Kein Eisprung trotz Zervixschleim und Mittelschmerz – Geht das?

Kein Eisprung trotz Zervixschleim und Mittelschmerz

Kein Eisprung trotz Zervixschleim und Mittelschmerz © Natürliche Fruchtbarkeit

Kein Eisprung trotz Zervixschleim und Mittelschmerz – geht das? Wir zeigen dir, wie du deinen Eisprung feststellen kannst, um schwanger zu werden.

In Kinderwunsch-Foren versuchen viele Frauen nur mit dem Zervixschleim und Mittelschmerzen ihren Eisprung zu bestimmen. Einige Frauen stellen hierbei fest, dass obwohl sie Zervixschleim sehen und Mittelschmerz beobachten, ihre Ovulationstests immer negativ sind. Somit fragen sich diese Frauen zurecht, ob sie nun einen Eisprung haben und ob man diesen nur mit dem Zervixschleim und Mittelschmerz bestimmen kann. 

Kann man mit dem Mittelschmerz den Eisprung bestimmen?

Mittelschmerzen sind üblicherweise Schmerzen im Beckenbodenbereich, die in zeitlicher Nähe des Eisprungs stattfinden. Die genauen Ursachen für den Mittelschmerz sind heute noch nicht vollständig geklärt. Einige Forscher vermuten ein Platzen des Follikels während der Eireifung, wobei die austretende Flüssigkeit das Bauchfell reizt und zu Schmerzen führt.

Mittelschmerz tritt nicht bei jeder Frau auf

Studien zeigen, dass nur 30 bis 40 % der Frauen überhaupt jemals den Mittelschmerz spüren. Selbst unter Frauen, die die NFP Methode zur Eingrenzung des Eisprungs verwenden, geben nur 60 % der Frauen an, den Mittelschmerz zu spüren. Hieraus geht schon hervor, dass der Mittelschmerz für sehr viele Frauen nicht zur Eingrenzung des Eisprungs in Betracht kommt, weil sie ihn schlicht und einfach nicht beobachten können.

Mittelschmerzen treten nicht nur zum Eisprung auf

Mittelschmerz - Eisprung - Relation

Mittelschmerz in Relation zum Eisprung © E. Raith-Paula – Natürliche Familienplanung heute – Springer Verlag 2020

In Studien hat man den Eisprung bei 26 Frauen in einer gynäkologischen Praxis mit dem Ultraschall im Rahmen eines Zyklusmonitoring bestimmt. Ebenso hat man geschaut, wann die Mittelschmerzen in Relation zum Eisprung auftreten. Hierbei kam heraus, dass die Mittelschmerzen bis zu 9 Tage vor und 4 Tage nach dem Eisprung auftreten. Somit kann man klar sagen, dass der Mittelschmerz kein eindeutiges Eisprung-Anzeichen ist. Er gilt daher in der Fachliteratur als sekundäre Eisprung-Anzeichen, dass allein nicht nur die Bestimmung des Eisprungs ausreichend ist.

Ist der Zervixschleim ein eindeutiges Eisprung-Anzeichen

Der Zervixschleim ist ein Sekret, das in speziellen Drüsen im Gebärmutterhals (Krypten) gebildet wird. Im Gegensatz zu anderen Körpersekreten ist der Zervixschleim mit der Eireifung direkt verknüpft. Hierbei produzieren die Eibläschen während der Eireifung Östrogene, die in das Blut kommen und die Krypten dazu anregen, den Wassergehalt und die Menge des Zervixschleims zu verändern. Je höher der Östrogenspiegel im Körper der Frau ist, desto wässriger und spinnbarer ist der Zervixschleim. Kurz vor dem Eisprung erreicht der Östrogenspiegel seinen Höhepunkt, da die Zahl der Eibläschen maximal ist. Nach dem Eisprung wandeln sich die Eibläschen in den Gelbkörper um, der nun Progesteron produziert. Folglich fällt der Östrogenspiegel nach dem Eisprung klar ab. 

Zervixschleimhöhepunkt kann den Eisprung anzeigen

Wenn man jeden Tag einen Hormontest machen würde und diesen mit der Zervixschleim-Qualität abstimmen würde, dann merkt man schnell, dass Östrogen-Peak und Zervixschleimhöhepunkt zusammenfallen.  Aus diesem Grund gibt es auch die Billings Methode, mit der man den Eisprung nur mit dem Zervixschleim bestimmen kann.

