Schwanger werden mit Fruchtbarkeitsrechner

Kann ich mit einem Fruchtbarkeitsrechner, den Eisprung und die fruchtbaren Tage berechnen und schwanger werden? Alle Infos in diesem Artikel:

Wie funktioniert ein Fruchtbarkeitsrechner?

Ein Fruchtbarkeitsrechner braucht in der Regel zwei Daten, um die fruchtbaren Tage zu berechnen. Einmal das Datum der letzten Menstruation und anschließend noch die durchschnittliche Zykluslänge. Anschließend gibt der Fruchtbarkeitsrechner, den Eisprung und die fruchtbaren Tage aus!

Beispiel am Fruchtbarkeitsrechner onmedia

Fruchtbarkeitsrechner

Schematische selbstgezeichnete Grafik vom Fruchtbarkeitsrechner onmedia

Nun suchen viele Frauen direkt nach dem Fruchtbarkeitsrechner von onmedia, um ihre fruchtbaren Tage zu berechnen, da er zusätzlich noch Infos zur Einnistung liefert. Also habe ich mir diesen Rechner mal genauer angesehen. Als Datum für die letzte Menstruation habe ich mal zur Illustration den 1. April 2019 und für meine durchschnittliche Zykluslänge habe ich 30 Tage angesetzt. Nun geht der Rechner davon aus, das 14 Tage vor dem Einsetzen der nächsten Menstruation der Eisprung stattfindet. Also müsste man vom 01.05.2019 etwa 14 Tage zurückrechnen und würde auf den 17. Zyklustag für den Eisprung kommen. Nimmt man noch an, dass Spermien etwa 5 Tage im Körper der Frau befruchtungsfähig bleiben können und die Eizelle maximal 18 Stunden befruchtungsfähig ist, dann kommt der Fruchtbarkeitsrechner auf 6 hochfruchtbare Tage. Somit braucht man nur vom Eisprung (17. Zyklustag) minus 5 und plus eins rechnen und kommt auf die hochfruchtbaren Tage vom 12. bis 18. Zyklustag. Die Einnistung setzt der Fruchtbarkeitsrechner ca. 5 Tage nach dem Eisprung an. Also 17+5 = 22. Zyklustag.

Kann man sich auf die berechneten fruchtbaren Tage verlassen?

An dieser Stelle, muss ich klar sagen NEIN – auf gar keinen Fall. Viele Hersteller solcher Kalender geben an, dass die Fruchtbarkeitsrechner nicht zur Verhütung geeignet sind. Jedoch bei Kinderwunsch soll es sinnvoll sein? So schreibt es auch onmedia hier im Text:

“Bitte beachten Sie, dass der Eisprungrechner nur ein Hilfsmittel ist, falls Sie einen Kinderwunsch haben. Er ist kein zuverlässiges Verhütungsmittel!“
Quelle: onmedia.de April 2019, https://www.onmeda.de/selbsttests/eisprungkalender-fruchtbarkeitskalender

Als Fruchtbarkeitsexpertin, die eine zweijährige Ausbildung zur Bestimmung der fruchtbaren Tage absolviert hat, muss ich klar von der Anwendung von einem Fruchtbarkeitsrechner abraten und ich habe fünf gute Gründe dafür.

1) Unregelmäßige Zykluslänge

Schwankungsbreite der Zykluslängen bei 210 Frauen während eines Jahres

Schwankungsbreite der Zykluslängen bei 210 Frauen während eines Jahres | © Elisabeth Raith-Paula et. al. Natürliche Familienplanung heute, Springer 2013

Nur ganz wenige Frauen haben so regelmäßige Zyklen, dass sie den Zeitpunkt ihrer nächsten Menstruation mit der durchschnittlichen Zykluslänge vorhersagen können. Studien zeigen, dass die Zyklen der meisten Frauen (ca. 22%) innerhalb eines Jahres um 6 bis 7 Tage schwanken. Auch Schwankungen von mehr als 18 Tagen Unterschied sind nicht selten (12,9%)! Lediglich bei 3,3% der Frauen unterscheidet sich die Zykluslänge innerhalb eines Jahres nur um 1 bis 3 Tage – also selbst diese 3,3 % der Frauen schwanken mit ihren Zykluslängen um ein paar Tage. Wenn nun ein Fruchtbarkeitsrechner voraussetzt, dass der Eisprung immer exakt 14 Tage vor der nächsten Menstruation liegt, dann hat man hier schon mindestens locker eine Woche Abweichung, wenn der Eisprung in dem aktuellen Zyklus mal 7 Tage verspätet stattfindet. Hier wird eigentlich schon klar, dass man die fruchtbaren Tage nicht berechnen kann.

