Später Eisprung trotzdem Schwanger?

Später Eisprung – Kann man trotzdem schwanger werden? Wir zeigen, ob du trotz später Ovulation immer noch deinen Kinderwunsch erfüllen kannst.

Vielen Frauen wird bei unerfülltem Kinderwunsch auch von führenden FachärztInnen erzählt, dass ein später Eisprung im Zyklus nicht gut für die Fruchtbarkeit ist. Teilweise findet man diese Aussage auch in älteren medizinischen Fachbüchern. Doch stimmt das wirklich? Wir zeigen dir heute, was ein später Eisprung wirklich Bedeutet und ob du trotz spätem Eisprung natürlich schwanger werden kannst.

Wann ist der Eisprung im normalen Zyklus?

Viele Frauen nehmen die Pille oder haben sie mal genommen. Hier wird ein künstlicher 28-Tage Zyklus über den natürlichen Zyklus gelegt. Nach dem Absetzen erwarten deshalb viele Frauen, dass sie eine konstante Zykluslänge haben. Der 28-Tage Mythos ist auch heute noch in aller Munde. Schaut man jedoch zahlreiche Studien zum Thema Zykluslänge an, so erfährt man, dass die meisten Frauen Zykluslängen zwischen 23 und 35 Tagen haben.

Zykluslänge im normalen Zyklus

Zykluslänge im normalen Zyklus © Elisabeth Raith-Paula, Natürliche Familienplanung heute, Springer Verlag 2020

28 Tage Zyklus ist ein Mythos

Nur 7% der Zyklen von fast 10.000 Zyklen in der Studien waren 28 Tage lang. Somit ist klar, dass der 28 Tage Zyklus ein Mythos ist, der nichts mit der Realität zutun hat.

Der natürliche Zyklus ist nicht immer gleich lang

Ebenso hält sich leider die Behauptung von vielen Frauen, dass ihr Zyklus total regelmäßig ist. Studien ergeben jedoch genau das Gegenteil. Schließlich schwankt die Zykluslänge innerhalb eines Jahres bei nur 3% der Frauen innerhalb von 3 Tagen. Alle anderen Frauen, also 97% der Frauen in der Studie, haben größere Veränderungen der Zykluslänge beobachtet. Bei fast 10% kommt es sogar zu einer Abweichung innerhalb der Zykluslänge von über 22 Tagen. Der natürliche Zyklus ist also statistisch gesehen alles andere als regelmäßig. Doch was bedeutet das nun für den Eisprung.

Eisprung findet 10 bis 16 Tage vor der nächsten Menstruation statt

Aus Studien zum Eisprung wissen wir sehr genau, dass der Eisprung immer 10 bis 16 Tage vor der nächsten Menstruation des kommenden Zyklus stattfindet. Bei einem 35 Tage Zyklus ergibt sich minus 16 der 19. Zyklustag. Aus diesen Gründen wird häufig in der Fachliteratur bei einem Eisprung ab dem 19. Zyklustag von einem späten Eisprung gesprochen. In der internationalen Fachliteratur ist ein später Eisprung ab dem 21. Zyklustag datiert, was bei einem 35 Tage Zyklus 14 Tage vor der Menstruation ist.

Später Eisprung – wie häufig kommt das vor?

Später Eisprung - Wann im Zyklus

Länge der Eirreifungsphase vor dem Eisprung © Elisabeth Raith-Paula, Moderne Natürliche Familienplanung heute, Springer 2020

In einer Studie mit 9075 Zyklen hat man genau untersucht, wie lang die Eireifungsphase, also die Zeit vor dem Eisprung dauert. Die Studie zeigt ganz klar, dass ein später Eisprung keine Seltenheit ist. Etwa 18% der Zyklen wiesen einen Eisprung auf, der ab dem 20. Zyklustag oder später eingetreten ist. Sind 18% unserer Zyklen unfruchtbar, weil der Eisprung nach dem 20. Zyklustag stattgefunden hat? Nein, natürlich nicht. Späte Eisprünge sind etwas Normales, was sehr leicht geschehen kann. Doch schauen wir uns genauer an, wie es zu späten Eisprüngen kommen kann.

