Let’s talk about NFP – Teil 2

NFP, Ärzte

Verhütest du auch mit NFP und hast darüber mal mit einem Arzt gesprochen? Dann weißt du, welche „lustigen“ Diskussionen dabei entstehen können. Meine Erfahrungen mit Ärzten und NFP.

65-jähriger Gynäkologe kennt nur hormonelle Verhütung

Als ich etwa 22 Jahre alt war, wollte ich aufhören mit der Pille zu verhüten, da ich keine künstlichen Hormone mehr täglich einnehmen wollte. Ich ging also zu meinem fast-pensionierten Gynäkologen und fragte ihn um Rat: „Womit kann ich denn noch sicher verhüten, außer mit Hormonen?“ Er schaute mich an, als wenn ihn diese Frage noch niemand zuvor gestellt hätte. Natürlich viel ihm die Natürliche Familienplanung (NFP) nicht ein. Ist ja klar – wieso sollte sich auch ein Gynäkologe mit verschiedenen Verhütungsmethoden auskennen?

30-jährige Gynäkologin lebt noch in den 80er Jahren

Nachdem mein Gynäkologe in den Ruhestand gegangen ist, übernahm eine junge dynamische Ärztin seine Praxis. Mittlerweile habe ich mit PERSONA begonnen zu verhüten, jedoch konnte dieses tolle Gerät meinen Eisprung nicht finden. Um sicherzustellen, dass ich überhaupt einen Eisprung habe, empfahl mir meine nette neue Frauenärztin Temperatur zu messen. Sie gab mir dazu die allerneuesten Zyklusblätter, die sie in ihrem Medizinerschrank finden konnte – vermutlich welche aus den 80er Jahren, die ihr Vorgänger vergessen hat zu entsorgen…

Ein halbes Jahr später war ich wieder zur Vorsorgeuntersuchung bei ihr. Mittlerweile hatte ich meinen PERSONA-Verhütungscomputer verkauft und bin die symptothermale Methode umgestiegen. Ich erzählte ihr davon, zeige ihr meine bisherigen Zyklen und das Buch „Natürlich und sicher“, in dem alles wichtige zur symptothermalen Methode drin steht. Ich fragte sie, ob sie das Buch kenne. Sie verdrehte die Augen, schüttelte den Kopf und sagte: „Ja, ja das kenne ich und ich hoffe Sie wissen, dass das aus medizinischer Sicht überhaupt nicht sicher ist!“ Nun wird mir plötzlich alles klar – erst die Zyklusblätter aus den 80ern und jetzt auch noch das. Diese Frau ist eindeutig mit einer Zeitmaschine aus den 80er Jahren in das Jahr 2009 gereist, ansonsten würde sie ja wissen, dass es bereits seit 2007 eine medizinische(!) Studie gibt, die die sehr hohe Sicherheit der symptothermalen Methode nachgewiesen hat.

Hauptstadt-Gynäkologin interessiert NFP nicht

Von November 2009 bis Januar 2012 habe ich mit der symptothermalen Methode verhütet und dann mit meinem Partner entschieden ein Kind zu bekommen. Durch meine Zyklusaufzeichnungen wussten wir ja relativ genau, wann mein Eisprung war und ob ich schwanger geworden bin. Ich ging dann wieder zu einer neuen Gynäkologin. Diesmal eine in Berlin, die mir empfohlen wurde, da sie NFP akzeptiert! Ich nahm also extra einen viel längeren Anfahrtsweg auf mich, nur um zu einer Gynäkologin zu gehen, die die symptothermale Methode kennt und akzeptiert. Ich freute mich riesig darauf, einer Frauenärztin, die die symptothermale Methode kennt, meine Zykluskurven zu zeigen – vor allem meinen Schwangerschaftszyklus. Ich sagte ihr, dass ich schwanger bin und ich ihr das auch in meiner Zykluskurve zeigen kann. Und sie sagte: „Nein, das brauchen Sie mir nicht zeigen, wir schauen es uns ja eh gleich im Ultraschall an, ob Sie wirklich schwanger sind.“ 😮

