Sind Rückenschmerzen ein Schwangerschaftsanzeichen?

Rückenschmerzen ein Schwangerschaftsanzeichen

Rückenschmerzen ein Schwangerschaftsanzeichen © Natürliche Fruchtbarkeit

Sind Rückenschmerzen ein Schwangerschaftsanzeichen? Wir zeigen anhand von Studien und realen Erfahrungen, wie du eine Schwangerschaft erkennen kannst.

Sehr viele Frauen in Deutschland haben einen großen Kinderwunsch. Natürlich möchte man so früh wie möglich erfahren, ob es geklappt hat oder nicht. Neben der Morgenübelkeit und dem Ausbleiben der Menstruation gibt es in Foren heiße Diskussionen darüber, ob Rückenschmerzen zu den Schwangerschaftsanzeichen gehören? In diesem Beitrag zeigen wir die Ursachen von Rückenschmerzen in der Schwangerschaft auf und zeigen anhand von Studien und realen Erfahrungsberichten auf, ob sie ein Schwangerschaftsanzeichen sein können. Über dies möchten wir dir demonstrieren, wie du ohne Schwangerschaftstest eine Schwangerschaft zu 99 % sicher feststellen kannst. 

Wie kann es zu Rückenschmerzen in der Schwangerschaft kommen?

Die Wirbelsäule besteht aus 33 einzelnen Knochen, den sogenannten Wirbeln, die durch Bandscheiben getrennt sind und als Stoßdämpfer dienen. Die Wirbel werden durch verschiedene Muskeln und Bänder zusammengehalten, die für Flexibilität und Halt sorgen. Während der Schwangerschaft kommt es zu mehreren Veränderungen, die den Rücken belasten können:

Lockerung der Bänder durch hormonelle Veränderungen

Hormonelle Veränderungen während der Schwangerschaft können dazu führen, dass die Bänder, die die Wirbelsäule stützen, lockerer und schlaffer werden. Dies ermöglicht eine größere Beweglichkeit des Beckens, kann aber auch Instabilität und Schmerzen verursachen.

Zusätzliches Gewicht in der Wirbelsäule

Mit fortschreitender Schwangerschaft übt das zusätzliche Gewicht im Bauchbereich mehr Druck auf Wirbelsäule und Becken aus. Die Verlagerung des Schwerpunkts verleitet schwangere Frauen dazu, dies durch einen gekrümmten Rücken auszugleichen. Zusammengenommen führen diese Faktoren zu einer erheblichen körperlichen Belastung der Rückenmuskeln, Bänder und der Wirbelsäule.  

Haltungsveränderungen in der Schwangerschaft tragen zu Rückenschmerzen bei

Ein weiterer wichtiger Faktor sind Haltungsänderungen. Schwangere Frauen neigen dazu, mit einer schwankenden Rückenhaltung zu stehen, um ihren wachsenden Bauch auszugleichen. Die natürlichen Krümmungen der Wirbelsäule nehmen dadurch zu. Viele Frauen berichten auch, dass ihre Schultern runder werden und sie mit fortschreitender Schwangerschaft eine eher zusammengesunkene Sitzhaltung einnehmen. Diese ungünstigen Haltungsgewohnheiten führen zu einer Schwächung der Rückenmuskulatur und machen sie anfällig für Zerrungen und Krämpfe. Außerdem trägt diese schlechtere Sitzhaltung zu einer ungünstigen Kindslage bei, was wiederum negative Auswirkungen auf die Geburt haben kann.

Sind Rückenschmerzen ein Schwangerschaftsanzeichen?

Es gibt zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen, die sich mit der Frage beschäftigen, ob Rückenschmerzen ein typisches Schwangerschaftsanzeichen sind. Hierbei gibt es drei wesentliche Ergebnisse, die jede Frau kennen sollte.

70 % der Frauen haben Rückenschmerzen innerhalb der Schwangerschaft

Die erste Erkenntnis ist, dass laut wissenschaftlichen Untersuchungen etwa 70 % der Frauen innerhalb der Schwangerschaft über Rückenschmerzen leiden. Somit sind Rückenschmerzen schon ein häufiges Symptom, was tatsächlich bei vielen Frauen in der Schwangerschaft auftritt.

Nur knapp 30 % der Schwangerschaftsschmerzen im ersten Trimester

Nun sind wir uns einig, dass Rückenschmerzen nur als Schwangerschaftsanzeichen relevant sind, wenn sie im ersten Trimester der Schwangerschaft auftreten. Ansonsten ist jede Frau clever genug, einen Schwangerschaftstest zu machen oder auf weitere Schwangerschaftsanzeichen zu achten. Nach Erkenntnissen einer Meta-Studie mit über 12000 schwangeren Frauen treten Rückenschmerzen in der Frühschwangerschaft nur in 28,3 % der Fälle auf. Somit sind Rückenschmerzen ein Schwangerschaftsanzeichen, was leider nur etwa ein Drittel der Frauen nutzen kann. 

