Zyklusmonitoring bei Kinderwunsch – Lohnt sich das?

Zyklusmonitoring bei KinderwunschDu hast schon länger Kinderwunsch, aber es klappt nicht? Zyklusmonitoring kann Dir helfen die Ursachen für den unerfüllten Kinderwunsch einzugrenzen.

Kennst du das? Du versuchst schon seit über einem Jahr schwanger zu werden, aber es klappt einfach nicht. In diesem Fall kann es sinnvoll sein ein Zyklusmonitoring in deiner gynäkologischen Praxis durchzuführen und deren wahren Ursachen für deinen unerfüllten Kinderwunsch anzugehen. In diesem Artikel zeigen wir Dir genau auf, wie ein klassisches Zyklusmonitoring bei deiner Frauenärztin abläuft und wann es sich besonders lohnt.

Zyklusmonitoring – Wann sinnvoll?

Ein klassisches Zyklusmonitoring ist eine Kombination aus Hormon-Bluttests und Ultraschalluntersuchungen. Hierbei werden die wichtigsten Steuerhormone des Zyklus wie z.B. LH, FSH, Östrogen und Progesteron in drei verschiedenen Zyklusphasen gemessen. Ebenso wird eine Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke durchgeführt, um die Follikelreifung und den Zyklus zu überwachen und den Eisprung zu bestimmen. In einigen Praxen wird die Zyklusdiagnostik mit einigen weiteren wichtigen Tests wie z.B. dem AMH-Test, dem Postkoitaltest und dem Vitamin D Test kombiniert. In selten Fällen wird auch ein Nebennieren Test (ATCH) durchgeführt, falls es bei der Bildung von FSH und LH Schwierigkeiten gibt. Eine Zyklusdiagnostik hat in der Regel mehrere Ziele:

#1 Eisprung sicher bestimmen

Anhand der Ultraschalluntersuchung, soll der Zeitpunkt des Eisprungs möglichst genau eingrenzt werden. Dies soll der Frau helfen in künftigen Zyklen ihren Eisprung genauer festzustellen. Ebenso soll geschaut werden, ob wirklich ein Eisprung stattgefunden hat.

#2 Hormonelle Zyklusstörungen erkennen

Störungen wie ein Progesteron oder Östrogenmangel können sehr leicht anhand der Hormonmessung herausgefunden werden. Ebenso können Eireifungsstörungen u.a. durch Auffälligkeiten am FSH oder LH Wert erkannt werden. Macht man zusätzlich noch einen AMH Test, erhält man zusätzliche Informationen groß der Vorrat an vorhandenen Eizellen noch ist. 

#3 Zyklusstörungen am Ultraschall erkennen

Durch Ultraschalluntersuchungen über der Bauchdecke und Scheide lassens sich beispielsweise Anzeichen für eine Endometriose erkennen. Hier tauchen im Ultraschall größere Endometrioseherde oder Zysten auf, die dann genauer untersucht werden können. Hinweise auf PCOS können ebenso durch eine Ultraschalluntersuchung gefunden werden, hierbei zeigen sich Zysten im Eierstock etc. 

#4 Postkoitaltest

Wenn das Paar am Abend vor dieser Untersuchung Geschlechtsverkehr hatte, dann bei diesem Termin auch ein Postkoitaltest (Sims-Huhner Test) durchgeführt werden. Hierbei saugst man Schleim vom Gebärmutterhals ab. Anschließend überprüft man unter dem Mikroskop, ob sie die Samenzellen im Zervixschleim gut bewegen können.

#5 AMH Test

In der Regel wird bei Frauen im Alter ab 35 Jahren einen AMH Test durchgeführt. Dieser ermittelt die Eizellenreserve der Frau. Viele Frauen wissen nicht, dass sie schon ab der Geburt Eizellen haben. Zur Pubertät werden diese Eizellen über den Prozess des natürlichen Zyklus befruchtungsfähig gemacht. Im Alter von 14 bis 16 Jahren haben die meisten Frauen, um die 400 bis 600.000 Eizellen. Doch diese Zahl geht ab diesem Zeitpunkt pro Monat um ca. 1000 Eizellen zurück. Somit können Frauen irgendwann nicht mehr schwanger werden, da nicht genug Eizellen zur Verfügung stehen. Bei einem AMH Test, kann man eine Vorhersage über die Menge der verfügbaren Eizellen treffen. Liegt der AMH Wert unter 1 ng pro ml bleibt in der Regel nicht mehr viel Zeit zum schwanger werden. Mehr zu diesem Thema findest du in unserem Artikel „AMH Wert verbessern – Wie geht das?”