Aufgeklärter Zahnarzt im Döner-Imbiss

Als ich 2011 gemeinsam mit meinem Partner in Köln zur Ausbildung zum/zur NFP BeraterIn war, gingen wir abends nichtsahnend in einen Döner-Imbiss. Dort lernten wir einen netten Zahnarzt im mittleren Alter kennen, mit dem wir ins Gespräch kamen. Wir erzählten ihm, dass wir zur NFP Berater-Ausbildung in Köln sind. Auf einmal passierte etwas Unglaubliches. Er sagte: „Ach, das ist doch die Verhütungsmethode mit Temperatur und Zervixschleim, oder?“ Wir waren so fassungslos, dass und beinahe der Döner aus der Hand fiel. Es war das erste Mal, dass wir einen Arzt kennenlernten, der die symptothermale Methode kennt. Ich habe mir schon gedacht, dass es irgendwann passieren wird, aber doch nicht mit einem Zahnarzt?! ;o Aber besser als gar keiner.

Erfahrener Allgemeinmediziner hält NFP für eine Religion

In Berlin musste ich mir vor kurzem einen neuen Hausarzt suchen. Im Anmeldungszettel sollte ich unter anderem angeben, was ich beruflich mache. Unter anderem schrieb ich Beraterin für Natürliche Familienplanung (NFP) in die dafür vorgesehene Zeile. Im Sprechzimmer las er es sich durch und fragte promt: „Was ist denn Beraterin für Natürliche Familienplanung?“ Ich hatte zufällig einen Zyklus von mir dabei und zeigte ihm diesen. „Hier – so sieht das aus. Ich berate Frauen und Paare, die mit dieser Methode verhüten wollen oder ein Kind bekommen möchten. NFP funktioniert mit Temperatur und Zervixschleimbeobachtung.“ – „Ahh, ich verstehe. Das ist doch diese Methode, die die Katholiken für sich entwickelt haben, um mit ihrem Glauben besser zurecht zu kommen!“ Ich wusste nicht so recht, was ich dazu noch sagen sollte. Immerhin hatte er schon mal von der Methode gehört.

Sympathische Gynäkologin im Berliner Kiez verpasste wichtige Fortbildung

Nach meiner Schwangerschaft musste ich zwangsläufig wieder zum Gynäkologen – zur Nachsorge-Untersuchung. Diese Gelegenheit ergriff ich, um mir diesmal eine Gynäkologin in meiner unmittelbaren Nähe zu suchen. Ich wusste, dass nach der Schwangerschaft die Frage der Verhütung wieder aufkommen wird und sie mich in jedem Fall dazu befragen wird. Also packte ich vorsorglich mein „Natürlich und sicher“-Buch ein. Natürlich fragte sie mich gleich zu Beginn: „Wie möchten Sie denn in Zukunft verhüten? Und Stillen ist übrigens keine sichere Verhütung. Ich habe viele Patientinnen, die sich auf das Stillen verlassen haben und direkt nach der Geburt wieder schwanger wurden.“ Ich erkläre ihr, dass es dafür die LAM-Regeln in der Stillzeit gibt, die einem eine 98%ige Sicherheit geben, nicht schwanger zu werden. Wenn man die LAM-Regeln nicht kennt und dementsprechend nicht einhält, ist klar, dass so viele beim Stillen schwanger werden. Sie sieht mich staunend an, während ich ihr die LAM-Regeln im „Natürlich und sicher“-Buch vorlese. Wenn ich die Regeln für LAM nicht mehr erfülle, möchte ich wieder NFP zur Verhütung verwenden. Sie sagt dazu: „Aber die natürlichen Methoden wie PERSONA usw. funktionieren in der Stillzeit nicht.“ Ich sage ihr: „Also PERSONA ist allgemein viel zu unsicher mit nur 94% Sicherheit in einer obendrein noch geschönten Studie und geht natürlich nicht in der Stillzeit, aber NFP schon.“ „Woher wissen Sie denn das?“, möchte meine neue Gynäkologin wissen. „Ich berate ab Februar 2013 zum Thema Natürliche Familienplanung (NFP) und war gerade vor zwei Wochen erst bei der NFP-Ärztefortbildung in Berlin. Dort war auch PERSONA vertreten und haben sich zu ihrer eigenen Sicherheit geäußert“, entgegne ich ihr. Sie schaut nun noch erstaunter als zuvor und fragt: „Ach war das von Frau Dr. Tennhard organisiert?“ Komisch, dass sie die Organisatorin kennt, aber die für Gynäkologen so wichtige NFP-Fortbildung scheinbar verpasst hat. Am Ende unseres Gesprächs kommt sie zu dem Entschluss: „Dann machen Sie ruhig NFP weiter. Sie scheinen sich ja sehr gut informiert zu haben.“ Ich bin sehr glücklich über ihre Offenheit und Toleranz.

