Primäre Ovarialinsuffizienz und schwanger werden – Geht das?

Primäre Ovarialinsuffizienz

Primäre Ovarialinsuffizienz © Natürliche Fruchtbarkeit

Kann man trotz Diagnose „Primäre Ovarialinsuffizienz“ schwanger werden? Wir zeigen an realen Fällen, wie du trotz POI ein Wunschkind bekommen kannst.

Bei einer primären Ovarialinsuffizienz (POI) sind die Eierstöcke fehlgebildet oder sie funktionieren nicht richtig. In der Folge funktioniert auch die Eizellreifung nur noch schlecht oder gar nicht mehr. Somit bleibt die Periode für längere Zeit aus, sodass die Frauen typische Symptome einer Oligomenorrhoe beobachten. Nur etwa ein viertel der Frauen mit der Diagnose Primäre Ovarialinsuffizienz haben einen Eisprung im Zyklus und nur 5% werden auf natürlichem Weg spontan schwanger. In diesem Beitrag möchten wir alle wichtigen Fakten über die primäre Ovarialinsuffizienz zusammentragen und die Ursachen, Symptomen sowie die Behandlung diskutieren. Am Ende des Beitrags werden wir einen realen Fallreport einer Frau mit primärer Ovarialinsuffizienz vorstellen, welche trotz Diagnose auf natürlichem Weg schwanger geworden ist.

Was ist eine primäre Ovarialinsuffizienz?

Generell bezeichnet eine Ovarialinsuffizienz eine Störung im Regelkreislauf zwischen Gehirn (Hypothalamus, Hirnanhang) und den Eierstöcken. Aufgrund dieser Störung können die Eierstöcke ihren Aufgaben nicht mehr nachkommen und es kommt dann meist zu sehr unregelmäßigen Zyklen. Man unterscheidet in der Fachsprache die primärere und sekundäre Ovarialinsuffizienz.

Primäre Ovarialinsuffizienz

Hier liegt eine Störung oder Fehlbildung der Eierstöcke vor, welche entweder angeboren ist oder im Laufe des Lebens entsteht. Die Hormonbildung im Gehirn von Zyklussteuernden Hormonen im Hypothalamus oder Hypophyse funktionieren jedoch sehr gut. Das Problem liegt hier also bei den Eierstöcken. Eine der bekanntesten Ausprägungen der primären Ovarialinsuffizienz sind die vorzeitigen Wechseljahre vor dem 40. Lebensjahr.

Sekundäre Ovarialinsuffizienz

Bei einer sekundären Ovarialinsuffizienz funktionieren die Eierstöcke einwandfrei. Jedoch ist die Hormonbildung im Gehirn gestört, dass heißt, es gibt hier eine Störung oder Fehlbildung im Hypothalamus oder der Hypophyse.

Wie häufig tritt primäre Ovarialinsuffizienz auf?

Die genauen Zahlen der Häufigkeit für primäre Ovarialinsuffizienz sind nicht bekannt. Jedoch wissen wir aus Studien, dass von einer primären Ovarialinsuffizienz infolge der vorzeitigen Wechseljahre etwa ein bis zwei Prozent der Frauen betroffen sind.

Was sind die häufigsten Ursachen für primäre Ovarialinsuffizienz?

Meist geht die primäre Ovarialinsuffizienz auf Fehlbildung und Störungen der Follikel im Eierstock zurück. Hierbei kommen verschiedene Ursachen in Betracht:

#1 genetische Störungen

Die primäre Ovarialinsuffizienz kann genetisch bedingt sein, die häufigsten Ursachen sind hier das Fragile X-Syndrom und das Turner-Syndrom. Ebenso kann es sein, dass man von Natur aus mit einer geringen Anzahl an Eizellen geboren wird.

#2 Autoimmunerkrankungen

Auch Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse (Thyreoiditis) sowie der Nebenniere (Morbus Addison) können eine primäre Ovarialinsuffizienz auslösen.

#3 Chemotherapie oder Strahlentherapie

Infolge von einer Krebserkrankung (Eierstockkrebs) und Krebstherapie durch z. B. Chemo- oder Strahlentherapie können die Eierstöcke versagen und infolgedessen die Periode ausbleiben.

#4 Stoffwechselstörungen

Eine Störung der Funktion der Eierstöcke kann auch durch Stoffwechselstörungen wie Diabetes, Schilddrüsenüber- und unterfunktion, PCOS u.a. ausgelöst werden.