Der typische Ablauf zum Zyklusmonitoring

Ein typisches Zyklusmonitoring bei Kinderwunsch geht von einem 28 Tage Zyklus der Frau aus. Hierbei werden in der Regel drei Untersuchungen im Zyklus durchgeführt. 

#1. Untersuchungen zwischen 3. und 5. Zyklustag

Die erste Untersuchung findet zwischen dem dritten und fünften Zyklustag statt. Hierbei wird in der Regel der Hormonspiegel der Frau kontrolliert. Nun befinden wir uns zu diesem Zeitpunkt meist in der Eireifungsphase. So ist es absolut logisch und nachvollziehbar, dass man sich zu diesem Zeitpunkt genauer die Hormone der Eireifung wie FSH und LH genauer ansieht. Manchmal werden auch noch Schilddrüsenhormone oder Stresshormone gecheckt. Auch der AMH Wert kann beim ersten Untersuchungstermin bestimmt werden. 

#2. Untersuchungen zwischen 10 und 12 Zyklustag

Die zweite Untersuchungen findet zwischen den 10. und 12. Zyklustag statt, weil man hier davon ausgeht dass bei einem 28 Tage Zyklus der Eisprung stattfinden sollte. Abermals wird der Hormonspiegel mit FSH, LH, Östrogen und Progesteron gemessen. Mittels Ultraschall wird geschaut ob tatsächlich Eibläschen heranreifen. Ebenso kann man etwas über den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut sowie die Öffnung des Muttermundes herausfinden.

#3. Untersuchungen eine Woche nach dem Eisprung

Bei der dritten Untersuchung geht es vorallem darum nach erfolgtem Eisprung, wird noch einmal der Hormonspiegel. Insbesondere der Progesteronspiegel bzw. das Gelbkörperhormon untersucht, welches eine wichtige Rolle bei der Einnistung sowie dem Aufbau der Gebärmutterschleimhaut spielt. 

Wie sind die Normwerte vom Zyklusmonitoring?

Da man schon viele Zyklusmonitoring Untersuchungen durchgeführt hat, existieren auch sogenannte Normwerte, die man miteinander vergleichen kann.

FSH

  • Eireifungsphase (1. Zyklushälfte): 2 bis 10 IU/ml
  • Eisprungphase (kurz vor bis ES): 8 bis 20 IU/ml
  • Gelbkörperphase (2. Zyklushälfte): 2 bis 8 IU/ml

LH

  • Eireifungsphase (1. Zyklushälfte): 2 bis 6 U/l
  • Eisprungphase (kurz vor bis ES): 6 bis 20 U/l
  • Gelbkörperphase (2. Zyklushälfte): 3 bis 8 U/l

Estradiol/Östradiol

  • Eireifungsphase (1. Zyklushälfte): 20 bis 190 pg/ml
  • Eisprungphase (kurz vor bis ES): 150 bis 530 pg/ml
  • Gelbkörperphase, Mitte (Mitte der 2. Zyklushälfte): 55 bis 210 pg/ml

Progesteron

  • Eireifungsphase (1. Zyklushälfte): < 1 µg/l = ng/ml
  • Eisprungphase (Ovulation): 1-2 ng/ml
  • Gelbkörperphase, frühe (frühe 2. Zyklushälfte, bis ES+4): > 5 µg/l
  • Gelbkörperphase, mittlere (mittlere 2. Zyklushälfte, ES+5 bis ES+8): > 12 µg/l

Natürlich hängen diese Normwerte immer von der entsprechenden Angabe der Einheiten ab. In der Regel vermerkt das Labor sehr deutlich, welche Werte im Normbereich liegen und welche nicht.

Zyklusmonitoring Kosten

In der Regel wird das Zyklusmonitoring bei unerfülltem Kinderwunsch von der Krankenkasse übernommen. Es entstehen somit keine weiteren Kosten. Zahlt man seine Gesundheitskosten selbst bzw. nutzt man eine internationale Krankenkasse mit Selbstbeteiligung, können die Kosten sehr unterschiedlich je nach Region ausfallen. Hier müsste man sich vorab einen Kostenvoranschlag in der gynäkologischen Praxis machen lassen.