Fazit

Habe ich nun meine endgültige Gynäkologin gefunden? Man darf gespannt sein, wie es weiter geht. Nach meinen Erfahrungen müsste ich zur jährlichen gynäkologischen Untersuchung eher zum Zahnarzt als zum Gynäkologen gehen. Eine NFP Ärzte-Fortbildung ist für viele Ärzte übernötig und müsste für Gynäkologen eine Pflichtveranstaltung sein. Denn was nützt so eine NFP Fortbildung, wenn gerade die Ärzte, die am wenigsten über NFP wissen, nicht hingehen?!

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{ 2 comments… add one }
  • W.Marten
    23. Januar 2014, 21:44

    Liebe Anne Zietmann,

    zuerst einmal…ich bin ganz begeistert von eurem Blog, von NFP und der symptothermalen Methode.
    Erst letzte Woche entdeckt, hat es schon bahnbrechende Veränderungen bewirkt…
    Leider, leider muss ich Euch mitteilen, dass sich in Eurer „Frauenarztliste“ ein Frauenarzt befindet, der sich bei mir nicht besonders aufgeschlossen gegenüber NFP gezeigt hat. Wie Du schon berichtet hast, fühlt man sich ziemlich unverstanden.

    Leider habe ich bereits eine nicht so schöne Erfahrung mit einem Frauenarzt hinter mir. Hier ist meine Geschichte:

    Im Mai 2013 erlitt ich leider eine Fehlgeburt in der 11. Woche. Wir hatten uns wenige Tage vor unserer Hochzeit sehr über unsere „Wunschschwangerschaft“ gefreut. Die ersten Wochen verliefen gut und mein Frauenarzt schien zufrieden mit allem. Bis auf meinen etwas niedrigen Progesteronspiegel wäre alles in bester Ordnung, also würde er mir zweimal die Woche eine Spritze geben wollen. Ich willigte ein, weil er ein recht bekannter und beliebter Frauenarzt ist ,den viele kinderlose Paare aufsuchen von überall her. Als nun der erste offizielle Untersuchungstermin in meinem Mutterpass da war und ich mich schon freute, den kleinen Herzschlag wieder zu sehen, begann unser Alptraum. Das kleine Herz hatte schon einige Tage nicht mehr geschlagen. Und mir wurde gesagt, dass ich doch gleich ins Krankenhaus fahren solle, weil man das nicht so bleiben lassen kann. Ich muss dazu sagen, dass ich in der ganzen Zeit keinerlei Blutungen hatte.
    Wir waren völlig unvorbereitet und schwer geschockt.
    Der Arzt hat uns erst Monate später in einem lang angemeldeten Gespächstermin offenbart, dass meine Schwangerschaft von Anfang an unter keinem guten Stern gestanden hätte. Der Abbruch hätte an meinem schlechten Gelbkörperhormon gelegen. Die Erklärung mit dem „Gendefekt“ im Krankenhaus hatte ich leichter verkraftet. Bei einem späteren Termin hatten wir dann plötzlich einen total verständnisloses, unproffesionelles, unfreundliches Frauenarztgespräch und ich bin nie wieder dorthin gegangen.
    Mein Mann und ich hatten und haben immer noch eine schwere Zeit…eine sogenannte Hydrozele wurde bei meinem Mann im November operiert, aber ich denke, dass haben wir wieder hingekriegt.