#5 Toxine

Toxine wie Zigarettenrauch, Chemikalien und Pestizide können die Funktion der Eierstöcke stören.

#6 Geringe Anzahl an Follikeln

Normalerweise hat eine Frau zur Pubertät etwa 400.000 bis 600.000 Eizellen. Ab diesem Zeitpunkt verliert die Frau etwa 1000 Eizellen pro Monat. Doch was ist, wenn von vornherein durch genetische Fehlbildungen oder Krankheiten weniger Eizellen zur Verfügung stehen? Richtig, dann gibt es schon früher als normalerweise zu wenig Follikel und Eizellen. In der Folge können vorzeitig die Wechseljahre (d.h. die Menopause erfolgt vor dem 40. Lebensjahr) eintreten.

Primäre Ovarialinsuffizienz – was sind die häufigsten Symptome?

Bei fast allen Frauen mit primärer Ovarialinsuffizienz treten außerhalb der Schwangerschaft immer Zyklusunregelmäßigkeiten bis zum Ausbleiben der Periodenblutung (Amenorrhoe) auf. Weitere häufige Symptome für eine primäre Ovarialinsuffizienz sind Müdigkeit, Erschöpfung, Stimmungsschwankungen, Scheidentrockenheit, Fehlen des Sexualverlangens und Unfruchtbarkeit.

Wie wird primäre Ovarialinsuffizienz diagnostiziert?

Natürlich läuft die Diagnostik einer primären Ovarialinsuffizienz (POI) nicht immer gleich ab. Jedoch werden bestimmte Untersuchungen sehr häufig gemacht, um die Ursachen der primären Ovarialinsuffizienz herauszufinden. Ebenso kommen ja fast alle Patientinnen mit dem Symptom des Ausbleibens der Periode in die ärztliche Praxis, was ein erster Hinweis auf eine POI ist.

Vorgespräch

Im Vorgespräch nimmt sich die Ärztin oder der Arzt Zeit, die Risikofaktoren für eine primäre Ovarialinsuffizienz herauszufinden. Hierbei wird beispielsweise nach genetischen Faktoren in der Familiengeschichte geschaut, da POI häufiger auftritt, wenn deine Mutter, Schwester, Tante oder Oma es auch hatten etc.

Schwangerschaftstest

Mit einem Bluttest oder einer Ultraschalluntersuchung wird abgeklärt, ob eine Schwangerschaft vorliegt. Hierbei wird das hCG Level gemessen, dass in der Regel in der Schwangerschaft erhöht ist. Ein Ausbleiben der Periode, obwohl der SS Test negativ ist, ist das erste klare Anzeichen für eine primäre Ovarialinsuffizienz.

Körperliche Untersuchungen

Häufig kann man auch bei einfachen körperlichen Untersuchungen schon die Ursachen eingrenzen. Beispielsweise haben Frauen mit einer Schilddrüsenerkrankung häufiger eine vergrößerte Schilddrüse etc.

Bluttest der Hormone und Genetik

Genetische Störungen wie das Turner-Syndrom zeigen sich im Blut, daher können hier spezielle Gen-Bluttests durchgeführt werden. Bei allen Frauen, die eine primäre Ovarialinsuffizienz haben, gibt es meist Probleme bei den Hormonspiegel FSH, AMH etc. Die wichtigsten Hormone zur Steuerung des weiblichen Zyklus wie (FSH, LH, Östrogen und Progesteron) werden im Hormon-Bluttests im Rahmen eines Zyklusmonitoring aufgenommen. Ein niedriger AMH zeigt beispielsweise, dass die Eizellreserve gering ist. Bei einem zu hohem FSH funktioniert meist die Follikelreifung nicht mehr so gut.

Ultraschalluntersuchungen der Eierstöcke und des Beckens

Fehlgebildete oder vergrößerte bzw. verkleinerte Eierstöcke, Zysten in den Eierstöcke etc. kann man per Ultraschall feststellen. Somit sind spezielle Ultraschalluntersuchungen bei der Diagnostik entscheidend.

Bedeutung der Zyklusdiagnostik bei primärer Ovarialinsuffizienz

Sehr wenige ÄrztInnen und Kinderwunsch Coaches in Deutschland nutzen die Optionen der Zyklusdiagnostik. Hierbei wird die Basaltemperatur und der Zervixschleim im Zyklus beobachtet und in einer App oder in einem Zyklusblatt dokumentiert.

