibt es Studien?

Ja, es gibt mittlerweile auch Studien, die zeigen, dass ein Östrogenmangel eine Ursache für einen unerfüllten Kinderwunsch sein kann und dass Frauen mit normalen Östrogenspiegel eine größere Chance auf ein Wunschkind haben.

Künstliche Östrogene vor Embryonentransfer (ET)

In einer Studie zum Embryonentransfer mit 177 Frauen, teilte man die TeilnehmerInnen in zwei Gruppen auf. Beide Gruppen hatten niedrige Östrogenwerte aus der Eierstockproduktion (Estradiol E2). Den einen wurde vor dem Embryonentransfer künstliches Östrogen gegeben und damit ihr Östrogenlevel auf das Normalniveau angehoben. Bei der anderen Gruppe durften keine zusätzlichen Hormone genommen werden.

Mehr Fehlgeburten und geringere Lebendgeburtenrate

Das Ergebnis hätte nicht deutlich sein können. Ohne Hormongabe lag die Fehlgeburtenrate bei 36,4% und die Lebendgeburtenrate nur bei 31,8%. Bei den Frauen, die zuvor Östrogen in künstlicher Form erhalten hatten, lag die Fehlgeburtenraten nur bei 8,8% und die Lebendgeburtenrate bei 57,9%. Dies ist für mich ein eindeutiger Beweis, dass es sehr sinnvoll ist, seinen Östrogenspiegel zu testen und bei Bedarf aufzufüllen.

Fazit

Östrogenmangel ist ein Phänomen, dass den meisten Frauen in der Kinderwunschzeit während der Wechseljahre begegnet. Doch auch jüngere Frauen mit Erkrankungen wie einer Nebennierenschwäche, Zysten oder Tumoren im Eierstock oder sonstigen Beeinträchtigungen der Eierstöcke, können unter Östrogenmangel leiden.

Östrogenmangel kann Ursache für unerfüllten Kinderwunsch sein

Bei unerfülltem Kinderwunsch kann ein Östrogenmangel, der nicht erkannt ist, die Chancen auf ein Wunschkind vermindern. Schließlich kommt es unbehandelt häufiger zu unregelmäßigen Zyklen ohne Eisprung und Gelbkörperschwäche, die das Schwangerwerden erschweren. Wird man dann mit Östrogenmangel schwanger, kann man eventuell auch mit einer höheren Fehlgeburtenrate und geringeren Lebendgeburtenrate rechnen.

Lass deine Hormone testen

Aus diesem Grund rate ich allen, die schwanger werden möchte und schon länger als ein Jahr auf ihr Wunschkind wartet, die Hormone testen zu lassen. Mittlerweile gibt es ja auch sehr gute natürliche wie auch klassische medizinische Therapien, um einem Östrogenmangel zu behandeln. In diesem Sinne wünsche ich dir alles Gute auf deinem Weg zum Wunschkind.

Quellen

[1] Zhang WY, Gardner RM, Kapphahn KI, Ramachandran MK, Murugappan G, Aghajanova L, Lathi RB. The impact of estradiol on pregnancy outcomes in letrozole-stimulated frozen embryo transfer cycles. F S Rep. 2021 May 27;2(3):320-326. doi: 10.1016/j.xfre.2021.05.007. PMID: 34553158; PMCID: PMC8441577.

 

 

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