Die 8 häufigsten Ursachen für verspätete Eisprünge

Ein später Eisprung ist ja meist das Resultat einer verlängerten Eireifungsphase, in der die Eizelle bis zum Eisprung heranreift. Willst du die Ursachen für deine späten Eisprünge verstehen, so schau dir an, aus welchen Gründen deine Eireifungsphase sich jeweils verlängert.

#1 Absetzen der Pille

Etwa 50% der Frauen haben mit Zyklusstörungen nach dem Absetzen der Pille zu tun. Hierzu zählen unregelmäßige Schleimmuster, Zwischenblutungen und natürlich verlängerte Zyklen. Die Zyklusstörungen regulieren sich bei den meisten Frauen von allein innerhalb der erste 12 Monate nach dem Absetzen wieder. Mehr dazu haben wir in unserem Artikel „Schwanger werden nach dem Absetzen der Pille” geschrieben.

#2 Medikamente

Neben der Pille gibt es noch weitere Medikamente, die den Zyklus beeinflussen können. Beispielsweise sind in Krebsmedikamenten, Antidepressiva oder Schilddrüsenmedikamenten häufig auch Stoffe enthalten, die die Fruchtbarkeit beeinflussen können.

#3 Stress

Ein später Eisprung sowie eine verlängerte Eireifungsphase sind häufig das Resultat von Stress. In unserer Beratung betreuen wir regelmäßig Frauen, die in Schichtarbeit arbeiten oder beruflich unter hohem Stress leiden. Häufig sind hier die Zyklen auch etwas schwieriger auszuwerten, weshalb die Frauen hier Hilfe bei der Bestimmung der fruchtbaren Tage benötigen. In unserem Beitrag „Trotz Stress schwanger werden“, haben wir ausführlicher darüber geschrieben.

#4 Stillen oder Wechseljahre

In der Stillzeit sorgen die Hormone häufig dafür, dass der natürliche Zyklus erst langsam wiederkehrt. Mit der LAM Methode lässt sich auf diese Weise sogar 6 Monate mit einem Pearl Index von 2 verhüten, solange die Blutung ausbleibt zumindest. Es gibt nicht wenige Frauen, die beim Vollstillen über ein Jahr auf ihre erste Blutung nach der Geburt warten müssen. Bis der Zyklus sich wieder eingepegelt hat, kann es dauern. Einen ähnlichen Effekt haben wir in den Wechseljahren, wo der natürliche Zyklus sich langsam aber sicher verabschiedet. Auch hier können einige Frauen infolge der Hormonumstellung verlängerte Zyklen und damit auch späte Eisprünge beobachten.

#5 Zyklusstörungen wie PCOS

Etwa 5 bis 10% der Frauen leiden an PCOS, einer Zyklusstörung bei der Zysten im Eierstock die Eireifung beeinflussen. Frauen mit PCOS haben häufig verlängerte Zyklen. Ich selbst habe schon Frauen mit PCOS und Zykluslängen über 100 Tagen begleitet. Trotz der verlängerten Eireifungsphase und den damit verbundenen späten Eisprüngen, konnten die Frauen meist natürlich schwanger werden. In unserem Beitrag Schwanger werden trotz PCOS zeigen wir dir auf, was du tun kannst, um trotz PCO auf natürlichem Weg schwanger zu werden.

#6 Schilddrüsenerkrankungen

Viele Frauen leiden unter Schilddrüsenerkrankungen, ohne dies sofort zu bemerken. Falls die Schilddrüsenhormone im Ungleichgewicht sind oder die Medikamente fehlerhaft eingestellt sind, kann es zu verlängerten und unregelmäßigen Zyklen kommen. Ich selbst habe eine Schilddrüsenerkrankung und Hashimoto und bin glücklicherweise zweimal erfolgreich schwanger und Mutter geworden. In meinem Beitrag „Schwanger werden trotz Hashimoto und Gelbkörperschwäche“ bekommst du mehr Infos zu diesem Thema.