Zervixschleim und Basaltemperatur sind Hormonmarker

Der Zervixschleim ist ein Marker für das Östrogen und die Basaltemperatur für das Progesteron. Somit zeigt die Basaltemperaturkurve indirekt den Verlauf des Progesteronspiegels und der Verlauf des Zervixschleimes des Östrogenspiegels an. Auf diese Weise werden hormonelle Störungen usw. leichter feststellbar.

Eisprung sicher eingrenzen

Anhand der Beobachtung von Schleim und Basaltemperatur kann man den Eisprung zu 91% sicher bis auf vier Tage eingrenzen. Nun wissen wir, dass Frauen mit einer POI häufiger keine Eisprünge haben. Dies kann man somit schneller und einfacher als mit Ultraschalluntersuchungen feststellen.

Krankheiten an der Zykluskurve erkennen

Anhand von einer Zyklusdatenbank mit über 40.000 Zyklen von ca. 2000 Frauen haben WissenschaftlerInnen genau analysiert, wie gesunde, fertile Zyklen aussehen. Anders herum wissen wir genau, wie Zyklen unter einer Ovarialinsuffizienz aussehen. Hierbei wird z. B. häufiger eine verlängerte Eireifungsphase in Kombination mit einer verkürzten Gelbkörperphase beobachtet. Diese Informationen können bei einer möglichen hormonellen Behandlung der POI entscheidend sein.

Wie kann ich die Zyklusdiagnostik mit NFP erlernen?

Wann bin fruchtbar eBook

Falls du auch die Zyklusdiagnostik erlernen möchtest, empfehlen wir dir unser eBook „WANN BIN ICH FRUCHTBAR?“. Dort findest du ein ausführliches Kapitel zur Zyklusdiagnostik mit 5 zentralen Fragen, die dir helfen, die Ursachen für deinen unerfüllten Kinderwunsch einzugrenzen. Ebenso enthält das Buch eine Schritt für Schritt Anleitung in die Bestimmung der fruchtbaren Tage und des Eisprungs mit der NFP Methode. Zur Motivation sind auch noch 15 Erfolgsgeschichten von Frauen enthalten, die mit NFP trotz Endometriose, PCOS, Schilddrüsenunterfunktion, Gelbkörperschwäche, Zykluschaos nach Pille u.a. schwanger geworden sind.

Wie wird die primäre Ovarialinsuffizienz behandelt?

Natürlich gibt es keine einheitliche Behandlung für die primäre Ovarialinsuffizienz, da die Behandlung ja individuell von den Ursachen abhängt. Jedoch werden bestimmte Therapien häufiger durchgeführt, um Patientinnen mit POI Diagnose zu helfen.

Hormon-Ersatz-Therapie

Die primäre Ovarialinsuffizienz passiert häufig in Kombination mit hormonellen Störungen. Diese versucht man z. B. bei den vorzeitigen Wechseljahren mit einer Hormonersatztherapie zu behandeln. Diese Therapie soll das Risiko für Osteoporose und Herz-Erkrankungen minimieren. Alternativ dazu kann man auch eine natürliche Hormontherapie bei einer Heilpraktikerin versuchen.

Calcium und Vitamin D Supplementierung

Häufig geht die POI mit einem erhöhten Risiko der Osteoporose einher, was durch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln wie Calcium und Vitamin D minimiert werden kann.

Künstliche Befruchtung (IVF)

Wir haben schon darüber gesprochen, dass nur etwa 5% der Frauen mit POI auf natürlichem Weg schwanger werden. Also ist es logisch, dass man bei einem vorhandenen Kinderwunsch auf IVF und anderen Methoden der Reproduktionsmedizin zurückgreift.

Sportliche Aktivität und Gewicht

Bei Stoffwechselerkrankungen wie PCOS, Diabetes u.a. ist es sinnvoll, sportliche Aktivitäten wie Fruchtbarkeitsyoga sowie eine spezielle Ernährung zu wählen, die das Gewicht und die Gesundheit der betroffenen Frauen begünstigt.

Medikamente für Begleiterkrankungen

Bei Erkrankungen wie Diabetes der Nebenniere oder Schilddrüse müssen meist weitere spezielle Medikamente genommen werden, um die Symptome der Begleiterkrankungen der POI zu minimieren.

Schwanger trotz primäre Ovarialinsuffizienz – reale Erfahrungsberichte

Zum Schluss möchte ich mit dir noch einen Fallbericht aus einem medizinischen Journal teilen, welches zeigt, dass auch eine natürliche Schwangerschaft infolge einer POI Erkrankung möglich ist.

