Periode ohne Eisprung – Geht das?

Periode ohne Eisprung - Geht das

Periode ohne vorherigen Eisprung © Natürliche Fruchtbarkeit

Periode ohne Eisprung – geht das? Wir zeigen dir, wie man eine Menstruation ohne vorherigen Eisprung im Zyklus erkennen und behandeln kann.

Viele Frauen mit einem unerfüllten Kinderwunsch berichten, dass sie einen Zyklus mit einer Periode, aber ohne vorherigen Eisprung haben. Dies ist natürlich problematisch, da es nur zur Verschmelzung von Eizelle und Spermie im Eileiter kommen kann, wenn ein Eisprung stattfindet. Doch wie ist es möglich, dass die Menstruationsblutung einsetzt, obwohl kein Eisprung zuvor stattgefunden hat? Wir zeigen die häufigsten Ursachen auf, wie es zu einer Periode ohne vorherigen Eisprung kommen kann und was Frauen in der Kinderwunschzeit dagegen tun können.

Periode ohne Eisprung – Geht das?

In einem Zyklus mit Eisprung werden in der Eireifungsphase von den Eibläschen Östrogene gebildet, die schon ein wenig die Gebärmutterschleimhaut aufbauen. Nach dem Eisprung wandelt sich das zurückgelassene Eibläschen der gesprungenen Eizelle in den Gelbkörper um, der wiederum Progesteron produziert. Dieses Progesteron baut die Gebärmutterschleimhaut weiter auf und hält sie stabil. Kommt es zu keiner Befruchtung der Eizelle, dann kommt es 10 bis 16 Tage nach dem Eisprung zur Periode. Dies ist so, weil nur bei der erfolgreichen Einnistung hCG produziert wird. Falls dies nicht passiert, weiß der Körper Bescheid und leitet die Blutung ein.

Im Zyklus ohne Eisprung gibt es keinen Gelbkörper

In einem Zyklus ohne Eisprung (anovulatorischer Zyklus) ist bereits die Eireifung gestört, folglich reicht die produzierte Östrogenmenge nicht aus, um eine Eizelle ausreichend reifen zu lassen. Trotzdem wird von den Eibläschen Östrogen produziert, wodurch sich schon ein wenig die Gebärmutterschleimhaut aufbaut. Nun bleibt jedoch die Bildung von Gelbkörper und damit der größte Teil der Produktion von Progesteron aus. Die vom Östrogen aufgebaute Gebärmutterschleimhaut wird dann letztendlich durch den Abfall des Östrogens abgeblutet. Es kommt zur östrogenbedingten Durchbruchblutung (Estrogen Breakthrough Bleeding). Das passiert dann, wenn man sich die Eibläschenhüllen wieder zurückbilden.

Periode ohne Eisprung ist nur Hormonentzugsblutung

Streng genommen ist eine echte Periode ohne einen vorherigen Eisprung nicht möglich, weil eine Periode per Definition aus dem Progesteron vom Gelbkörper kommt, der ja nur nach einem Eisprung entsteht. Jedoch kommt es bei anovulatorischen Zyklen trotzdem zu einer Blutung, die fälschlicherweise von den Frauen als Periode bezeichnet wird. Jedoch resultiert eine Blutung im anovulatorischen Zyklus aus einem anderen hormonellen Grund. Deshalb kann man hier eigentlich nicht von einer richtigen Periode, sondern nur von einer Hormonentzugsblutung sprechen. Einen ähnlichen Vorgang erleben wir während der Pillenpause, wo dem Körper ebenso Hormone entzogen werden und die Gebärmutterschleimhaut nicht mehr gehalten werden kann. In der Fachsprache wird die Blutung in Zyklen ohne Eisprung „anovulatorische Blutung“ genannt. Meist ist die anovulatorische Blutung daher bei vielen Frauen schwächer als die reguläre Menstruationsblutung.

Periode ohne vorherigen Eisprung ist ein normaler Vorgang

Periode ohne vorherigen Eisprung

Periode ohne vorherigen Eisprung – Statistik © Natürliche Fruchtbarkeit

Es ist wichtig zu wissen, dass eine Periode ohne vorherigen Eisprung auch bei gesunden Frauen vorkommen kann. Gerade bei Frauen unter 20 Jahren, bei denen sich der natürliche Zyklus noch entwickelt, erleben sie häufiger Zyklen mit Menstruation und ohne vorherigen Eisprung. Ebenso können auch Frauen, die sich in den Wechseljahren befinden, häufiger Zyklen ohne Eisprung beobachten. Selbst bei gesunden Frauen im optimalen Alter von 20 bis 35 Jahren treten in etwa 2 bis 4 % der Zyklen Perioden ohne vorherigen Eisprung auf.

