Steigert Aspirin die Fruchtbarkeit?

Aspirin Fruchtbarkeit

Aspirin Fruchtbarkeit © Natürliche Fruchtbarkeit

Kann Aspirin die Fruchtbarkeit steigern? Neue Studien über das Arzneimittel zeigen auf, dass eine leichte Dosierung beim Schwangerwerden helfen kann.

Aspirin ist den meisten Frauen eher als Schmerzmittel bei Fieber, Kopf-, Zahn oder Regelschmerzen ein Begriff. Doch neueste wissenschaftliche Studien belegen, dass Aspirin bei leichter Dosierung die Fruchtbarkeit steigern kann. In diesem Beitrag werde ich alle Studien und Erkenntnisse zur Anwendung von Aspirin in der Kinderwunschzeit vorstellen. Ebenso werde ich natürlich auch diskutieren in welchem Fall Aspirin nicht angewendet werden darf und welche Nebenwirkungen bei der Anwendung auftreten können. Hierbei möchte ich darauf hinweisen, dass ich keine Ärztin bin und ihr vor Anwendung immer einen ärztlichen Rat einholen oder Fachleute in der Apotheker konsultieren solltet.

Was ist Aspirin und wie wirkt es?

Aspirin ist ein Medikament zur Schmerzlinderung, das in Form einer Tablette mit einem Glas Wasser eingenommen werden kann.

Inhaltsstoffe und Wirkstoffe von Aspirin

Aspirin hat im wesentlichen den Wirkstoff Acetylsalicylsäure, der in mehreren bekannten Schmerzmitteln enthalten ist. Ebenso enthält Aspirin Natriumcarbonat, Natrium-Ionen, hochdisperses Siliciumdioxid, Hypromellose, Zink und Carnaubawachs.

Wirkung von Aspirin

Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure wirkt in erster Linie schmerzstillend, fiebersenkend und entzündungshemmend. Hierbei blockiert die Einnahme von Aspirin bestimmte Botenstoffe im Körper (Prostaglandine), die wesentlich an der Entstehung von Schmerzen, Fieber und Entzündungen beteiligt sind. Ebenso kann Aspirin die Blutgerinnung und Fließfähigkeit des Blutes verbessern.

500 oder 100 mg Tabletten

Aspirin wird in 500 oder 100 mg Tabletten angeboten. Die 500 mg Tabletten sind für eine kurze Anwendung bei akuten, starken Schmerzen zu nehmen, da sie sehr stark dosiert sind. In den Kinderwunsch Studien wurde eher mit einer sehr geringen Dosierung von unter 100 mg pro Tag gearbeitet.

Aspirin ist rezeptfrei erhältlich

Das Medikament Aspirin ist derzeit rezeptfrei in jeder Apotheke sowie im *Online Handel erhältlich. Trotzdem empfehlen wir vor der Anwendung, in einer ärztlichen Praxis oder Apotheke nach zu fragen und die Risiken und Nebenwirkungen in der Verpackungsbeilage zu lesen.

Kann Aspirin die Fruchtbarkeit steigern und beim Schwangerwerden helfen?

Kommen wir nun zum zentralen Thema dieses Beitrags – nämlich ob Aspirin die Fruchtbarkeit von Frauen steigern und beim Schwangerwerden helfen kann. Hierzu werden wir uns die zentralen Studien in medizinischen Journalen genauer ansehen.

#1 Studien zeigen erhöhte Schwangerschaftsrate nach Fehlgeburt bei geringer täglicher Aspirin Dosis

In einer Studie mit 1228 Frauen sollte ursprünglich getestet werden, ob eine kleine Dosis von Aspirin täglich einen weiteren Schwangerschaftsverlust verhindern kann. Somit nahmen an dieser Studie nur Frauen im Alter von 18 bis 40 Jahren teil, welche aktiv versuchten schwanger zu werden und zuvor mindestens eine Fehlgeburt erlebt hatten. In dieser Studie wurden die Frauen in drei Gruppen eingeteilt, wobei zwei Gruppen Aspirin bekamen und eine Gruppe nur ein Placebo. In den Aspirin Gruppen nahmen die Frauen für 6 Monate 81 mg Aspirin täglich ein.

Schwangerschaftsrate in Aspirin Gruppe war, um 17% erhöht

Aus Gründen der Übersichtlichkeit werden ich nicht auf den Unterschied der beiden Aspirin Gruppen eingehen und das Gesamtergebnis der Studie in den Fokus rücken. Frauen, die täglich 81 mg Aspirin für maximal 6 Monate einnahmen, war die Schwangerschaftsrate um 17% erhöht. Auch bei der Geburtenrate konnten 20% mehr gesunde Kinder geboren werden im Vergleich zur Placebo-Gruppe.

