Meine zweite Menarche – Stillzyklus adé

Theoretisch gibt es nur eine Menarche im Leben einer Frau. Gefühlsmäßig kann es aber mehrere geben, oder? Ein Stillzyklus z. B. kann sehr lange dauern und ohne Menstruation sein.

Stillzykluslänge

Wie jetzt, zweite Menarche?

Die Menarche ist die erste Menstruation im Leben einer Frau und findet statistisch gesehen zwischen dem 9. und 16. Lebensjahr statt. In vielen Ländern wird die Menarche gebührend gefeiert und somit der Beginn der Fruchtbarkeit geehrt. Jetzt meinst du vielleicht, es kann ja keine weitere Menarche geben, weil es gibt nunmal nur EIN erstes Mal? Ja das stimmt – aber es gibt Lebensphasen einer Frau, in denen der Zyklus sehr lange unterbrochen sein kann und wenn dann die Blutung nach Jahren wieder einsetzt, kann es sich so anfühlen wie eine zweite Menarche.

Die lange still(e) Wartezeit

Bei mir war es so. Während meiner Schwangerschaft habe ich logischerweise keinen Zyklus bei mir beobachten können und nach der Geburt gibt es zwar den Wochenfluss, aber der ist ja etwa anders als die normale Menstruation. Ab dem Tag der Geburt beginnt der Stillzyklus – also Geburtsdatum des Kindes ist der erste Zyklustag. Ich habe lange warten müssen bis es wieder los ging. Und zwar so lange bis ich komplett abgestillt hatte. Mein Stillzyklus dauerte 615 Zyklustage!

Ende des Stillzyklus, abgestillt

tagsüber hatte sich mein Kind schon vor ca. einem halben Jahr abgestillt, deshalb habe ich nur noch das nächtliche Stillverhalten dokumentiert

287 Tage Schwangerschaft

[Beginn letzter Blutung bis einen Tag vor Geburt]

+ 615 Tage Stillzeit

[Tag der Geburt bis einen Tag vor dem Einsetzen der Menstruation]

= 902 Tage

und das sind insgesamt rund 2 ½ Jahre ohne Zyklus mit Eisprung und ohne Menstruation.

Das war eine lange und harte Zeit für mich, denn es gibt fast nichts schlimmeres für eine Bloggerin, die über NFP schreibt und Zyklusexperimente machen möchte als keinen Zyklus zu haben. Ich steckte tief im Stillzyklusdilemma fest und wartete und wartete und wartete…

Stillzyklus-Statistik

Wann kehrt die Menstruation nach der Geburt zurück, wenn frau ihr Baby voll und nach Bedarf stillt und auch nach sechs Monaten weiter stillt? Nach einer Überblickstudie (Kennedy 1992) bekommen etwa 11 bis 39,7 Prozent nach 6 Monaten wieder ihre Periode, trotzdem sie voll und nach der LAM Methode gestillt haben. Bisher gibt es nach meiner Recherche nur sehr wenige Studien, die die Rückkehr der Menstruation nach über 12 Monaten untersuchen. Nach einer nationalen amerikanischen Studie (Jen O’Quinn 1999) bekommen die stillenden Frauen durchschnittlich nach 14,6 Monaten ihre Menstruation nach der Geburt zurück. Das Stillverhalten der Frauen entspricht dem ökologischen Stillen, was im wesentlichen dem Stillen nach Bedarf entspricht, jedoch ohne die Verwendung von Schnuller und Flaschen. Ich habe, mit Stillen nach Bedarf ohne Schnuller und Flaschen/Abpumpen und ab sechs Monaten zufüttern, etwa 20 Monate nach der Geburt meine Periode wieder bekommen. Das ist etwa sechs Monate später als eine Frau in der Studie ihre Menstruation durchschnittlich wiedererlangt hat. Allerdings hinkt der Vergleich mit dem Durchschnitt etwas, wenn die Zahlen so weit auseinander gehen. Aus diesem Grund habe ich mal genauer in die Studie hinein geschaut, danach bekommen nur 7 Prozent der Frauen ihre Menstruation innerhalb von 6 Monaten zurück. Die meisten Frauen erhalten zwischen 6 und 12 Monaten (37 Prozent) und zwischen 12 und 24 Monaten ihre Regel (48 Prozent) zurück, wenn sie ökologisch gestillt haben.

Menstruationsrate nach der Geburt

Frau Dr. Ursula Sottong (Leiterin der Arbeitsgruppe NFP) zum Thema Stillen und Fruchtbarkeit:
„In den 90er Jahren hat es groß angelegte Studien mit hunderten von Frauen gegeben, deren Stillverhalten ausführlich dokumentiert wurde. Unter anderem haben wir von der Arbeitsgruppe NFP eine eigene Studie mit fast 200 Frauen und voll dokumentiertem Stillverhalten gehabt.

Bei der wissenschaftlichen Tagung 1988 in Bellagio/ Italien sind dann diese Daten ausgewertet und diskutiert worden. Experten waren unter anderem Kathy Kennedy, Barbara Gross, Alfredo Perez, Miriam Labbok, die alle gerade für diese Fragestellung ausgewiesen waren und sind. Ergebnis der Tagung war der Bellagio Consensus und die Formulierung der LAM Methode.

Für die Beratung von Frauen ist nämlich nicht interessant, wie lange alle Frauen durchschnittlich auf den ersten Eisprung gewartet haben, sondern wann es frühestens bei einem bestimmten Stillverhalten wieder zum Eisprung kommt. Es gibt eine Gesetzmäßigkeit für die ersten sechs Monate nach der Entbindung, aber dann wird es schon schwierig. Der spätere Versuch so etwas wie LAM für neun Monate zu formulieren scheiterte, weil die Streuung dann schon zu groß ist.“

Lange Erfahrung mit NFP in der Stillzeit

Ich konnte nun jedoch viel Erfahrung zum Thema NFP in der Stillzeit sammeln. Im Stillzyklus wird ja nur mit dem Zervixschleim-Symptom ausgewertet, aber ich habe zwischendurch auch mal Temperatur gemessen. Ich wollte unbedingt meinen ersten Temperaturanstieg dokumentieren. Um ihn nicht zu verpassen, fing ich immer an zu messen, als ich S+ Zervixschleim beobachtete. Leider habe ich den Temperaturanstieg letztendlich nicht beobachten können. Kurz vor meiner zweiten Menarche habe ich aufgrund einer Erkältung aufgehört zu messen, da ich dachte, die Werte sind dann bestimmt eh gestört. Zufälligerweise stillte sich genau zu dieser Zeit mein Kind von selbst ab. Dann dauerte es nur ein paar wenige Tage und meine Mens setzte ein. Vielleicht gab es auch gar keinen Eisprung? Oder es war eine verkürzte Hochlage? Das hat mich schon etwas geärgert. 🙁 Jetzt habe ich den Moment verpasst und werde es wohl nie erfahren. Aber jetzt kann ich endlich wieder Zyklusexperimente für den Blog machen 😀 . Juhuuh

P.S.: Nein, ich werde jetzt keine „Second Moon Party“ schmeißen…
oder vielleicht doch 😉 ?

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