Chronische Anovulation – Wann ist die Menstruation ohne Eisprung ein Problem wird

Falls man einmal einen Zyklus mit einer Periode ohne vorherigen Eisprung erlebt, ist das kein Drama und das Leben geht weiter. Jedoch gibt es auch Frauen, die unter chronischer Anovulation leiden und sehr häufig Zyklen ohne Eisprung haben. Etwa 73 % dieser Frauen haben PCOS, weil hier die Eireifung durch Zysten im Eierstock verzögert und gestört werden kann. Die Therapie dieser Frauen setzt natürlich bei der PCOS Erkrankung an, deren Symptome man durch die richtige Ernährung, Sport, Gewichtsreduktion, wenn nötig, Nahrungsergänzungsmittel abmildern kann. In der Folge kommt der natürliche Zyklus häufig relativ schnell wieder zurück. Mehr zu diesem Thema erfährst du in unserem Beitrag „Kein Eisprung – was tun?“, wo wir ausführlicher auf die Behandlungsmöglichkeiten und Ursachen eingehen.

Weitere Ursachen für Zyklen ohne Eisprung

Neben der Hauptursache PCOS können noch weitere Ursachen zu einem Zyklus ohne Eisprung führen. Hier wären hormonelle Störungen des Hypothalamus, Schilddrüsenerkrankungen, falsche Ernährung, Stress, Eierstock- und Krebserkrankungen zu nennen. Natürlicherweise kann eine Periode ohne Eisprung in den Wechseljahren auftreten, wo sich der natürliche Zyklus langsam aber sicher verabschiedet. Hormonelle Medikamente wie die Pille und Psychopharmaka können ebenso den Eisprung unterdrücken und zu einer Periode ohne Eisprung führen.

Periode ohne vorherigen Eisprung erkennen

Für Frauen in der Kinderwunschzeit ist es wichtig, genau zu erkennen, ob sie einen Eisprung haben oder nicht. Ovulationstests können dies nicht leisten, da es auch einen LH Anstieg ohne Eisprung geben kann. Somit kann ein LH-Test positiv sein, obwohl gar kein Eisprung stattgefunden hat. Ebenso ist es möglich, dass ein LH-Test fälschlicherweise immer negativ anzeigt, obwohl man einen regulären Eisprung hat. Aus diesem Grund brauchen Frauen eine andere Möglichkeit, ihren Eisprung selbst zu Hause zu bestimmen, die wissenschaftlich geprüft ist.

Eisprung an der Temperaturkurve erkennen

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Bei der NFP Methode wird der Eisprung durch die Beobachtung von Zervixschleim und Basaltemperatur bestimmt. Der Zervixschleim ist ein Marker für das Östrogen und damit für die Eireifung. Hingegen ist die Basaltemperatur ein Marker für das Progesteron, also die Gelbkörperphase. Hat ein Eisprung stattgefunden, muss es einen eindeutigen Temperaturanstieg nach dem Eisprung geben, da der Progesteronspiegel nach dem Eisprung wegen der vermehrten Gelbkörperproduktion steigt. Ebenso muss der Zervixschleim kurz vor dem Eisprung seine beste Qualität haben, da hier der Östrogenspiegel auf dem Maximum ist. Auf diese Weise kann man aus der Temperaturkurve nach gewissen Regeln den Eisprung zu 91 % sicher bis auf vier Tage genau ermitteln.

Biphasische Temperaturkurve mit Eisprung

Biphasische Temperaturkurve

Biphasische Temperaturkurve mit Periode und Eisprung © Natürliche Fruchtbarkeit

Profis erkennen meist schon am Verlauf der Temperaturkurve, ob es einen Eisprung gab oder nicht. Schließlich gibt es bei einer Temperaturkurve mit Eisprung etwa 10 bis 16 Tage vor der Periode einen Temperaturanstieg. Die Basaltemperatur bleibt in der Regel nach dem Anstieg bis zum Einsetzen der Periode erhöht. Auf diese Weise ergibt sich eine Tieflage, in der Zeit vor dem Eisprung und Temperaturanstieg. Darüber hinaus kann man nach dem Temperaturanstieg eine erhöhte Temperaturhochlage beobachten. Die Basaltemperaturkurve hat somit einen biphasischen Verlauf aus Tief- und Hochlage, den man meist auf den ersten Blick erkennen kann.