Kritik am Zyklusmonitoring

Als Fruchtbarkeitsexperte bin ich grundsätzlich ein Beführworter des Zyklusmonitorings, da es dabei helfen kann die Ursachen für den unerfüllten Kinderwunsch einzugrenzen. Allerdings gibt es ein paar Punkte, die ich kritisch sehe und wo ich bessere Alternativen der Diagnostik sehen würde. Meine häufigsten Kritikpunkte werde ich nun übersichtlich auflisten und Optionen aufzeigen, wie du noch mehr Informationen erhältst, die Dir helfen die Ursachen für den unerfüllten Kinderwunsch einzugrenzen. 

#1 Ein Zyklus dauert nicht 28 Tage

Wir wissen aus Untersuchungen, dass der natürliche Zyklus zwischen 23 und 35 Tagen schwanken kann. Bei einer Untersuchung mit über 10.000 Zyklen waren nur 7% der Zyklen 28 Tage lang. Der Eisprung kann sich damit ebenso verschieben und findet ganz sicher nicht bei allen Frauen zwischen dem 10. und 12. Zyklustag statt, da die Länge der Gelbkörperphase mit 10 bis 16. Tagen relativ fix ist. Somit ist eine Untersuchung per Ultraschall in diesem Zeitraum zur Diagnostik des Eisprungs mehr als fraglich. 

Fehldiagnosen des Eisprungs sind nicht selten

Es verwundert uns daher nicht, dass immer wieder Fehldiagnosen geschehen. Schließlich ist bei vielen Frauen der Zeitpunkt der Untersuchung des Ultraschalls falsch oder ungeeignet angesetzt. Auf diese Weise werden Frauen für unfruchtbar, wegen fehlenden Eisprungs erklärt, die gar keine nennenswerten Probleme haben. Dies haben wir ausführlich in unserem Beitrag „Eisprung trotz negativem Bluttest” erklärt, wo wir eine reales Beispiel eine fehlerhaften Diagnose mittels Zyklusmonitoring aufzeigen.

Eisprung sicher bestimmen mit NFP

Wann Eisprung Banner

Nun kann ein Eisprung an verschiedensten Zyklustagen stattfinden. Bei mir findet der Eisprung beispielsweise häufiger zwischen dem 18. und 23. Zyklustag statt und würde niemals mit einem Zyklusmonitoring am 10. bis 12. Zyklustag festgestellt werden können. Somit braucht man eine Methode, die unabhängig von der Zykluslänge den Eisprung sicher bestimmen kann. Bei der NFP Methode werden der Zervixschleim und die Basaltemperatur im Zyklus beobachtet und ein Zyklusblatt eingetragen. Aus der Zykluskurve kann man dann den Eisprung bis auf 4 Tage zu 91% sicher eingrenzen. Das großartige ist, dass dies funktioniert egal ob dein Zyklus nun 20 Tage oder 100 Tage lang ist. Somit ist NFP auch bei PCOS und anderen Zyklusstörungen anwendbar. Falls du sofort deinen Eisprung mit NFP bestimmen möchtet, empfehlen wir unser Kinderwunsch Starter Set. Dort erfährst du alles was du für den optimalen Start in die NFP Methode brauchst.

#2 Normwerte sind nicht alles

Nun sind die Normwerte zwar interessant und mit Sicherheit wichtig zu messen. Jedoch sollten eigentlich Normwerte in der Follikelphase (Eireifungsphase), zum Eisprung und in der Gelbkörperphase bestimmt werden. Falls der Eisprung aus irgendwelchen Gründen verspätet bzw. weit nach dem 12. Zyklustag stattfindet, bekommen die Normwerte in Schwierigkeiten, da sie u.U. nicht vergleichbar sind. Schließlich ist man dann bei der dritten Untersuchungen eventuell gar nicht in der Gelbkörperphase, sondern in der Eisprungphase etc. Dies führt zu Problemen und Fehldiagnosen. Im Buch Natürliche Familienplanung gehen die Autoren und Mediziner von mindestens 30% fehlerhaften Diagnosen aus. 