#2 Aspirin erhöht die Schwangerschaftsrate bei IVF Anwenderinnen

In Amerika schlug die erste Studie sehr große Wellen und es wurde im TV sowie in vielen führenden Zeitschriften darüber berichtet. Nun hat die erste Studie gezeigt, dass Aspirin Frauen mit der Neigung zur Fehlgeburt beim Schwangerwerden helfen kann. Doch wie sieht es bei Frauen aus, deren Fruchtbarkeit reduziert ist und sie eine IVF Behandlung brauchen?

298 Frauen unterzogen sich einer IVF Behandlung

Fast 300 Frauen mit der „Diagnose unfruchtbar” unterzogen sich einer IVF Behandlung. Hierbei teilte man die Frauen in zwei gleichgroße Gruppen auf. Somit nahmen 149 Frauen täglich eine Dosis von 100 mg Aspirin ein, während die andere Hälfte ein Placebo bekam. Anschließend wurde die Schwangerschaftsrate und Einnistungsrate der beiden Gruppen nach der IVF Behandlung verglichen.

Erhöhte Schwangerschaftsrate und Einnistungsrate

Im Ergebnis wurden in der Aspirin Gruppe rund 45% der Frauen nach der IVF Behandlung schwanger und in der Placebogruppe nur 28%. Schaut man sich die Einnistung an, so gelang in der Aspirin-Gruppe bei 17,8% eine erfolgreiche Einnistung der befruchteten Eizelle und nur bei 9,2% in der Placebo-Gruppe. Folglich schlossen die WissenschaftlerInnen aus der Studie, dass Aspirin die Schwangerschaftsrate und Einnistungsrate unter einer IVF Behandlung erhöhen kann.

Was sagen Kritiker der Studien zur Aspirin Anwendung in der Kinderwunschzeit?

Nun gibt es auch zahlreiche kritische Stimmen zur Anwendung von Aspirin in der Kinderwunschzeit. Meiner Ansicht nach möchte ich die wichtigsten Kritikpunkte offen darlegen, damit du dir als mögliche Anwenderin darüber etwas Gedanken machen kannst.

#1 Aspirin nicht zur dauerhaften Anwendung geeignet

Nun steht in der Verpackungsbeilage, dass Aspirin maximal 3 bis 4 Tage am Stück angewendet werden darf. In den beschriebenen Studien wurde Aspirin von den Frauen täglich bis zu 6 Monate eingenommen. Kritiker fragen sich somit zurecht, ob es langfristige gesundheitliche Folgen und Risiken durch die Einnahme geben kann. Schließlich ist eine so lange Anwendung von Aspirin nicht vorgesehen.

#2 Aspirin darf in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht angewendet werden

Nun unter Studienbedingungen ist es relativ einfach, Aspirin nur so lange zu nehmen, bis man schwanger ist. Schließlich werden alle Frauen in Studien regelmäßig medizinisch untersucht. Doch was ist, wenn Aspirin in der Schwangerschaft unbemerkt weiter genommen wird. In diesem Fall bestehen aufgrund des Einflusses von Aspirin auf die Blutgerinnung schwere Folgen für Mutter und Kind. Kritiker sehen deshalb die Anwendung von Aspirin in der Kinderwunschzeit ohne regelmäßige Kontrolle als gefährlich an. Die Bedenken gelten auch für die Stillzeit, wo Aspirin ebenso nicht eingenommen werden darf.

Weitere Krankheiten, wo Asprin nicht eingenommen werden darf

Nun ist Aspirin rezeptfrei erhältlich und Kritiker haben nun natürlich große Bedenken, dass Frauen mit chronischen Magen-Darmerkrankungen, Asthma-Erkrankungen, Herzerkrankungen, eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion und Neigung zu Gichtanfällen Aspirin einnehmen. Schließlich ist die Anwendung von Aspirin mit diesen Vorerkrankungen strengstens untersagt.

#3 Aspirin hat viele Nebenwirkungen

Jedes Medikament hat Nebenwirkung und gerade Asprin hat einige, die nicht ganz unbedenklich sind. Häufig werden unter der Anwendung von Aspirin typische Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden, Sodbrennen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle, Bauchschmerzen, Mikroblutungen, Geschwüre im Verdauungstrakt, Magenblutung und schwarzer Stuhl sowie Überempfindlichkeiten der Haut ausgeführt. Somit ist eine langfristige Anwendung schon nicht ganz unbedenklich.