Ovulation feststellen - Zervixschleim

Ovulation feststellen anhand des Zervixschleim-Peaks © Natürliche Fruchtbarkeit

Mehrere Zervixschleimhöhepunkte im Zyklus

Es gibt jedoch ein Problem. Im Zyklusverlauf kann es mehrere Östrogen-Peaks und somit Zervixschleimhöhepunkte geben. Beispielsweise habe ich nach dem Absetzen der Pille bis zu vier Zervixschleimhöhepunkte im Zyklus gehabt. Bedeutet dies nun, dass ich vier Eisprünge im Zyklus habe? Nein, natürlich nicht. Studien zeigen ganz klar, dass die Eireifung kaskadenförmig und nicht linear verläuft. Im Klartext bedeutet dies, dass es mehrere Östrogen- und Zervixschleim-Peaks im Zyklus geben kann. Jedoch findet nur ein Eisprung im Zyklus statt und diesem kann auch ein Zervixschleimhöhepunkt zugeordnet werden. Jedoch geht dies nicht ohne Hilfe und nur mit dem Zervixschleim allein. In vielen Zyklen würde dies zwar funktionieren, wie die Billingsmethode zeigt. Jedoch funktioniert die Billingsmethode nicht in jedem Zyklus und die Zervixschleimmethode hat nicht umsonst einen relativ schlechten Pearl-Index von 15.

Zervixschleim und Basaltemperatur sind ein unschlagbares Team

Wann Eisprung Banner

Ähnlich wie Joko und Klaas oder Terence Hill und Bud Spencer sind der Zervixschleim und die Basaltemperatur ein unschlagbares Team. Während der Zervixschleim ein Marker für das Östrogen ist, ist die Basaltemperatur ein Indikator für das Progesteron. Das Progesteron bildet sich genau dann vermehrt, wenn der Eisprung vorbei ist und sich die Eibläschen in den Gelbkörper umwandeln. Der erhöhte Progesteronspiegel kurz nach dem Eisprung führt zu einem Temperaturanstieg. Findet man den Zervixschleimhöhepunkt, der sich in zeitlicher Nähe vom Temperaturanstieg befindet, dann kann man den Eisprung mit der NFP Methode zu 91 % sicher bis auf vier Tage genau feststellen. Dies ergaben Studien, wo Frauen ihren Eisprung sowohl mit der NFP Methode als auch per Ultraschall bestimmt haben.

Meine Empfehlung für alle Frauen mit Kinderwunsch

Beobachte den Schleim und die Basaltemperatur im Zyklus und trage sie in eine App ein. Anschließend kannst du aus der Temperaturkurve und dem Schleimverlauf den Eisprung sicher eingrenzen. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung in die NFP Methode mit Übungszyklen + Lösungen bekommst du in meinem Buch „WANN BIN ICH FRUCHTBAR?“, wo ich dir genau erkläre, wie du den Eisprung sicher bestimmen kannst.

Warum ist ein Ovulationstest nicht immer zuverlässig?

Ein Ovulationstest misst den LH-Spiegel im Urin, welcher im Normalfall 24 bis 48 Stunden vor dem Eisprung seinen Höhepunkt zeigt. Somit zeigt ein LH-Test meist zuverlässig kurz vor dem Eisprung positiv an, wenn ein Eisprung stattgefunden hat.

#1 Kein Eisprung trotz LH Anstieg

In Studien haben Frauen den Eisprung sowohl per Ultraschall in einer gynäkologischen Praxis als auch per LH-Test bestimmt. Im Ergebnis kam bei einigen Frauen heraus, dass sie einen positiven LH-Test hatten, obwohl kein Eisprung stattgefunden hat. Man spricht in der Fachliteratur von einem „unruptierten Follikel-Syndrom“, das wahrscheinlich in etwa 10 % der Zyklen auftreten kann.

#2 PCOS und lange Zyklen

Etwa 10 % der Frauen in Deutschland leiden an PCOS. In der Folge haben die Frauen Zysten im Eierstock, die die Eireifung blockieren. Dieser Umstand kann dazu führen, dass die Zyklen deutlich länger als 40 Tage lang sind, selbst 100-Tage-lange Zyklen sind keine Seltenheit. Ebenso wird verhältnismäßig viel FSH produziert, aber der LH-Spiegel deutlich abgesenkt. In der Folge kann man Ovulationstests immer schlechter anwenden. Erstens kostet die Eisprungbestimmung dann deutlich mehr, weil man mehr als 40 Ovulationstests für die Eisprungbestimmung pro Zyklus braucht. Ebenso sind die Hormonlagen für den LH-Anstieg so ungünstig, dass die meisten Ovulationstests nicht mehr funktionieren. Mehr zu diesem Thema findest du in unserem Artikel „Ovulationstest trotz PCO – Geht das?“.