Rückenschmerzen nehmen im Laufe der Schwangerschaft zu

In der gleichen Meta-Studie wurde festgestellt, dass die Rückenschmerzen im Verlauf der Schwangerschaft zunehmen. Im zweiten Trimester konnten rund 36,8 % und im dritten sogar 47,8 % der schwangeren Frauen Schmerzen im Rücken wahrnehmen. Der Grund dafür ist, dass sich der Körper an die zunehmende Belastung durch das wachsende Baby anpassen muss. Insbesondere die Wirbelsäule und die Muskulatur im Rückenbereich sind davon betroffen. Wenn das Baby größer wird, verschiebt sich der Schwerpunkt nach vorne. Um das Gleichgewicht zu halten, muss die Haltung angepasst werden. Das kann zu Verspannungen und Schmerzen im unteren Rücken führen. Auch die sich dehnende Gebärmutter übt Druck auf Nerven und Muskeln der Lendenwirbelsäule aus.

Schwangerschaft ohne Schwangerschaftstest feststellen

Wir haben also nun schon festgestellt, dass Rückenschmerzen zu den Schwangerschaftsanzeichen gehören. Jedoch können nicht alle Frauen davon profitieren. Mal angenommen, du bist gerade im Dschungel auf einer tropischen Insel und hast keinen Zugang zu einer ärztlichen Praxis oder einer Apotheke, in diesem Fall willst du trotzdem wissen, ob du schwanger bist. Wir geben dir eine Kurzanleitung, wie du auch ohne Schwangerschaftstest eine Schwangerschaft feststellen kannst.

#1 Messe deine Basaltemperatur

Die Messung der Basaltemperatur ist der erste wichtige Schritt, um eine Schwangerschaft ohne SS-Test zu bestimmen. Hierzu braucht man ein geeignetes NFP Thermometer, das drei Minuten bis auf 0,05 °C genau messen kann. Gemessen wird morgens direkt nach dem Aufwachen und vor dem Aufstehen im Mund, in der Vagina oder im Po. Der Messort muss innerhalb eines Zyklus beibehalten werden. 

#2 Dokumentiere deinen Zervixschleim

Als zweites ist es wichtig den Zervixschleim zu dokumentieren. Hierzu beobachtet man seinen Schleim am Vaginaeingang beim Toilettengang, je nachdem, was man gefühlt und gesehen hat. Beispielsweise steht ein „nass gefühlt und spinnbar gesehen“ für die Schleimqualität S+.

#3 Bestimme deinen Eisprung und habe Sex

Wann Eisprung Banner

Sowohl die Temperatur als auch die Schleimqualität werden Tag für Tag in ein Zyklusblatt oder eine App eingetragen. Aus der resultierenden Temperaturkurve und dem Schleimverlauf kann man anhand der NFP Regeln den Eisprung zu 91 % sicher bis auf vier Tage genau eingrenzen. 

#4 Stelle deine Schwangerschaft an der Temperaturkurve fest

Temperatur als SS-Anzeichen

Temperatur als SS-Anzeichen © Natürliche Fruchtbarkeit

Kurz nach dem Eisprung steigt die Temperatur meist an und bleibt im Regelfall ohne Schwangerschaft etwa 10 bis 16 Tage erhöht, bevor die Menstruation erneut einsetzt und die Temperatur abfällt. Nun beginnt ein neuer Zyklus. Im Falle einer Schwangerschaft bleibt die Temperatur mindestens 18 Tage, meist im ganzen ersten Trimester oder bis zum Ende der Schwangerschaft erhöht und die Periode bleibt aus. Somit kannst du an dem Verlauf der Temperaturkurve in Kombination mit dem Ausbleiben der Menstruation eine Schwangerschaft zu 99,9 % sicher feststellen. Manchmal ergibt sich sogar noch ein weiterer Temperaturanstieg in der Hochlage der Basaltemperaturkurve, was man triphasische Kurve nennt und als Schwangerschaftsanzeichen gilt. 

#5 Achte auf weitere Schwangerschaftsanzeichen und geh zum Arzt

Hast du wirklich eine Temperaturkurve, die auch 18 Tage nach dem Eisprung immer noch erhöht ist und deine Menstruation ist bisher ausgeblieben, dann geh in eine gynäkologische Praxis und lass deine Schwangerschaft feststellen. Ein Arzt oder eine Ärztin kann per Bluttests oder Ultraschall deine Schwangerschaft bestätigen. Natürlich kannst du auch einen Schwangerschaftstest machen und auf weitere Schwangerschaftssymptome wie Rückenschmerzen, Morgenübelkeit oder einen positiven SS-Test achten.