Monophasische Temperaturkurve ohne Eisprung

Biphasische Kurve

Monophasische Temperaturkurve ohne Eisprung © Natürliche Fruchtbarkeit

Bei einer Temperaturkurve ohne Eisprung findet man keinen Temperaturanstieg. Folglich verläuft in diesem Fall die Basaltemperatur mehr oder weniger wie eine gerade Linie mit kleinen Fluktuationen. Es gibt bei Zyklen ohne Eisprung also nur eine Phase, weshalb man in der Fachsprache auch von monophasischen Zyklen spricht.

Wie kann ich die NFP Methode erlernen?

Falls du auch deinen Eisprung mit der NFP Methode bestimmen möchtest, empfehlen wir dir unser Buch „WANN BIN ICH FRUCHTBAR?“.  Dort findest du eine Schritt-für-Schritt-Anleitung in die NFP Methode inkl. Übungszyklen und Lösungen. Darüber hinaus kannst du dir Bonus-Videos zur Zervixschleimbeobachtung im Downloadbereich vom E-Book herunterladen, um diese Beobachtung der Eisprung-Anzeichen besser zu verstehen. Zuletzt haben wir noch 15 Erfahrungsberichte von Frauen im E-Book gesammelt, die mit NFP trotz Gelbkörperschwäche, PCOS, Endometriose, Zykluschaos nach Pille und anderen Herausforderungen schwanger geworden sind.

Wie bestimmen GynäkologInnen den Eisprung?

In einer gynäkologischen Praxis wird ein Zyklusmonitoring zur Bestimmung des Eisprungs durchgeführt. Bei einem Zyklusmonitoring werden meist zwei bis drei Hormonbluttests in den verschiedenen Zyklusphasen sowie Ultraschalluntersuchungen vor, während und nach dem Eisprung durchgeführt. Aus den Ergebnissen der Hormon-Bluttests und den Ultraschalluntersuchungen kann bei korrekter Durchführung der Eisprung zu 97 bis 99 % genau bestimmt werden.

Ultraschalluntersuchungen häufig zur falschen Zeit durchgeführt

In der Praxis werden Ultraschall- und Hormonuntersuchungen nicht immer zur richtigen Zeit durchgeführt. In der Folge kann es zu Fehldiagnosen kommen, über die wir schon in unserem Beitrag: „Eisprung trotz negativem Bluttest“ berichtet haben. Trotzdem ist das Zyklusmonitoring eine sehr sinnvolle Untersuchung, die eine Frau mit einem unerfüllten Kinderwunsch durchführen kann.

Doch egal auf welchem Weg du deinen Eisprung bestimmen solltest. Wir wünschen dir alles erdenklich Gute auf deinem Weg zum Wunschkind.

Quellen

[1] Elisabeth Raith-Paula , Petra Frank-Herrmann , Günter Freundl , Thomas Strowitzki, Natürliche Familienplanung heute, Modernes Zykluswissen für Beratung und Anwendung, Springer Verlag 2013
[2] Christian Gnoth, Andreas Noll, Kinderwunsch: Natürliche Wege zum Wunschkind, Gräfe Und Unzer, 2009
[3] Toni Weschler, Familienplanung: Das Standardwerk zur natürlichen Empfängnisverhütung, Kontrolle der Fruchtbarkeit sowie Erfüllung des Kinderwunsches, mvg Verlag (5. Dezember 2016)
[4] Lidia Lasch, Sabine Fillenberg, Basiswissen Gynäkologie und Geburtshilfe: Mit 153 Abbildungen (Springer-Lehrbuch), Springer; 1. Aufl. 2017 Edition (30. Dezember 2016)
[5] Franz Kainer, Annette Nolden, Das große Buch zur Schwangerschaft: Umfassender Rat für jede Woche (GU Schwangerschaft), GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH; 7. Edition (6. August 2018)

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