Neue Ovulationstest sollen das Problem lösen

Clearblue und andere Firmen wissen ganz genau, dass ein LH-Anstieg ohne Eisprung geschehen kann. Sie entwickelten erst kürzlich mit dem *Clearblue fortschrittlich & digital einen LH-Test, der in 80 % der Zyklen den Eisprung sicher anzeigen kann. Dieser Ovulationstest misst nicht nur das luteinisierende Hormon (LH), sondern auch das Östrogen (E3G). Diese Kombination ist in etwa so gut, als wenn man einen LH-Test mit dem Zervixschleim-Peak kombiniert, da dieser ja mit dem Östrogen-Peak kombiniert ist.

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NFP Methode kann in 94,5 % den Eisprung sicher feststellen

Jedoch muss man es mal deutlich vergleichen. Der beste Ovulationstest der Welt misst das Östrogen und LH und kann nur in etwa 80 % der Zyklen laut Verpackungsbeilage den Eisprung sicher bestimmen. Bei der NFP Methode hat man eine Studie mit fast 10.000 Zyklen von verschiedenen Frauen im Alter von 18 bis 40 Jahren durchgeführt. Im Ergebnis konnte man mit der NFP Methode in 94,5 % der Zyklen den Eisprung sicher eingrenzen.

Kein Eisprung trotz Zervixschleim und Mittelschmerz – Geht das?

Es ist möglich, dass kein Eisprung trotz Zervixschleim und Mittelschmerz stattfindet, da man mit Schleim und Mittelschmerz den Eisprung nicht eindeutig feststellen kann. Der Mittelschmerz tritt bei einer großen Zahl der Frauen im Zyklus gar nicht auf. Doch selbst wenn er auftritt, kann er bis zu 9 Tage vom Eisprung entfernt beobachtet werden. Der Zervixschleim ist auch nicht das perfekte Mittel, weil es mehrere Östrogen-Peaks und damit auch Zervixschleim-Höhepunkte im Zyklus geben kann. Erst in Kombination mit der Temperatur kann man mit dem Zervixschleim den Eisprung sicher feststellen. Aus diesem Grund empfehle ich jeder Frau, neben dem Schleim- auch die Basaltemperatur im Zyklusverlauf zu dokumentieren.

Ovulationstests sind nicht immer eine Alternative

Natürlich gibt es einige Frauen, die einen Ovulationstest nutzen, um ihren Eisprung zu bestimmen. Jedoch sind sie gerade für Frauen mit langen oder unregelmäßigen Zyklen nicht immer die beste Wahl. Die LH-Konzentration kann über dies durch Stress, Medikamente, Übergewicht und Zykluserkrankungen wie PCOS derart verändert sein, dass nicht immer ein eindeutiger LH-Peak ausgemacht werden kann. NFP ist hier die deutlich preiswertere und effektivere Alternative.

Doch egal, wie du deinen Eisprung im Zyklus bestimmst, ich wünsche dir von Herzen alles Gute auf deinem Weg zum Wunschkind. 

Quellen

[1] Killick S, Elstein M. Pharmacologic production of luteinized unruptured follicles by prostaglandin synthetase inhibitors. Fertil Steril. 1987 May;47(5):773-7. doi: 10.1016/s0015-0282(16)59163-8. PMID: 3552753.

[2] Elisabeth Raith-Paula , Petra Frank-Herrmann , Günter Freundl , Thomas Strowitzki, Natürliche Familienplanung heute, Modernes Zykluswissen für Beratung und Anwendung, Springer Verlag 2013

[3] Christian Gnoth, Andreas Noll, Kinderwunsch: Natürliche Wege zum Wunschkind, Gräfe Und Unzer, 2009

[4] Toni Weschler, Familienplanung: Das Standardwerk zur natürlichen Empfängnisverhütung, Kontrolle der Fruchtbarkeit sowie Erfüllung des Kinderwunsches, mvg Verlag (5. Dezember 2016)

[5] Lidia Lasch, Sabine Fillenberg, Basiswissen Gynäkologie und Geburtshilfe: Mit 153 Abbildungen (Springer-Lehrbuch), Springer; 1. Aufl. 2017 Edition (30. Dezember 2016)

 

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