Wie kann ich NFP erlernen?

Für den Fall, dass du auch deinen Eisprung sowie eine Schwangerschaft an der Temperaturkurve erkennen möchtest, empfehle ich dir mein Buch „WANN BIN ICH FRUCHTBAR?”. Dort bekommst du eine Schritt-für-Schritt-Anleitung in die NFP Methode mit Übungszyklen und Lösungen. Ebenso findest du im Buch fünfzehn Erfahrungsberichte von Frauen, die mit NFP trotz schwieriger Lage wie PCOS, Endometriose, Autoimmunerkrankung, schlechtem Spermiogramm des Partners u.v.m. schwanger geworden sind. 

Rückenschmerzen als Schwangerschaftsanzeichen – Erfahrungen? 

An dieser Stelle möchte ich mit dir einen wichtigen Erfahrungsbericht von einer Klientin teilen, die anonym bleiben will. Ich nenne sie daher für diesen Zyklus mal Maria, obwohl sie natürlich nicht so heißt. 

Rückenschmerzen als Schwangerschaftsanzeichen - Erfahrungen

Rückenschmerzen als Schwangerschaftsanzeichen – Erfahrungen © Natürliche Fruchtbarkeit

Schwangerschaftsschmerzen bei Eileiterschwangerschaft

Der Zyklus von Maria beginnt am 25. Dezember 2021 mit der Periode, die mit 8 Tagen relativ lange andauert. Die Frau wurde während der Periode gegen das Corona-Virus geimpft. Maria kann am 19. Januar 2022 einen Temperaturanstieg beobachten. Ihren Eisprung hat sie zwischen 17. und 20. Januar 2022 gehabt. 

Unterleibsschmerzen im ersten Trimester

Es ist ganz wichtig, wo die Schmerzen auftreten. Maria hat deutlich Schmerzen im Unterleib gehabt. Meist war es ein Stechen im Unterbauch. Natürlich waren auch mal Rückenschmerzen dabei, aber es waren überwiegend Schmerzen im Unterbauch. 

Positiver SS-Test am 29. Januar 2022

Maria hat natürlich einen SS-Test gemacht, weil ihre Basaltemperatur schon sehr lang oben war und Unterleib- oder Rückenschmerzen ein Schwangerschaftsanzeichen sein können. Der SS-Test war am 29. Januar positiv, weitere Untersuchungen zeigten leider eine Eileiterschwangerschaft außerhalb der Gebärmutter an, welche anschließend operativ entfernt wurde. Aus diesem Grund ist es wichtig, bei einem positiven SS-Test zum Arzt zu gehen, um die Schwangerschaft innerhalb der Gebärmutter feststellen zu lassen.

Wie fühlen sich Rückenschmerzen in der Schwangerschaft an?

Rückenschmerzen können sich in verschiedenen Bereichen des Rückens bemerkbar machen. Die Schmerzen können im unteren, mittleren oder oberen Rückenbereich auftreten. Hierbei kann die Schmerzintensität von leicht bis stark ausfallen. Die meisten Schmerzen treten bei Schwangeren im unteren Rückenbereich auf und können in die Beine ausstrahlen. Die Schmerzen können dauerhaft bestehen oder auch nur phasenweise in Erscheinung treten. Manchmal treten sie nur nachts auf oder bei bestimmten Bewegungen.

Wann treten Rückenschmerzen in der Schwangerschaft häufiger auf?

Einige Frauen haben ein höheres Risiko, während der Schwangerschaft Rückenschmerzen zu bekommen als andere. Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören:

Rückenprobleme in der Vergangenheit

Frauen, die in der Vergangenheit bereits Rückenschmerzen oder Verletzungen hatten, sind anfälliger für Rückenschmerzen während der Schwangerschaft. Das zusätzliche Gewicht und die Belastung des Rückens durch das wachsende Baby können bereits bestehende Rückenbeschwerden verschlimmern.

Mehrlingsgeburten

Wenn du mit mehr als einem Kind schwanger bist, dehnt sich die Gebärmutter schneller aus. Dadurch werden die Muskeln und Bänder des Rückens zusätzlich belastet. Das zusätzliche Gewicht trägt ebenfalls zu Rückenschmerzen bei.

Älteres Alter der Mutter

Studien zeigen, dass schwangere Frauen über 35 Jahren ein höheres Risiko für Rückenschmerzen haben. Ältere Muskeln und Bindegewebe sind möglicherweise weniger flexibel und weniger in der Lage, das zusätzliche Gewicht zu tragen. Auch der natürliche Alterungsprozess trägt zu einem verminderten Muskeltonus und zur Degeneration der Bandscheiben bei.