2) Eisprung ist NICHT immer 14 Tage vor der Menstruation

Nun kommt aber der nächste Hammer. Es stimmt einfach nicht, dass der Eisprung exakt 14 Tage vor der Menstruation ist. Studien zeigen, dass der Eisprung sich mit hoher Wahrscheinlichkeit etwa 10 bis 16 Tage vor der nächsten Menstruation befindet. Somit liegt man bei 10 Tagen schon rund 4 Tage daneben und bei 16 Tage immerhin schon 2 Tage. Betrachtet man hier noch die Schwankungen der Zykluslänge dazu, kommt man jetzt schon auf 11 Tage Abweichung zur Berechnung. Ich selbst kann das bestätigen. Meine eigenen Zyklen schwanken von ca. 26 bis 40 Tage und mein Eisprung war immer ungefähr 9 bis 12 Tage vor der folgenden Menstruation.

3) Gelbkörperschwäche

Von einer Gelbkörperschwäche spricht man, wenn die Gelbkörperphase nach dem Eisprung kürzer als 10 Tage ist. Das heißt der Eisprung befindet sich dann in der Regel weniger als 10 Tage vor der nächsten Menstruation. In diesem Fall wird die Gebärmutterschleimhaut nicht ausreichend aufgebaut und die befruchtete Eizelle kann sich nicht einnisten. Folglich kann man in einem Zyklus mit verkürzter Gelbkörperphase, selbst wenn die Verschmelzung der Eizelle und Spermie funktioniert hat, nicht schwanger werden. In einer Studie aus dem Jahr 2017 von der amerikanischen Wissenschaftlerin Crawford kam heraus, dass bei 287 Frauen etwa 18% der Zyklen eine verkürzte Gelbkörperphase zeigen. Ein Fruchtbarkeitsrechner, der pauschal eine Gelbkörperphase von 14 Tagen Länge annimmt, ignoriert völlig, dass es eine Gelbkörperschwäche geben kann. Meist bleibt die Gelbkörperschwäche unerkannt und die Frauen werden dann pauschal, spätestens wenn sie innerhalb eines Jahres nicht schwanger werden, in ein Kinderwunschzentrum bzw. die moderne Reproduktionsmedizin überwiesen. Dies müsste nicht sein, denn mit NFP kann man eine Gelbkörperschwäche selbst diagnostizieren und sie dann auch entsprechend schulmedizinisch und/oder natürlich behandeln. So habe ich es auch gemacht und bin dank NFP gleich zweimal im ersten Übungszyklus schwanger geworden. Falls du sofort mit NFP durchstarten willst, empfehle ich dir mein Kinderwunsch Starter Set. Dort findest du alles, was du für die Bestimmung der fruchtbaren Tage mit NFP brauchst.

Eisprung bestimmen

4) Zyklen ohne Eisprung

Monophasische Zyklen Wechseljahre

Rosmus T (1992) et. al. Häufigkeit der Zyklen ohne Eisprung in den jeweiligen Altersgruppen der Frauen

Ein Fruchtbarkeitsrechner geht außerdem einfach immer davon aus, dass Frauen in jedem Zyklus einen Eisprung haben. Das ist aber nicht der Fall. Studien zeigen zwar schon, dass zwischen dem 25. und 45. Lebensjahr nur in ca. 2 bis 4% der Zyklen ein Zyklus ohne Eisprung stattfindet. Trotzdem muss man festhalten, es kann ein Zyklus auch mal ohne Eisprung stattfinden und dies wird eben nicht berücksichtigt. Pauschal anzunehmen eine Frau hat in jedem Zyklus einen Eisprung ist einfach nicht korrekt.

5) Unregelmäßige Zyklen bei PCOS

Besonders fatal ist die Anwendung von einem Fruchtbarkeitsrechner bei Frauen mit PCOS oder anderen Zyklus Besonderheiten. Schließlich können bei PCOS Zyklen von bis zu 100 Tagen auftreten. Die Zykluslänge kann dann wie auch in der Statistik zu sehen ist, mehr als 18 Tage von Zyklus zu Zyklus schwanken. Nun muss man wissen, dass ExpertInnen davon ausgehen, dass etwa 4 bis 12% der Frauen an PCOS erkrankt sind. Für diese Frauen wäre die Anwendung eines Fruchtbarkeitsrechners extrem fatal, weil sich hier die Schwächen der Rechner aufgrund der großen Schwankungen noch schlimmer auswirken.