Mit NFP sicher die Zyklusphase eingrenzen

Nur sehr wenige Praxen setzen die NFP Methode konsequent in Kombination mit dem Zyklusmonitoring ein. Mittels NFP kann der Zeitpunkt des Eisprung genau eingegrenzt werden. Folglich weiß man durch NFP ganz genau, ob ein Eisprung stattgefunden hat und wann er vorbei ist. Somit kann man viel präziser die 3. Untersuchung in der Gelbkörperphase planen… Einige Praxen setzen auch Ovulationstests ein, um den Zeitpunkt der Ovulation für zweite Untersuchung mit dem Ultraschall besser einzugrenzen. Schließlich zeigen Ovulationstests bei richtiger Anwendung und Auswahl der Sensibilität meist relativ sicher 24 bis 48 Stunden vor dem Eisprung positiv an. 

#3 Zyklusdiagnostik und Hormonwerte

Eigentlich müsste man jeden Tag einen Hormon-Bluttest durchführen, um sicher zu wissen wann der Eisprung war und wie es sich mit den Hormonen verhält. Jedoch würde so eine Untersuchung die Patienten sowie die Ärztin völlig überlasten und stressen. Wir brauchen als eine preiswerte und zeitsparende Alternative, die uns jeden Tag über den Hormonstatus informiert. 

Basaltemperatur und Zervixschleim sind Hormonmarker des Zyklus

Was viele Frauen nicht wissen ist, dass der Zervixschleim und die Basaltemperatur mehr als nur Eisprung-Anzeichen sind. Sie sind Hormonmarker. Die Basaltemperatur ist ein Marker für das Progesteron und der Zervixschleim für das Östrogen. Durch die tägliche Messung der Temperatur und vom Zervixschleim wird also indirekt auch das Hormonlevel bestimmt. Somit kann man aus der Temperaturkurve in Abhängigkeit des Schleimverlaufes beispielsweise einen Progesteronmangel bzw. eine Gelbkörperschwäche erkennen. Ich habe auf diesem Weg meine Gelbkörperschwäche erkannt und anschließend behandelt. Heute bin ich Mutter von zwei gesunden Wunschkindern. Die Möglichkeiten der Zyklusdiagnostik hat Herr Prof. Dr. med. Gnoth in einem ausführlichen Interview auf unserem Blog erläutert. 

Wie kann ich NFP erlernen?

Viele Frauen fragen sich zurecht wie sie NFP schnell und preiswert erlernen können. Wir haben hierzu ein Buch mit dem Titel WANN BIN ICH FRUCHTBAR? geschrieben, indem der wir eine Schritt für Schritt Anleitung in die NFP Methode geben. Besonders hilfreich sind hier auch die zahlreichen Übungszyklen mit Lösungen, die dir helfen deine fruchtbaren Tage sicher nach dem Regelwerk zu bestimmen. Im zweiten Kapitel gehen wir ausführlich auf die Zyklusdiagnostik ein und zeigen Dir wie du mithilfe von 5 einfachen Fragen deinen Zyklus auf Zyklusbesonderheiten untersuchen kannst. Auf diese Weise kannst du selbst die Ursachen für den unerfüllten Kinderwunsch eingrenzen. Im dritten und letzten Kapitel haben wir 15 Erfahrungsberichte von Frauen, die mit NFP trotz Gelbkörperschwäche, PCOS, Endometriose, Schilddrüsenerkrankungen, Zykluschaos nach Pille, Schichtarbeit u.v.m. schwanger geworden sind.

Fazit

Zyklusmonitoring ist mit Sicherheit eine gute Idee für Frauen und Paare bei denen es länger nicht geklappt hat. Damit jedoch die Ergebnisse der Untersuchungen möglichst aussagekräftig sind, sollte man den Eisprung mit NFP bestimmen und eventuelle auch in Kombination eine Zyklusdiagnostik durchführen. Aus diesem Weg wird das Risiko einer Fehldiagnose reduziert, ebenso erhält man mehr Infos über die Größe und Ausmaß einer Zyklusstörung. Dies kann bei der entsprechenden Behandlung durch deine Ärztin oder Heilpraktikerin sehr hilfreich sein. Wir wünschen Dir auf diesem Weg alles gute auf deinem Weg zum Wunschkind.

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