#7 Jetlag und Urlaub

Falls du schon mal einen Urlaub an einem fernen Ort mit einer großen Zeitverschiebung gemacht hast, wirst du vielleicht einen veränderten Zyklus erleben. Schließlich wird der Zyklus bzw. der zirkadiane Rhythmus durch das Tageslicht beeinflusst. Somit spielt es für unseren Körper schon eine Rolle, wann Tag und wann Nacht ist. Der Körper kann aus diesem Grund einen zu krassen Wechsel der Zeitzonen nicht so gut verkraften. In einem solchen Zyklus mit größer Zeitumstellung oder Jetlag durch langen Flug, sind verlängerte Zyklen und späte Eisprünge nicht selten. Meist reguliert sich der Zyklus in dieser Situation aber schnell von allein, wenn der Körper sich an die neue Zeitzone gewöhnt hat.

#8 Diäten oder Leistungssport

Ja, auch Diäten oder Leistungssport können den Zyklus durcheinander bringen. Die Natur möchte keine Schwangerschaft unter Hochbelastung oder Unterversorgung. Somit ist es auch unsere Beobachtung, dass Frauen die Diät halten oder hohe Belastung durch Sport haben, unregelmäßige Zyklen aufweisen.

Später Eisprung – kann ich trotzdem schwanger werden?

Ja, natürlich kannst du schwanger werden, wenn du einen späten Eisprung hast. Ich bin das beste Beispiel – denn ich habe zwei Kinder empfangen, durch jeweils einen relativ späten Eisprung. Als ich das erste Mal schwanger geworden bin, hatte ich in diesem Zyklus meinen Eisprung am 19. Zyklustag. In meiner zweiten Schwangerschaft hatte ich den Eisprung am 25. Zyklustag. Streng genommen ist es hier egal, ob der Eisprung am 12. Zyklustag oder am 100. Zyklustag stattgefunden hat. Es gibt jedoch einen Zusammenhang, den man kennen sollte.

Gelbkörperschwäche und lange Zyklen

Gelbkörperschwäche infolge der Länge des Zyklus

Gelbkörperschwäche infolge der Länge der Eirreifungsphase (Follikelphase) © Elisabeth Raith-Paula, Natürliche Familienplanung heute – Springer 2020

Man muss hierzu wissen, dass der natürliche Zyklus in eine Phase vor dem Eisprung und eine Phase nach dem Eisprung aufgeteilt werden kann. Vor dem Eisprung findet die Eireifungsphase statt, in der die Eizelle im Eierstock heranreift. Nach dem Eisprung gibt es eine Gelbkörperphase, in der sich der Körper auf eine mögliche Einnistung der Zygote (verschmolzene Eizelle mit Spermie) vorbereitet. Studien haben nun herausgefunden, dass je länger die Eireifungsphase ist, desto kürzer ist tendenziell die Gelbkörperphase. Ist die Gelbkörperphase regelmäßig weniger als 10 Tage lang, spricht man von einer Gelbkörperschwäche. Diese hat zur Folge, dass die Zeitspanne zur Vorbereitung der Gebärmutter auf die Einnistung nicht ausreichend für eine erfolgreiche Einnistung der Zygote ist.

Eisprung bestimmen und Gelbkörperschwäche diagnostizieren

Nun ist ein später Eisprung eigentlich kein großes Problem, wenn du die zwei größten Herausforderungen meisterst.