Fruchtbarkeitsrechner funktionieren einfach nicht

Ich frage mich ernsthaft, wozu es überhaupt diese Fruchtbarkeitsrechner (noch) gibt? Für mich sind sie nicht nur für Paare mit Verhütungsabsicht, sondern auch für Kinderwunsch-Paare NICHT geeignet. Ich finde es sehr bedenklich, dass immer mehr Anbieter von Fruchtbarkeitsapps einen entsprechenden Fruchtbarkeitsrechner einbauen, obwohl die Wissenschaft schon lange weiß, dass sie nichts taugen. Auf keiner größeren Kinderwunsch-Website wird darüber aufgeklärt, dass man die fruchtbaren Tage nicht berechnen kann. Das finde ich sehr schade! (Aber Dank dir und allen anderen LeserInnen dieses Blogs, zählen wir auch bald zu den größeren Kinderwunsch-Websiten 😉 ). Wissen die Betreiber dieser Websites wirklich nicht, dass die Fruchtbarkeitsrechner nicht funktionieren oder nutzen sie die Unwissenheit der Frauen gezielt aus? Das frage ich mich schon lange! Was denkt ihr darüber? Meiner Ansicht nach wundert es mich, dass bisher der Verbraucherschutz keine Maßnahmen getroffen hat, um die Fruchtbarkeitsrechner zu verbieten. Wenigstens gibt es jetzt schon eine Studie der Stiftung Warentest, die zeigt, dass die meisten Fruchtbarkeitsapps mit berechneter Fruchtbarkeitsanzeige einfach nichts bringen. Ich stelle mir, die vielen verzweifelten Frauen vor, die zum falschen Zeitpunkt Sex haben und einfach nicht schwanger werden. Wer einmal miterlebt hat, wie eine Frau leidet, die länger nicht schwanger wird, kann solche Fruchtbarkeitsrechner einfach nicht unterstützen. Fruchtbarkeitsrechner kommen aus einer Zeit, in der die Bevölkerung sehr wenig über den Eisprung und die fruchtbaren Tage wusste – noch weniger als heute. Damals in den 30er Jahren dachten die Menschen noch, dass die fruchtbaren Tage berechenbar sind. Heute wissen wir, dass dies nicht möglich ist.

Gibt es eine Alternative, um den Eisprung und die fruchtbaren Tage zu bestimmen?

Jedoch können wir heute durch eine Dokumentation der Eisprungzeichen wie Basaltemperatur und Zervixschleim im Zyklusverlauf die fruchtbaren Tage mit NFP bestimmen. Auf diese Weise konnte man in wissenschaftlichen Studien den Eisprung zu 91% bis auf vier Tage genau eingrenzen.

Wann ist der Eisprung auf der Basalthermometerkurve

Grafik 3: Wann ich der Eisprung? | Gnoth et. al. 1996 – Zentralblatt für Gynäkologie 118(12):650-4

Des Weiteren konnte wissenschaftlich in Studien belegt werden, dass die Schwangerschaftsrate bei Frauen, die ihre fruchtbaren Tage mit NFP bestimmen, erhöht ist. Innerhalb von 6 Monaten wurden 81% der Frauen mit NFP schwanger. Im Vergleich dazu sind es ohne Methode nur 60%. Somit bringt es wirklich etwas, NFP anzuwenden. Mit unserem eBook „Wann bin ich fruchtbar?” kannst du NFP in wenigen Tage erlernen, denn es gibt neben einer Schritt für Schritt Anleitung in die NFP Methode auch noch Übungszyklen mit Lösungen, in denen du dein Wissen überprüfen kannst.

Im Kapitel zur Zyklusdiagnostik zeige ich dir, wie du anhand der Temperaturkurve und dem Zervixschleim Verlauf die Ursachen herausfinden kannst, warum es bisher mit dem Schwangerwerden nicht geklappt hat. Auf diesem Weg kann man zum Beispiel auch eine Gelbkörperschwäche selbst diagnostizieren und anschließend mithilfe von ExpertInnen medizinisch und/oder natürlich behandeln. Im dritten Kapitel kommen schließlich noch 15 Frauen zu Wort, die mit NFP trotz Gelbkörperschwäche, Hashimoto, PCOS, Endometriose. langer Wartezeit, Schichtarbeit, Zyklus-Chaos nach Pille u.v.m. schwanger geworden sind.

Ich habe schon erwähnt, dass ich mit NFP zweimal trotz Hashimoto und Gelbkörperschwäche schwanger und Mutter geworden bin. Ich kann NFP von ganzem Herzen an dich weiterempfehlen, da es zudem auch noch nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft, eine der besten Methoden zur Bestimmung der fruchtbaren Tage ist. Auf diesem Weg möchte ich dir alles Gute auf deinem Weg zum Wunschkind wünschen.

DEINE ANNE

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