    Nun habe ich die ganze Zeit auch verzweifelt nach einer Verhütungsmethode für uns gesucht, weil ich die Pille einfach nicht mehr nehmen wollte. Ich habe sie schon viel zu lange genommen, wie ich finde. Also suchte ich im Internet nach Persona und Co., als ich durch Zufall auf Euren Blog gestoßen bin….Natürliche Familienplanung! Bingo! So hab ich mir dann gleich das „Natürlich und sicher“ bestellt und meinem Mann begeistert alles erklärt.(Es gab da sogar einen Computer, der die symthothermale Methode nutzt…cycltest 2 oder so…für läppische 160€!) In Eurer Liste habe ich dann auch unseren neuen Frauenarzt, bei dem ich schon einmal war, gefunden. Ich konnte mein Glück kaum fassen…..bis ich dann, so mutig wie ich auch war, mit dem Buch und meinen ersten Aufzeichnungen zum Termin erschien. Ich hätte ihn vielleicht vorher fragen sollen, was er von Sensiplan hält, dann wäre ich nicht so brutal gegen die Wand gerannt. Ich hatte mich echt gefreut, mich mit einem Mediziner darüber auszutauschen. Er war leider recht intolerant dem Thema gegenüber, tat es ab und ließ mich gar nicht erst erklären. Ich müsse gar nicht so einen Aufwand betreiben, mich damit beschäftigen und auch noch Geld ausgeben. Er würde mir Blut abnehmen in den Zyklusphasen und dann wüssten wir woran wir sind. Mein Mann hat mir später erzählt, dass er wenigstens im Buch geblättert hat und auch eine Dame von Malteser kenne….tja, das war für uns eine Bruchlandung. Nach der Untersuchung, bei der an den Eierstöcken einige Zysten zu sehen waren, denke ich, das eine Überprüfung meines Hormonhaushaltes bestimmt nicht falsch ist, auch um das PCO-Syndrom auszuschließen. Ich denke aber, dass ich auf jeden Fall mit meinen Beobachtungen weitermache. Nach einer solchen Erfahrung, die mein Mann und ich machen mussten, also eine Fehlgeburt zu haben bei der ersten Schwangerschaft, muss man als Paar und besonders als Frau unbedingt wieder neu lernen seinem Körper zu vertrauen, ihn bewusst kennen zu lernen und wieder eine geheilte Beziehung aufzubauen. Denn wenn man so etwas erlebt, entstehen viele Ängste und auch Schuldgefühle…Man fragt sich, ist mein Körper jetzt Schuld daran!? Objektiv gibt es natürlich nur eine Antwort: Es hilft einem nicht sich irgendwelche Vorwürfe zu machen. Der Körper hat eine Schutzfunktion genutzt. Aber die subjektive Sicht, die eine Frau in einer solchen Situation entwickelt, ist oft eine ganz andere. Ich glaube, ein entscheidender Schritt der Heilung ist neu Vertrauen zu schöpfen. Denn ohne Vertrauen gibt es keine echte zweite Chance und kein erfülltes Liebesleben! Deswegen möchte ich NFP weiter empfehlen, wenn ich merke, dass jemand danach sucht, sich und seinen Körper besser zu verstehen und Frieden mit sich oder mit seinen Erfahrungen zu schließen. Das Leben findet immer einen Weg!

    Ich danke Euch für Euren Blog! Macht weiter! Er ist ist WICHTIG!

    P.S: Wenn ihr meint, der Frauenarzt sollte vielleicht von der Liste gestrichen werden, dann teile ich den Namen mit. Ich schaue mal, ob ich ihn nicht vielleicht doch weiter öffnen kann.

    Liebe Grüße,

    W. Marten

    • Anne Zietmann
      27. Januar 2014, 10:54

      Vielen lieben Dank für dein Kommentar, W.Marten.
      Du meinst sicher die Frauenarztliste von myNFP, oder? Ist mir auch schon aufgefallen, dass die dort aufgeführten Ärzte auch nicht so sonderlich PRO NFP sind, sondern es höchstens tolerieren. Das liegt wohl daran, dass es einfach so gut wie keine Gyns gibt, die NFP wirklich weiterempfehlen bzw. überhaupt mal davon gehört haben. Und wenn sie es kennen, dann empfehlen sie es ausschließlich Frauen, die konkret nach hormonfreien Alternativen fragen…alle anderen blieben im Dunkeln 🙁