#1 Sichere Bestimmung vom Eisprung

Nun stell dir mal vor, du hast PCO und dein Zyklus ist mal 60 Tage und mal 100 Tage lang. Vorher kannst du das natürlich nicht wissen. Je länger und unregelmäßiger die Zyklen sind, desto schwieriger wird es, den Eisprung zu bestimmen. Willst du 40 oder mehr Ovulationstests im Zyklus machen? Nein, ganz bestimmt nicht. Also brauchst du bei späten Eisprüngen eine Methode, die egal bei welcher Zykluslänge funktioniert und praktikabel ist.

Mit NFP den Eisprung zu 91% sicher eingrenzen

Für sehr lange Zyklen empfiehlt sich ganz klar die NFP Methode. Diese kann unabhängig von der Zykluslänge den Eisprung zu 91% sicher bis auf vier Tage genau eingrenzen. Dies ergaben Studien aus dem Jahr 1996, wo man den Eisprung sowohl mit NFP als auch mit Ultraschall bestimmte. Hierfür ist es notwendig seinen Zervixschleim zu beobachten und seine Basaltemperatur zu dokumentieren. Falls dir die Messung der Basaltemperatur zu aufwendig ist, gibt es mit dem trackle mittlerweile auch die Möglichkeit, die Basaltemperatur automatisiert zu messen.

#2 Zyklusdiagnostik der Gelbkörperschwäche

Die zweite wichtige Frage ist, wie lang die Gelbkörperphase nach dem Eisprung ist. Ist die Gelbkörperphase regelmäßig weniger als 10 Tage lang, dann ist eine Gelbkörperschwäche wahrscheinlich. Die Zyklusdiagnostik mit Basaltemperatur und Zervixschleim kann generell dabei helfen, Zyklusstörungen, die eine Schwangerschaft erschweren, schneller zu erkennen. Ich selbst habe dank der Anwendung von NFP meine Gelbkörperschwäche erkannt und sie mit Hilfe meiner Ärztin und Heilpraktikerin behandelt. Auf diese Weise konnte ich mir meinen Traum, Mutter zu werden erfüllen, ohne NFP hätte es womöglich länger dauern können, schwanger zu werden.

Wie kann ich NFP erlernen?

Wann bin fruchtbar eBook

Du hast häufiger späte Eisprünge und möchtest sie sicher bestimmen. Ebenso ist es dir ein Anliegen zu erfahren, ob du eine Gelbkörperschwäche hast? Dann ist mein eBook „WANN BIN ICH FRUCHTBAR?“ für dich eine gute Wahl. Dort geben wir dir eine Schritt für Schritt Anleitung in die symptothermale Methode inkl. Übungszyklen + Lösungen. Im zweiten Kapitel schreibe ich auch über die Möglichkeiten der Zyklusdiagnostik zur Eingrenzung der Ursachen von unerfülltem Kinderwunsch wie z. B. Gelbkörperschwäche oder Ovarialinsuffizienz. Im letzten Kapitel des Buches findest du Erfahrungsberichte von Frauen, die mit Hilfe von  NFP trotz Gelbkörperschwäche, PCOS, Endometriose, Zykluschaos nach Pille u.a. schwanger geworden sind.

Fazit

Später Eisprung – kann man trotzdem schwanger werden? Ja, das geht. Späte Eisprünge sind normal und treten bei fast 20% der Zyklen in Studien auf. Die verspäteten Eisprünge treten in Zyklen verlängerter Eireifungsphase auf. Eine Verlängerung der Eireifungsphase kann durch Medikamente, Zykluschaos nach Pille, Zyklusstörungen wie PCOS, Stress, Diäten, Leistungssport u.a. verursacht werden. Mit konventionellen Methoden wie Eisprungrechnern, Ovulationstests oder Zykluscomputern ist es nicht möglich, späte Eisprünge zuverlässig und preiswert zu bestimmen. Hier empfehlen wir vor allem die NFP Methode, da sie unabhängig von der Zykluslänge funktioniert und dabei helfen kann, Zyklusstörungen wie eine Gelbkörperschwäche zuverlässig zu erkennen.

In diesem Sinne wünschen wir dir alles Gute auf deinem Weg zum Wunschkind

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