#4 Aspirin hat Wechselwirkungen mit Alkohol, Ingwer und Co

Nun ist es kein Problem, mal für 3 bis 4 Tage keinen Alkohol zu trinken, weil das mit Aspirin schwere Nebenwirkungen erzeugen kann. Doch für 6 Monate in der Kinderwunschzeit ist das schon eine sehr lange Zeit. Ebenso kann Aspirin bei häufigen Konsum von Ingwer und Knoblauch zu schweren Nebenwirkungen führen. Kritiker vermuten, dass bei langfristiger Anwendung die unerwünschten Wechselwirkungen von Aspirin vergessen werden könnten und der Schaden größer als der Nutzen ist.

#5 Es gibt auch Studien, die keine Auswirkungen zeigen

In einer Studie wurde der Einfluss von Schmerzmitteln bei Frauen im Alter von 21 bis 45 Jahren in der Kinderwunschzeit untersucht. Die Frauen mussten hierzu alle zwei Monate einen Fragebogen ausfüllen. Als Schmerzmittel wurden sowohl Paracetamol, Ibuprofen und Aspirin verwendet. Im Gegensatz zu den anderen Studien wurden die Schmerzmittel nicht täglich, sondern nur bei Bedarf angewendet. Im Ergebnis konnten keine negativen Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit oder Gesundheit festgestellt werden. KritikerInnen sehen die Studie als Beweis dafür, dass Aspirin beim Schwangerwerden nicht unbedingt hilft. Jedoch kann man diese Studien meiner Ansicht nach nicht vergleichen, da Aspirin nicht täglich und regelmäßig angewendet wurde.

Bitte lies vor der Anwendung die Verpackungsbeilage

Wir können in diesem Artikel unmöglich alle Details zur Anwendung von Aspirin diskutieren, deshalb lies bitte den Beipackzettel und spreche vor der Anwendung unbedingt mit ärztlichen Fachpersonal oder mit dem Personal in der Apotheke über die Folgen und Konsequenzen einer mehrmonatigen Anwendung von Aspirin in deiner Kinderwunschzeit.

Fazit

Schaut man sich die Studien an, so konnte unter medizinischer Begleitung eine tägliche Anwendung von *Aspirin in einer geringen Dosierung (100 mg) die Fruchtbarkeit steigern und zu einer erhöhten Schwangerschaftsrate sowie verringerten Fehlgeburtenrate führen. Doch natürlich haben Medikamente auch Nebenwirkungen und als Expertin für natürliche Fruchtbarkeit würde ich persönlich immer zuerst auf natürliche Methoden wie NFP zur Steigerung der Schwangerschaftsrate setzen. Trotzdem wird die Aspirin Anwendung zur Steigerung der Fruchtbarkeit für einige Frauen, gerade für welche, die schon Fehlgeburten hinter sich haben oder vor einer IVF Behandlung stehen, eine Option sein. In diesem Sinne wünsche ich dir von Herzen alles Gute auf deinem Weg zum Wunschkind!

Hinweise

Diese Informationen zum Thema „Aspirin und Fruchtbarkeit” werden nach bestem Wissen und Gewissen weitergegeben. Sie sind ausschließlich für Interessierte und zur Fortbildung gedacht und keinesfalls als Diagnose- oder Therapieanweisungen zu verstehen. Wir übernehmen keine Haftung für Schäden irgendeiner Art, die direkt oder indirekt aus der Verwendung der Angaben entstehen. Bei Verdacht auf Erkrankungen konsultieren Sie bitte Ihre / Ihren Ärztin, Arzt, Heilpraktikerin oder Heilpraktiker.

Quellen

[1] Naimi AI, Perkins NJ, Sjaarda LA, Mumford SL, Platt RW, Silver RM, Schisterman EF. The Effect of Preconception-Initiated Low-Dose Aspirin on Human Chorionic Gonadotropin-Detected Pregnancy, Pregnancy Loss, and Live Birth : Per Protocol Analysis of a Randomized Trial. Ann Intern Med. 2021 May;174(5):595-601. doi: 10.7326/M20-0469. Epub 2021 Jan 26. PMID: 33493011.

[2] Rubinstein M, Marazzi A, Polak de Fried E. Low-dose aspirin treatment improves ovarian responsiveness, uterine and ovarian blood flow velocity, implantation, and pregnancy rates in patients undergoing in vitro fertilization: a prospective, randomized, double-blind placebo-controlled assay. Fertil Steril. 1999 May;71(5):825-9. doi: 10.1016/s0015-0282(99)00088-6. Erratum in: Fertil Steril 1999 Oct;72(4):755. PMID: 10231040.

[3] McInerney KA, Hatch EE, Wesselink AK, Rothman KJ, Mikkelsen EM, Wise LA. Preconception use of pain-relievers and time-to-pregnancy: a prospective cohort study. Hum Reprod. 2017 Jan;32(1):103-111. doi: 10.1093/humrep/dew272. Epub 2016 Nov 5. PMID: 27816920; PMCID: PMC5165076.

 

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