Frauen mit diesen Risikofaktoren können zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen ergreifen und ihre Rückenschmerzen während der Schwangerschaft proaktiv behandeln. Der Besuch bei einem Chiropraktiker oder Physiotherapeuten, die richtige Haltung und Körpermechanik, Sport und Massagen können zur Linderung der Symptome beitragen. Wenn du deinen Arzt oder deiner Ärztin frühzeitig über deine Rückenschmerzen informierst, kannst du auch einen Behandlungsplan aufstellen.

Wie kann man Rückenschmerzen in der Schwangerschaft lindern?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um Rückenschmerzen während der Schwangerschaft zu lindern und zu behandeln:

Wärme- vs. Kältetherapie

Sowohl Wärme- als auch Kältetherapie können helfen, Muskelverspannungen zu lösen und Schmerzen zu reduzieren. Viele schwangere Frauen bevorzugen Wärme, z. B. durch warme Umschläge oder ein warmes Bad. Kältetherapie mit Eispackungen ist auch möglich, sollte aber nicht zu lange auf der Haut verbleiben.

Sanfte Dehnübungen und leichte Bewegung

Dehnübungen, leichter Ausdauersport wie Schwimmen oder Radfahren und Spaziergänge halten die Muskeln flexibel und können Verspannungen lösen. Yoga für Schwangere mit angepassten Positionen ist ebenfalls sehr empfehlenswert. Dabei sollte man aber immer auf seinen Körper hören und darauf achten, mit ihm gut umzugehen.

Massage

Vorsichtige Massagen im Rücken-, Schulter- und Beckenbereich durch den Partner oder Physiotherapeuten können die Durchblutung anregen und Verspannungen lösen. Die Massage sollte sanft sein und keine starken Druckpunkte beinhalten.

Richtige Haltung und Stütze

Eine gute Körperhaltung ist wichtig, um Rückenproblemen vorzubeugen. Geradestehen, nicht hohlkreuzig sitzen, Becken kippen bei längerem Stehen. Stützmieder, spezielle Stillkissen oder kleine Kissen im Rücken beim Sitzen können zusätzlich entlasten.

Eine Kombination aus diesen Maßnahmen hilft meist am besten, um Rückenschmerzen zu lindern und der schwangeren Frau Linderung zu verschaffen. Bei stärkeren oder andauernden Beschwerden sollte man allerdings einen Arzt aufsuchen.

Wann du einen Arzt aufsuchen sollten

Zwar sind gewisse Rückenschmerzen und Beschwerden während der Schwangerschaft normal, doch solltest du bei starken oder lähmenden Rückenschmerzen sofort deinen Arzt aufsuchen. Dies ist vor allem dann wichtig, wenn die Schmerzen dich bei der Ausübung deiner normalen täglichen Aktivitäten behindern. Ebenso ist es ratsam, einen Arzt oder eine Ärztin zu kontaktieren, wenn neben den Rückenschmerzen noch Fieber, Schüttelfrost, Verlust der Kontrolle von Darm- oder Blase, Unterleibsschmerzen, Blutungen aus der Vagina sowie eine unkontrollierte Gewichtsabnahme auftreten. 

Fazit

Natürlich können Rückenschmerzen ein Schwangerschaftsanzeichen sein, welches etwa ein Drittel der Frauen im ersten Trimester der Schwangerschaft bemerkt. Somit können es nicht alle Frauen eindeutig als Schwangerschaftsanzeichen verwenden, daher ist es besser, eine Schwangerschaft mit einem Schwangerschaftstest oder anhand der Temperaturkurve zu erkennen. Ebenso ist es sinnvoll, auf weitere Schwangerschaftsanzeichen wie das Brustspannen, die Morgenübelkeit etc. zu achten. 

Doch egal, ob für dich persönlich Rückenschmerzen ein Schwangerschaftsanzeichen sind oder nicht, ich wünsche dir von Herzen alles Gute auf deinem Weg zum Wunschkind. 🍀🌞💕

Quellen

Salari N, Mohammadi A, Hemmati M, Hasheminezhad R, Kani S, Shohaimi S, Mohammadi M. The global prevalence of low back pain in pregnancy: a comprehensive systematic review and meta-analysis. BMC Pregnancy Childbirth. 2023 Dec 2;23(1):830. doi: 10.1186/s12884-023-06151-x. PMID: 38042815; PMCID: PMC10693090.

Citko A, Górski S, Marcinowicz L, Górska A. Sedentary Lifestyle and Nonspecific Low Back Pain in Medical Personnel in North-East Poland. Biomed Res Int. 2018 Sep 9;2018:1965807. doi: 10.1155/2018/1965807. PMID: 30271778; PMCID: PMC6151221.

 

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