Natürlich Schwanger trotz primärer Ovarialinsuffizienz infolge vorzeitiger Wechseljahre

Eine 27-jährige Frau sucht im Jahr 2018 eine Klinik wegen Anzeichen einer Oligomenorrhoe auf. Ebenso spürte sie häufiger Schmerzen im Zyklus. Im Vorgespräch stellte sich heraus, dass sie mit 16 Jahren erst ihre erste Periode gehabt hat. Andere Tests auf Vorerkrankungen oder körperliche Fehlbildungen der Eierstöcke waren negativ.

Hormonuntersuchungen zeigen vorzeitige Wechseljahre

Natürlich wurden sofort Blutuntersuchungen der Hormone im Zyklus durchgeführt. Hierbei zeigte sich ein stark erhöhter FSH Wert (102,2 mIU pro ml) bei Normwerten von 3 bis 8 mIU pro ml. Der Östrogen-Spiegel war dagegen sehr klein und lag nur bei 10 pg pro ml (Normwerte bei 21 bis 251 pg pro ml). Weiterhin konnte ein erhöhter Spiegel des LH (45,9 mIU pro ml) bei Normwerten von 1,8 bis 11,78 mIU pro ml festgestellt werden. Nach Hormon-Ersatz-Therapie wurde die Frau spontan nach sechs Monaten natürlich schwanger und hatte auch eine natürlich Geburt in der 39. Woche. Die ÄrztInnen konnten dieses Wunder kaum glauben, da die Frau nur einen AMH Wert von 0,01 ng pro ml hatte, was mit 27 Jahren schon extrem wenig ist.

Fazit

Natürlich kann man auch trotz Diagnose primäre Ovarialinsuffizienz schwanger werden. Jedoch haben viele betroffene Frauen keinen natürlichen Eisprung und selten eine Menstruationsblutung. Doch durch eine Hormontherapie in Kombination mit Ernährung sowie speziellen Medikamenten kann den meisten Frauen trotzdem beim Schwangerwerden geholfen werden.

Zyklusdiagnostik ist bei POI sehr wichtig

Soll es natürlich klappen, so ist eine Zyklusdiagnostik sehr wichtig, um die Stärke und Ausprägung der POI festzustellen. Leider werden fast alle natürliche Therapie-Methoden aus unserer Sicht zu selten praktiziert. Beispielsweise sind Alternativen wie die natürliche Hormontherapie etc. in der Bevölkerung weitgehend unbekannt. Somit verwundert es uns nicht, dass so viele Frauen mit POI nicht auf natürlichem Weg und nur mit Hilfe der Reproduktionsmedizin schwanger werden.

Bitte gehe zum Arzt, wenn die Periode häufiger ausbleibt

Es ist sehr wichtig, bei häufigem Ausbleiben der Periode frühzeitig die Ursachen in einer gynäkologischen Praxis abzuklären, denn die Wechseljahre können beispielsweise auch schon früher eintreten. Hier ist es sehr wichtig, dass schnell gehandelt wird, wenn ein Kinderwunsch besteht. In diesem Sinne wünsche ich dir von Herzen alles Gute auf deinem Weg zum Wunschkind!

Quellen

[1] Bidet M, Bachelot A, Bissauge E, Golmard JL, Gricourt S, Dulon J, Coussieu C, Badachi Y, Touraine P. Resumption of ovarian function and pregnancies in 358 patients with premature ovarian failure. J Clin Endocrinol Metab. 2011 Dec;96(12):3864-72. doi: 10.1210/jc.2011-1038. Epub 2011 Oct 12. PMID: 21994953.

[2] Rebar RW. Premature ovarian failure. Obstet Gynecol. 2009 Jun;113(6):1355-1363. doi: 10.1097/AOG.0b013e3181a66843. PMID: 19461434.

[3] Calik-Ksepka A, Grymowicz M, Bronkiewicz W, et al. Spontaneous pregnancy in a patient with premature ovarian insufficiency – case report. Prz Menopauzalny. 2018;17(3):139-140. doi:10.5114/pm.2018.78560

[4] Piedade KC, Spencer H, Persani L, Nelson LM. Optimizing Fertility in Primary Ovarian Insufficiency: Case Report and Literature Review. Front Genet. 2021 Jun 23;12:676262. doi: 10.3389/fgene.2021.676262. PMID: 34249096; PMCID: PMC8261244.

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